Gebrauchtwagenkauf: Darauf sollten Sie achten

Auto aus zweiter Hand: Eine Gebrauchtwagen-Checkliste hilft ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Shutterstock/christianthiel.net

Manipulierter Tacho, verschwiegene Mängel, fehlende Papiere: Fallstricke beim Gebrauchtwagenkauf gibt es viele. So vermeiden Sie böse Überraschungen.

  • Gebrauchtwagen vor Ort besichtigen und Probefahrt machen

  • ADAC Checkliste: Unseriöse Verkäufer erkennen, Mängel entdecken

  • Vom Verkäufer nicht unter Druck setzen lassen

Ein seriöser Autoverkäufer spricht offen über Vorschäden und Mängel. Er lässt Sie Probe fahren, liefert eine lückenlose Fahrzeugdokumentation und zeigt Ihnen HU-Berichte und Reparaturrechnungen. Auf was Sie beim Gebrauchtwagenkauf noch achten sollten.

Gebrauchtwagen unbedingt vor dem Kauf anschauen

Kaufen Sie das Auto auf keinen Fall ungesehen. Machen Sie keine Zusagen am Telefon und schließen Sie keinen Kaufvertrag online ab, bevor Sie das Auto nicht besichtigt haben. Denn: Aus einem Kaufvertrag, den Sie auch mündlich oder per WhatsApp schließen können, kommen Sie nicht so einfach wieder heraus.

Nehmen Sie eine zweite Person mit zum Besichtigungstermin und schauen Sie das Auto bei Helligkeit und gutem Wetter rundherum genau an. Wenn das Fahrzeug ungewaschen ist, können Sie Roststellen, Dellen oder Kratzer leicht übersehen. Achten Sie auf Schäden an Scheiben, Scheinwerfern und Blinkern. Prüfen Sie auch die Reifen auf Schäden und Profiltiefe.

ADAC Gebrauchtwagen-Checkliste ausfüllen

Wichtig ist, dass Sie den Gebrauchtwagen genau auf nicht sofort sichtbare Mängel und Unfallschäden untersuchen. Ein privater Verkäufer darf die Haftung für solche Mängel nämlich ausschließen.

Schauen Sie auch unter das Auto und in den Motorraum. Öl am Boden oder im Motorraum kann ein Hinweis auf ein Motor- oder Getriebeproblem sein. Überprüfen Sie, ob Schläuche und Dichtungen porös oder defekt sind. Schauen Sie in den Behälter der Kühlflüssigkeit. Ist diese trüb, könnte die Zylinderkopfdichtung defekt sein.

Achten Sie auf Roststellen und werfen Sie auch einen kritischen Blick in den Fahrzeuginnenraum: Riecht das Auto muffig oder sind die Bodenteppiche feucht, besteht ein Feuchtigkeitsproblem.

Mit der ADAC Checkliste zum Gebrauchtwagenkauf können Sie den wichtigsten Mängeln selbst auf die Spur kommen. Nehmen Sie die Checkliste zum Autokauf einfach mit, die Sie sich hier kostenlos herunterladen können:

Checkliste für den Fahrzeugkauf
PDF, 484 KB
PDF ansehen

Tachomanipulation: So kommen Sie Betrug auf die Spur

Experten gehen davon aus, dass jedes dritte gebrauchte Auto in Deutschland einen manipulierten Kilometerstand hat. Ist das der Fall, handelt es sich um einen Mangel.

Und so erkennen Sie ihn: Achten Sie darauf, dass der Gesamteindruck des Autos zum angegebenen Kilometerstand passt. Schauen Sie nach, ob der Ölwechsel-Anhänger oder sonstige Aufkleber einen höheren Kilometerstand angibt als der Tacho. Dann sollten Sie skeptisch werden. Auch wenn die Sitze stark abgenutzt sind oder das Lenkrad abgegriffen erscheint, könnte das Auto viele Kilometer auf dem Buckel haben.

Alle Infos zur Tachomanipulation

Serviceheft und Zulassungsbescheinigung prüfen

Hat der Verkäufer kein Serviceheft, keine HU-Berichte oder Werkstattrechnungen, ist Vorsicht geboten. Möglicherweise sollen Mängel am Gebrauchten verschleiert werden. Oder das Fahrzeug wurde nicht regelmäßig gewartet.

Wichtig zu wissen: Die Aussage "scheckheftgepflegt" besagt nicht zwingend, dass alle Wartungen durchgeführt wurden.

