Ford Kuga im Test: Ein SUV mit drei Zylindern - kann das funktionieren?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Ford

Der aktuelle Ford Kuga punktet mit schickem Design, tollem Fahrwerk und mehreren Hybrid-Versionen. Ein paar Schwächen hat der Kompakt-SUV aber trotzdem. ADAC Test, Daten, Motorisierungen

  • Kuga auch als Mild-, Voll- und Plug-in-Hybrid

  • Innen mehr Platz, aber viel Hartplastik

  • Sieben Ausstattungslinien ab 26.950 €

  • Getestet: Kuga 1.5 EcoBoost mit 150 PS

Der Kuga von Ford ist ein europäischer Verkaufsschlager. Sein Marktdebüt feierte der SUV 2008 – und seitdem hat Ford in Europa bereits mehr als eine Million Stück abgesetzt. Inzwischen zählt der Kuga zusammen mit dem Ford Fiesta und dem Ford Focus zu den drei bestverkauften Baureihen der Marke auf dem hiesigen Kontinent.

Mehr Platz dank neuer Plattform

Ford Kuga Hybrid von hinten, fahrend auf einer Strasse
Mehr Platz dank größerer Breite und Länge: Heckansicht des Ford Kuga ∙ © Ford

Der Ford Kuga wurde im Vergleich zum Vorgänger um bis zu 90 Kilogramm leichter. Das aktuelle Modell ist um 44 Millimeter auf knapp zwei Meter Breite und um 89 Millimeter auf gut 4,61 Meter Länge gewachsen. Der Radstand wuchs um 20 Millimeter – und das wirkt sich auch auf das Interieur positiv aus. Die hinten Sitzenden profitieren von 20 Millimetern mehr Schulterfreiheit und 36 Millimetern Zuwachs im Beckenbereich. Und obwohl die Gesamthöhe des neuen Kuga 20 Millimeter flacher ausfällt, freuen sich Fahrer und Beifahrer über 13, die Passagiere hinten sogar über 35 Millimeter mehr Kopffreiheit.

Für ein Fahrzeug der Kompaktklasse bietet der Kuga vorn reichlich Platz – wenn auch etwas weniger Beinfreiheit und bemerkenswerterweise nicht mehr Kopffreiheit als der Focus. Selbst gut 1,90 Meter große Menschen können sich die Sitze weit genug zurückschieben.

Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Menschen eingestellt, haben auf den Rücksitzen auch über zwei Meter große Mitfahrer genügend Beinfreiheit, über dem Scheitel wird es ab 1,95 Meter eng. Praktisch: Die hintere Sitzreihe kann vor- oder zurückgeschoben werden. So ergibt sich wahlweise eine üppige Beinfreiheit von über einem Meter oder zusätzliches Kofferraum-Volumen. Das liegt nach der ADAC Messmethode zwischen 445 und 1435 Liter. Die Ladekante ist erfreulich niedrig, doch hinter den Sitzen offenbart der Ford Kuga eine erste Schwäche: Die Kofferraumauskleidung wirkt ziemlich billig.

Vom längeren Radstand profitiert auch das Design des Kompakt-SUV. Mit seiner tiefer positionierten Motorhaube, der flacher geneigten Windschutzscheibe und der niedrigeren Dachlinie wirkt er dynamischer als früher und trotzdem recht leichtfüßig. 

Drei verschiedene Hybrid-Antriebe

Der Ford Kuga Hybrid, Nahaufnahme vom Elektrostecker
Der Strom des Plug-in-Hybrid reicht für 56 Kilometer ∙ © Ford

Ford Europa hat angekündigt, dass – beginnend mit dem Focus – jede Pkw- und Nutzfahrzeug-Modellreihe künftig um mindestens eine elektrifizierte Variante erweitert wird. Und der Kuga ist der erste Ford, der mit drei verschiedenen Hybrid-Optionen lieferbar ist: als Plug-in-Hybrid-Version, als Mild-Hybrid und als Voll-Hybrid.

