XBUS: Der knuffigste Elektro-Prototyp der Welt

XBUS-Prototyp Nummer 1 mit Offroad-Fahrwerk
XBUS-Prototyp Nummer 1 mit Offroad-Fahrwerk © ElectricBrands AG

Er sieht aus wie ein historischer VW Bus im Bonsai-Format. Aber der XBUS ist modern, sehr sympathisch und mit verschiedenen Aufbauten zu haben. Alles über den neuen Elektro-Prototyp von Electric Brands: Fotos, Daten, Reichweite Preis.

  • Genial: Dank Modulaufbauten variabel einsetzbar

  • Nachhaltig innovativ: Elektrischer Allradantrieb, Akkus zum Tauschen

  • Aber: Einschränkungen bei Komfort und Sicherheit

Die Firma ElectricBrands kennt kein Mensch. Aber es lohnt sich vielleicht, sie kennenzulernen. Denn das im schleswig-holsteinischen Itzehoe angesiedelte Start-up schickt sich an, alsbald zwei wirklich spannende neue Elektromobile auf den Markt zu bringen.

Zum einen den XBUS, den es mit diversen Aufbauten geben soll: als Lieferfahrzeug, als Handwerkerauto, als Campingmobil, als höhergelegten Offroader oder als Pick-up mit offener Ladefläche – auch mit Kippfunktion. Zum anderen will Electric Brands den schon bekannten Isetta-Verschnitt namens Karo bauen, dessen Rechte Electric Brands von der Firma Artega kürzlich übernommen hat: wie der X-Bus ein Leichtfahrzeug, aber beschränkt auf Form und Maße, wie wir sie von den Kabinenrollern der 50er- und frühen 60er-Jahre kennen.

Den Prototyp des XBUS haben wir uns vor dem geplanten Serienstart 2023 schon mal ansehen können. Während des Besuchs hat uns CEO Martin Henne die technischen Besonderheiten sowie die Herausforderungen erklärt.

Ortsbesuch in der Prototyp-Schmiede

Besichtigung des XBUS: Prototyp Nummer 2 mit Solardach © Electric Brands AG

Eine Prototyp-Schmiede in der Nähe von Ingolstadt. Der XBUS vor der Werkhalle sieht ein bisschen aus wie ein historischer VW Bus im Bonsai-Format. Supersympathisch, praktisch, vielseitig verwendbar. Es ist alles dran am Auto, was man zu Demonstrationszwecken so braucht. Der Prototyp fährt, aber noch nicht so, dass wir daraus ein Fahrgefühl des Serienmobils ableiten könnten. Was den XBUS zu einem hochmodernen Auto macht, ist das außergewöhnliche Konzept, das mit ihm umgesetzt werden soll.

Ralf Haller, Gründer der ElectricBrands AG, über die Idee des XBUS: "Wenn wir auf die wachsende Verkehrsdichte schauen, können immer größere Autos nicht die Antwort sein. Wir brauchen clevere, wandlungsfähige Mobilität." Die Zielvorstellung scheint erreicht. Der Miniaturbus ist weniger als vier Meter lang, soll aber ein Ladevolumen von 6000 Litern und eine Zuladung von bis zu einer Tonne ermöglichen, je nach Ausführung. Und das Ganze bei einem Fahrzeugleergewicht von lediglich 600 Kilogramm (ohne Aufbauten und Fahrer).

Es gibt verschiedenste Module als Aufbauten, so wie der Käufer es sich wünscht und bestellt. So ist der XBUS als Pick-up für den Gartenbetrieb, als Koffer für Lieferdienste oder als Freizeit- und Campingmobil erhältlich. Sechs Module sind fertig entwickelt, denkbar wären aber auch noch mehr, ganz nach Kundenwunsch. Ein verlockendes Angebot.

Der XBUS als kleiner Verwandlungskünstler

Der Clou: Man kann auch nachträglich noch ein Aufbaumodul bestellen und sogar selbst installieren. Etwas Geschick als Schrauber, ein paar Helfer zum Anpacken beim Umbau und das nötige Werkzeug vorausgesetzt. An Werktagen könne der XBUS in Beruf und Gewerbe seine Arbeit verrichten, am Wochenende als Freizeitmobil eingesetzt werden.

Wobei man sich dann schon fragt, wie der Familienausflug mit Akkus von 15 bis 30 kWh vergnüglich werden könnte. Die versprochenen Reichweiten von 300 (mit dem15-kWh-Basis-Akku) bis 600 Kilometer (mit 30 kWh an Bord) klingen jedenfalls reichlich optimistisch. Wobei auch die Akkus eine Modulbauweise auszeichnet. Martin Henne: "Die Akkus stecken in seitlichen Schubladen und einer Schublade hinten. Jeder Akku-Pack ist herausnehmbar und lässt sich an einer Tauschstation wechseln."

