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VW Tiguan Facelift: Im SUV-Bestseller auf Testfahrt

Ein VW Tiguan mit Facelift fährt auf einer Landstraße
Der VW Tiguan (Modelljahr 2021) mit modernisierter Front ∙ © VW

Seit es ihn gibt, ist der VW Tiguan die Nummer eins unter den SUV. Das hat gute Gründe. Jetzt wurde der Tiguan überarbeitet. Was hat sich geändert? Testfahrt, Bilder und Infos zu Tiguan und Allspace.

  • Neuer VW Tiguan kommt auch als Plug-in-Hybrid

  • Dieselmotoren sauberer mit zwei SCR-Kats

  • Bessere Vernetzung, größerer Touchscreen

  • VW Tiguan Allspace bekommt Facelift erst Mitte 2021

Geht es nach den deutschen Zulassungszahlen, ist der VW Tiguan das mit Abstand erfolgreichste Modell im Segment der SUV und Geländewagen, praktisch schon seit seinem Marktstart 2007. Allein 2019 fand er insgesamt über 911.000 neue Kunden. Der Tiguan ist ein absolut überzeugendes Angebot für deutsche Käufer – sozusagen der VW Golf seiner Fahrzeugklasse. Und das hat gute Gründe.

Vor allem ist er ein hervorragendes Allround-Fahrzeug. Egal, ob man mit ihm zum Einkaufen oder auf die lange Reise geht, ob man ihn zum Ziehen eines Pferdeanhängers benutzen möchte oder zum Möbeleinkauf: Der Tiguan passt eigentlich immer. Vier Jahre nach dem Marktstart der aktuellen Generation wurde der Bestseller für das Modelljahr 2021 überarbeitet – optisch wie technisch.

Tiguan: Moderne Optik, saubere Motoren

Zum einen ist da eine neue Frontpartie, deren "lächelnder" Kühlergrill jetzt von einer vierten seitlichen Lamelle ergänzt ist und so an den großen Touareg anknüpft. Ein neues Tagfahrlicht und ein am Heck mittig angebrachter Modell-Schriftzug unter dem VW-Logo unterscheiden das überarbeitete vom alten Modell. Mehr hat sich bei den Motoren getan. Die Entwickler haben sich vor allem den im Tiguan so beliebten Diesel vorgeknöpft. Dank „Twindosing“ mit zwei SCR-Kats sollen die Stickoxide beim neuen TDI-Motor um bis zu 85 Prozent reduziert werden. Beim Vorgänger gab es hier noch reichlich Potenzial (siehe ADAC Test von 2019 unten).

Plug-in-Hybrid und Tiguan R

Erstmals wird es demnächst auch einen Plug-In-Hybrid geben, der neben einem 1,4-Liter-Benziner (110 kW/150 PS) einen Elektromotor mit 85 kW/115 PS nutzt. 50 Kilometer soll der Tiguan damit rein elektrisch bewegt werden können, bevor der Benziner eingreift und der SUV als "normaler" Hybrid weiterfährt. Systemleistung: stolze 180 kW/245 PS. Und dann steht auch noch der bullige Tiguan R in den Startlöchern: Sein Zweiliter-Turbo befördert 235 kW/320 PS an alle vier Räder, glänzt mit dabei mit aufwendiger elektronischer Regelung der Kraftverteilung. Ein Sportler im SUV-Kleid.

Motoren: Zunächst 122 bis 200 PS

Zu ersten Testfahrten stand der 1,5-Liter-Benziner mit 110 kW/150 PS zur Verfügung. Schon nach den ersten Kilometern wird klar: Das Fahrgefühl hat sich mit dem Facelift nicht geändert. Alles passt, ob die vertrauten Instrumente, das gut in der Hand liegende Lenkrad, die Übersichtlichkeit eines SUV. Der Benziner kann zwar mit der Durchzugskraft der Diesel-Kollegen nicht ganz mithalten, bringt aber genügend Vortrieb im Alltag und kann durchaus auch auf der Langstrecke überzeugen. Als Benziner-Alternative gibt es eine 130-PS-Version des Motors, die Diesel-Bandbreite reicht von 122 über 150 bis zu 200 PS.