Den Anfang machte bereits zur Markteinführung der Kuga mit Plug-in-Hybrid-Technologie. Sein System umfasst einen 2,5 Liter großen Vierzylinder-Benziner sowie einen elektrischen Generatormotor und eine Lithium-Ionen-Batterie mit 14,4 kWh. Die gemeinsame Systemleistung von 166 kW/225 PS wird die über ein stufenloses CVT-Automatikgetriebe auf die Straße gebracht.

  • Rein elektrisch kann der Kuga Plug-in-Hybrid bis zu 56 Kilometer (WLTP) zurücklegen. Ford rechnet mit einem Kraftstoffverbrauch von 1,4 Liter/100 km und CO₂-Emissionen von 32 g/km (WLTP).

  • Die Mild-Hybrid-Version des Kuga nutzt mit einem 48-Volt-System das Zusammenspiel des 110 kW/150 PS starken EcoBlue-Hybrid-Turbodiesels mit einem integrierten Starter-Generator, der 11,5 kW/16 PS leistet.

  • Der Ford Kuga Voll-Hybrid mit Allradantrieb rundet das Angebot an elektrifizierten Antrieben für diese Baureihe ab. Er setzt auf einen selbstladenden Voll-Hybrid-Antrieb mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,6 l/100 km.

Außer den drei Hybrid-Versionen wird der Kuga auch mit drei EcoBlue-Turbodieselmotoren und mit zwei EcoBoost-Benzinern angeboten. Außer dem sportlichen 6-Gang-Schaltgetriebe steht auch eine 8-Gang-Automatik zur Wahl, die das Fahren nochmals entspannter gestaltet.

Aktuelle SUV im ADAC Check

Im ADAC Test: Der Kuga mit 150-PS-Dreizylinder

Ford Kuga Hybrid fährt dynamisch auf einer Strasse
Unter der Motorhaube werkeln nur noch Euro 6d-TEMP-Motoren ∙ © Ford

Der vom ADAC getestete 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS ist nicht nur für einen Dreizylinder äußerst laufruhig, zudem bei Bedarf auch spurtstark. Nur bei ganz niedrigen Drehzahlen muss der Turbomotor erst Luft holen. War der Motor aber schon im Focus nicht der sparsamste, so schlägt er im SUV-Gewand über die Stränge: 7,7 Liter Ecotest-Verbrauch sind heutzutage für einen Benziner dieser Leistungsklasse zu viel. Die Konkurrenz verbraucht hier gern mal einen Liter weniger.

Positiv: Den Zwischensprint von 60 auf 100 km/h erledigt der Kölner in flotten 5,5 Sekunden, die Elastizitätsprüfungen (von 60 auf 100 km/h in den Gängen vier bis sechs) absolviert er dank des früh anliegenden Drehmoments (240 Nm bereits ab 1600 Touren) sowie wegen der passenden Getriebeübersetzung ebenfalls zügig.

Drei von fünf Sternen im ADAC Ecotest

Ford Kuga Hybrid fährt dynamisch auf einer Strasse
Nur drei Sterne im ADAC Ecotest für den Kuga 1.5 Benziner ∙ © Ford

Ford gibt für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h 9,7 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 195 km/h. Das manuelle Sechsgang-Getriebe kann auf ganzer Linie überzeugen. Alle Gänge flutschen leicht und präzise in die gewünschte Gasse, unterstützt von der fein dosierbaren Kupplung. So macht Schalten Spaß! Im Schadstoff-Kapitel gibt es ein paar Punkte Abzug für leicht erhöhte Kohlenmonoxid-Werte bei hoher Last. Und ausgerechnet die Partikelanzahl führt zu einem weiteren Punktabzug, obwohl der Kuga serienmäßig einen Ottopartikelfilter an Bord hat. Ecotest-Wertung: drei von fünf möglichen Sternen.

Auf kurvigen Landstraßen überzeugt der Kuga, der dank seiner neuen Plattform bis zu 90 Kilogramm abgespeckt hat, mit guter Präzision; lediglich die Lenkung dürfte gerade in der Mittenlage etwas feinfühliger sein. Auch bei der Fahrstabilität kann er nicht vollends überzeugen. Auf Spurrinnen, Fahrbahnverwerfungen und auf Lastwechsel reagiert der Ford-SUV deutlich.

