Wallbox: Elektroauto-Ladestation für zu Hause - Die wichtigsten Tipps

15.7.2019

Schneller Laden zu Hause – das kann man mit einer Wallbox. Was man bei der Ladestation für die Garage beachten muss. Infos zu Technik, Preisen, Installation und ein Hersteller-Überblick

Elektroautos in einer Wallbox
Testaufbau für Wallboxen beim ADAC Technik Zentrum in Landsberg
  • Eine Wallbox schützt den Anschluss vorm Überhitzen
  • Wer schnell laden will, sollte sich für eine Ladestation mit hoher Leistung entscheiden
  • Wohnungseigentümer müssen vor dem Einbau um Genehmigung durch die Miteigentümer bitten

 

Warum braucht man eine Wallbox?

Eine Haushaltsteckdose reicht für das Aufladen von Elektroautos in der Regel nicht aus, weil sie nicht für langes Laden unter hoher Last ausgelegt ist. Deshalb besteht das Risiko, dass das Stromkabel, der Stecker oder die Steckdose überhitzen, die Sicherung rausspringt und das Auto nicht weiter geladen wird. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Kabelbrand kommen. Nur wenn die Leitung fachgerecht installiert wurde und nachweislich den Anforderungen der E-Mobilität entspricht, kann an einer Haushaltssteckdose geladen werden.

Das Risiko der Überhitzung und ein Abbruch des Ladevorgangs sind bei einer Wallbox (Wandladestation) so gut wie ausgeschlossen. Wallboxen müssen über besondere  FI-Schutzschalter verfügen, die verhindern, dass Personen einen Stromschlag bekommen, etwa wenn eine Leitung defekt oder ein Kontakt feucht geworden ist. Neben der Sicherheit haben Wallboxen den großen Vorteil, mit höheren Ladeleistungen operieren zu können. Statt 2,3 kW – wie bei der Haushaltssteckdose – sind sogar bis zu 22 kW möglich.

Wo sollte man sein Elektroauto laden?

Fahrer von Elektroautos sollten ihr Auto vor allem in der eigenen Garage oder dem Carport aufladen. Die Vorteile: Dort steht das Auto meist viele Stunden am Stück, sodass auch längere Ladezeiten kein Problem sind. Das Auto befindet sich zudem in einem geschützten privaten Raum. Der Nutzer kann selbst bestimmen, von welchem Anbieter er seinen (grünen) Strom bezieht. Deshalb kostet das Laden zu Hause auch genauso viel wie der normale Haushaltsstrom. An öffentlichen Ladesäulen ist es in aller Regel deutlich teurer.

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Wallbox
Je nach Ladeleistung muss der Querschnitt der Zuleitung angepasst werden 

Welche Unterschiede gibt es bei Wallboxen?

Zunächst die Gemeinsamkeiten: Alle Wallboxen haben einen festen Anschluss an die Hausinstallation. Meistens sind sie mit dem Typ-2-EU-Stecker ausgestattet. Für ältere Elektroautos mit Typ-1-Stecker gibt es passende Anschlusskabel.

Die wichtigsten Unterschiede für den Kunden sind die Ladeleistung und der Bedienkomfort. Je nach Wallbox und Fahrzeug kann der Ladevorgang enorm lang dauern oder erstaunlich verkürzt werden, ein Display oder Controlpanel informiert über den Ladevorgang, einige Wallboxen können auch vernetzt werden.

Konkrete Beispiele: Dauert das Laden eines leeren 30-kWh-Akkus mit einer Wallbox simpelster Auslegung (230 V, einphasig, 16 A, 3,7 kW) mindestens zehn Stunden, reduziert sich der Ladevorgang bei höherwertigen Wallboxen (400 V, dreiphasig, 16 A, 11 kW) auf rund drei Stunden. Die 11-kW-Option entspricht dem Anschluss an eine 400 Volt-Leitung – wie etwa beim Küchenherd üblich.

