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Der ADAC

Elektrischer Preis-Kracher aus China: Der Suda SA01 im ADAC Test

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Uwe Rattay

Seit Ende 2020 wird das chinesische Elektroauto Suda SA01 in Deutschland mit regulärer Zulassung und staatlicher Förderung zum Dumpingpreis angeboten. Doch beim ADAC Test mit Crash fällt der Stromer mit eklatanten Sicherheitsmängeln durch.

  • Preis mit Prämie: 10.390 Euro

  • Zulassung, obwohl ESP und Airbags fehlen

  • Hohes Verletzungsrisiko beim Crash

  • Kritisches Fahrverhalten im ADAC Ausweichtest

Der deutsche Marktstart des Suda SA01

Verschiffung der Suda SA01
200 Suda warten im chinesischen Hafen auf den Start nach Deutschland ∙ © Suda

Tianjin am 21. Mai, 18 Uhr. 200 batteriebetriebene Limousinen stehen sauber aufgereiht im Hafen der chinesischen Hafenstadt und warten darauf, dass das Frachtschiff seine Ladeklappe zur Auffahrt öffnet. Das Ziel ihrer 55-tägigen Reise: Deutschland! Genauer gesagt: Düsseldorf. Denn von hier aus will die "Henan Suda Electric Vehicle Technology Company"* den deutschen Markt für Elektroautos erobern.

Das wichtigste Verkaufsargument des elektrischen Preis-Krachers: Nur 19.390 Euro inkl. Überführung und 19 % MwSt. verlangt das erst vor zehn Jahren gegründete Unternehmen für die viertürige Stufenheck-Limousine. Abzüglich Umwelt- und Innovationsprämie (der Suda steht schon auf der BAFA-Förderliste*) sind das 10.390 Euro – ähnlich motorisierte E-Autos kosten bei uns oft drei Mal so viel!

Doch entspricht der Suda selbst in dieser Preisklasse dem aktuellen Stand der Technik? Der ADAC wollte es genau wissen und kaufte einen "rosenroten" SA01 beim deutschen Vertriebspartner Auto SL*, der normalerweise auf den Verkauf hochpreisiger Oldtimer spezialisiert ist. Die Testingenieure wollten den China-Stromer, der im Design an den ersten Dacia Logan erinnert, aber nicht nur fahrtechnisch testen, sondern bei einem Crash auch die Sicherheit des Elektroautos prüfen.

Auf der Kfz-Zulassungsstelle macht der Exot schon mal keine Probleme: Der Suda SA01 hat eine europäische Typgenehmigung als Kleinserie, muss also die üblichen Sicherheitsstandards nicht nachweisen und kann so ohne Einschränkungen zugelassen werden.

Gutes Raumangebot, aber Verarbeitungsmängel

Cockpit des Suda SA 01
Die digitalen Instrumente überzeugen mit moderner Grafik ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Mit 4,42 Metern gehört der Suda SA01 zur Kompaktklasse und ist nur acht Zentimeter kürzer als etwa die aktuelle Audi A3 Limousine. Den Insassen bietet er gute Platzverhältnisse, das Raumgefühl ist dank der großen Fensterflächen angenehm luftig. Als störend erweist sich allerdings die zweigeteilte A-Säule, die die Sicht nach schräg vorn stark beeinträchtigt. Unter dem Heckdeckel, der leider keinen Griff zum Zuziehen hat, findet sich ein großzügiges Gepäckabteil, dessen Nutzbarkeit aber durch die recht schmale Öffnung und die voluminösen Radhäuser geschmälert wird.

Ebenfalls unpraktisch im Alltag sind die nur als Ganzes umklappbare Rücksitzlehne und die dabei entstehende Stufe im Ladeboden. Auch bei der Verarbeitungs- und Materialqualität hat der Suda noch Nachholbedarf: Sämtliche Kunststoffteile im Innenraum sind hart, kratzempfindlich und wirken speckig, der helle und damit sehr schmutzempfindliche Teppichboden ist von billigster Machart. Hinzu kommen Verarbeitungsschwächen wie das schlecht eingepasste Handschuhfach und scharfkantige Kunststoffgrate.