Enttäuschend beim ADAC Ausweichtest

Beim ADAC Ausweichtest, der ein Ausweichmanöver in Notsituationen simuliert, wird der Testwagen seiner sportlichen Aufmachung im Zeichen der ST-Line nicht gerecht – er untersteuert gnadenlos. Zwar greift das ESP ein, verstärkt so die Untersteuer-Neigung aber noch. So besteht der Kuga den Ausweichtest nicht, er würde bei einem Ausweichvorgang auf der linken Fahrbahn in den Gegenverkehr rutschen.

Aber die großen, bequemen Sitze empfehlen sich sowieso eher für eine ruhige Gangart – Seitenhalt bieten sie kaum. Punkte sammeln kann der Kuga in Sachen Laufkultur, Fords 1,5-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung zählt zweifellos zu den besten seiner Art. Selbst wenn Zylinder drei stillgelegt wird, verkneift sich das Aggregat das typische Zweizylinder-Schnattern, zeigt gute Manieren und stört nicht die Klänge des Bang-und-Olufsen-Soundsystems, das es aber nur in den höheren Ausstattungslinien gibt.

Volle Konnektivität im Ford Kuga

Ford Kuga Hybrid Cockpit
Kuga-Cockpit: Digitale Instrumente sind Serie, Head-up-Display kostet Aufpreis ∙ © Ford

So schneidig der Kuga nach außen auftritt: Im Innenraum selbst hätte sich Ford bei der Materialauswahl etwas mehr Mühe geben können – die Controller haben ziemlich viel Hartplastik durchgesetzt. Verglichen mit dem schnieken Äußeren wirkt das Cockpit fast schon ein wenig altbacken. Insgesamt passt die Verarbeitung aber, wenn auch Luft nach oben ist. Das kleine, knapp vor der Scheibe positionierte Mäusekino-Display des Vorgängers ist zwar Geschichte, doch mit acht Zoll wirkt auch der neue, jetzt auf dem Armaturenbrett aufgesetzte Infotainment-Bildschirm nicht gerade überdimensioniert. Dass er zudem gefühlt eher Richtung Beifahrer ausgerichtet ist, irritiert.

Leider verzichtet Ford auf praktische Direktwahltasten für die grundlegenden Funktionen (Navigation, Radio, Telefon, etc.), immerhin gibt es entsprechende Touchflächen auf dem Bildschirm. Auch ein praktischer Drehregler zum Scrollen oder Zoomen fehlt leider. Aber zumindest setzen die Kölner weiterhin auf einen Lautstärke-Drehregler. Up to date ist der Kuga mit seinem volldigitalen Kombiinstrument, das die Anzeige an den jeweils gewählten Fahrmodus anpasst. Allerdings ist das virtuelle Cockpit den höheren Ausstattungslinien vorbehalten.

Das gilt auch für das Head-up-Display, das ohnehin verzichtbar erscheint: Ford setzt auf eine Lösung mit kleiner Plastik-Ausklappscheibe hinter dem Lenkrad und vor allem größere Fahrer sehen die Infos eher auf der Motorhaube denn auf der Straße. Wenn sich dort dann noch der Himmel spiegelt, ist von Tempo oder Navi-Anweisung nicht mehr viel zu erkennen.

In puncto Konnektivität setzt der neue Kuga auf das moderne FordPass Connect-Modem, das nun auch Einzug in diese Baureihe hält. Das Modem verwandelt das Fahrzeug in einen mobilen WLAN-Hotspot für bis zu zehn Endgeräte gleichzeitig. Mit Echtzeit-Verkehrsdaten ("Live Traffic") erleichtert es die Routenplanung. Die Bewertung im ADAC Test: "Das Multimedia-Angebot im Kuga ST-Line X ist bemerkenswert gut."

Preis: Der günstigste Kuga kostet 26.950 Euro

Zu haben ist der Kuga in den sieben Ford-üblichen Ausstattungsvarianten von Trend bis Vignale. Der günstigste Kuga kostet 26.950 Euro und bringt neben dem 8-Zoll-Touchscreen, einem Tempomat und einer manuellen Klimaanlage kaum Komfort-Extras mit.

