Cupra Tavascan: Elektro-SUV aus dem Trainingscamp

Video: Der Cupra Tavascan im Fahrbericht mit Motorjournalist Lars Hönkhaus ∙ Bild: © news to do GmbH + ADAC/David Klein, Video: © ADAC e.V.

Frisch angekommen aus dem Trainingscamp: Der Cupra Tavascan soll das sportlichste Elektro-SUV auf der MEB-Plattform des Volkswagen-Konzerns sein. Das sieht man ihm an. Hier lesen Sie, ob sich der Technikbruder des VW ID.5 auch so fährt.

  • Top-Version des Tavascan leistet 340 PS

  • Reichweiten von über 500 Kilometern

  • Bestellstart ab Sommer 2024, Auslieferung im Herbst

Ein Auto zu bauen funktioniert – sehr vereinfacht gesagt – wie Brötchen backen. Aufgabe ist es vor allem, die richtige Mischung beim Teig (Brötchen) bzw. bei den technischen Teilen (Auto) zu finden, damit es ein stimmiges Endprodukt ergibt. Und dafür einen möglichst effektiven Herstellungsprozess zu organisieren.

Der neue Cupra Tavascan ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Autos für den Massenmarkt kreiert werden. Das zweite vollelektrische Fahrzeug der Marke Cupra nutzt die Plattform, auf der auch VW ID.4, ID.5, Audi Q4 e-tron und Škoda Enyaq aufbauen. Damit war das Grundrezept für den Tavascan schon mal geschrieben, die Zutaten fix. Zur Serienfertigung kam es nun darauf an, dem Tavascan einen neuen, eigenen Charakter mitzugeben. Bei Cupra heißt das: ein expressives Design und eine Extraportion Sportlichkeit.

Tavascan: Design als große Show

Scheinwerfer des Cupra Tavascan
Die große Show gibt der Tavascan auch nachts© Cupra

Während die Einzelmarken im Konzern auf den gleichen Technikbaukasten zurückgreifen müssen, genießen sie beim Design alle Freiheiten. Diesen Spielraum hat das spanische Team um Design-Chef Jorge Diez mit Leidenschaft genutzt, das ist offensichtlich.

Und so vermittelt der Cupra Tavascan den Eindruck von Kraft und Dynamik, als käme er gerade vom Hanteltraining: Muskulös und durchtrainiert steht er da, nach vorn geduckt wie zum Sprung bereit. Matrix-LED-Scheinwerfer, die von dreieckigen Tagfahrleuchten ergänzt werden, und beleuchtete Cupra-Logos vorn wie am Heck sind expressive Zutaten. Typisch Cupra eben, wie auch beim Elektroerstling Cupra Born.

Cockpit des Cupra Tavascan
Sehr expressiv: 15-Zoll-Bildschirm und ein metallisch schimmernder Interieurbogen, der sich bis in die Türen hineinstreckt© Cupra

Im Innenraum hört die Show keineswegs auf. Unter dem 15-Zoll-Bildschirm auf der Mitte des Armaturenbretts erstreckt sich eine metallisch schillernde Spange über die gesamte Breite des Fahrzeugs bis in die Türen hinein – und scheint damit die Gesamtkonstruktion zusammenzuhalten. Den Mut zu solch einem Design-Monument muss man erst mal haben. Vor allem auch, weil die strukturgebende Spange nicht aus edlem Metall, sondern aus schnödem Hartplastik besteht. Das kann einem Markenimage auch auf die Füße fallen.

Ob das Design einem nun gut gefällt oder man es für übertrieben hält: Der Tavascan wirkt innen wie außen unverwechselbar und dynamisch.

Tavascan VZ mit Allrad und 340 PS

Heck und Seitenansicht eines fahrenden Cupra Tavascan
Kein Langweiler: Den Tavascan gibt es mit 286 oder sogar 340 PS© Cupra

Ob der Tavascan nicht nur sportlicher aussieht als seine Pendants von Audi, Škoda und VW, sondern sich auch so fährt, steht auf einem anderen Blatt. Denn bei Motor, Akku, Bremsen, Lenkung oder Fahrwerk greifen die Marken wie gesagt alle auf dieselben Komponenten zurück. Top-Versionen mit nominell 340 PS Leistung haben die anderen Konzernmarken genauso zu bieten.

Das gibt auch Werner Tietz, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Cupra, zu. Aber er betont, dass man an verschiedensten Stellschrauben gedreht habe, um sich von den Schwestermodellen abzugrenzen. "Wir haben den Tavascan überall, wo es ging, weniger auf Komfort, dafür mehr auf Sportlichkeit ausgelegt. Das gilt nicht nur für das Fahrwerk, sondern auch für die Lenkung, die Bremsen und das Fahrpedal, das anders anspricht."

In der Tat fühlt sich der Tavascan erstaunlich agil und spontan an. Davon konnte sich der ADAC bei ersten Testfahrten überzeugen. Insbesondere das 340 PS starke Allradmodell (VZ) machte auf den kurvigen Bergstraßen rund um Barcelona einen sportiven Eindruck. Zwar bleibt auch im Tavascan die schiere Masse von rund 2,3 Tonnen Lebendgewicht nicht verborgen, aber sein Fahrverhalten ist aller Ehren wert.