Frontansicht des Suda SA01 fahrend
So schnittig fährt der Suda in der chinesischen Werbung ∙ © Suda

Die Karosseriequalität ist von heutigen Standards ebenfalls ein gutes Stück entfernt: Mehrere großflächige Lackfehler und die nachlässig eingestellte Heckklappe, die bereits bei der Auslieferung des Fahrzeugs den Lack an Klappe und Stoßfänger beschädigt hat, schmälern den Qualitätseindruck nachhaltig. Da tröstet auch das mit Zierteilen in Alu- und Chromoptik ansehnlich gestaltete und einfach bedienbare Cockpit nur wenig.

Das digitale Kombiinstrument mit seiner hohen Auflösung und der modernen Grafik sowie das sensibel reagierende Zentraldisplay in der Mittelkonsole können überzeugen und wirken modern, in diesem angegrauten Ambiente aber gleichzeitig deplatziert. Leider zeigt der Bordcomputer nicht einmal den Durchschnittsverbrauch an, der Touchscreen ist bei aktuellen Fahrzeugen meist weiter oben platziert und dort besser im Blickfeld.

Kritische Fahreigenschaften: ESP fehlt

Test des Suda SA 01
ADAC Ausweichtest: Schon ab 70 km/h kommt der Suda ins Schleudern ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Gestartet wird Suda SA01 ganz konventionell mit Schlüssel und Zündschloss, der große Wählhebel erinnert ebenfalls eher an einen Verbrenner aus vergangenen Zeiten als an ein modernes Elektroauto. Das gilt auch für das Antriebslayout: Der 80 kW starke E-Motor sitzt unter der Fronthaube und treibt die Vorderräder an. Neu konzipierte Elektrofahrzeuge wie der VW ID.3 oder der BMW i3 setzen allerdings auf Heckantrieb, denn der bietet nicht nur bei der Raumausnutzung, sondern auch bei der Traktion Vorteile.

Das wird bereits nach den ersten Metern mit dem SA01 spürbar: Auf feuchter Fahrbahn drehen die Vorderräder beim flotten Anfahren hilflos durch – eine Antriebsschlupfregelung, die die Antriebskraft zügeln könnte, wird hier sehnlichst vermisst.

Das weich abgestimmte Fahrwerk bügelt Unebenheiten ordentlich aus, allerdings macht es dabei mit störenden Poltergeräuschen lautstark auf sich aufmerksam und sorgt in Kurven für kräftige Seitenneigung. Nachbesserungsbedarf gibt es auch für die Lenkung: Sie arbeitet vollkommen gefühllos, indirekt und stellt sich von selbst nicht gerade.

Beim Ausweichen nicht mehr zu kontrollieren

Test des Suda SA 01
Zu spät: Beim Bremsen schneidet der Suda schwach ab ∙ © ADAC/Uwe Rattay

All das sind für den ADAC Ausweichtest keine guten Voraussetzungen, zumal der Suda aufgrund der Kleinserien-Typzulassung nicht einmal mit einem elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) ausgestattet ist. Es kommt, was kommen muss: Bereits ab circa 70 km/h drängt das Heck beim Umfahren der Pylonen so stark nach außen, dass es sich trotz beherztem Gegenlenken nicht mehr einfangen lässt. Der Wagen ist nicht mehr zu kontrollieren und schleudert. Zur besseren Einordnung: Aktuelle Kompaktfahrzeuge mit gut abgestimmtem Fahrwerk und ESP absolvieren den ADAC Ausweichtest mit rund 95 km/h und sorgen bei geübten Fahrern nicht einmal für feuchte Hände.

Auch bei der Bremsmessung zeigt der Suda große Schwächen: Im Schnitt kommt die 1,4 Tonnen schwere Limousine aus 100 km/h erst nach 41,8 Metern zum Stehen. Zum Vergleich: Ein kürzlich getesteter Opel Corsa-e benötigte mit 32,3 rund zwei Fahrzeuglängen weniger. Oder anders ausgedrückt: Dort, wo der Corsa bereits steht, ist der Suda noch mit knapp 50 km/h unterwegs.

Laden? Langsam – und oft nicht möglich

Suda SA 01 an der Ladesäule
Keine Verbindung, kein Strom: Passierte mit dem Suda öfter ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Der Suda SA01 besitzt einen 40 kWh großen Lithium-Ionen-Akku, mit dem der Viertürer mit den für ein E-Auto typischen Vorzügen wie der angenehmen Laufruhe, spontanen Leistungsentfaltung und gutem Beschleunigungsvermögen rund 200 km weit kommt. Damit kann man durchaus klarkommen, vorausgesetzt man unternimmt mit dem SA01 keine längeren Fahrten, auf denen man laden muss. Denn die Ladeleistung fällt mit 3 kW für Wechselstrom (AC) bzw. 22 kW für Gleichstrom (DC) sehr gering und die Ladezeit damit sehr lang aus.