LED-Scheinwerfer, den Wlan-Hotspot, eine elektrisch betätigte Heckklappe, den praktischen Türkantenschutz, der beim Öffnen automatisch ausfährt, und leider auch die meisten Assistenten (unter anderem Geisterfahrer-Warner, Ausweichassistent, Tot-Winkel-Überwacher und Stau-Assistent) gibt es nur in den höheren Versionen.

Ford geht davon aus, dass 40 Prozent der europäischen Kuga-Kunden zu einer elektrifizierten Version greifen werden. Für das Unternehmen wäre eine erfolgreiche Elektrifizierung tatsächlich eine komplette Neuausrichtung. Mit dem aktuellen Puma ist noch ein weiterer SUV von Ford am Start.

Fazit

Frei von Schwächen ist der neue Ford Kuga leider nicht. Der vergleichsweise hohe Verbrauch und die Mängel beim Ausweichtest trüben das mit einer Gesamtnote von 2,3 im ADAC Test dennoch akzeptable Endergebnis. Die Konkurrenz kann manches aber besser.

Lesen Sie hier den ausführlichen Test des Ford Kuga 1.5 EcoBoost ST-Line X als PDF
PDF, 1,01 MB
PDF ansehen

Ford Kuga: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

Ford Kuga 1.5 EcoBoost ST-Line X

Motor/Antrieb

Dreizylinder-Turbobenziner, 1496 cm³, 110 kW/150 PS, 240 Nm bei 1600 U/min

Fahrleistungen

9,7 s auf 100 km/h, 195 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

6,8 l Super/100 km, 154 g CO₂/km

Maße

L 4,63 / B 1,88 / H 1,68 m

Kofferraum

435 – 1534 l

Leergewicht / Zuladung

1564 / 511 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 1800 kg

Garantie

2 Jahre

Preis

ab 37.250 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Ford Kuga 1.5 EcoBoost ST-Line X

Überholvorgang 60 – 100 km/h

5,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

32,4 m

Wendekreis

11,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

7,7 l Super/100 km, 214 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

700 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1510 / 565 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

445 / 815 / 1435 l

Testergebnis

ADAC Testergebnis

Ford Kuga 1.5 EcoBoost ST-Line X

Karosserie/Kofferraum

2,5

Innenraum

2,1

Komfort

2,5

Motor/Antrieb

1,9

Fahreigenschaften

2,4

Sicherheit

1,6

Umwelt/Ecotest

3,1

Gesamtnote

2,3

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Das hat uns gefallen: Schickes Design, sehr gute Bremswerte, geräumig, mehrere Hybrid-Varianten

Das hat uns nicht gefallen: Viel Hartplastik, unpraktisches Head-up-Display, Sitze mit wenig Seitenhalt

Alle Motorvarianten und Preise

Motor

Leistung kW/PS

Verbrauch l/100km (WLTP)

Preis ab €

1,5l EcoBoost

88/120

6,7 - 6,9

26.950

1,5l EcoBoost

110/150

6,6 - 6,8

30.750

2,5l Duratec PHEV

165/225

1,4

39.750

2,5l Duratec FHEV

140/190

5,6

37.750

1,5l EcoBlue

88/120

5,1 - 5,2

31.350

2,0l EcoBlue Hybrid

110/150

5,0 - 5,1

33.250

2,0l EcoBlue

110/150

5,9 - 6,1

36.850

2,0l EcoBlue

140/190

5,9 - 6,1

38.350

Sicherheit: 5 Sterne im EuroNCAP-Crashtest

Mit fünf Sternen im Euro NCAP-Crashtest erzielt der neue Kuga ein sehr gutes Ergebnis und kommt auf 92 Prozent Erfüllungsgrad. Besonders beim Insassenschutz für Erwachsene kann der SUV punkten. Alle Detailergebnisse finden Sie auf der offiziellen EuroNCAP-Seite: Crashtestergebnisse Ford Kuga*.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Ford

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Text: Thomas Kroher, Michael Gebhardt