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Elektroauto gebraucht kaufen – darauf sollten Sie achten

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Volkswagen

Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos wächst. Es stehen zwar deutlich weniger Modelle als bei Autos mit Verbrennungsmotor zur Verfügung, das macht die Wahl des passenden Fahrzeugs aber nicht einfacher. Das sollten Sie beim Kauf beachten.

Als Grundregel gilt: Reichweite und Ladetechnologie müssen zu Ihren Bedürfnissen passen und die Batterie entsprechend funktionstüchtig sein. Informieren Sie sich vor dem Kauf über die e-spezifischen Eigenschaften wie Ladeleistung, Batteriegröße, Ladearten.

Die Fahrzeugbesichtigung

Neben den grundsätzlichen Tipps beim Gebrauchtwagenkauf und den allgemeinen Regeln bei der Fahrzeugbesichtigung sollten Sie bei Elektroautos folgende Aspekte beachten.

Batterie

Die Antriebsbatterie ist das teuerste Bauteil des Elektroautos. Abhängig von Alter und Nutzung schwindet die nutzbare Batteriekapazität. Deshalb sollte der Verkäufer den Zustand der Batterie möglichst genau nachweisen. Und das geht, denn bei regelmäßigen Wartungen und Checks in der Herstellerwerkstatt werden im Normalfall die Antriebsbatterien auf ihren Zustand überprüft und Prüfprotokolle erstellt. Lassen Sie sich deswegen ein Prüfprotokoll aushändigen.

Vorsicht ist auch bei auffällig geringer Laufleistung angebracht! Denn für die Batterie ist es ungünstig, längere Zeit vollgeladen oder entladen abgestellt zu werden, da durch Tiefentladung das Risiko einer Batterieschädigung besteht.

Musterkaufvertrag für gebrauchte E-Fahrzeuge

Nutzen Sie den ADAC Musterkaufvertrag für gebrauchte E-Fahrzeuge.

Fragen Sie den Verkäufer oder Vorbesitzer nach bekannten Batterieschäden oder -reparaturen und halten Sie diese sowie alle anderen relevanten Informationen im Vertragstext fest!

Prüfung des Serviceheftes

Eine sorgfältige Prüfung des Serviceheftes ist beim Elektroauto besonders wichtig, denn regelmäßige Wartungen belegen ein einwandfreies "Vorleben" des Fahrzeugs. Ohne eine genaue Dokumentation fällt es sonst schwer, Garantieansprüche durchzusetzen, insbesondere bei den langjährigen Garantieversprechen der Hersteller auf die Batterie oder andere elektrischen Komponenten.

Bremsen

Durch die Rekuperation (Energierückgewinnung, indem der E-Motor zum Stromgenerator wird) verschleißen die Bremsen bei einem Elektroauto zwar deutlich langsamer als bei Verbrennern, es besteht jedoch die Gefahr, dass Bremsscheiben aufgrund zu geringen Einsatzes korrodieren. Deswegen sollten Sie die Bremsscheiben genau prüfen.

Reifenzustand

Checken Sie auch den Reifenzustand, denn bei Elektroautos können die Reifen wegen des höheren Anfahrdrehmomentes besonders schnell verschleißen.

Hochvoltleitungen

Hochvoltleitungen – sofern sie sichtbar verlaufen – sind an der orangenen Farbe erkennbar. Sie dürfen nicht berührt werden. Optisch können Sie die Leitungen jedoch auf Beschädigungen oder Marderbisse prüfen. Schäden an den Hochvoltleitungen können gefährlich und teuer werden.

Heizung und Klimaanlage

Heizung und Klimaanlage können Sie bei Elektroautos einfach im Stand überprüfen. Die Komponenten sollten schon nach wenigen Minuten mit voller Leistung arbeiten.

Ladekabel und Zubehör

Halten Sie im Kaufvertrag fest, welche Ladekabel oder sonstiges Zubehör zum Fahrzeug gehören und überprüfen Sie deren Zustand. Bei der Hauptuntersuchung stellt ein fehlendes oder defektes Ladekabel einen erheblichen Mangel dar und führt zur Verweigerung der Plakette.

Vorsicht bei Angaben zur Reichweite

Nehmen Sie die Angaben der Hersteller zur Reichweite nicht einfach für bare Münze. Die tatsächliche Reichweite von E-Autos liegt meist deutlich niedriger und ergibt sich aus nutzbarer Batteriegröße (kWh) und Stromverbrauch. Dieser hängt maßgeblich vom Fahrverhalten, der Außentemperatur und den Wetterbedingungen sowie der Nutzung von z.B. Heizung oder Klimaanlage ab. Je nach Bedingungen und Einsatzszenarien können so z.B. im Winter aus 200 km Reichweitenangabe im Extremfall nur 100 km werden. Vergessen Sie nicht, dass die Reichweite auch mit zunehmender Lebensdauer der Batterie abnimmt.

Probefahrt

Generell ist eine Probefahrt sehr wichtig und darf bei keinem Gebrauchtwagenkauf fehlen. Neben den allgemein wichtigen Punkten (siehe ADAC Checkliste) kommen für ein E-Auto noch folgende Aspekte hinzu:

Reichweitentest

Für eine erste Beurteilung reicht eine kurze Probefahrt zwar aus, bei ernsthaftem Kaufinteresse für ein Elektroauto empfehlen die ADAC Experten allerdings einen ausgiebigeren Reichweitentest. Dabei sollten Sie die Batterie möglichst leer fahren, um ein Gespür für die tatsächliche Reichweite zu erhalten. Verweigert der Verkäufer diesen Wunsch, sind Zweifel angebracht. Private Verkäufer sollten um die Wichtigkeit der Reichweitenprüfung wissen und gewerbliche Verkäufer kennen meist die Fahrzeughistorie nicht. Deshalb ist eine Überprüfung auf jeden Fall sinnvoll.

