Ein gebrauchtes E-Auto kaufen? Das sollten Sie wissen

Der Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos ist inzwischen groß und attraktiv ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © BMW

Kann, soll und will ich mir ein gebrauchtes Elektroauto kaufen? Wer diese Überlegungen anstellt, hat viele Fragen. Der ADAC gibt Tipps und Tricks, wie der elektrische Gebrauchtkauf gut gelingt.

  • Gebrauchte E-Autos: größeres Angebot, bessere Modelle

  • Restwerte durch Förderprämie unter Druck

  • Gute Verhandlungsposition für Käufer

Das Modellangebot von gebrauchten Elektroautos wächst – und das macht die Wahl des passenden Fahrzeugs nicht einfacher. Ohnehin stellt sich nach wie vor die Frage, ob man sein Geld in ein gebrauchtes E-Auto investieren soll. Denn dessen Technik kann natürlich nicht mit dem Stand eines neuen Modells konkurrieren. Neben den grundsätzlichen Tipps beim Gebrauchtwagenkauf und den allgemeinen Regeln bei der Fahrzeugbesichtigung sollten Sie bei Elektroautos deshalb folgende Aspekte besonders beachten.

Elektroauto gebraucht kaufen es gibt spezielle Risiken

Eine Frau mit einem Funkschlüssel steht an einem Elektroauto
Ob man mit einem E-Auto glücklich wird, hängt von vielen Faktoren ab ∙ © Shutterstock/husjur02

Gibt es beim Kauf eines Elektro-Gebrauchtwagens besondere Risiken? Das fragen sich viele Käufer nicht zu Unrecht. Unsicherheiten bestehen vor allem hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Akkus und der Restwertentwicklung des Fahrzeugs. Beides ist nur schwer einzuschätzen vor der Kaufentscheidung. Andererseits hat ein Elektroauto viel weniger Verschleißteile als ein Auto mit Verbrennungsmotor. So muss man sich zum Beispiel keine Gedanken darüber machen, ob demnächst eventuell die Kupplung zu reparieren oder der Auspuff zu ersetzen wäre.

Analysieren Sie Ihre persönlichen Anforderungen

Eine Batterie-lade-Anzeige im Cockpit eines Elektroautos
Ladezeiten können sehr unterschiedlich sein ∙ © Shutterstock/Daniel Krason

Um das passende Elektroauto zu finden, sollten zuerst die persönlichen Anforderungen an das Wunschfahrzeug wie Platzverhältnisse, Ausstattung und Ähnliches klar sein. Bei E-Autos muss sich der Käufer außerdem Gedanken machen, welche Reichweite und Ladetechnologie das Auto haben soll. Handelt es sich beispielsweise um eine tägliche Pendlerstrecke von 50 Kilometern, schafft das auch ein Elektroauto der ersten Batteriegeneration – sogar unter winterlichen Bedingungen. Sind Strecken von 100 Kilometern und mehr gefordert, wird es für E-Autos mit einer gealterten Batterie möglicherweise schon sehr eng.

Ladetechnologie

Ladetechnologie und Ladeleistung entscheiden maßgeblich darüber, wie flexibel ein Elektroauto einsetzbar ist. Kann man ein Elektroauto auch Schnellladen (DC-Gleichstrom), ist es in relativ kurzer Zeit wieder für eine längere Strecke einsatzbereit. Kann es hingegen nur an Wechselstrom (AC) Normalladen, benötigt es einige Stunden oder die ganze Nacht, um wieder eine nennenswerte Reichweite aufzubauen.

Auch beim AC-Laden gibt es Unterschiede. Manche Bordladegeräte können nur eine, manche zwei und im Idealfall können sie drei Phasen nutzen. Die möglichen Ladeleistungen variieren somit von 3,6 bis 22 Kilowatt.

Ausführliche Informationen zum Laden von E-Autos finden Sie hier.

Darüber hinaus ist die Frage zu klären, wo das Fahrzeug aufgeladen werden kann: Ob es überwiegend zu Hause oder auch beim Arbeitgeber passiert und wie oft das möglicherweise an einer öffentlichen Ladesäule geschehen muss. Letzteres hat deutlich höhere Betriebskosten zur Folge, die einkalkuliert werden müssen. Auf die vorhandene Ladetechnologie im Fahrzeug muss der besonders achten, für den auch längere Strecken wichtig sind. Sie bestimmt maßgeblich, wie schnell die Batterie wieder aufgeladen werden kann.

