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VW Tiguan im ADAC Test: Der SUV-Bestseller

roter VW Tiguan fahrend Seitenansicht
Der VW Tiguan mit 2.0 TDI Dieselmotor ∙ © Volkswagen

Seit es ihn gibt, ist der VW Tiguan die Nummer eins unter den SUV. Das hat gute Gründe. Im Test: Der VW Tiguan 2.0 TDI SCR Comfortline DSG – mit Daten, Bildern, Preisen. Plus: Der überarbeitete Tiguan ab 2020

  • Der 2.0 TDI ist sauber – allerdings nicht unter hoher Last 

  • Verbrauch: 6,2 Liter Diesel/100 km; Reichweite: 935 km

  • Tiguan Facelift ab Spätsommer 2020: Neue Motoren; auch als Plug-in-Hybrid

Laut KBA-Zulassungszahlen ist der VW Tiguan das mit Abstand erfolgreichste Modell im Segment der SUV und Geländewagen, praktisch schon seit seinem Marktstart 2007. Allein 2019 fand er insgesamt über 911.000 neue Kunden. Dieser Erfolg lässt sich weder mit Sonderrabatten noch mit Verkaufsaktionen der Händler klein reden. Der Tiguan ist ein absolut überzeugendes Angebot für deutsche Käufer – sozusagen der "VW Golf seiner Fahrzeugklasse". Und das hat gute Gründe.

Grund Nummer eins: Der Tiguan ist von seiner Größe und seinen Grundeigenschaften her ein hervorragendes Allround-Fahrzeug. Egal, ob man mit ihm zum Einkaufen oder auf die lange Reise geht, ob man ihn zum Ziehen eines Pferdeanhängers benutzen möchte oder zum Möbeleinkauf: Der Tiguan scheitert an kaum einer Aufgabe. Nur ein extrem unwegsames Gelände kann er nicht meistern – selbst mit Allradantrieb nicht. Aber wer stellt hier schon solche Anforderungen an ihn?

Im ADAC Test: Der 2.0 TDI mit 150 PS

Zum Test beim ADAC trat im März 2019 die Dieselversion mit 110 kW/150 PS an – das ist die von Käufern am häufigsten bestellte. Der Motor wurde nach der Euro 6d-TEMP Norm zertifiziert. Voraussetzung dafür ist, dass das Triebwerk sowohl auf dem Prüfstand als auch der Straße die gesetzlichen Grenzwerte einhält. Tatsächlich schafft der Tiguan 2.0 TDI sehr niedrige NOx-Emissionswerte – allerdings nicht unter allen Betriebsbedingungen. 

Während inner- und außerorts alle Emissionen weit unter den Grenzwerten liegen, kann der Motor bei sehr hoher Last die strengen Bedingungen des ADAC Ecotests nicht mehr erfüllen. So stehen nur 35 von 50 Punkten im Bereich Schadstoffe in der Bilanz (Note: 2,5). Das ist ein noch gutes Ergebnis, aber unter modernen Dieseln nichts Besonderes mehr. Auch beim Kraftstoffverbrauch ist mit gemessenen 6,2 Litern Diesel pro 100 Kilometer noch etwas Luft nach oben. Das könnte sich mit dem ab Spätsommer 2020 überarbeiteten Tiguan ändern (siehe unten).

Der getestete 2.0 TDI mit 150 PS wird über einen variablen Turbolader auf maximal 340 Nm Drehmoment gebracht. Der Vorteil gegenüber der alternativ erhältlichen 190-PS-Variante ist der etwas kleinere Turbolader, der bei niedrigen Drehzahlen besser anspricht und so eine harmonischere Leistungsentfaltung ermöglicht. Trotz 1,7 Tonnen Leergewicht kommt der Tiguan TDI auf ordentliche Fahrleistungen. Die Laufkultur im normalen Fahrbetrieb ist in der Tonlage zurückhaltend genug, um im Alltag nicht zu nerven.

