Ladestationen in Europa: Strom tanken in Italien, Kroatien und Co.

Strom tanken in Frankreich ist dank 46.000 Ladesäulen bereits gut möglich
Strom tanken in Frankreich ist dank 46.000 Ladesäulen bereits gut möglich© dpa/Mandoga Media

E-Autos gewinnen an Bedeutung, und so benötigen immer mehr Autoreisende auch im Urlaub Strom. Nicht in allen beliebten Reiseländern ist die Ladeinfrastruktur dafür bereits gut aufgestellt. Ein Überblick.

  • Niederlande sind Spitzenreiter bei den Ladestationen

  • In einigen Ländern starke regionale Unterschiede

  • Am schwersten haben es E-Auto-Fahrende in Kroatien

Deutschland ist in Sachen Ladesäuleninfrastruktur gut aufgestellt. Im März 2022 gab es laut Bundesnetzagentur 56.626 öffentliche Ladepunkte – davon über 8400 Schnellladestationen. So kommen etwa 25 Elektroautos auf eine Ladestation. Trotzdem: Auch hierzulande sollte man sich vor weiten Urlaubsfahrten über Lademöglichkeiten informieren.

Für viele Urlaubsländer gilt das erst recht. Und seien Sie in Sachen Bezahlmöglichkeit flexibel aufgestellt. Nicht überall ist jede Art – EC-Karte, Kreditkarte, Smartphone, bar – möglich. Die in den Ländertexten genannten Preise für Strom sind Schwankungen unterworfen.

Ladesäulen in beliebten Reiseländern

Italien: Im Norden mehr Ladestationen

Eine Reise nach Südtirol oder ins Trentino ist in Sachen Strom ein Kinderspiel: Ab der Grenze gibt es auf der 300 Kilometer langen Brennerautobahn elf Raststätten mit 56 Ladesäulen. Tipp: An der Brenner-Autobahnraststätte Lanz-Plessi-Museum kann man sein E-Auto sogar kostenlos laden. Gerade mal 17.397 öffentliche Ladestationen gibt es in Italien – die meisten im Norden des Landes.

Richtung Süden dünnt sich das öffentliche Ladeangebot merklich aus. Italienweit kommen so nach EU-Angaben im Schnitt 11 E-Autos auf einen Ladepunkt. Der italienische Energie-Versorger Enel X will das Schnellladestationen-Netz noch 2022 auf 14.000 DC-Ladestationen an den Fernstraßen erweitern. Wichtig zu wissen: Teils wird in Italien an Ladesäulen nach geladenen Kilowattstunden abgerechnet, teils nach Park- oder Blockierdauer während des Ladevorgangs.

Kroatien: Ladestationen sind noch im Aufbau

Elektroautobesitzer in Kroatien haben es aktuell noch schwer: Das Ladenetz befindet sich im Aufbau, und vor allem an DC-Ladestationen mangelt es. Im ersten Quartal 2021 gab es laut VDA 854 öffentliche Ladestationen im Land. Zum Vergleich: Allein in Berlin existierten im Juni 2021 1777 Ladepunkte. Generell kommen in Kroatien nur 2,3 Ladepunkte auf 100 Straßenkilometer, die EU zählt (wegen der geringen Zulassungszahl) vier E-Autos pro Ladepunkt.

Bis Januar 2022 war das Stromtanken an öffentlichen Ladepunkten in Kroatien noch kostenlos, mittlerweile verlangt das nationale Energieunternehmen Hrvatska elektroprivreda HEP Geld dafür. Das betrifft vor allem die Ladestationen entlang der wichtigen kroatischen Autobahnen A1, A2, A3, A4 und A4. Die Preisspanne geht dabei von 36 Cent (Nennleistung bis 22,1 kW) bis 66 Cent (Nennleistung über 50 kW).

