Elektroauto laden: Wichtige Fragen und Antworten

Ein Elektroauto zu laden, ist ein Kinderspiel
Ein Elektroauto zu laden, ist ein Kinderspiel© ADAC

Sie planen den Kauf eines Elektroautos oder Plug-in-Hybrids? Dann sollten Sie wissen, wie Sie das Fahrzeug aufladen können - ganz gleich, ob zu Hause oder unterwegs.

Kann man in jedem Haus ein Elektroauto laden?

Das muss in jedem Einzelfall eine Elektrofachkraft prüfen. Der Grund: Die Elektroinstallation bestehender Gebäude muss nur die zum Zeitpunkt ihrer Errichtung gültigen Vorschriften erfüllen. Das Laden von E-Fahrzeugen mit andauernd hohen Leistungen wurde früher natürlich nicht berücksichtigt. Inzwischen gilt die Norm VDE-AR-N 4100*, falls erforderlich müssen Kabel und Stecker entsprechend aufgerüstet werden.

Kann man E-Autos an der Steckdose laden?

Grundsätzlich ist das möglich. Allerdings ist das Laden an einer haushaltsüblichen Schuko-Steckdose eher eine Notlösung: Schutzkontaktsteckdosen sind auf den Hausgebrauch und ähnliche Anwendungen ausgelegt und nur für begrenzte Zeiträume mit dem maximalen Bemessungsstrom von 16 Ampere belastbar. 

Beim mehrstündigen Laden von Elektrofahrzeugen kann durch Alterungsprozesse der Kontakte, an Klemmstellen in der Zuleitung oder durch unsachgemäße Installation ein erhöhter Widerstand im Stromkreis entstehen. Das kann zu übermäßiger Erwärmung – genannt „Hotspot“ – und damit zum Brand führen.

Um das zu vermeiden, werden die Ladeströme meist auf 6 bzw. 10 Ampere begrenzt. Zu empfehlen ist daher die Installation einer speziellen Ladestation für Elektroautos, der sogenannten Wall-Box.

Wie lange dauert das Laden?

Das hängt davon ab, wie groß die Batterie ist, wie leer sie ist und mit welcher maximalen Leistung geladen wird. Je nach Wallbox und Bordladegerät des Fahrzeuges fällt die Ladedauer kürzer oder länger aus. In der folgenden Tabelle finden Sie einige Richtwerte, wie lange das Laden eines leeren 40-kWh-Akkus mit dem jeweiligen Anschluss und der jeweiligen Wallbox dauert.


Stecker

Anschluss

Leistung

Ladedauer

Haushaltssteckdose

"Schuko"

230 V, 10 A

2,3 kW

ca. 17 Std.

Wallbox

Typ 2

230 V, 16 A

3,7 kW

ca. 11 Std.

Wallbox

Typ 2

230 V, 20 A

4,6 kW

ca. 9 Std.

Wallbox

Typ 2

400 V, 3x16 A

11 kW

ca. 3,5 Std.

Wallbox

Typ 2

400 V, 3x32 A

22 kW

ca. 2 Std.

Ladedauer berechnet, unabhängig von Lademanagement und Akkutemperatur

Was muss man als Mieter oder in einer Wohnungseigentümergemeinschaft beachten?

Der Installation einer Ladesäule an einem privaten Stellplatz in einer Mietgarage muss der Vermieter bzw. die Wohneigentümergemeinschaft zustimmen. Diese sind also die ersten Ansprechpartner.

Gibt es Komplettangebote von Stromanbietern oder Autoherstellern?

Das Angebot an geeigneten Ladestationen ist vielfältig. Häufig bieten die Fahrzeughersteller über Kooperationspartner und auch die regionalen Energieversorgungsunternehmen Ladestationen an, zum Teil sogar mit Installation. Empfehlenswert ist eine Ladestation, die sowohl einphasig als auch dreiphasig laden kann, universell einsetzbar und deshalb zukunftssicher ist. 

Alternativ sollte auch bei örtlichen Elektroinstallationsbetrieben angefragt werden. ADAC Fachleute empfehlen, möglichst alles aus einer Hand zu beziehen, damit die relevanten Anforderungen und Vorgaben eingehalten werden und bei Problemen die Zuständigkeiten klar geregelt sind.

Kann man Fahrzeuge mit Photovoltaikanlage und Energiespeicher laden?

