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Der ADAC

MG ZS EV: Testfahrt im Elektro-SUV aus China

MG ZS EV fahrend auf der Straße
Ein neuer Mazda? Nein, der neue Elektro-SUV MG ZS EV ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Dieses Auto sollte man ernst nehmen: 2021 kommt der chinesische MG ZS EV auf den deutschen Markt. Ein Elektro-SUV mit traditionsreichem Namen zum Listenpreis von rund 32.000 Euro und 260 Kilometern Reichweite. Testfahrt, Daten, Preis.

  • Der Markenname MG wird vom chinesischen SAIC-Konzern genutzt

  • Kompakt-SUV mit 4,31 Metern Länge und guten Platzverhältnissen

  • Marktstart in Deutschland im ersten Quartal 2021

  • Vertrieb und Service noch offen

Bei Computern und Smartphones haben sich chinesische Marken wie Lenovo, Huawai und Xiaomi in Deutschland längst einen Namen gemacht. Und zwar durch Qualität statt Billig-Technik.

Nicht punkten konnten die Chinesen bislang bei Autos. Dafür waren die Fahrzeuge zu unausgereift (Crashtest-Debakel bei Brilliance), die Schwierigkeiten beim Vertrieb zu groß oder der finanzielle Hintergrund zu wackelig (Borgward, Byton).

Das könnte sich jetzt ändern. MG drängt auf den deutschen Markt und will im ersten Quartal den Elektro-SUV namens ZS EV anbieten. Mit dem ehemals britischen Hersteller hat die Marke übrigens nur noch den Namen gemein. Nach ihrer Pleite im Jahr 2005 wurden die Markenrechte vom chinesischen Autokonzern SAIC (Shanghai Automobile Industry Corporation) gekauft, der auch Roewe („Rover“) vertreibt, mit Volkswagen Partnerschaften pflegt und bereits heute sieben Millionen Fahrzeuge pro Jahr absetzt. Nur in Europa ist SAIC noch ein weitgehend unbeschriebenes Blatt.

MG ZS mit überraschend viel Platz

MG ZS EV stehend von hinten
Mit nur 4,31 Metern Länge hat der MG ZS für viele genau die richtige Größe ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Proper sieht er aus, der MG ZS. Ein bisschen nach Mazda, was aber grundsätzlich kein Schaden ist. Mit 4,31 Metern Länge ist der SUV nur wenige Zentimeter länger als ein VW Golf und positioniert sich genau in die Lücke zwischen Kleinwagen-SUV (Mazda CX-3, Ford Puma, VW T-Cross) und Kompakt-SUV (Mazda CX-30, Ford Kuga, VW Tiguan). Trotz parkfreundlicher Maße fällt das Platzangebot im ZS überraschend großzügig aus. Im Fond sitzen selbst große Passagiere dank guter Beinfreiheit sehr kommod, einzig die Kopffreiheit ist wegen des serienmäßigen Panoramadachs limitierend. Enger wird es, wenn sich drei Personen auf die Rückbank quetschen, doch das ist ohnehin nicht zu empfehlen: Die mittlere Kopfstütze hat sich MG nämlich gespart.

Die Rückbank lässt sich nicht verschieben wie etwa beim VW T-Coss, aber die Lehnen können zweigeteilt umgelegt werden, sodass sich der an sich schon mit 448 Litern großzügige Kofferraum noch auf 1116 Liter erweitern lässt. Dort findet sich ein stabiler Boden und ein hochwertiger Filz – billig wirkt das alles nicht.

Guter Mix aus Touchscreen und echten Tasten

Armaturenbrett eines MG ZS EV
Übersichtlich und weitgehend gut bedienbares Cockpit im MG ZS EV ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Genau wie die Inneneinrichtung: Ansehnliches Holzimitat hinter dem runden Automatik-Wählknopf zum Drehen wie bei Jaguar, glänzende Chromrähmchen um die Lüftungsdüsen und softe Oberfläche an den Türinnenseiten sowie im oberen Teil des Armaturenbretts – das findet sich so nicht einmal bei einem VW T-Cross. Die Enttäuschung kommt dann erst in der unteren Hälfte des Armaturenbretts, wo dann doch reichlich hartes Plastik verbaut wurde.

Was die Bedienung angeht: Der Mix aus Tasten und Touchscreen ist gelungen, und die Funktionen in simpel strukturierten Touchscreen-Menüs erschließen sich nach nur wenigen Minuten – also deutlich schneller als bei manch überfrachtetem System europäischer Herkunft. Einzig der Rechner im Hintergrund ist nicht der schnellste, was sich durch verzögerte Reaktionen bemerkbar macht. Gut: Via Android Auto und Apple Car Play (Serie) können Smartphones problemlos mit dem Bordbildschirm verknüpft werden.