Wenn das mit der rettenden Stromspende hoffentlich überhaupt klappt: Denn offensichtlich kann der chinesische Wagen nicht mit allen Ladesäulen kommunizieren und lässt sich deshalb mitunter nicht laden. Das Nachladen an öffentlichen DC-Ladesäulen war praktisch unmöglich – und das ist ein Handicap, mit dem wohl kein Nutzer fahren möchte.

Crashtest: Schwache passive Sicherheit

Vor allem der Fahrer hat ein hohes Verletzungsrisiko ∙ © ADAC e.V.

Der abschließende Frontalaufprall mit 64 km/h gegen die deformierbare Barriere deckte die Mängel beim passiven Sicherheitskonzept schonungslos auf: Vor allem der Fahrer hätte beim Realunfall schwerste Verletzungen davongetragen. Rückhaltesysteme und Fahrgastzelle sind auf dem Niveau der späten 90er-Jahre: Airbags gibt es überhaupt nicht und für die vorne verbauten Gurtstraffer sind noch nicht einmal Kabel verlegt. Allerdings vermuten die ADAC Ingenieure, dass ohne eine drastische Verbesserung der Stabilität der Fahrgastzelle auch Frontairbags und Gurtstraffer nur wenig Verbesserung bewirken.

Die Antriebsbatterie blieb zwar beim Crash unbeschädigt, doch die Deformation des Chassis reicht so dicht an sie heran, dass bei geringfügig stärkerem oder anders gelagertem Aufprall die erforderliche Sicherheit wohl nicht mehr gewährleistet wäre. Dass die Karosserie im Falle eines Pfahlaufpralls die Batterie ausreichend schützen kann, darf aufgrund des Verhaltens beim Frontalaufprall bezweifelt werden.

Verklemmte Türen, crashgefährdete Batterie

Cockpit mit Dummys nach dem Crash des Suda SA 01
Der Armaturenbrettträger wird weit Richtung Fahrer verschoben ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Auch nach dem Crash sieht es nicht besser aus, denn den Rettern wird es nicht gerade leicht gemacht: Kein Rettungsdatenblatt mit wichtigen Hinweisen über steife Strukturen oder Hochvolt-Gefahrenquellen und keine Möglichkeit, das Fahrzeug manuell vom Hochvolt-System zu trennen. Zusammen mit den verklemmten Türen und massiven Bauteilen unter dem Fahrzeug, die der Antriebsbatterie gefährlich nahekommen, spricht dies nicht für ein ausgeklügeltes Sicherheitskonzept.

Die Tricks bei der Zulassung

Es stellt sich also die Frage, wie ein Fahrzeug mit derart eklatanten Sicherheitsmängeln überhaupt auf deutsche Straßen kommen kann. Die Henan Company nutzte für dafür ein legales Schlupfloch: Die Modellreihe Suda SA01 wurde mit einer EG-Kleinserien-Typgenehmigung nach Artikel 22 (Richtlinie 2007/46/EG) in Spanien typgenehmigt. Allerdings ist die Zahl der Fahrzeuge einer Modellreihe, die mittels EG-Kleinserien-Typgenehmigung jährlich in der Europäischen Union zugelassen, verkauft oder in Betrieb genommen werden dürfen, begrenzt. Bei Pkw (Klasse M1) sind maximal 1000 Fahrzeuge zulassungsfähig.

Der (Geld sparende) Clou: Für Kleinserien-Fahrzeuge gelten vereinfachte Regelungen hinsichtlich der anzuwendenden Vorschriften. Der Einbau von Bremsassistenzsystemen und Elektronischen Fahrdynamik-Regelsystemen (ESP) ist zum Beispiel nicht erforderlich. Für Fahrzeuge ohne Frontairbag muss auch kein Frontalaufpralltest gemäß ECE R-94 durchgeführt werden. Ein Nachweis des Fußgängerschutzes ist ebenfalls nicht erforderlich.

