Hohe Gebrauchtwagenpreise: Wie man an ein günstiges Auto kommt

Neu- und Gebrauchtwagen werden immer teurer
Neu- und Gebrauchtwagen werden immer teurer© imago images/Sven Simon

In den letzten beiden Jahren sind Gebrauchtwagen erheblich teurer geworden. Wo die Gründe liegen, wie man dennoch ein günstiges Auto findet und wie der typische Gebrauchtwagenkäufer aussieht. ADAC und DAT haben die Antworten.

Alles wird teurer. Was für viele bislang nur ein Gefühl war, wurde von offizieller Seite bestätigt: Laut Statistischem Bundesamt sind die Verbraucherpreise 2021 um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Und was für allgemeine Verbrauchsgüter gilt, trifft leider auch auf den Automarkt zu – sogar in weit größerem Ausmaß.

Denn nicht nur die Neuwagen-, sondern auch die Gebrauchtwagenpreise haben rasant zugelegt! Von 2019 auf 2020 um heftige 18 Prozent, und 2021 noch einmal um knapp sieben Prozent, wie die Deutsche Automobil Treuhand (DAT)* im aktuellen DAT-Report vermeldet. Konkret: 15.740 Euro wurden 2021 für einen Gebrauchtwagen im Schnitt bezahlt im Vergleich zu 12.470 Euro im Jahr 2019.

Neuwagenmarkt in der Krise

Auch beim Gebrauchtwagen geht der Trend zum SUV © SP-X

Woran liegt's? Ein Grund ist, dass auch beim Gebrauchtwagen der Trend zum SUV geht, und diese Fahrzeuge in der Regel teurer sind als "normale" Pkw. Doch das ist nicht die Hauptursache. Eine weit größere Auswirkung auf den Gebrauchtmarkt haben die Lieferengpässe bei Neuwagen, bedingt durch zahlreiche Krisen wie Produktionsausfälle durch Corona, Erdbeben in Japan, Schneestürme an der Ostküste der USA und Insolvenzen in der Zulieferindustrie.

Auch durch eine schlechte Planung seitens der Autobauer herrscht immer noch vor allem eine Knappheit bei Microchips. Wenn Halbleiter fehlen – ein neues Auto hat mehr als 1000 davon an Bord – können Autos nicht produziert und ausgeliefert werden. In Zahlen: Statt 3,6 Millionen Neuwagen in 2019 wurden 2021 in Deutschland nur 2,6 Millionen Autos neu zugelassen.

2021: Junger Gebrauchter statt Neuwagen

Was hat das mit Gebrauchtwagen zu tun? Als Folge der Lieferschwierigkeiten bei Neuwagen sind viele auf den Gebrauchtwagenmarkt ausgewichen, haben stattdessen junge (und teurere) Gebrauchte gekauft und das Angebot verknappt. Die Preise sind gestiegen, weil die Besitzumschreibungen nicht in gleichem Maß gesunken sind wie die Neuwagenzulassungen. Hinzu kommt, dass laut DAT gleichzeitig weniger "junge Gebrauchte" etwa durch Mietwagenfirmen (minus 30 Prozent), Vorführwagen und Tageszulassungen durch Händler (minus 28 Prozent) oder Leasingrückläufer in den Markt gekommen sind und den Preisanstieg noch befeuert haben.

Wann ist ein Ende der hohen Preise in Sicht? Laut DAT wird sich daran so schnell nichts ändern. Auch 2022 dürfte der Gebrauchtwagenmarkt angespannt bleiben – und wohl auch darüber hinaus. Die Gebrauchtwagen-Experten fürchten sogar, dass das hohe Preisniveau "das neue Normal" werden könnte. Schließlich würden die Händler Pandemie-bedingt höhere Kosten und Ausfälle kompensieren. Und es bleibt wohl dabei, dass über Autovermieter und Co. weniger junge Gebrauchte in den Markt kämen.