Hoher Komfort, gute Fahrleistungen

Und wie fährt sich der MG? Sehr angenehm: Es klappert nichts, die Lenkung arbeitet sehr leichtgängig, die Sitze sind bequem, und das Geräuschniveau ist elektroautotypisch niedrig. Das eher komfortabel als sportiv ausgelegte Fahrwerk verdaut Unebenheiten recht gut. Wie die meisten E-Autos setzt sich auch der MG ZS beim Tritt aufs Gaspedal unmittelbar und völlig ansatzlos in Bewegung, beschleunigt temperamentvoll und wie vom Gummiband gezogen. 105 kW/143 PS nimmt man dem Elektromotor in jedem Fall ab, mehr Leistung vermisst man zu keiner Zeit.

Auf 100 km/h spurtet der Chinese in 8,2 Sekunden, die Spitze wird bei 140 km/h abgeregelt (laut Tacho 155). Das mutet auf deutschen Autobahnen nicht sehr üppig an, stellt für ein Elektroauto aber eine nicht ganz sinnfreie Begrenzung dar: Der Verbrauch würde bei höherem Tempo arg ansteigen und auf die Reichweite drücken.

Mit 44,5-kWh-Batterie überschaubare Reichweite

MG ZS EV stehend von der Seite
Hübsch anzusehen, aber kein Reichweitenkönig: MG ZS EV ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Die Reichweite ist ohnehin nicht rekordverdächtig. Mit einer 44,5-kWh-Batterie im Bauch gehört der MG nicht zu den Top-Fahrzeugen im Segment: Kia und Hyundai liegen bei ihren Elektroautos Niro und Kona Elektro mit 64 kWh deutlich und PSA bei Opel Mokka, Corsa-e, Peugeot 2008 und DS3 Crossback e-tense mit 50 kWh leicht darüber. Im WLTP-Zyklus ergibt sich beim MG so eine Reichweite von 263 Kilometern, was bei entsprechendem Fahrprofil jenseits der Autobahn nicht unrealistisch erscheint und sich laut MG bei konstant 60 km/h sogar auf mehr als 400 Kilometer aufschwingen kann. Wer ausschließlich in der Stadt fährt, muss also selten nachladen.

Drei verschiedene Rekuperationsstufen, anwählbar über eine Taste, speisen unterschiedlich viel Energie in die Batterie zurück. Die stärkste bremst den SUV beim Gaswegnehmen dabei merklich ab, aber nicht ganz so stark wie bei einem BMW i3.

Strom sparen im Ecomodus

Auf unseren ersten Testfahrten bei gemischter Fahrweise sind wir auf einen Durchschnittsverbrauch von gut 19 kWh gekommen, was zu rund 230 Kilometern Reichweite führt. Wer eher selten auf Langstrecken unterwegs ist, kann damit durchaus klarkommen, eilige Handelsvertreter wohl eher nicht. Doch ein Langstreckenfahrzeug soll der ZS EV auch gar nicht sein, MG sieht ihn als "City-SUV".

Strom sparen lässt sich mit dem „Energy“-Modus, bei dem nicht die Leistung reduziert, sondern "nur" die Gaspedalkennlinie verändert wird. Heißt: Man muss deutlich stärker auf das Gaspedal drücken als in den andere Modi – oder hält sich eben zurück. Der Unterschied ist zum „Normal“-Modus zwar deutlich zu spüren, ausgebremst kommt man sich aber nicht vor.

Der dritte Fahrmodus „Sport“ fühlt sich so an, als hätte der SUV noch irgendwo einen Turbolader aktiviert: Es geht überaus hurtig voran – ganz klar die Einstellung mit dem meisten Spaßfaktor. Die probiert man gern mal kurz aus, doch relativ schnell siegt die Elektroautofahrer-Vernunft, und man kehrt zu einem anderen Fahrmodus zurück. Wer will schon freiwillig die Reichweite weiter einschränken?

Schnellladetechnik serienmäßig

Ladestecker eines MG ZS EV
Serienmäßig hat der MG eine Schnellladefunktion via CCS-Anschluss ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Weil der MG serienmäßig mit CCS-Steckdose ausgeliefert wird und damit schnellladefähig ist, hält sich das Zwischenladen auf der Autobahn mit einer sehr ordentlichen maximalen Ladeleistung von bis zu 85 kW Gleichstrom in erträglichen Grenzen: Auf 80 Prozent soll der leere Akku in 40 Minuten kommen. Bei „normalen“ AC-Ladesäulen braucht es deutlich mehr Geduld. Der MG lädt nur einphasig mit maximal 7 kW – ergo verstreichen mehr als sieben Stunden, bis die Batterie voll ist. Damit ist der MG in schlechter Gesellschaft: Schnelles AC-Laden mit Wechselstrom wird von den meisten E-Auto-Herstellern vernachlässigt.