Prinzipiell ist es möglich, ein Elektroauto mit einer Photovoltaik-Anlage (PV) zu laden. Aufgrund der beschränkten Leistung dieser Anlage und den Schwankungen des "Sonnenstroms" macht das aber nur in Ergänzung zur Netzladung Sinn.

Was kostet eine Wallbox?

Je nach Ausstattung und Ladeleistung müssen Sie mit etwa 500 bis 2000 Euro für die Wallbox zuzüglich Elektroinstallation und Montage rechnen. 

Wie finde ich die nächste öffentliche Ladesäule?

Auf ADAC Maps können Sie sich Ladesäulen entlang Ihrer Route anzeigen lassen. Oft sind die Lade-Standorte auch in den Navigationssystemen der Elektroautos integriert. 

Wie viele Ladesäulen gibt es?

Die Zahl der öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos ist deutlich gestiegen. Nach Zahlen der Bundesnetzagentur gab es Ende 2021 gut 26.000 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Die reale Zahl dürfte deutlich höher liegen, da neue Stromtankstellen erst mit Verzug in der Statistik auftauchen.

Wie schalte ich eine Ladesäule frei, um mein Fahrzeug zu laden?

Für die meisten Ladesäulen im öffentlichen Bereich benötigen Sie eine Ladekarte des Betreibers oder eines Elektromobilitäts-Anbieters. Das ist ein Unternehmen, das mit dem Betreiber der Ladesäule kooperiert. Auch eine Authentifizierung über App oder SMS ist teilweise möglich. Zudem müssen öffentliche Ladesäulen grundsätzlich auch Kunden ohne Vertragsbindung zugänglich sein. In der Regel funktioniert das über einen QR-Code und Weiterleitung auf eine Website mit Bezahlmöglichkeit. 

Welche Ladekarten gibt es und was kostet es? 

Es gibt Ladekarten von Energieunternehmen und Elektromobilitäts-Anbietern. Sie ermöglichen es über sogenannte Roaming-Angebote, mit einer Ladekarte an Säulen verschiedener Betreiber Strom zu tanken und abzurechnen.

Die Betreiber der Ladesäulen legen den Preis nach geladenen Kilowattstunden, nach der Dauer des Ladevorgangs oder nach einer Kombination aus kWh und Zeit fest. Zudem können Roaming- und/oder Startgebühren anfallen.

Wie bezahle ich an Ladestationen?

Die Bezahlung erfolgt meist über die Ladekarte. Mit ihr erkennt die Säule den Kartenanbieter und übermittelt die Kosten der Ladung dann dem Ladekartenanbieter, der mit Ihnen abrechnet. Die Ladesäulenverordnung und die Förderrichtlinie zur Errichtung von Ladeinfrastruktur fordern aber für neu aufgestellte Ladesäulen eine Direktbezahlmöglichkeit mittels Bargeld, EC-, Kreditkarte oder App, sodass sich das Problem der vielen verschiedenen Ladekarten mit der Zeit erledigen wird. 

Woran erkenne ich, welcher Steckertyp unterstützt wird?

Es gibt zwei verschiedene Arten von Ladeverfahren und somit Ladestationen: Welche mit Wechselspannung (AC) und welche mit Gleichspannung (DC). Letztere sind Schnellladestationen, wofür es zwei Steckertypen gibt: CCS und CHAdeMO. Über die App oder die Online-Seite des jeweiligen Betreibers erfahren Sie, welcher Stecker an der jeweiligen Ladesäule verbaut ist. Zudem muss auch das Fahrzeug für CCS oder CHAdeMO ausgelegt sein – häufig kostet die Schnellladefunktion Aufpreis.

Wechselspannungs-Ladesäulen haben den genormten Stecker "Typ 2". Für Fahrzeuge mit "Typ-1-Stecker" am Fahrzeug gibt es Adapter-Ladekabel, die auf der Fahrzeugseite einen "Typ-1-Anschluss" und auf der Ladesäulen-Seite einen "Typ-2 Anschluss" haben. Bei Wechselstrom-Ladesäulen (AC) wird der Strom im Fahrzeug durch das eingebaute, unterschiedlich leistungsfähige Bordladegerät in Gleichstrom umgewandelt, um die Antriebsbatterie laden zu können.

