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Byton M-Byte: Chaos in der Unternehmensführung

Ein M-Byte von Byton fahren von vorne
Erste Testfahrt mit dem Vorserienauto Byton M-Byte ∙ © Byton

Der Byton M-Byte droht zu scheitern: Trotz neuer Geldquelle versinkt die Firma im unternehmerischem Chaos. Dabei stünde die Fabrik in China zur Produktion bereit

  • Digital-Cockpit mit Riesenbildschirm als Zukunftsversprechen

  • Batterien mit 72 und 95 kWh; wahlweise 200 oder 300 kW Leistung

  • Marktstart des Byton M-Byte mehr als fraglich

Als Byton 2018 auf der CES in Las Vegas sein Messedebüt gab, staunten die Gäste Bauklötze. Das Auto-Start-up aus China versprach, alles besser zu machen als die etablierten Hersteller. Autonom und elektrisch fahren, die Bedienung revolutionieren, keine Schlüssel mehr dank Gesichtserkennung.

Der M-Byte – eine Mischung aus SUV und Van mit zukunftsträchtigem elektrischen Antrieb – war so gut wie fertig entwickelt. Es fehlten nur noch die letzten technischen Feinabstimmungen. Weitere Modelle von Byton waren schon in der Pipeline. Dann brach Corona in China aus. Investoren zogen ihre Zusagen zurück. Plötzlich fehlte das nötige Geld.

Zur Jahreswende wurde vermeldet, dass Byton einen neuen Investor gefunden habe. Die Firma Foxconn, bekannt als Auftragsfertiger für das Apple-iPhone, wolle 200 Millionen Dollar investieren, damit der M-Byte bald in Serie gehen könne. Von einem Produktionsbeginn in China Anfang des Jahres 2022 war die Rede.

Nun droht die Firma zu kollabieren. Es fehlt Geld an allen Ecken und Enden. Die Mitarbeiter in USA und Deutschland werden seit Monaten nicht mehr bezahlt. Das Designzentrum in München ist geschlossen. Medien berichten von staatsanwaltlichen Ermittlungen wegen Insolvenzverschleppung. Mitarbeiter sind vor Gericht gezogen gegen Byton. Ob und wie es weitergehen könnte, weiß niemand zu sagen. Verlässliche Aussagen von der Unternehmensführung in China sind seit Wochen nicht mehr zu bekommen. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoherstellern mit chinesischem Geld und chinesischem Management – Beispiele: Nio oder BYD – scheint das Firmenkonstrukt von Byton unterzugehen.

"Ein Elektroauto muss bequem sein"

Ein M-Byte von Byton fahren von der Seite
Der lange Radstand schafft Platz für die Batterien im Boden ∙ © Byton

Dass der M-Byte ein wirklich innovatives und beeindruckendes Auto hätte werden können, davon hatten wir uns bei mehreren Gelegenheiten überzeugen können. Entwicklungschef David Twohig ging mit einer Philosophie daran, die ganz anders ist als die von Tesla & Co. Sein Credo: "Ein Elektroauto muss bequem sein." Nur, weil jedes Elektroauto dank unmittelbarer Kraftübersetzung beschleunigen könne wie ein Sportwagen, müssten die Ingenieure es noch lange nicht so auslegen. "Sonst machen die Autos am Ende nur dem Fahrer Spaß", so Twohig.

Und weil der M-Byte zunächst vor allem in chinesischen Stauhochburgen wie Schanghai oder Peking unterwegs sein sollte, verlor das Thema Fahrdynamik noch mehr an Bedeutung. Die Entwickler legten deshalb viel Wert auf Komfort und sanftes Dahingleiten. Folge: Die Insassen fühlen sich bei der Fahrt im Prototyp eher wie in einer traditionellen Oberklasse-Limousine – und nicht wie in einem Elektro-Renner.

460 Kilometer Reichweite nach WLTP

Grundkörper des Byton M-Byte
Die Akkus befinden sich platzsparend im Unterboden ∙ © Byton

Trotzdem ist der M-Byte alles andere als eine lahme Hütte. Schließlich war geplant, dass er entweder mit Heckantrieb und 200 kW oder mit Allrad und 300 kW ausgestattet wird. Das reicht, um den 2,5 Tonnen schweren Wagen mit gehörigem Nachdruck zu beschleunigen. 5,5 Sekunden gibt der Hersteller für die stärkere Allradversion für den Spurt von null auf 100 km/h an. Und erst bei 190 km/h ist Schluss.

