Gebrauchtwagenpreise 2023: Es bleibt teuer

Die Gebrauchtwagenpreise explodieren in 2022
Noch nie waren Gebrauchtwagen so teuer wie in den letzten zwei Jahren© imago images/Sven Simon

Die Preise für Gebraucht- und Neuwagen bleiben hoch: Für fabrikneue Modelle mussten Kundinnen und Kunden 2023 sogar noch einmal mehr zahlen. Warum das so ist und wie man dennoch ein günstiges Auto findet, verraten ADAC und DAT.

  • Gebrauchtwagen 2023 nur minimal günstiger als im teuren Vorjahr

  • DAT-Umfrage zeigt: Immer mehr kaufen ihr Auto auf Pump

  • ADAC Tipps, um beim Autokauf trotzdem Geld sparen zu können

Gebrauchtwagenkäufer müssen nach wie vor tief in die Tasche greifen: Das hat die Deutsche Automobil Treuhand (DAT)* in ihrer gerade erschienenen Auswertung aktueller Entwicklungen auf dem Automobilmarkt herausgefunden. Das Bild 2023 ist ein ähnlich düsteres wie im Vorjahr. Laut DAT-Report haben sich die Preise zwar ein wenig entspannt – allerdings auf sehr hohem Niveau. Denn: 2022 war ein Rekordjahr für Gebrauchtwagenpreise.

Entwicklung Neu- & Gebrauchtwagenpreise

Im Schnitt kostete ein Gebrauchtwagen 2023 demnach 18.620 Euro, minimal weniger als 2022, aber satte 18 Prozent mehr als noch zwei Jahre zuvor. Dass die Preise nicht näher an das Vorkrisenniveau herabgesunken sind, hat mehrere Gründe: Zum einen war die Jahresteuerungsrate laut Statistischem Bundesamt* mit 5,9 Prozent weiter auf einem hohen Niveau. Zum anderen besteht auch ein Zusammenhang von Gebrauchtwagenpreisen und den Kosten für Neuwagen.

Und mit denen ging es auch 2023 munter bergauf, 44.630 Euro mussten Käuferinnen und Käufer durchschnittlich hinlegen. Auch der ADAC stellte in einer Auswertung fest, dass Neuwagen schon seit Jahren stetig teurer werden. Trotz insgesamt mauer Konjunkturlage konnten Autokonzerne so teilweise Rekordgewinne verbuchen.

Für etwas Entspannung sorgte allerdings, dass in den Markt 2023 grundsätzlich wieder mehr Bewegung kam, es gab knapp 200.000 mehr Neuzulassungen. Lieferengpässe der Hersteller durch die Corona-Pandemie und Chipmangel flauten vergangenes Jahr ab. Folglich waren auch mehr Pkw verfügbar, um ihr Debüt auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu feiern.

Viele konnten deshalb die Autoneuanschaffung nachholen, die sie wegen der hohen Preise zuvor noch verschoben hatten. Zu sehen ist das an der gestiegenen Zahl von Besitzumschreibungen. Im Endeffekt mussten Gebrauchtkäufer allerdings ähnlich viel wie im Vorjahr auf den Tisch legen.

Immerhin: Kraftstoffe wie Diesel und Super waren 2023 laut Statistischem Bundesamt sechs Prozent billiger als im Vorjahr.

Die Last der hohen Preise

Grundsätzlich ist die Liebe der Deutschen zu ihrem Auto ungebrochen. In der Umfrage der DAT, die der unabhängige Dienst jedes Jahr durchführt, geben 90 Prozent an, dass ein eigenes Auto für sie "elementar" sei: Es garantiert ihnen Freiheit und Unabhängigkeit. 73 Prozent der Halterinnen und Halter freuen sich gar jedes Mal, wenn sie ihr Auto sehen.

Doch allseits gestiegene Kosten – für Pkw-Unterhalt, Kraftstoff, Kredite etc. – sorgen bei fast der Hälfte der Befragten für Angst, sich ihr Auto bald nicht mehr leisten zu können. Besonders für jene, die auf ihr Auto etwa für den Weg zur Arbeit angewiesen sind, stellen die stark gestiegenen Preise auf dem Automarkt ein echtes Problem dar.