Prinzipiell ist eine EG-Kleinserien-Typgenehmigung eine gute Sache: Sie sorgt für eine angemessene Flexibilität, damit auch Kleinserien-Hersteller die Vorteile des Binnenmarktes der Union nutzen können. Doch nach Ansicht des ADAC darf diese Möglichkeit nicht dafür ausgenutzt werden, Fahrzeuge in den Markt zu bringen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen – und dafür ist der Suda SA01 mit seinen deutlichen Defiziten im ADAC Test bei der passiven sowie bei der aktiven Sicherheit das beste Beispiel.

Fahrzeughersteller müssen ihren Kunden den aktuellen Sicherheitsstandard bieten, unabhängig vom Typgenehmigungsverfahren. Wird dies umgangen, ist seitens des Gesetzgebers eine Nachbesserung des Typgenehmigungsverfahrens erforderlich.

Bis dahin müssen die Käufer gerade bei den billigsten Angeboten extrem vorsichtig sein und sollten auf wichtige Sicherheitsausstattungen wie ESP, Airbags, Gurtstraffer oder City-Notbremsassistenten niemals verzichten. Dass aktuelle Fahrzeuge auf dem Sicherheitsniveau des Suda die staatliche Förderprämie bekommen, hält der ADAC ohnehin für wenig angemessen.

Fazit: Keine Kaufempfehlung für den Suda SA01

Herstellung im Suda Werk
Suda-Werkshalle in der chinesischen Provinz Henan ∙ © imago images/Pacific Press Agency

Der SA01 ist technisch weit vom selbst in dieser Preisklasse aktuellen Stand der Technik entfernt. An seit vielen Jahren in Europa üblicher aktiver und passiver Sicherheitsausstattung fehlt es dem Auto nahezu gänzlich, lediglich ABS ist an Bord. Das Fahrverhalten ist kritisch, selbst bei mittleren Geschwindigkeiten schleudert der Wagen beim Ausweichtest und lässt sich kaum mehr abfangen. Die Bremsen verzögern schwach, die Lenkung arbeitet indirekt und rückmeldungsfrei. Auch Verarbeitung und Komfort erfüllen selbst das inzwischen übliche Niveau von Kleinwagen bei weitem nicht.

Dass es sehr wohl gute Elektrofahrzeuge aus China gibt, die auch auf dem europäischen Markt konkurrenzfähig sind, beweisen Importfahrzeuge wie der MG ZS EV oder der Aiways U5. Und wer noch warten kann, hat im Herbst 2021 eine weitere Alternative: Den Dacia Spring. Der schicke SUV wird unter dem Renault-Label ebenfalls in China produziert, soll mit Förderung sogar unter 10.000 Euro zu haben sein – und wird so zum europäischen Preis-Kracher mit asiatischen Wurzeln.

Hier können Sie einen ausführlichen Test des Suda SA01 als PDF herunterladen
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Das hat gefallen: Gutes Raumangebot, großzügiger Kofferraum, ordentliche Beschleunigung, direktes Reifendrucksystem und Reifentemperaturanzeige, immerhin ABS, Kinder waren beim Crash noch gut geschützt

Das hat nicht gefallen: Schlechte Qualität und Verarbeitung, geringe AC/DC-Ladeleistung, Probleme beim öffentlichen DC-Laden, einfache Halogen-Lichttechnik, gefühllose Lenkung, schwache Bremswirkung, keine aktive/passive Sicherheitsausstattung, sehr hohes Verletzungsrisiko der vorderen Insassen beim Crashtest

Technischen Daten Suda SA01

HerstellerangabenSuda SA01

Motor/Antrieb

Elektromotor, 80 kW/109 PS, 240 Nm ab sofort

Höchstgeschwindigkeit

134 km/h

Batteriekapazität

40 kWh

Verbrauch (WLTP)

21,9 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Maße

L 4,42 / B 1,7 / H 1,58 m

Kofferraum

450 – 900 l

Leergewicht / Zuladung

1465 / 300 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

-

Garantie

3 Jahre (8 Jahre auf Batterie)

Preis

ab 19.390 € (ohne Prämien)

Welche Elektrofahrzeuge sonst noch auf dem deutschen Markt angeboten werden, erfahren Sie in der ADAC Übersicht der aktuellen E-Autos.

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Fachliche Beratung: Maximilian Bauer, Alexander Werner, ADAC Technik Zentrum