Das Ladekabel einzustecken, ist eine fummelige Angelegenheit: Eine Klappe am Bug schwingt nach oben und gibt die Anschlüsse frei, doch weil sie immer irgendwie im Weg steht, ärgert man sich jedes Mal darüber. Außerdem muss man wissen, dass der MG erst dann Strom lädt, wenn er verschlossen ist. Wie viel Strom er gerade an der Säule tatsächlich zieht, und wie lange es dauert, bis die Batterie voll geladen ist, zeigt der MG leider nicht an, stattdessen nur den aktuellen Füllstand der Batterie in Prozent und die momentane Reichweite. Gut planen lässt sich so nicht.

MG ZS EV: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben) MG ZS EV

Motor/Antrieb

Elektromotor, 105 kW/143 PS, 353 Nm Drehmoment, Frontantrieb

Fahrleistungen

8,2 s auf 100 km/h, 140 km/h Spitze

Batteriekapazität

44,5 kWh

max. Ladeleistung AC / DC

7 / 85 kW

Verbrauch (WLTP)

ca. 17 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Maße

L 4,31 / B 1,81 / H 1,64 m

Kofferraum

448 – 1116 l

Leergewicht

1518 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

Garantie Fahrzeug / Antriebsbatterie

5 Jahre (150.000 km) / 8 Jahre (150.000 km)

Preis

ab ca. 32.000 €

Sehr gute Serienausstattung

Bei der Ausstattung bemühen sich die Chinesen um Vollständigkeit und bieten vieles serienmäßig, was bei anderen Herstellern meist Aufpreis kostet. Schon die Basisversion rollt mit Keyless-Go, Klimaanlage, Navi, Parkpiepser hinten, DAB-Radio und Apple CarPlay und Android Auto, sechs Airbags, Lichtsensor und einer Armada von Assistenzsystemen vom Band und gibt sich unter anderem mit Abstandstempomat, Kollisionswarner, Notbrems- und Stauassistent, Querverkehrerkennung rückwärts sowie einer gut funktionierenden Tempolimiterkennung auch in Sachen Sicherheitsausstattung keine Blöße.

Nur das Spurhaltesystem, das ab der zweiten und damit besten Ausstattungsstufe an Bord ist, arbeitet ein wenig ruppig. Der „Luxury“ hat außerdem elektrisch verstellbare Kunstledersitze, ein Panoramaschiebedach und eine Rückfahrkamera an Bord.

Der MG ZS holt fünf Sterne beim Crashtest

Beim EuroNCAP-Crashtest schneidet der MG ZS mit fünf Sternen sehr gut ab ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Die Zeiten, als chinesische Autos beim Crash zerbröselt sind wie einst der Brilliance B6, scheinen vorbei zu sein. Der MG ZS holt sich fünf Sterne im EuroNCAP-Crashtest (hier die detaillierten Ergebnisse bei EuroNCAP*) und ist damit auf einem Niveau mit der etablierten Konkurrenz. Vertrauen schaffen sollen zudem die üblichen acht Jahre Garantie auf die Antriebsbatterie, aber auch fünf auf das Fahrzeug. Damit übertrifft MG die meisten etablierten Hersteller – mit Ausnahme von Kia (sieben Jahre) und Hyundai (fünf Jahre).

Der Vertrieb ist noch ungeklärt

Mit Ausnahme der nicht allzu üppigen Reichweite hat der MG ZS also keine eklatanten Schwächen, wenn er ab rund 32.000 Euro angeboten wird. Abzüglich des aktuellen Umweltbonus in Höhe von 9000 Euro sind das 23.000 Euro – ein fast unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis.

An diesem gut gemachten Fahrzeug merkt man sehr deutlich: Die chinesischen Hersteller haben ihre Hausaufgaben gemacht. In Europa ist die Marke mit dem traditionsreichen Namen bereits in einigen Ländern zu haben, z.B. in den Niederlanden und in Norwegen. Ab 2025 peilt MG an, in Europa 100.000 Einheiten in Europa zu verkaufen. Dann soll auch ein Plug-in-Hybrid zu haben sein. Die Chinesen meinen es also ernst.

Bleibt die Frage, ob sich deutsche Autokäufer tatsächlich mit einem chinesischen Modell anfreunden können. Und: Wo man den SUV kaufen kann und wo er gewartet wird. Doch das steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest. MG will es „rechtzeitig vor Marktstart“ noch bekanntgeben. Die chinesische Konkurrenz von Aiways nutzt aktuell einen gänzlich neuen Vertriebsweg: Den etwas größeren Aiways U5 kann man ab sofort ab rund 35.000 Euro über einen Elektronikhändler beziehen – wie ein Notebook von Lenovo oder ein Smartphone von Huawai.

*Der Link führt auf eine externe Seite, für die der ADAC nicht verantwortlich ist