Dänemark: Viele Schnellladestationen

Letztes Jahr gab die EU 4172 Ladepunkte landesweit an. Besonders die Zahl der Schnellladestationen in Dänemark kann sich sehen lassen: 2021 existierten über 200. Billig ist Stromtanken aber nicht. Selbst günstige einheimische Anbieter verlangen teils über 50 Cent pro Kilowattstunde. Die Bezahlmöglichkeiten sind vielfältig. Es geht bar, per EC- oder Kreditkarte. Bei manchen Anbietern wie „Clever“ ist auch die App-Zahlung (mit Apple Pay, Swish, Vipps oder Google Pay) möglich.

Und Lademöglichkeiten gibt es nicht nur entlang der Straße. Der Fähren-Betreiber Bornholmslinjen bietet auf der Route Ystad die Möglichkeit, das E-Auto bei der Überfahrt zu laden. Der Platz kann online gebucht werden. Die Zahl der Ferienhäuser mit E-Ladestation wächst zwar, aber vor allem ältere und einfache Unterkünfte verfügen oft noch nicht über Ladeanschlüsse.

Österreich: Alle 80 Kilometer eine Ladesäule

Entlang österreichischer Autobahnen und Schnellstraßen gibt es alle 80 Kilometer eine Lademöglichkeit. An 31 Autobahn-Raststätten findet sich mittlerweile eine E-Zapfsäule, meldet die Autobahngesellschaft Asfinag. Bislang wurden in der Alpenrepublik mehr als 10.400 Ladepunkte errichtet, somit kommt eine Ladesäule auf acht E-Autos. In Österreich gibt es sowohl zeitbasierte Ladetarife als auch die Abrechnung nach Kilowattstunden.

Beim Laden mit Wechselstrom starten die Kosten pro Kilowattstunde aktuell bei 22 Cent (11 kW) beziehungsweise bei der 22-kW-Variante bei 29 Cent. Schnellladen mit Gleichstrom liegt bei durchschnittlich 39 Cent/kWh, und etwa 79 Cent pro Kilowattstunde fallen für das superschnelle Laden an. Bezahlt werden kann bar, per EC- oder Kreditkarte sowie teils mit der Ladekarte aus Deutschland.

Hier finden Sie weitere Infos zum Stromtanken in Österreich

Frankreich: Ein Ladepunkt für 25 E-Autos

Mit knapp 46.000 Ladesäulen liegt Frankreich in der Europäischen Union nach VDA-Angaben auf Platz drei im Ladesäulen-Ranking. Laut EU kommt ein Ladepunkt auf 25 Stromer. Vor allem Autobahnen sind gut versorgt: Mehr als 140 der 440 Raststätten besitzen Energiespender. Metropolregionen sind besonders gut: In Paris stehen circa zehn Prozent aller Ladestationen Frankreichs. Ähnlich ist es in den Departements Hauts-de-Seine, Seine-et-Marne und Gironde im Westen sowie Finistère im Nordwesten des Landes.

Schwächer ausgebaut sind die Landesmitte und ländliche Regionen. Die European Automobile Manufacturers Asssociation ACEA gibt an, dass im Schnitt 4,1 Ladepunkte pro 100 Straßenkilometer zu finden sind. Die Kosten liegen zwischen 35 und 55 Cent pro Kilowattstunde, meist sind Bar-, EC- sowie Kreditkartenzahlung möglich.

Niederlande: Mehr als 80.000 Ladepunkte

Die Niederlande sind das EU-Land mit den meisten Ladestationen. 82.263 Ladepunkte wurden vom VDA im ersten Quartal 2021 ermittelt. Nach EU-Angaben müssen sich – bei mehr als 243.000 E-Autos im Land – trotzdem nur fünf Stromer einen Ladepunkt teilen. Und auf 100 Straßenkilometer kommen 47,5 Ladepunkte (Deutschland: 19,4).

Als Ladeparadies gilt Amsterdam: Hier gibt es mehr als 1300 Stationen – die aber oft besetzt sind, da E-Auto dort kostenlos parken dürfen. Immerhin: 2200 weitere Ladesäulen sind bis 2025 geplant. Landesweit will die Regierung bis dahin an 5 Prozent der Stellplätze in Parkhäusern einen Ladepunkt installieren. Falls Sie im Urlaub einen Ausflug nach Amsterdam planen: Im Zentrum ist das Parking Centrum Oosterdok die beste und – mit 25 Euro pro Tag – günstigste Wahl. Hier gibt es mehr als 60 Ladestationen.