Komme ich mit einem Elektroauto durch ganz Deutschland oder Europa?

Gute Planung ist immer noch notwendig, eine Garantie für unbegrenzte Lademöglichkeiten gibt es nicht. Auch wenn Ladesäulen entlang der Reiseroute vorhanden sein sollten, bedeutet das nicht, dass sie auch frei sind, die Freischaltung reibungslos funktioniert und die Säulen tatsächlich funktionsfähig sind.

Benötige ich ein eigenes Ladekabel?

Öffentliche Wechselstromladesäulen (AC) haben im Regelfall eine Steckdose, deswegen muss man dort sein eigenes Kabel mitbringen. An den flotteren Gleichstromladesäulen (DC) sind die Kabel immer fest angeschlagen.

Tipp: Durch eine Wallbox mit fest verbundenem Kabel zuhause gewinnen Sie Komfort und haben das Ladekabel für unterwegs stets im Kofferraum dabei.

Was passiert, wenn die Ladesäule das Kabel nicht freigibt?

Falls das passiert, müssen Sie den Betreiber (Telefonnummer steht an der Ladesäule) anrufen. Meist kann er das Kabel aus der Ferne freigegeben.

Benötige ich ein Smartphone?

Ein Smartphone ist zum Auffinden einer Ladesäule hilfreich, wenn man sich dabei einer App bedienen möchte oder auch zur Freischaltung des Ad-hoc-Ladens. Zwingend notwendig ist es aber nicht, wenn man sich vorab informiert und entsprechende Ladekarten besitzt.

Kann ich einen Strafzettel bekommen, während ich an der Ladestation parke?

Das ist abhängig von der Beschilderung an der jeweiligen Ladestation. Sie dürfen dort so lang parken, wie angegeben. Wichtigste Grundregel: Eine Ladestation sollte nie zum Parken, sondern nur zum Laden benutzt werden!

Was kann ich tun, wenn eine Ladesäule zwar frei, aber zugeparkt ist? 

In diesem Fall können Sie bei Ladesäulen auf öffentlichem Grund lediglich die Polizei kontaktieren und ggf. warten, bis das Auto abgeschleppt wird. Bei privaten Grundstücken liegt die Zuständigkeit beim Grundstückseigentümer.

Kann ich die Ladestationen auch bei Regen verwenden?

Ja, Regen und Spritzwasser stellen bei richtiger Bedienung kein Problem und kein Sicherheitsrisiko dar. 

Kann ich auch meinen Plug-in-Hybrid an der Ladesäule laden?

Jedes Fahrzeug mit einem passenden Ladestecker kann an einer Ladesäule geladen werden. Je nach Beschilderung darf der Parkplatz an der Ladesäule nur von Fahrzeugen mit einem E-Kennzeichen benutzt werden.

Sind Ladestationen barrierefrei zugänglich?

Viele Ladesäulen sind für mobilitätseingeschränkte Personen zugänglich – allerdings sind sie zum Teil nur über Umwege erreichbar. So kann es z.B. vorkommen, dass ein Rollstuhlfahrer auf der Straße zur nächsten Absenkung des Bordsteins fahren und sich dann auf dem Gehweg zurück zur Ladesäule begeben muss.

Dies ist aus Gründen der Verkehrssicherheit bedenklich. Im Sinne einer inklusiven Verkehrsplanung sieht der ADAC dies kritisch und empfiehlt daher, die in der Norm DIN 18040-3 "Barrierefreies Bauen" vorgeschriebene Gestaltung von Bedienelementen im öffentlichen Verkehrs- und Freiraum auch für Ladesäulen einzuhalten. Nur dann wären Ladesäulen für motorisch eingeschränkte Menschen tatsächlich barrierefrei erreichbar und auch problemlos nutzbar.

Barrierefrei erreichbar und nutzbar bedeutet, dass Rollstuhlfahrer sowohl frontal als auch seitlich gut heranfahren können. Es darf somit keine Stufen geben, Bodenneigungen dürfen Maximalwerte nicht überschreiten und Bodenbeläge müssen gefahrlos und rutschfrei begeh- und befahrbar sein. Außerdem müssen sich die Geräte mühelos im Sitzen bedienen lassen. Auch hier gilt es, die Prinzipien einer taktil und visuell kontrastierenden Gestaltung anzuwenden.