Fehlt beim Kauf vom Händler das Original-Scheckheft, ist das ein Mangel, wenn er Sie darauf nicht hingewiesen hat. Kann Ihnen der Verkäufer nicht anderweitig (z.B. Übergabe einer Lebensakte des Autos) nachweisen, dass die Inspektionsintervalle eingehalten wurden, können Sie z.B. eine Kaufpreisminderung geltend machen.

Prüfen Sie, wie viele Vorbesitzer in der Zulassungsbescheinigung eingetragen sind. Sie sollten misstrauisch sein und nachfragen, wenn es viele Vorbesitzer gibt, oder der Verkäufer das Auto nur sehr kurz in seinem Besitz hatte.

Werfen Sie auch einen Blick auf die Fahrgestellnummer. Prüfen Sie, ob diese mit den Papieren übereinstimmt. Gibt es hier Unstimmigkeiten, oder erweckt die Nummer am Fahrzeug einen manipulierten Eindruck, könnte es sich um ein gestohlenes Auto mit falschen Papieren handeln.

Nach Unfallschäden fragen

Der private Verkäufer muss Sie über einen Unfallschaden aufklären, wenn Sie ihn explizit danach fragen. Ein Händler hat eine Aufklärungspflicht. Er muss ungefragt über Unfallschäden aufklären. Bei Verträgen, die ab dem 1.1.2022 geschlossen werden, muss er sogar explizit auf Unfallschäden hinweisen, wenn der Kunde nicht damit rechnen kann. Darüber hinaus muss er das Auto vor dem Verkauf auf Unfallschäden untersuchen. Deshalb wichtig: Lassen Sie sich im Kaufvertrag unbedingt zusichern, dass das Auto unfallfrei ist.

Ein Blick auf Spaltmaße der Türen, Kotflügel, Motorhaube und Heckklappe kann Hinweise auf mögliche Unfallschäden geben. Schauen Sie auch den Lack genau an. Stellen Sie Farbunterschiede, Lackspritzer an Dichtungen oder matte Stellen fest? Bei Zweifeln können Sie die Dichte des Lacks messen lassen.

ADAC Gebrauchtwagenuntersuchung

Sie haben einen schönen Gebrauchtwagen gefunden, trauen sich aber nicht zu, als Laie seine wirkliche Qualität zu beurteilen? Dann können Sie das Auto vom ADAC Fachmann durchchecken lassen.

Machen Sie eine Probefahrt

Machen Sie unbedingt eine Probefahrt, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Nehmen Sie möglichst eine Begleitperson mit auf die Probefahrt.

Tipp der ADAC Juristen: Klären Sie vor der Probefahrt, wie das Fahrzeug versichert ist. Besteht eine Vollkaskoversicherung und verursachen Sie als Probefahrer einen Schaden am Fahrzeug des privaten Verkäufers, müssen Sie nur die Selbstbeteiligung und den Höherstufungsschaden ersetzen. Wollen Sie von einem Händler kaufen, ist davon auszugehen, dass die Haftung auf grobe Fahrlässigkeit und Vorsatz reduziert ist.

Sie können die ADAC Mustervereinbarung für die Probefahrt hier herunterladen.

Laden Sie sich hier die ADAC Mustervereinbarung für eine Probefahrt herunter
PDF, 66,9 KB
PDF ansehen

Alle Informationen, worauf Sie bei der Probefahrt achten sollten, finden Sie in der ADAC Checkliste für die Probefahrt:

Checkliste für die Probefahrt
PDF, 256 KB
PDF ansehen

Weitere Tipps für die Probefahrt

Händlertrick: Verkauf im Auftrag des Vorbesitzers

Der Gebrauchtwagenhändler darf die gesetzliche Sachmängelhaftung von zwei Jahren auf ein Jahr verkürzen. Ganz ausschließen darf er sie aber nicht.

Manche Händler versuchen, die Sachmängelhaftung zu umgehen, indem sie das Auto im Auftrag des Vorbesitzers verkaufen. Seien Sie in so einem Fall vorsichtig. Fragen Sie beim Vorbesitzer nach, ob er tatsächlich den Verkauf in seinem Namen in Auftrag gegeben hat.

Achten Sie auch beim Privatverkauf darauf, dass der eingetragene Halter und der Verkäufer identisch sind. Fragen Sie nach einer Vollmacht, wenn das nicht der Fall sein sollte, und fragen Sie beim Halter oder Vorbesitzer direkt nach.