Für zwei Drittel der Gebrauchtwagenkäuferinnen und -käufer war ihre Auto-Anschaffung nach eigenen Angaben absolut notwendig, sie hatten also keine Wahl und mussten die aktuell hohen Kosten auf sich nehmen. Eine besondere Belastung, zumal unabhängig davon auch Energie und Nahrungsmittel zum immer größeren Kostenpunkt werden.

Ein gebrauchtes E-Auto? Zu teuer!

Ein hellblauer Renault Zoe während der Fahrt
2019 kam der Renault Zoe mit reichweitenstarkem 52-kWh-Akku, als Gebrauchter kommt er also definitiv in Frage© Renault

Und auch der ökologischen Mobilitätswende erweisen die hohen Preise einen Bärendienst. Zwar spielt die Umwelt eine immer größere Rolle in den Konsumüberlegungen vieler Menschen, doch ein CO₂-sparendes E-Auto ist 87 Prozent der Befragten schlicht zu teuer. 43 Prozent jener, die 2023 einen Verbrenner kauften, entschieden sich aus Kostengründen gegen einen Stromer. Kein Wunder, denn im Schnitt kostet ein neues batterieelektrisches Auto (BEV) 15.000 Euro mehr als eines mit fossilem Antrieb.

Daher ist es auch keine Überraschung, dass der Gebrauchtwagenmarkt für E-Autos noch kaum Relevanz hat. Nur zwei Prozent der Besitzumschreibungen gingen auf Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb zurück. Und obwohl es letztes Jahr zum ersten Mal ein relevantes Angebot technisch hochwertiger gebrauchter E-Autos gab, dürfte der Markt weiter nur schleppend vorankommen. Die Mehrheit der Befragten gab an, noch mindestens fünf Jahre warten zu wollen, um den Umstieg auf einen Stromer zu wagen.

Der jüngste Wegfall sämtlicher Förderprämien für E-Autos dürfte ein weiterer Bremsklotz sein, war doch der Bonus für jene, die sich letztes Jahr ein BEV anschafften, das wichtigste Kaufargument (55 Prozent). Fällt dieses nun weg, dürften sich einige gegen einen Stromer entscheiden, die mit der Prämie noch positiv eingestellt waren. Die Folge: Weniger Neuzulassungen und deswegen weniger Stoff für den Gebrauchtwagenmarkt.

Autokauf immer öfter mit Kredit

Die stetig steigenden Preise auf dem Automarkt beeinflusst auch die Art und Weise, wie Kundinnen und Kunden ihre neuen Fahrzeuge finanzieren. Wie eine Langzeit-Auswertung der DAT zeigt, waren vor 50 Jahren noch 38 Prozent des Jahreseinkommens eines Haushalts vonnöten, um einen Neuwagen zu erstehen. 2023 sind es 80 Prozent.

Ohne Kredite dürfte für viele ein Neuwagenkauf also nicht mehr möglich sein, 40 Prozent der Befragten liehen sich Geld für den Kauf. 1974 mussten nur 12 Prozent auf diese Lösung zurückgreifen. Die gestiegenen Preise dürften für diesen Wandel ein wichtiger Grund sein, doch natürlich spielen auch attraktivere Zinsmodelle und eine größere gesellschaftliche Akzeptanz von Krediten eine Rolle.

Was Gebrauchtwagenkäufern wichtig ist

Gebrauchtwagenkäuferinnen und -käufer unterscheiden sich in ihrer Herangehensweise beim Kauf mitunter stark von jenen, die einen Neuwagen bevorzugen. Einer der wichtigsten Unterschiede ist: Letztere "müssen" nicht unbedingt einen neuen Wagen kaufen, sondern lassen sich auch von Emotionen und Geschmack leiten. Aussehen und Design sowie eine Markenpräferenz spielen bei Neuwagenkäuferinnen- und käufern also eine größere Rolle.

Menschen, die einen Gebrauchtwagen kauften, schauen also mehr auf den Nutzwert und entscheiden nach praktischen statt emotionalen Argumenten. Sie...

  • ... handeln eher rational: Zuverlässigkeit, Unfallfreiheit und der Kaufpreis sind ihnen am wichtigsten. Die Umwelt spielt eher eine untergeordnete Rolle in den Überlegungen, nur 24 Prozent ließen sich bei der Entscheidung von ihrem ökologischen Gewissen leiten.