Seien Sie kritisch bei Reichweitenangaben

Nehmen Sie die Angaben der Hersteller zur Reichweite nicht einfach für bare Münze. Die tatsächliche Reichweite von E-Autos liegt meist deutlich niedriger und ergibt sich aus der nutzbaren Batteriegröße (kWh) und dem Stromverbrauch. Dieser hängt maßgeblich vom Fahrverhalten, der Außentemperatur und den Wetterbedingungen sowie der Nutzung von z.B. Heizung oder Klimaanlage ab. Je nach Bedingungen und Einsatzszenarien können so z.B. im Winter aus 200 Kilometer Reichweitenangabe im Extremfall nur 100 Kilometer werden. Vergessen Sie nicht, dass die Reichweite auch mit zunehmender Lebensdauer der Batterie abnimmt.

Lassen Sie den Akku prüfen

Batterie des Audi etron quattro 2018
So sieht die Antriebsbatterie von innen aus ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Die Antriebsbatterie ist beim E-Auto das teuerste Bauteil und verschleißt prinzipbedingt über die Zeit und die Nutzung. Je mehr Ladezyklen, desto stärker die Alterung. Deshalb sollte der Gesundheitszustand der Batterie ("State of health" = SOH) durch den Verkäufer möglichst genau nachgewiesen werden. Bei regelmäßigen Wartungen und Checks in der Herstellerwerkstatt werden die Antriebsbatterien auf ihren Zustand überprüft. Können die Prüfprotokolle zusammen mit dem Scheckheft vorgezeigt werden, wirkt das vertrauensbildend – wenn nicht, ist Vorsicht angesagt.

Grundsätzlich ist das Risiko aber ähnlich wie beim Gebrauchtwagenkauf eines Verbrenners. Bei Laufleistungen von über 200.000 Kilometern sind ja auch ein vermehrter Ölverbrauch bis hin zu einem kapitalen Motorschaden wahrscheinlicher. Allerdings ist eine Akkureparatur heute meist noch teurer – wenn sie überhaupt möglich ist.

Eine Alternative: Autos mit Mietbatterie

Um das Risiko eines beschädigten oder leistungsschwachen Akkus zu vermeiden, lohnt es sich, nach Angeboten mit einer Mietbatterie Ausschau zu halten. Fündig werden Sie beim Renault Zoe und beim Nissan Leaf. Können Sie den Vertrag zur Mietbatterie übernehmen, sind damit zwar monatliche Zusatzkosten verbunden, es besteht dann aber auch die übliche Herstellergarantie. Klären Sie unbedingt, ob der Mietvertrag übernommen werden kann, und fixieren Sie das schriftlich. Seit 2021 hat Renault als letzter Hersteller keine Mietbatterie mehr im Angebot.

Checken Sie den Gesamtzustand

Beim Kauf eines gebrauchten E-Autos gelten die gleichen Regeln wie beim Kauf jedes anderen Gebrauchtwagens. Dabei unterstützt der ADAC Ratgeber Gebrauchtwagenkauf und die Gebrauchtwagen Checkliste. Letztendlich kann man das Risiko, ein schlechtes Exemplar zu erwischen, nur mit der Begutachtung durch einen Fachmann oder durch eine Gebrauchtwagenuntersuchung beim ADAC bzw. anderen Prüf-Institutionen reduzieren.

Der Verkäufer sollte möglichst genau Auskunft zur Historie des Fahrzeuges, dessen Reichweite und Batteriezustand geben können. Fragen Sie den Verkäufer oder Vorbesitzer nach Batterieschäden oder -reparaturen und halten Sie diese Informationen im ADAC Musterkaufvertrag für Elektroautos schriftlich fest.

Achten Sie auf lückenlosen Service

Eine sorgfältige Prüfung des Serviceheftes ist beim Elektroauto nicht weniger wichtig als sonst, denn regelmäßige Wartungen belegen ein einwandfreies „Vorleben“ des Fahrzeugs. Ohne eine genaue Dokumentation fällt es schwer, Garantieansprüche durchzusetzen, insbesondere bei den langjährigen Garantieversprechen auf die Batterie oder andere elektrische Komponenten.

Vorsicht beim Wiederverkaufswert

Es ist noch nicht lang her, da waren gebrauchte E-Fahrzeuge durchgängig "sehr selbstbewusst eingepreist", wie Peter Fintl, Branchenexperte von der Technologieberatung Capgemini Engineering, erklärt. Durch die Förderprämien für elektrische Neuwagen sind die Restwerte von gebrauchten Elektroautos jedoch stark unter Druck geraten.