Die leistungsschwächere Version mit Heckantrieb (RWD) und 72-kWh-Akku soll gemächlich gefahren bis zu 360, mit 95-kWh-Akku 460 Kilometer weit kommen. Die Topvariante mit Allrad schafft es auf 435 Kilometer. Die maximale Ladeleistung ist an der DC-Schnellladesäule (Gleichstrom) je nach Ausführung des M-Byte entweder mit 120 oder 150 Kilowatt ausgelegt. Das wären durchaus konkurrenzfähige Werte verglichen mit Audi e-tron, Jaguar i-Pace und Mercedes EQC.

Zusätzlich verspricht Byton Zugang zu diversen Schnellladesäulen unterschiedlicher Betreiber, darunter auch die von EnBW und Ionity. Und selbstverständlich befindet sich ein intelligenter Routenplaner mit den besten Lademöglichkeiten auf Reisen an Bord.

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Ein Bildschirm als Zukunftsversprechen

Cockpit des Byton M-Byte
Der Bildschirm des M-Byte erstreckt sich über die gesamte Cockpit-Breite ∙ © Byton

Herausragend ist das futuristische Ambiente mit der riesigen Bildschirmlandschaft. Sie besteht aus Touchscreens in der Armlehne zwischen den Sitzen, im Lenkrad und am Armaturenbrett. Dort erstreckt sich das Display über die komplette Fahrzeugbreite.

Allerdings ist das Geflimmer arg gewöhnungsbedürftig: Während sich das Tablet in der feststehenden Nabe des Lenkrads überraschend gut bedienen lässt, bindet der riesige Screen unter der Scheibe gefährlich viel Aufmerksamkeit. Außerdem behindert er den Blick auf die Straße, speziell direkt vor die Haube.

Der Hersteller entgegnete auf die Kritik, dass sich jeder Fahrer den Schirm so konfigurieren könne, wie er es haben möchte. Außerdem seien die Anzeigen auch reduzierbar und die Helligkeit individuell dimmbar.

Byton M-Byte: Von China in die Welt?

M-Byte von Byton in der Fabrik auf  dem Produktionsband
Der Byton M-Byte sollte in China gefertigt und von dort in alle Welt exportiert werden ∙ © Byton

Dass Käufer in Europa existentiell seien für den Erfolg von Byton, das hätten Marktanalysen vorab ergeben. Die Verhandlungen mit möglichen Vertriebspartnern in Deutschland waren schon weit gediehen. Der erste europäische Showroom sollte in Zürich eröffnet werden, hieß es. Nun steht das gesamte ehrgeizige Projekt vor dem Aus. Ein Großserienauto auf die Straße zu bringen kostet irrsinnig viel Geld. Wenn der chinesische Staat seine finanzielle Beteiligung nicht noch einmal aufstockt, scheint das Überleben von Byton kaum noch möglich zu sein. Und das, obwohl das Auto praktisch serienreif ist und die Fabrik in China mittlerweile so gut wie fertig bereitsteht. Mit Presswerk und allem, was dazu gehört.

Byton M-Byte RWDByon M-Byte AWD

Motor

Elektromotor, 200 kW/272 PS, 410 Nm

Elektromotor, 300 kW/408 PS, 325 Nm Vorderachse + 410 Nm Hinterachse


Batteriekapazität / DC-Ladeleistung max.

72 oder 95 kWh / 120 oder 150 kW

95 kWh / 150 kW

Fahrleistungen

7,5 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze

5,5 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze

Reichweite nach WLTP

360 km oder 460 km

435 km

Maße

L 4,88 / B 1,97 / H 1,67 m

L 4,88 / B 1,97 / H 1,67 m

Kofferraum

550 - 1450 l

550 - 1450 l

Preis

53.550 € (incl. MwSt.)

k. A.

Alle Daten Angaben des Herstellers

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Text: Thomas Geiger, Wolfgang Rudschies