Gutes Platzangebot, prima Federung 

In Sachen Platz überzeugt der 4,49 Meter lange Tiguan auf ganzer Linie. Bis zum Gepäckrollo gemessen fasst der Kofferraum gute 400 Liter. Nutzt man den Stauraum bis unter das Dach, passen 630 Liter oder 13 Getränkekisten hinein. Mit umgeklappten Rücksitzlehnen werden maximal 1450 Liter Volumen möglich. Praktisch ist zudem der in der Höhe verstellbare Ladeboden. So kann man 50 Liter Kleinkram unter der Abdeckung verstauen, ohne dass etwas im Kofferraum hin und her rutscht.

Auch das Raumangebot für die Insassen ist prima. Vier Personen sitzen im Tiguan selbst bei langen Reisen sehr bequem. In der zweiten Reihe reichen Kopf- und Beinfreiheit für Passagiere bis zu einer Größe von zwei Metern, wenn die vorderen Sitze für 1,85 Meter große Menschen eingestellt sind. Der Fahrer sitzt SUV-typisch erhöht und hat damit einen guten Blick auf den umliegenden Verkehr.

Tiguan mit hohem Komfort

Die Bedienung aller Funktionen ist leicht verständlich und geht einfach von der Hand. Das per Knopfdruck in Stufen verstellbare Fahrwerk (Extra) hält im Normal-Modus die Aufbaubewegungen trotz der hohen Karosserie in Grenzen, gleichzeitig werden Unebenheiten der Straße gut geschluckt. Selbst auf rauen Fahrbahnbelägen ist der Federungskomfort ausgesprochen angenehm.

Im Comfort-Modus zeigt sich die Federung noch etwas schluckfreudiger, dieser empfiehlt sich vor allem bei niedrigeren Fahrgeschwindigkeiten wie beispielsweise in der Stadt oder auf Landstraßen. Bei hohen Geschwindigkeiten spielt der Sport-Modus seine Vorteile aus, da das Fahrzeug dann gefühlt noch stabiler liegt.

Allradantrieb kostet 2000 Euro Aufpreis

Das Doppelkupplungsgetriebe (DSG) hat sieben Gänge und wechselt diese meist unauffällig, lässt sich bei Beschleunigungswünschen des Fahrers mitunter aber etwas Zeit. Dank der im Ölbad laufenden Kupplungen funktioniert die Kriechfunktion sehr passabel – Doppelkupplungsgetriebe mit trockener Kupplung arbeiten oftmals recht ruckartig und unharmonisch. Zudem lassen sich die Gänge auch über die Lenkradwippen oder den Wählhebel nach eigenem Gusto schalten.

Als Extra gibt es für den Tiguan eine sogenannte Progressivlenkung. Mit ihr wird der Lenkaufwand beim Abbiegen oder beim Rangieren geringer, ohne dass die Lenkung um die Mittellage empfindlicher würde. Je nach Fahrerwunsch kann die Lenkkraftunterstützung angepasst werden. In der Normal-Stellung bietet die Lenkung eine angemessene Rückmeldung, die Mittelstellung ist ausreichend klar definiert. Manchem Fahrer kommt die Sport-Stellung mehr entgegen, bei der die Unterstützung etwas reduziert und die Lenkkräfte höher sind. Praktisch, wenn man die Wahl hat.

Für eine Vollbremsung aus 100 km/h bis zum Stillstand benötigt der Tiguan durchschnittlich nur 34,2 Meter. Die Bremsanlage zeigt sich dabei auch bei hoher Belastung standfest und unnachgiebig. Die Bremse lässt sich überdies gut dosieren. Nutzt man den Tiguan häufiger als Zugfahrzeug oder auf Matsch und Schnee, empfiehlt sich der Allradantrieb (rund 2000 € Aufpreis). Mit Frontantrieb darf der Tiguan einen gebremsten Anhänger bis zu einem Gewicht von 1,8 Tonnen ziehen, mit Allrad sind 2,5 Tonnen erlaubt.

Wermutstropfen: Der Grundpreis des VW Tiguan 2.0 TDI liegt bei 36.175 €. Zurückhaltend beim Ankreuzen der Extras kann man mit etwas über 40.000 Euro auskommen. Der mit einigen zusätzlichen Annehmlichkeiten ausstaffierte Testwagen kam jedoch auf etwa 52.500 €. Viel Geld für einen Kompakt-SUV.