Elektroautos sind günstiger zu haben

Den elektrischen Renault Zoe gibt es seit 2013 © ADAC/Martin Hangen

Eine Ausnahme gibt es allerdings: Elektroautos. Sie verteuerten sich gebraucht in den letzten beiden Jahren weniger stark als Autos mit Verbrennungsmotor und haben ohnehin ein vergleichsweise niedriges Restwertniveau. Während ein dreijähriger Benziner noch gut 59 Prozent seines Ursprungswertes hat und damit für den Gebrauchtkäufer nur teuer zu haben ist, verharren E-Autos nach der Statistik des DAT bei einem Restwert von knapp 48 Prozent des Listenpreises. Grund: Sie werden als Neuwagen mit Zuschüssen bis 9000 Euro hoch subventioniert – für Autokäufer ist es daher oft interessanter, trotz häufig langer Lieferzeiten einen Neuwagen zu kaufen statt einen Gebrauchten. In Folge können die Gebrauchten nicht mehr so hoch eingepreist werden – was für den Händler schlecht ist, ist für den Käufer gut. Ändern wird sich daran so schnell nichts, denn zumindest den Umweltbonus gibt es bis 2025.

So findet man einen günstigen Gebrauchten

Wer jetzt einen Gebrauchtwagen kaufen will oder muss, hat trotzdem Möglichkeiten, der Preisspirale zu entgehen. Hier die Tipps des ADAC:

1. Kompromisse eingehen

Es soll eine silberne Mercedes C-Klasse mit Ledersitzen, Klimaautomatik und Xenonlicht mit wenig Kilometern sein? Es ist keine gute Idee, sich auf eine (gängige) Kombination zu versteifen. Je flexibler man bei Farbe, Ausstattung, Motor oder Getriebe ist, desto höher die Chance, ein günstiges Angebot zu finden. Warum also nicht mal ein knallroter Mercedes mit Schaltgetriebe und Stoffsitzen? Gerade farbenfrohe Autos sind oft günstiger als schwarze oder graue.

2. Anderes Modell suchen

Oder Sie sind noch mutiger und rücken ganz vom Wunschmodell ab. Es lohnt sich, jenseits der Bestseller auf Suche zu gehen und sich die Underdogs anzusehen. Statt BMW 3er, VW Golf oder Opel Corsa können auch Hyundai i40, Citroën C4 oder Subaru Justy gute Alternativen sein, die der Händler vom Hof haben möchte. Um die Stärken und Schwächen eines Modells herauszufinden, ziehen Sie am besten den Autotest und die Gebrauchtwagenbewertungen des ADAC zu rate.

Und was spricht dagegen, eine Nummer kleiner (und damit günstiger) zu kaufen? Weil Autos von Generation zu Generation stetig wachsen, ist ein aktueller Polo mittlerweile genauso geräumig wie ein Golf III oder Golf IV. Nur eben billiger als ein Golf VII.

3. Auto-Abo ausprobieren

Wer sein Wunschmodell nicht findet, aber schnell einen fahrbaren Untersatz braucht, kann ein paar Monate oder Jahre mit klassischem Leasing bei kurzer Laufzeit oder einem Auto-Abo überbrücken. Letzteres ist als Langzeitmiete noch wenig bekannt, hat aber Vorteile. Man zahlt einen fixen Betrag im Monat und kann meist monatlich kündigen. Beinhaltet sind alle Kosten von Versicherung über Inspektionen, man hat kein Wertverlustrisiko und muss nur noch den Treibstoff bezahlen. Zum Laufzeitende gibt man das Auto einfach ab. Auch hier gilt: Nach Newcomern im Markt schauen (z.B. Lynk und Co oder Genesis) oder nach weniger gängigen Modellen mit entsprechend günstigen Preisen.

4. Carsharing nutzen

Für Wenigfahrer kann auch Carsharing eine Alternative sein. In Großstädten ist die Abdeckung mittlerweile so gut, dass sich immer ein Auto findet. In Kleinstädten oder auf dem Land sind die großen Anbieter allerdings nicht präsent. Alternative: privates Carsharing. Manche Fahrzeuge sind dafür sogar ab Werk ausgelegt, die Mercedes A-Klasse etwa oder der Smart EQ ("Ready to share"). Das Auto lässt sich über eine App mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn teilen, geöffnet und gestartet wird via Smartphone. Oder auch ganz analog. Vorteil: Der "Vermieter" kann ein paar Euro verdienen, der "Mieter" braucht kein eigenes Auto.

5. Reimport statt junger Gebrauchtwagen

Bei manchen Modellen kann es sich lohnen, nach einem Reimport zu schauen. Also nach Autos, die eigentlich für ein anderes Land bestimmt waren. Oft liegen deren Neuwagenpreise auf dem Niveau junger Gebrauchter. Es gibt viele Händler, die sich darauf spezialisiert haben und Autos im großen Maßstab importieren. Aber: Auch wenn der Wagen vom gleichen Band gerollt ist wie die deutsche Version, kann es Unterschiede bei der (Sicherheits-)Ausstattung geben. Also am besten genau vergleichen.