Hoher Fahrkomfort im Tiguan

Das per Knopfdruck in Stufen verstellbare Fahrwerk (Extra) hält im Normalmodus die Aufbaubewegungen trotz der hohen Karosserie in Grenzen, gleichzeitig werden Unebenheiten der Straße gut geschluckt. Selbst auf rauen Fahrbahnbelägen ist der Federungskomfort ausgesprochen angenehm. Im Comfortmodus zeigt sich die Federung noch etwas schluckfreudiger, dieser empfiehlt sich vor allem bei niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten wie beispielsweise in der Stadt oder auf Landstraßen. Bei hohen Geschwindigkeiten spielt der Sportmodus seine Vorteile aus, da das Fahrzeug dann gefühlt noch stabiler liegt.

Als Extra gibt es eine sogenannte Progressivlenkung. Mit ihr wird der Lenkaufwand beim Abbiegen oder beim Rangieren geringer, ohne dass die Lenkung um die Mittellage empfindlicher würde. Je nach Fahrerwunsch kann die Lenkkraftunterstützung angepasst werden. In der Normalstellung bietet die Lenkung eine angemessene Rückmeldung, die Mittelstellung ist ausreichend klar definiert. Manchem Fahrer kommt die Sport-Stellung mehr entgegen, bei der die Unterstützung etwas reduziert und die Lenkkräfte höher sind.

Sehr gute Bremsen im Test

Für eine Vollbremsung aus 100 km/h bis zum Stillstand benötigte der Tiguan im ADAC Test (Modell vor Facelift) durchschnittlich nur 34,2 Meter. Die Bremsanlage zeigte sich dabei auch bei hoher Belastung standfest und unnachgiebig. Die Bremse lässt sich überdies gut dosieren – das hat sich mit dem Facelift nicht geändert.

Das Cockpit ist digitaler geworden

Wie im Golf hat die digitale Revolution im Innenraum auch den Tiguan erfasst. Heizung und Klimaanlage werden nun über "Slider" mit Berührungsflächen gesteuert – kein Fortschritt gegenüber den alten Drehreglern, die sich einfach besser greifen lassen als die fraglos hübscheren, aber unpraktischeren Slider. Die Vernetzung mit der Außenwelt wurde ausgebaut. Dank eigener SIM-Karte ist der VW somit immer online. Praktisch: Zahlreiche Dienste wie Apple Carplay oder Android Auto laufen jetzt auch via Bluetooth, ohne dass wie bisher das Smartphone per Kabel verbunden sein muss. Schluss also mit dem Strippensalat.

Gutes Platzangebot

Das Platzangebot ist gleich gut geblieben. Hier überzeugt der rund 4,50 Meter lange Tiguan auf ganzer Linie. Bis zum Gepäckrollo gemessen fasst der Kofferraum gute 400 Liter. Nutzt man den Stauraum bis unter das Dach, passen nach ADAC Messung 630 Liter oder 13 Getränkekisten hinein. Mit umgeklappten Rücksitzlehnen werden maximal 1450 Liter Kofferraumvolumen möglich. Praktisch ist zudem der in der Höhe verstellbare Ladeboden. So kann man 50 Liter Kleinkram unter der Abdeckung verstauen, ohne dass etwas im Kofferraum hin und her rutscht.

Auch das Raumangebot für die Insassen ist prima. Vier Personen sitzen im Tiguan selbst bei langen Reisen sehr bequem. In der zweiten Reihe reichen Kopf- und Beinfreiheit für Passagiere bis zu einer Größe von zwei Metern, wenn die vorderen Sitze für 1,85 Meter große Menschen eingestellt sind. Der Fahrer sitzt SUV-typisch erhöht und hat damit einen guten Blick auf den umliegenden Verkehr.