Slowenien: Viele Ladepunkte an Autobahnen

Etwas mehr als 1000 Ladepunkte wurden 2021 bei der europaweiten Erhebung des VDA gelistet. Damit befindet sich das Land auf den hinteren Rängen beim Thema Ladeinfrastruktur. Die gute Nachricht: Als Transitland ist Slowenien unproblematisch. Bereits 2016 war entlang der Autobahn-Hauptrouten alle 50 Kilometer ein Ladepunkt verfügbar. In Deutschland waren es zum dem Zeitpunkt noch mehr als 100 Kilometer.

In städtischen Gebieten sind ausreichend Lademöglichkeiten vorhanden. Ljubljana zählte letztes Jahr mehr als 80 Ladestationen, Maribor ist ähnlich gut aufgestellt. Im Rest des Landes sieht es mager aus. Gerade mal 1,6 Ladestationen kommen in Slowenien auf 100 Straßenkilometer. Die möglichen Bezahlarten variieren. Im Schnitt zahlt man 20 Cent/kWh für Wechselstrom bis 22 kW und 30 Cent/kWh für Gleichstrom bis zu 50 kW.

Schweiz: Mehr Ladestationen als Tankstellen

Mehr als 7834 Ladestationen (davon bereits über 700 Schnellladestationen) sind aktuell in der Schweiz zu finden. Ein guter Wert angesichts der Tatsache, dass es bei den Eidgenossen insgesamt nur knapp über 3500 herkömmliche Tankstellen gibt. Laut EU-Angaben kommen im Schnitt 17 E-Autos auf einen Ladepunkt. An öffentlichen E-Tankstellen zahlt man zwischen 43 und 80 Cent pro Kilowattstunde.

Schweden: Hier tanken E-Autos billig

Schweden ist bei der Ladeinfrastruktur gut aufgestellt. 2021 zählte man dort 13.854 Ladestationen. Somit kommen durchschnittlich mehr als fünf Ladepunkte auf 100 Straßenkilometer und 23 Stromer auf einen Ladepunkt. Vor allem in den größeren Städten hat die schwedische Regierung die öffentlichen Ladekapazitäten ausgebaut. In Göteborg gibt es über 1000 Ladepunkte auf öffentlichen Parkplätzen. Noch besser sieht es in der Hauptstadt Stockholm aus, wo 5000 öffentliche Ladesäulen bis Ende 2022 verfügbar sein sollen.

Fast überall ist Bezahlung mit Kredit-, EC-Karte, App oder bar möglich. An neueren Ladesäulen kann auch mit Apple Pay, Google Pay, Swish sowie Vipps bezahlt werden. Gut für Urlauber: Die Strompreise sind niedrig in Schweden, an Ladesäulen starten die Preise bei umgerechnet circa 26 Cent pro Kilowattstunde.

Norwegen: Genug Ladesäulen im Land

Norwegen ist ein Musterland in Sachen Elektromobilität. Mit mehr als 19.000 Ladepunkten liegt es im europäischen Ranking des VDA auf Rang zwei. Kleiner Wermutstropfen: Bei mehr als 433.000 zugelassenen E-Autos im Land kommen laut EU-Angaben so auch 31 Stromer auf nur einen Ladepunkt.

Als Urlauber in Norwegen profitiert man von der elektromobilitätsfreundlichen Politik des Landes: So zahlt man für viele mautpflichtige Brücken oder Tunnel in Norwegen keine Gebühr. In Städten wie Oslo, Bergen oder Kristiansand fällt für E-Autos eine weitaus geringere Citymaut an als für Verbrenner. Tickets für Fähren sind ebenfalls um 50 bis 60 Prozent reduziert. Und Elektroautos dürfen in vielen Städten – meist zu Rushhour-Zeiten – die Busspuren nutzen. Allerdings nur dann, wenn sich mindestens zwei Personen im Auto befinden.

Text: Martin Trockner