6. Elektroauto kaufen

In Zukunft fahren wir alle elektrisch. Es spricht aber nichts dagegen, bereits jetzt auf ein E-Auto umzusteigen. Wer seine genauen Bedürfnisse und Voraussetzungen kennt (tägliche Fahrleistung, Erst- oder Zweitwagen, Lademöglichkeiten), kann ein Elektroauto als Alternative in Betracht ziehen. Wegen der hohen Neuwagensubventionen sind die Gebrauchtpreise im Keller (siehe oben), und so langsam füllen sich die Höfe mit Leasingrückläufern und lange gebauten Pionieren wie BMW i3 und Renault Zoe.

Beschäftigen sollte man sich aber mit realen Reichweiten, Ladezeiten und der Garantie auf die Antriebsbatterie. Wer ein Auto als reiner Pendler- oder Stadtauto nutzt, kann auch mit den geringen Reichweiten der ersten E-Autos gut leben.

DAT-Report 2022: So tickt der Gebrauchtwagenkäufer

Was unterscheidet den Gebrauchtwagen- vom Neuwagenkäufer? Worauf legt er Wert? Und wie steht er zu alternativen Antrieben? Diese und viele weitere interessante Infos hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT) im aktuellen DAT-Report 2022 dargestellt. Grundlage ist eine repräsentative Umfrage unter Autokäufern. Hier die Zahlen und Fakten:


Gebrauchtwagenkäufer 2021

Neuwagenkäufer 2021

Geschlecht

69 % Männer

75 % Männer

Alter

41,8 Jahre

46,2 Jahre

Fahrpraxis

22,3 Jahre

26,9 Jahre

Pkw im Haushalt

1,8

1,9

Hatten zuvor einen Neuwagen

22 %

79 %

Monatliches Haushalts-Nettoeinkommen

3363 €

4462 €

Kaufpreis des Fahrzeugs

15.740 €

37.790 €




Repräsentative Käufer-Befragung des DAT

Vom Neuwagenkäufer unterscheidet sich der Gebrauchtwagenkäufer in einigen Punkten, wie die Tabelle oben zeigt. Keine Unterscheidung zwischen beiden Gruppen macht DAT bei der durchschnittlichen Jahresfahrleistung und hat Autofahrer insgesamt befragt. Im Schnitt waren Autofahrer 2021 rund vier Prozent weniger unterwegs als im Vorjahr und haben 13.180 Kilometer zurückgelegt. Interessant: Großstädter fahren mit 12.460 Kilometern im Jahr deutlich weniger als Kleinstädter mit 13.450 Kilometern. Letztere haben in den Corona-Jahren besonders stark ihre Fahrleistung reduziert. 2019 hat diese Gruppe noch 16.110 Kilometer zurückgelegt. Hier kommt der Home-Office-Effekt zum Tragen.

Die Corona-Pandemie hat aber auch die Bedeutung des eigenen Autos steigen lassen. 91 Prozent der Befragten fühlen sich ohne Auto in ihrer Mobilität eingeschränkt (2019: 84 Prozent), und 79 Prozent (75 Prozent in 2019) halten ihr Auto für unverzichtbar.

Kaufkriterien: Was dem Gebrauchtkäufer wichtig ist

Gebrauchtwagenkäufer denken eher rational. Ganz oben stehen Zuverlässigkeit, Unfallfreiheit und der Kaufpreis. Vernetzung, Inzahlungnahme des Vorwagens und auch das Prestige spielen dagegen eine untergeordnete Rolle. Auffällig laut DAT: Im Vergleich zum Vorjahr fallen die Erwartungen an einen Gebrauchten niedriger aus – die Noten haben sich etwas verschoben. Kilometerstand etwa (1,93 statt 1,82 im Vorjahr) oder Ausstattungsumfang (1,87 statt 1,7 im Vorjahr). Wichtiger wird allerdings die Umweltverträglichkeit, die von 2,45 auf 2,34 gestiegen ist. Hier kann der ADAC Ecotest eine gute Kaufhilfe darstellen. Er ermittelt den realen Verbrauch sowie den Schadstoffausstoß.