Die aufwendigere Option ist die Optimierung der Hausinstallation mit stärkeren Zuleitungen. Mit der 22-kW-Wallbox (dreiphasig, 32 A) dauert das Laden eines 30-kWh-Akkus nur etwa 1,5 Stunden. Die Installation treibt jedoch die Kosten in die Höhe und bedarf zudem einer ausdrücklichen Genehmigung durch den örtlichen Netzbetreiber.

Welche Wallbox passt zu welchem Auto?

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Wallbox
Wallbox mit standardisiertem Typ-2-Stecker

Voraussetzung für das schnelle Laden mit 11 und 22 kW: Das Fahrzeug ist dafür ausgelegt. Bei vielen Herstellern kostet dies Aufpreis, für manche Elektroautos ist es gar nicht zu haben.

Ein guter Kompromiss – und daher die ADAC-Empfehlung – ist eine 11-kW-Wallbox. Sie kann sowohl einphasig, als auch zwei- und dreiphasig laden und reicht für eine Ladung über Nacht auch bei größeren Batterien in der Regel aus. Zumal der Akku ja so gut wie nie komplett leer gefahren wird.  

Was kostet eine Wallbox?

Die Preisspannen reichen von etwa 500 bis über 2500 € (ohne Installation). Was die Wahl des richtigen Modells schwierig macht: Es gibt zum Teil große Unterschiede, sogar bei Modellen auf gleichem Preisniveau. Die Vor- und Nachteile im Detail können nur durch spezielle Untersuchungen aufgedeckt werden. Der ADAC hat deshalb diverse Wallboxen getestet.

Kann ich eine Wallbox selbst installieren?

Nein, das ist nicht zulässig. Das muss stets ein Fachbetrieb übernehmen. Der Elektroinstallateur haftet dann auch für den fachgerechten Einbau.

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Gibt es Zuschüsse zum Einbau von Wallboxen?

Ja, unter anderem von der Förderbank KfW sowie von verschiedenen Bundesländern, Gemeinden und Stromanbietern. Hier finden Sie eine Liste der aktuellen Förderungen von Elektroautos und Wallboxen.

Sind Wallboxen auch bei Mehrfamilienhäusern erlaubt?

Grundsätzlich ja. Allerdings müssen bei der Installation einige Herausforderungen bewältigt werden. So sind viele ältere Hausanschlüsse nicht auf die deutlich erhöhte Stromnachfrage durch Elektroautos ausgelegt. Es gibt zwar technische Lösungen, die aber einigen Planungsaufwand erfordern. In neueren Häusern reicht die Stromstärke häufig – ein Check durch einen Elektrotechniker ist aber immer ratsam.

Das weitaus größere Problem ist die Gesetzeslage: In Deutschland muss bei Mehrfamilienhäusern die Eigentümergemeinschaft dem Einbau von Wallboxen zustimmen – und zwar einzelnen Gerichtsbeschlüssen zufolge einstimmig. Ein einziger Elektro-Gegner in der Eigentümergemeinschaft kann deshalb die Strom-Aufrüstung für alle ausbremsen. Wenn Sie eine Wallbox installieren möchten, sollten Sie als Wohnungseigentümer deshalb das Gespräch mit Ihren Miteigentümern suchen.

Es empfiehlt sich, vor der jährlichen Eigentümerversammlung ein kurzes erklärendes Schreiben zu verteilen. Hilfreich ist die Bitte, sich bei auftretenden Fragen an Sie zu wenden. So können Sie weitere Interessenten gewinnen und eventuelle Unklarheiten schon vor der Versammlung ausräumen. Der Beschluss zugunsten der Wallbox muss einstimmig ausfallen. Nicht anwesende Miteigentümer müssten Sie also im Nachhinein anschreiben und um deren Unterschrift bitten. Wenn Sie Mieter sind, sprechen Sie Ihren Vermieter an.

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Fotos: ADAC/Uwe Rattay (2), Renault

Text: Wolfgang Rudschies, Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de