  • ... schauen mehr auf den Wiederverkaufswert als früher. Dies ist eine Folge der hohen Preise. Auch die Möglichkeit der Inzahlungnahme des Vorwagens durch den Verkäufer ist in der Liste der Entscheidungskriterien im Vergleich zu den Vorjahren nach oben geklettert.

  • ... machen eine Probefahrt: 7 von 10 wollten ihr zukünftiges Gefährt vorher ausprobieren. Viele entschieden sich deswegen auch für den Kauf beim Markenhändler. Der Privatmarkt war hingegen so schwach wie noch nie, ebenfalls eine Folge der schwierigen Marktbedingungen.

  • ... informieren sich online, aber kaufen offline: Nahezu alle Gebrauchtwarenkunden und -kundinnen nutzten mindestens eine Online-Quelle, etwa Verkaufsplattformen und Testberichte im Internet. Gekauft wird aber in den allermeisten Fällen vor Ort, zwei Drittel können sich einen reinen Online-Kauf überhaupt nicht vorstellen.

  • ... parken draußen: Mehr als zwei Drittel der Neuwagenkundinnen und -kunden haben einen (Tief-)Garagenstellplatz, aber nicht einmal die Hälfte der Menschen, für die nur ein Gebrauchter in Frage kommt. Wohl auch ein Grund dafür, dass E-Autos für diese Gruppe eher nicht in Frage kommen. Fehlt es doch so an einem Ort, wo man eine Wallbox installieren könnte, um die Batterie regelmäßig daheim zu laden.

So findet man einen günstigen Gebrauchten

Gebrauchtwagen werden auf einem Parkplatz angeboten
Die Markentreue ist bei Gebrauchtkäufern nicht sehr ausgeprägt© Shutterstock/Hadrian

Wer jetzt einen Gebrauchtwagen kaufen will oder muss, hat trotzdem Möglichkeiten, der Preisspirale zu entgehen. Hier die Tipps des ADAC:

1. Kompromisse eingehen

Es soll eine silberne Mercedes C-Klasse mit Ledersitzen, Klimaautomatik und Xenonlicht mit wenig Kilometern sein? Es ist keine gute Idee, sich auf eine (gängige) Kombination zu versteifen. Je flexibler man bei Farbe, Ausstattung, Motor oder Getriebe ist, desto höher die Chance, ein günstiges Angebot zu finden. Warum also nicht mal ein knallroter Mercedes mit Schaltgetriebe und Stoffsitzen? Gerade farbenfrohe Autos sind oft günstiger als schwarze oder graue.

2. Anderes Modell suchen

Oder Sie sind noch mutiger und rücken ganz vom Wunschmodell ab. Es lohnt sich, jenseits der Bestseller auf Suche zu gehen und sich die Underdogs anzusehen. Statt BMW 3er, VW Golf oder Opel Corsa können auch Hyundai i40, Citroën C4 oder Subaru Justy gute Alternativen sein, die der Händler vom Hof haben möchte. Um die Stärken und Schwächen eines Modells herauszufinden, ziehen Sie am besten den Autotest und die Gebrauchtwagenbewertungen des ADAC zu rate.

Und was spricht dagegen, eine Nummer kleiner (und damit günstiger) zu kaufen? Weil Autos von Generation zu Generation stetig wachsen, ist ein aktueller Polo mittlerweile genauso geräumig wie ein Golf III oder Golf IV. Nur eben billiger als ein Golf VII.

3. Auto-Abo ausprobieren

Wer sein Wunschmodell nicht findet, aber schnell einen fahrbaren Untersatz braucht, kann ein paar Monate oder Jahre mit klassischem Leasing bei kurzer Laufzeit oder einem Auto-Abo überbrücken.

Letzteres ist als Langzeitmiete noch wenig bekannt, hat aber Vorteile. Man zahlt einen fixen Betrag im Monat und kann meist monatlich kündigen. Beinhaltet sind alle Kosten von Versicherung über Inspektionen, man hat kein Wertverlustrisiko und muss nur noch den Treibstoff bezahlen. Zum Laufzeitende gibt man das Auto einfach ab. Auch hier gilt: Nach Newcomern im Markt schauen (z.B. Nio oder Genesis) oder nach weniger gängigen Modellen mit entsprechend günstigen Preisen.