Noch wenig Interesse an alternativen Antrieben

Dass Gebrauchtkäufern die Umweltverträglichkeit wichtiger wird, zeigt auch diese Grafik. Haben 2020 nur 13 Prozent den Kauf eines Autos mit alternativem Antrieb in Erwägung gezogen, waren es 2021 bereits 27 Prozent. Im Vergleich zum Neuwagenkäufer ist das aber immer noch wenig. Hier haben 2021 immerhin 59 Prozent mit einem alternativen Antrieb geliebäugelt und sich vor allem für ein Hybridfahrzeug interessiert.

Tatsächlich haben 2021 allerdings nur fünf Prozent der Gebrauchtwagenkäufer zu einem Wagen mit alternativem Antrieb gegriffen, ein Prozent zu einem Elektroauto. Als Gründe gegen ein E-Auto führen Gebrauchtkäufer vor allem hohe Anschaffungskosten (49 Prozent), eine begrenzte Reichweite (31 Prozent) und eine unausgereifte Infrastruktur (30 Prozent) an.

Gebrauchtwagenfahrer parken draußen

Doch auch die Parksituation könnte die ablehnende Haltung befördert haben. Wer keine eigene Garage hat und dort eine Wallbox anbringen kann, ist auf die öffentliche Infrastruktur zum Laden eines E-Autos angewiesen. Gebrauchtwagenkäufer sind meist "Laternenparker" und haben offenbar Bedenken, keine freie Ladesäule zu finden. Nicht ganz unberechtigt. Zwar seien 2021 deutschlandweit jede Woche 250 Ladepunkte hinzugekommen, doch laut dem Automobilverband VDA bräuchte es 2000 neue Ladepunkte pro Woche, um mit der wachsenden Zahl an E-Autos Schritt halten zu können, wie der DAT schreibt.

Wohin geht der alte Wagen?

Beim Autokauf gibt es meist einen alten Wagen, den man loswerden muss. Dabei machten es sich 39 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer und 51 Prozent der Neuwagenkäufer leicht und gaben den Vorwagen beim Händler in Zahlung. Weil Fahrzeuge knapp waren, zeigten die Händler im letzten Jahr laut DAT besonders großes Interesse am Ankauf von Gebrauchtwagen. Dennoch spielt gerade bei Gebrauchtkäufern auch der Handel mit Privatleuten eine sehr große Rolle. 42 Prozent haben auf diese Weise ihren Altwagen verkauft.

Nach gut zwölf Jahren wird der alte Wagen verkauft

Die Markentreue ist bei Gebrauchtkäufern nicht sehr ausgeprägt © Shutterstock/Hadrian

Im Schnitt war der Vorwagen eines Gebrauchtwagenkäufers 12,2 Jahre alt, hatte rund 160.000 Kilometer auf der Uhr und wurde sechs Jahre gefahren. Mit dem neuen Gebrauchten sind 95 Prozent so zufrieden, dass sie ihn wieder kaufen würden. Dennoch ist laut DAT die Markentreue wenig ausgeprägt. Bei der Neuerwerbung sind nur 37 Prozent der Gebrauchtwagenkäufer ihrer Marke treu geblieben (Neuwagenkäufer 47 Prozent).

Insofern müssen die Händler trotz des derzeit mageren Angebots um jeden Kunden kämpfen. Schließlich informieren sich 94 Prozent der Gebrauchtkäufer online – und finden damit auch Angebote, die sich nicht im Umkreis befinden. Das Internet sorgt somit für Markttransparenz, aber oft auch für die Erkenntnis, dass auch anderswo keine Schnäppchen zu holen sind. Es bleibt spannend, wie sich der Markt in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Tipps für den Gebrauchtwagenkauf

Selbst wenn ein Modell in der ADAC Pannenstatistik als zuverlässig aufgeführt ist, können einzelne Exemplare einer Modellreihe in ihrer Zuverlässigkeit doch sehr unterschiedlich sein. Denn: Je älter das Fahrzeug ist, umso größer ist der Einfluss des Halters auf die Pannenanfälligkeit.

Deshalb gilt beim Kauf eines älteren Fahrzeugs ganz allgemein:

Und hier finden Sie alles zum Thema Gebrauchtwagen

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Fachliche Beratung: Maximilian Bauer/ADAC Technikzentrum

Jochen Wieler
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