Nicht unter Druck setzen lassen

Vorsicht ist geboten, wenn Sie der Verkäufer unter Druck setzt ("Sie müssen sich schnell entscheiden") oder konkrete Fragen mit banalen Floskeln (z.B. "Das ist bei diesen Modellen immer so") beantwortet.

Bestehen Sie darauf, dass der Verkäufer alle mündlichen Zusicherungen (Kilometerlaufleistung, Garantien, Zusatzausstattung, Unfallfreiheit, Unfallumfang, Zubehör etc.) schriftlich im Kaufvertrag bestätigt.

Ist ein Angebot zu gut, um wahr zu sein, könnte es sich um Betrug handeln. Hier finden Sie Infos zu den übelsten Betrugsmaschen am Gebrauchtwagenmarkt.

Mängel am Gebrauchtwagen: Das sind Ihre Rechte

Tachomanipulation: Jeder dritte Kilometerstand stimmt nicht

Mustervorlagen, Kaufverträge und Probefahrt

Zweifel am Alter? So erkennen Sie, wie alt das Gebrauchtfahrzeug wirklich ist

Gebrauchtwagenkauf: Diese Daten zum Auto gibt es kostenlos

Valide Daten zum Gebrauchtwagen können sowohl für den Käufer ein Stück Sicherheit bieten als auch dem Verkäufer dabei helfen, Vertrauen in sein Angebot zu schaffen - auch wenn sich aus Sicht des ADAC so Tacho-Betrug nicht zuverlässig aufdecken lässt.

Was viele nicht wissen: Neben den kostenpflichtigen Services von privaten Anbietern lassen sich auch folgende Daten zum eigenen Fahrzeug kostenlos abrufen:

  • Kennzeichen

  • Hersteller, Modell, Fahrgestellnummer, Versionsbezeichnung

  • Schlüssel- und Typnummer

  • Datum der Erstzulassung und Zahl der Vorbesitzer, nächste Hauptuntersuchung

  • technische Daten wie Maße, Leer- und Gesamtgewicht, Achslasten, Bereifungsgröße

  • Anhängelast, Zahl der Sitzplätze, Kraftstoff, Hubraum (bei Verbrennern), Nennleistung, Höchstgeschwindigkeit, Stand-/Fahrgeräusch, Emissionsklasse, CO2-Wert, für Steuerklasse wichtige Zusatz-Information, Nummer der Typgenehmigung und deren Datum (wichtig zur Beurteilung, ob ein Auto schon den neuen Bestimmungen zum Schutz des Kilometerstandes gemäß EU 2017/1151 genügen muss)

  • Hinweise zu Wechsel-, Saison-, Oldtimer-, Elektro- oder grünem Kennzeichen

  • Halter- und Versicherungsdaten

  • Umschreibungen auf andere Halter

  • abgelesene Kilometerstände bei den jüngsten Haupt-Untersuchungen und ob Prüfplakette zugeteilt wurde

Und so gehts:

1. Möglichkeit: Mit elektronischem Personalausweis
Wer über den Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion verfügt, kann für alle auf ihn zugelassenen Fahrzeuge einen mehrseitigen Daten-Auszug kostenlos vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) anfordern. Erforderlich sind dazu der Personalausweis und die AusweisApp2. Das dauert nur wenige Minuten.

2. Möglichkeit: Anfrage an die Fahrzeug-System-Daten GmbH
Wem die Daten der letzten Hauptuntersuchungen, dort abgelesene Kilometerstände, Messwerte der Bremsenprüfung sowie dabei fest gestellte Mängel und erteilte Hinweise genügen, kann bei der Fahrzeug-System-Daten GmbH (FSD) gemäß § 15 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) anfragen. Dazu die Anfrage in das Kontaktformular auf www.fsd-web.de* eintragen und Kopie/Scan des eigenen Personalausweises sowie von Zulassungsbescheinigung Teil eins oder zwei des eigenen Autos beifügen. Per Brief ist die Anfrage zu richten an : Fahrzeug-System-Daten GmbH , Wintergartenstraße 4 , 01307 Dresden.

* Link führt zu einer externen Seite, für deren Inhalte der Seitenbetreiber verantwortlich ist.

* Durch Anklicken des Links werden Sie auf eine externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Angela Baumgarten
Angela Baumgarten
Fach-Autorin
Kontakt
Petra Gerhäuser
Petra Gerhäuser
Fach-Autorin
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?