Laut den Gebrauchtwagen-Experten der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) lagen die Restwerte von dreijährigen E-Fahrzeugen mit rund 56 Prozent lange auf dem Niveau der Benziner. Doch besonders die Erhöhung des Umweltbonus von 4000 auf 9000 Euro zeigte Wirkung: Im März 2021 waren die Restwerte von E-Autos fünf Prozent niedriger. Eine Erholung der Restwerte dürfte erst wieder eintreten, wenn die Neuwagenförderung reduziert wird oder entfällt.

Für den Gebrauchtwagenkäufer ist der Preisverfall aber eine gute Nachricht: Denn wer genau weiß, was er braucht und auch mit einer relativ geringen Reichweite zurechtkommt, "der kann jetzt unter Umständen ein schönes Schnäppchen machen", so Fintl.

Batteriedefekt gleich Totalschaden?

Ist eine Batterie nicht mehr leistungsfähig genug, muss – technisch gesehen – nicht zwangsläufig die gesamte Batterie getauscht werden. Oftmals ist der Austausch einzelner Batteriemodule ausreichend. Ob das eine Werkstatt macht und zu welchen Kosten, darüber herrscht jedoch weitgehend Ungewissheit. Die Hersteller halten sich hier leider noch sehr bedeckt, auch wenn die Batterien grundsätzlich reparierbar konstruiert sind. Die Situation sollte sich in den nächsten Jahren aber ändern.

Wichtige Details müssen in den Kaufvertrag

Eine Frau und ein mann stehen an einem Elektroauto
Ein Verkäufer sollte alle Informationen offenlegen ∙ © Shutterstock/RossHelen

Wie schon erwähnt: Fragen Sie den Verkäufer oder Vorbesitzer nach Batterieschäden oder -reparaturen und halten Sie diese Informationen im ADAC Musterkaufvertrag für Elektroautos schriftlich fest. Hier sollte auch festgehalten werden, welche Ladekabel oder sonstiges Zubehör zum Fahrzeug gehören, und in welchem Zustand sich diese befinden. Bei der Hauptuntersuchung (HU) stellt ein fehlendes oder defektes Ladekabel einen erheblichen Mangel dar und führt zur Verweigerung der Plakette.

ADAC Kaufvertrag für gebrauchte Elektrofahrzeuge
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Lesen Sie die ADAC Infos zur Technik

Info Gebrauchtwagenvorschau Tabelle Renault Zoe
Der ADAC bietet zu allen wichtigen Elektroautos Infoblätter an ∙ © ADAC

Für alle wichtigen Elektroautos auf dem deutschen Markt hält der ADAC jeweils ein ausführliches Gebrauchtwagen-Informationsblatt bereit. Grundlage ist die technische Charakteristik bzw. dessen Bewertung durch die Auto-Experten des ADAC Autotest. Dazu kommen die bekannten Mängel, die Pannen und die Rückrufe des Modells. Außerdem eine dezidierte Modellgeschichte mit den technischen Änderungen des Herstellers, die durchschnittlichen Werkstattkosten für Inspektion und Bremsenservice sowie die monatlichen Gesamtkosten (Versicherung, Betrieb/Strom etc.).

Die Gebrauchtwagen-Informationsblätter mit einem kostenlosen Download als PDF gibt es zu folgenden Modellen:

Nutzen Sie die staatliche Förderung

Der Kauf und das Leasing gebrauchter E-Autos und gebrauchter Plug-in-Hybride werden vom Staat bezuschusst. Maximal zahlt der Staat beim Kauf 6000 Euro. Anträge können bei der BAFA gestellt werden, die Bewilligung ist aber von vielen Förderbedingungen* abhängig. Grundsätzlich darf das gebrauchte E-Fahrzeug nicht länger als 12 Monate erstzugelassen gewesen sein, höchstens 15.000 Kilometer auf dem Tacho haben, und es darf dafür noch keine Förderung beantragt worden sein.

So ermitteln Sie den Kaufpreis

Damit Sie sich ein Bild der Kaufpreise von (Elektro-)Gebrauchtwagen machen können, bietet der ADAC einen Preisrechner im Internet an. Dort können Sie die Daten für Ihr jeweiliges Wunschmodell eingeben, und der Rechner spuckt einen durchschnittlichen Preis für Fahrzeuge mit einem ordentlichen Fahrzeugzustand aus. Die Preise werden, der Marktentwicklung entsprechend, ständig aktualisiert.

Fachliche Beratung: Max Bauer, Matthias Vogt, ADAC Technik Zentrum

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