Dass die Fahrleistungen des Tavascan sowieso mehr als genug für den öffentlichen Straßenverkehr hergeben, ist ohnehin unstrittig. Umso mehr erstaunt, dass das Fahrwerk gute Nehmerqualitäten erkennen lässt. So bügelt die Federung die meisten Straßenunebenheiten geschmeidig weg.

Fraglich bleibt ein wenig, wie groß der Abstand an Sportlichkeit zu einem Škoda Enyaq, Audi Q4 oder VW ID.5 wirklich ist. Dafür bräuchte es einen direkten Fahrvergleich.

Die Tavascan-Basisversion namens Endurance hat übrigens nur einen E-Motor, also keinen Allradantrieb, sondern Heckantrieb und deutlich weniger Leistung, nämlich 210 kW (286 PS). Für exaktes Fahrverhalten sorgen aber auch hier ein Sportfahrwerk (Serie), eine Progressivlenkung (Serie) sowie Hochleistungsreifen auf 21-Zoll-Alurädern (Extra).

77-kWh-Akku: Über 500 km Reichweite

Der Akku des Tavascan wartet in beiden Versionen mit einer Nettokapazität von 77 kWh auf. Damit soll die Endurance-Variante bis zu 549 Kilometer, das stärkere Topmodell VZ 517 Kilometer weit kommen (nach WLTP-Zyklus). Das entspricht einem Verbrauch von 15,6 bzw. 16,6 kWh pro 100 Kilometer Fahrstrecke (inklusive Ladeverluste). Der Bordcomputer im VZ-Allradler zeigte am Ende der Testfahrt um die 20 kWh pro 100 Kilometer an (ohne Ladeverluste). Das wären dann rund 400 Kilometer Reichweite.

Etwas enttäuschend ist, dass der Akku an einer Wallbox oder AC-Säule nur mit 11 kW aufgeladen werden kann. Schnellladen mit Gleichstrom soll laut Hersteller mit bis zu passablen 135 kW möglich sein. Für die Markteinführung im Herbst 2024 war aber auch von bis zu 185 kW die Rede. Für den Škoda Enyaq stehen seit dem jüngsten Facelift ja auch 178 kW im Prospekt. Wir werden sehen.

Viel Platz, feine Assistenzysysteme

Einen guten Job machen zweifellos die Sportschalensitze sowie die Schaltwippen am Lenkrad, mit denen die Rekuperationsstärke je nach Fahrsituation geändert werden kann. Auch am Platzangebot für Erwachsene im Fond und für das Gepäck im Kofferraum (545 Liter) gibt es nichts zu mäkeln.

Das Head-up-Display mit den relevantesten Fahrerinformationen ist leider nicht serienmäßig an Bord. Prima gefallen hat dem Tester das Sennheiser-Audiosystem (ebenfalls Extrapaket) mit seinem vollen Raumklang. Dass die von VW ID.3 & Co. bekannten Schieberegler für Lautstärke und Innenraumtemperatur nun endlich beleuchtet sind, mag man fast nicht erwähnen, weil die Maßnahme lediglich eine der größten Fehlentscheidungen in der Geschichte der Digitalbedienung ausbügelt.

Ein ganz besonderes Lob gebührt den Entwicklern für die Feinabstimmung der Assistenzsysteme, die für Neuwagen gesetzlich vorgeschrieben und daher unvermeidlich sind. So bleibt der obligatorische Tempowarner mit zweimaligem zarten Hinweis-"Bling" ganz dezent im Hintergrund, und der Spurhalteassistent ist so kooperativ mit dem Fahrer, dass er den gewünschten Lenkwinkel auch fast immer unbehelligt einschlagen kann. Genau so soll es sein.

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Preise und Ausstattung

Hinsichtlich Preisen und Ausstattung gewinnt der Cupra dagegen keinen Lorbeerkranz. Interessierte Käuferinnen und Käufer werden beim Tavascan nämlich ganz schön zur Kasse gebeten. Unter 56.210 Euro geht gar nichts (Basisversion), die Schwestermodelle von Škoda und VW sind günstiger zu haben.

Und dass man ein Winterpaket ordern muss, um eine Wärmepumpe zu erhalten, oder das "Immersive"-Ausstattungspaket, damit man beheizbare Vordersitze bekommt, wirkt eher dreist. Zumal der Tavascan zu mutmaßlich sehr niedrigen Produktionskosten in China gebaut wird. Keine Frage, die Extraportion Sportlichkeit lässt sich Cupra richtig teuer bezahlen.

Cupra Tavascan: Technische Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

CUPRA Tavascan Endurance (ab 06/24)

CUPRA Tavascan VZ (ab 06/24)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

210
250

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

286
340

Drehmoment (Systemleistung)

545 Nm
545 Nm

Antriebsart

Hinterrad
Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

6,8 s
5,5 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h
180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

568 km
521 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

15,2 kWh/100 km
16,5 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

82,0
82,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

77,0
77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:135,0
AC:11,0 DC:135,0

Kofferraumvolumen normal

540 l
540 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

n.b.
n.b.

Leergewicht (EU)

2.178 kg
2.273 kg

Zuladung

522 kg
507 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.200 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)
5 Jahre bis max. 150.000 km (ersten zwei Jahre ohne km-Begrenzung)

Länge x Breite x Höhe

4.644 mm x 1.861 mm x 1.597 mm
4.644 mm x 1.861 mm x 1.597 mm

Grundpreis

56.210 Euro
60.780 Euro

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