Innovativ: Akku-Tausch und Raumökonomie

Martin Henne demonstriert den Akku-Tausch © Electric Brands AG

Aber natürlich stehen solche Tauschstationen nicht plötzlich dort, wo man sie gerade braucht, wenn man unterwegs ist. Gedacht sind die Akku-Tauschstationen vielmehr am Standort des jeweiligen Betriebs. Damit wäre das Elektro-Minimobil theoretisch sogar rund um die Uhr einsetzbar. Private Kunden sind ein ganz anderer Fall. Sie werden zwar in der Regel kein Problem haben, über Nacht aufzuladen: Die Ladezeit mit Wechselstrom zu Hause soll zwischen zwei und fünf Stunden betragen. Aber unterwegs?

Etwas Luft nach oben hinsichtlich der Reichweiten verschafft sich der XBUS durch das installierte Solardach auf dem Auto. Im Kaufpreis enthalten – das Fahrzeug soll nach derzeitiger Kalkulation ohne Aufbau 17.380 Euro kosten – ist der Basis-Akku mit 15 kWh Energie. Für mehr Energie, sprich Akkumodule, zahlt der Käufer einen Obolus obendrauf. Henne: "Wir planen ein Erwerbs- sowie ein Abosystem. Es soll Tarife für die dauerhafte Nutzung oder auch einen Tarif für nur mal ein paar Nutzungstage geben." Auch bei den Kosten geht es also um größtmögliche Flexibilität für den Nutzer.

Die vom Hersteller angegebenen Verbrauchswerte von fünf bis zehn kWh pro 100 Kilometer erscheinen nur im Stadtverkehr realistisch. Wenn man die volle Leistung ausschöpft und die Sonne sich hinter Wolken versteckt, wird vermutlich deutlich mehr Energie nötig sein. Auf die Autobahn wird sich ohnehin selten jemand mit dem XBUS verirren. Das Tempo für den XBUS ist nämlich auf 100 km/h, die Leistung der zwei Motoren auf 56 kW beschränkt. Zum Antrieb des Prototyps waren bei unserem Besuch übrigens noch vier Radnabenmotoren verbaut. "In der Serie wird es aber einen Zentralmotor an jeder Achse geben", erklärt Martin Henne.

Raumökonomisch erscheint der XBUS über jeden Zweifel erhaben zu sein. Die Fahrerkabine ist in der Höhe luftig geschnitten und wirkt auch bei einer Außenbreite von lediglich 1,69 Meter kaum einengend. Was man an Platz auf der kleinen Grundfläche geboten bekommt, ist schon sehr beachtlich. Dazu die vielen Aufbaumöglichkeiten, der Allradantrieb und die Offroad-Variante mit höhergelegter Karosserie.

L7e: Abstriche bei Komfort und Sicherheit

Mit Martin Henne im Gespräch: Weder Airbag noch Spurhalter im XBUS © ElectricBrands AG

Hinsichtlich Komfort und Sicherheit muss der Käufer jedoch deutliche Abstriche machen. Das ist sowohl dem Preisniveau des XBUS als auch der Zulassung als Leichtfahrzeug geschuldet. Ein Fahrzeug der Klasse L7e braucht nämlich weder Airbags noch einen Spurhalte- oder Notbremsassistenten, um als Serienfahrzeug eine Straßenzulassung zu erhalten. Nicht einmal ein Crashtest – wie sonst bei Pkw obligatorisch – ist gesetzlich gefordert.

Darauf angesprochen, beteuert CEO Martin Henne: "Ja, das ist richtig. Aber da uns Sicherheit wichtig ist, werden wir ein ESC System integrieren. Und wir werden auch Crashtests durchführen lassen. Der Passagierraum soll so stabil wie möglich sein."

Ein Start-up schafft Arbeitsplätze

So freundlich wie der XBUS ausschaut, kann die Region ja nur profitieren © Electric Brands AG

Ob das alles bis zum geplanten Produktionsstart Ende 2023 gelingt oder die Entwicklung sich noch ein bisschen verzögert, muss man abwarten. Die Menschen in der Region, wo der XBUS gefertigt werden soll, hoffen indes schwer auf die baldige Serienproduktion. Am Standort in Itzehoe könnten – in der Entwicklung, der Administration und der Fertigung zusammengenommen – bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen. Damit wäre die Firma ElectricBrands ein ähnlich großer Arbeitgeber wie einst die Druckerei, wo jahrzehntelang das Magazin Stern vom Band lief.