4. Carsharing nutzen

Für Wenigfahrer kann auch Carsharing eine Alternative sein. In Großstädten ist die Abdeckung mittlerweile so gut, dass sich immer ein Auto findet. In Kleinstädten oder auf dem Land sind die großen Anbieter allerdings nicht präsent. Alternative: privates Carsharing. Manche Fahrzeuge sind dafür sogar ab Werk ausgelegt, die Mercedes A-Klasse etwa oder der Lynk & Co 01. Das Auto lässt sich über eine App mit Freunden, Bekannten oder Nachbarn teilen, geöffnet und gestartet wird via Smartphone. Oder auch ganz analog. Vorteil: Der "Vermieter" kann ein paar Euro verdienen, der "Mieter" braucht kein eigenes Auto.

5. Reimport statt junger Gebrauchtwagen

Bei manchen Modellen kann es sich lohnen, nach einem Reimport zu schauen. Also nach Autos, die eigentlich für ein anderes Land bestimmt waren. Oft liegen deren Neuwagenpreise auf dem Niveau junger Gebrauchter. Es gibt viele Händler, die sich darauf spezialisiert haben und Autos im großen Maßstab importieren. Aber: Auch wenn der Wagen vom gleichen Band gerollt ist wie die deutsche Version, kann es Unterschiede bei der (Sicherheits-)Ausstattung geben. Also am besten genau vergleichen.

6. Elektroauto kaufen

Auch wenn der Anschaffungspreis deutlich höher ist als für einen Verbrenner: Der Kaufpreis ist nicht der einzige Indikator, ob sich eine Investition finanziell lohnt. In den nächsten Jahren wird die CO₂-Steuer sukzessive ansteigen und somit auch Sprit immer teurer werden. Zwar ist auch der Strompreis im Zuge der Energiekrise nach Beginn des Ukraine-Kriegs gestiegen, dennoch ist der mit Strom gefahrene Kilometer unterm Strich günstiger.

Außerdem ist das aktuelle Angebot auf dem E-Gebrauchtwagenmarkt nicht mehr mit dem vor ein paar Jahren zu vergleichen. VW ID.3, Opel Corsa-e, der elektrische Fiat 500 oder das Tesla Model 3 mit Baujahr 2019 werden auf Online-Plattformen immer häufiger inseriert, alle bieten alltagstaugliche Batterietechnik. Wer seine genauen Bedürfnisse und Voraussetzungen kennt (tägliche Fahrleistung, Erst- oder Zweitwagen, Lademöglichkeiten), kann ein Elektroauto als Alternative in Betracht ziehen.

Beim ADAC gibt es zahlreiche Infos zur Elektromobilität.

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Tipps für den Gebrauchtwagen-Kauf

Selbst wenn ein Modell in der ADAC Pannenstatistik als zuverlässig aufgeführt ist, können einzelne Exemplare einer Modellreihe in ihrer Zuverlässigkeit doch sehr unterschiedlich sein. Denn: Je älter das Fahrzeug ist, umso größer ist der Einfluss des Halters oder der Halterin auf die Pannenanfälligkeit.

Deshalb gilt beim Kauf eines älteren Fahrzeugs ganz allgemein:

  • Nehmen Sie das Auto kritisch unter die Lupe.

  • Informieren Sie sich vorher in der ADAC Autodatenbank (auch als App für Android und Apple). Hier finden Sie zum Wunschauto alle Informationen und erfahren auch die typischen Störungen sowie die häufigsten Pannenursachen je Modell und Jahr.

  • Lassen Sie das Fahrzeug fachmännisch überprüfen. Das kann in der Werkstatt Ihres Vertrauens sein oder die ADAC Gebrauchtwagenuntersuchung in einem ADAC Prüfzentrum in Ihrer Nähe.

  • Lassen Sie sich alle Wartungsnachweise bzw. Belege für durchgeführte Reparaturen zeigen.

  • Halten Sie alle zugesicherten Angaben des Verkäufers im Vertrag fest.

Und hier finden Sie alles zum Thema Gebrauchtwagen.

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Fachliche Beratung: Maximilian Bauer/ADAC Technik Zentrum