Zum Reichweitentest sollte das Fahrzeug vollgeladen sein, der Bordrechner auf Null gestellt und die im Display angezeigte Reichweite abgelesen werden. Die Berechnung der Reichweitenanzeige im Display behandelt jeder Hersteller unterschiedlich. Das Fahrverhalten (sportlich, normal, zurückhaltend) und auch die Fahrstrecke (Stadt, Landstraße, Autobahn) sollte bei der Probefahrt möglichst den normalen Alltag wiederspiegeln. So finden Sie heraus, welche Reichweite Sie mit Ihrem persönlichen Fahrverhalten später erwarten können.

Fahrdaten und Ladetest

Nach Abschluss der Probefahrt sollten Sie die Fahrdaten wie Laufstrecke, Verbrauch, Restreichweite und Batterieladestand festhalten und mit den Ausgangsdaten vergleichen. Haben Sie z.B. für eine 50 km lange Probefahrt die halbe Batterieladung verbraucht, sollten Sie bei ähnlichem Fahrprofil später auch nur etwa 100 km Reichweite bei voller Batterieladung erwarten – selbst dann, wenn das Fahrzeug eine größere Reichweite angezeigt hat.

Die ADAC Experten raten, einen Ladetest durchzuführen und dabei die unterschiedlichen Ladeoptionen auf Funktion und Anzeige im Fahrzeug zu überprüfen. Dazu eignet sich am besten ein so genannter Multicharger, an dem DC-Schnellladung und AC-Ladung möglich sind.

Fahrzeugüberführung

Haben Sie sich für den Kauf entschieden, müssen Sie auch die Überführung des E-Autos bedenken. Je nach Reichweite und Ladetechnologie kann sie auf eigener Achse erfolgen und daraus gleich der erste Langstreckentest entstehen, wozu eine geeignete Ladekarte wie beispielsweise die ADAC e-Charge notwendig ist. Alternativ müssen Sie eine Überführung mit einem Transporter organisieren.

Ladetechnologie

Ladetechnologie und Ladeleistung entscheiden maßgeblich darüber, wie flexibel ein Elektroauto eingesetzt werden kann. Kann man ein Elektroauto auch Schnellladen (DC-Gleichstrom), ist es in kurzer Zeit wieder für eine längere Strecke einsatzbereit. Kann es hingegen nur an Wechselstrom (AC) Normalladen, benötigt es einige Stunden oder über Nacht, um wieder eine nennenswerte Reichweite aufzubauen. Ausführliche Informationen zum Laden von E-Autos finden Sie hier.

Gebrauchtwagenmarkt

Die ersten Serienelektroautos mit Lithium-Ionen-Batterien kamen 2010 auf den Markt. Seitdem hat sich das Angebot stetig erweitert, so dass es heute ein akzeptables Angebot an gebrauchten E-Autos gibt. Wurden anfangs Elektrofahrzeuge meist noch in Forschungs- und Entwicklungsprojekten eingesetzt, kommen inzwischen immer mehr Fahrzeuge aus dem Firmenleasing, aus Autovermietungen oder auch von Privatleuten auf den Gebrauchtwagenmarkt.

Aufgrund der Relevanz für den elektrischen Gebrauchtwagenmarkt haben wir die 12 wichtigsten Modelle zusammengestellt. Grundlage hierfür waren:

  • der Fahrzeugbestand in Deutschland gemäß den Daten des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) vom 1.1.2020

  • die Angebote auf der Plattform mobile.de (Filter: gebrauchter Zustand, Deutschland, Kraftstoff: Elektro) am 19.5.2020

Die Stichprobe für die 12 betrachteten Fahrzeugmodelle ergab ein Angebot von mehr als 7500 gebrauchten Fahrzeugen mit Standort Deutschland bei privaten und gewerblichen Verkäufern.

Die wichtigsten Modelle

Die wichtigsten Tipps im Überblick

  • Realistisches Bild vom eigenen Nutzungsszenario und Fahrprofil erstellen

  • Notwendige, realistische Reichweite abschätzen

  • Lademöglichkeiten (Zuhause, Arbeitgeber, öffentlich) und Voraussetzungen klären

  • Mögliche Zeitspanne fürs Laden klären

  • Bedarf an DC-Schnellladefunktion abschätzen

  • Ausgiebige Probefahrt mit Reichweiteneinschätzung durchführen

  • Bei der Probefahrt nicht vom elektrischen Fahrgefühl beeindrucken lassen und "normal“ fahren

  • Historie des Fahrzeuges und der Batterie hinterfragen

  • Batterieprotokoll aushändigen lassen und im Kaufvertrag dokumentieren

  • (Rest)-Garantiezeitraum für Batterie und E-Antriebsstrang klären

  • Präferenz für Kauf- oder Mietbatterie festlegen

  • Gesamtkostenrechnung erstellen

  • Fahrzeugbesichtigung zusammen mit einer elektromobilitätserfahrenen Person durchführen

  • ADAC e-Auto Kaufvertrag verwenden

  • Bei Batteriemiete: Übernahme des Mietvertrages definieren

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Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © BMW

Text: Jörg Peter Urbach