Der Travel Assist beschleunigt und lenkt

Zwar bietet der Tiguan einige Assistenzsysteme für mehr Sicherheit. Doch auch nach dem Facelift gibt es diese meist nur gegen Aufpreis. So übernimmt der sogenannte Travel-Assist jetzt zwischen 0 und 210 km/h das Lenken, Beschleunigen und Bremsen, arbeitet dabei mit Abstandstempomat und Spurhalter zusammen. Der Fahrer darf das Lenkrad allerdings nur kurz loslassen, schließlich handelt es sich immer noch um ein Assistenzsystem nach Level 2 und um kein selbstfahrendes Auto. Das Radaraugen-System greift jetzt auch auf Kamera und Navidaten zurück, erkennt Temposchilder, Kreuzungen oder Ortseinfahrten und passt auf Wunsch das Tempo automatisch an.

Neu im Angebot ist auch das vom Touareg, Passat und Golf bekannte Lichtsystem. Die Matrixtechnik macht mit zweimal 24 LED die Nacht zum Tag, entgegenkommende Fahrzeuge werden durch gezieltes Dimmen der einzelnen LED-Leuchten vor Blendung geschützt.

Preis: Rund 30.000 Euro für die kleinen Motoren

In Summe machen all die Verbesserungen im Detail den neuen Tiguan auch weiterhin zu einem der wichtigsten Mitspieler in der SUV-Liga, auch wenn er nach wie vor kein Schnäppchen ist. Die Preisliste beginnt bei gut 28.200 Euro für den 130-PS-Benziner in Basisausstattung, der gefahrene 150-PS-Motor kostet knapp 30.000 Euro, und den 122-PS-Diesel gibt es erst ab 30.500 Euro. Am teuersten ist derzeit der 200-PS-Diesel mit Allradantrieb und R-Line-Ausstattung für rund 46.200 Euro.

Deutlich preiswerter sind die beiden kleineren SUV, die von VW angeboten werden: Der VW T-Roc, der sich erfolgreich auf dem Markt etabliert hat. Und der VW T-Cross, der als praktischer Ableger des VW Polo in die boomende Klasse der Kleinwagen-SUV gestoßen ist.

VW Tiguan Allspace: Facelift erst Mitte 2021

Und was passiert mit dem großen Bruder des Tiguan, dem Tiguan Allspace? Er wird noch wie gehabt weiterverkauft und erst Mitte 2021 überarbeitet. Dann bekommt auch er die frischere Optik und den modernisierten Innenraum mit neuem Entertainment-System und Slidern statt Drehreglern.

Der Allspace ist die Stretchversion des Tiguan. Seine Karosserie ist 19 Zentimeter länger und erstreckt sich so über 4,70 Meter. Auch der Radstand fällt elf Zentimeter länger aus. Dadurch hat der Tiguan Allspace nicht nur deutlich mehr Platz auf der Rückbank, auch der Kofferraum schluckt erheblich mehr. Zum Vergleich: Der Tiguan kommt auf 615 bis 1655 Liter Kofferraumvolumen, die Langversion auf 760 bis 1920 Liter (Werksangaben).

Und noch einen Vorteil hat der Allspace: Gegen Aufpreis gibt es ihn als Siebensitzer. Zwei Zusatzsitze, die aus dem Kofferraumboden klappen, machen den Tiguan fast schon zum Van. Nachteil: Weil sie im Unterboden untergebracht sind, schmälern sie das Kofferraumvolumen auf 700 bis 1775 Liter. Wer also viel Platz braucht, aber keine sieben Sitze benötigt, kann sich diese Option sparen.

Das Motorenprogramm beschränkt sich beim Allspace auf den 150-PS-Benziner und die beiden Diesel mit 150 und 200 PS. Preis: ab 34.123 Euro.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht des Vor-Facelift-Modells (2019) als PDF nachlesen:

Der VW Tiguan 2.0 TDI SCR (Test von 2019) im Test
PDF, 777 KB
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Text mit Material von SP-X