Deutlich preiswerter sind die beiden kleineren SUV, die von VW angeboten werden: Der VW T-Roc, der sich erfolgreich auf dem Markt etabliert hat. Und der VW T-Cross, der als praktischer Ableger des VW Polo in die boomende Klasse der Kleinwagen-SUV gestoßen ist.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum VW Tiguan 2.0 TDI SCR (Test von 2019) als PDF herunterladen
PDF, 777 KB
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Daten, Messwerte, Test-Ergebnis im Überblick

Technische Daten (Herstellerangaben)VW Tiguan 2.0 TDI SCR Comfortline DSG

Motor

4-Zylinder-Turbodiesel, 1968 cm³, 110 kW/150 PS, 340 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

9,3 s auf 100 km/h, 202 km/h Spitze

Verbrauch

6,0 l Diesel/100 km, 158 g CO₂/km

Maße

L 4,49 / B 1,84 / H 1,64 m

Kofferraum

615 bis 1655 l

Leergewicht

1645 kg

Preis

36.660 €

Test von März 2019
ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h

5,7s

Bremsweg aus 100 km/h

34,2 m

Wendekreis

11,5 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest

6,2 l Diesel/100 km , 195 g CO₂/km (well-to-wheel)

Reichweite

935 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,7 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1658 / 572 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

400 / 780 / 1415 l

ADAC Testergebnis

Karosserie/Kofferraum

2,3

Innenraum

1,9

Komfort

2,2

Motor/Antrieb

1,9

Fahreigenschaften

2,2

Sicherheit

1,7

Umwelt/EcoTest

3,4

Gesamtnote

2,3

Die Kapitel Umwelt und Sicherheit werden doppelt gewertet

Das hat uns gefallen: Reichhaltiges Platzangebot. Umfangreiche Sicherheitsausstattung. Hohe Anhängelast. Ausgewogenes Fahrwerk mit gutem Komfort.

Das hat uns nicht gefallen: Erhöhter Verbrauch. Kleiner Adblue-Tank. Ungenügender Diebstahlschutz (Keyless-go). Teuer in der Anschaffung.

Ab Spätsommer 2020: Der geliftete VW Tiguan

Die Überarbeitung des Tiguan fällt für ein Facelift-Modell ungewöhnlich umfangreich aus. Optisch hat sich noch am wenigsten getan, sieht man einmal von der deutlich frischeren Front im Stil der aktuellen VW-Modelle einmal ab. Technisch hat sich dagegen einiges verändert.

So gibt es nun erstmalig einen Plug-in-Hybrid als Antrieb. Die Kombination aus 1,4-Liter-Benziner (110 kW/150 PS) und Elektromotor (85 kW/115 PS) treibt auch den Golf GTE siowie den Skoda Octavia iV RS an und kommt auf eine Systemleistung von 245 PS. Mit seiner 13 kWh-Batterie soll der Tiguan eHybrid rund 50 Kilometer rein elektrisch kommen. Danach schaltet sich der Benziner zu.

Auch die Diesel wurden erneuert. Im Mittelpunkt steht das „Twindosing“-System, das mit zwei Kats den Stickoxiden zu Leibe rückt. In Summe soll das die Technik die Stickoxide um bis zu 85 Prozent reduzieren. Als neues Topmodell gibt es nun den Tiguan R mit stolzen 320 PS, der in rund 4,5 Sekunden auf Tempo 100 stürmen dürfte.

Die digitale Revolution im Innenraum übernimmt wie beim neuen Golf auch im Tiguan das Kommando. Drehregler wurden abgeschafft, Heizung und Gebläse sind nun über Regler mit Berührungsflächen ("Slider") zu steuern. Das Infotainment-System MIB3 verbessert die Vernetzung mit dem Internet, hat eine eigene SIM-Karte und ist damit wie der neue Golf immer online. Zahlreiche Dienste wie Apple Carplay oder Android Auto funktionieren jetzt, ohne dass das Smartphone per Kabel verbunden sein muss.

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Text mit Material von SP-X