MG4 im Test: So gut ist der Elektro-Sportler aus China

Video: Motorjournalist Lars Hönkhaus unterwegs im MG4 ∙ Bild: © news to do GmbH, Video: © ADAC e.V.

So dynamisch, wie das Elektroauto aus China aussieht, fährt es sich auch. Hinsichtlich Platz, Komfort und Sicherheit müssen Kunden beim MG4 jedoch ein paar Abstriche machen. Der ADAC Autotest verrät, welche das sind.

  • Elektro-Sportler mit Motoren von 125 bis 320 kW

  • Im Test: MG4 Luxury mit 150 kW und 64-kWh-Akku

  • Testwagenpreis: 42.640 Euro

Mit der englischen Traditionsmarke hat der Hersteller MG heute praktisch nichts mehr zu
tun. Schon vor rund zwei Jahrzehnten ist der Markenname MG vom chinesischen SAIC-Konzern übernommen worden. Der MG4 basiert auf einer von SAIC entwickelten Plattform, wird in einer chinesischen Fabrik gefertigt und in Deutschland seit 2023 verkauft. Dabei schlägt er sich im Wettbewerb mit hierzulande bekannte(re)n Elektroautos wie dem VW ID.3 oder dem Cupra Born erstaunlich wacker.

MG4: Dynamisches E-Auto aus China

Ein blauer MG 4 auf der Ludwigstraße in Bamberg
Der MG4 hat LED-Scheinwerfer mit automatischer Abblendfunktion© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Im aktuellen ADAC Test musste sich der MG4 in der 150 kW starken Version "Luxury" mit einer 64 kWh großen Batterie beweisen. Basispreis: 41.990 Euro, inklusive Extras kostet der Testwagen 42.640 Euro. Viel mehr geht auch nicht. Für Elektromodelle von VW und Co. kann man deutlich mehr Geld loswerden, wenn man ein paar Extras ankreuzt.

Schon der Blick aufs Außendesign des MG4 offenbart eine gewisse Angriffslust. Und genauso dynamisch wie er ausschaut, fährt sich das kompakte Elektroauto auch. Der 150 kW starke E-Motor an der Hinterachse schiebt den kompakten Wagen (4,26 Meter) gleichmäßig und nachdrücklich vorwärts. An die Gangwahl über den handtellergroßen Drehknopf auf der Mittelkonsole hat man sich schnell gewöhnt. Auch das Umschalten von Vorwärts- auf Rückwärtsfahrt klappt damit recht schnell – was sich leider nicht für jeden Getriebeschalter in heutigen E-Autos konstatieren lässt.

Das Fahrwerk meistert alle Aufgaben außerordentlich gut. Der MG4 liegt stets sicher auf der Straße und lässt sich auch von engen, schnell gefahrenen Kurven nicht aus der Ruhe bringen. Der Geradeauslauf ist einwandfrei. Bei sportlicher Gangart halten sich Wanken oder Nicken in Grenzen – wobei auf langen Bodenwellen allerdings ein leichtes Nachwippen auffällt. Beim anspruchsvollen ADAC Ausweichmanöver hat man trotz des Gewichts von 1,7 Tonnen ein sicheres Gefühl der Fahrzeugkontrolle und kann sogar kleine Lenkkorrekturen während des Ausweichvorgangs gut umsetzen.

Gutes Fahrwerk und wirksame Bremsen

Ein blauer MG 4 fährt durch das Siegestor in Müchen
Fahrwerk und Bremsen sind sportlich-sicher ausgelegt© MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Auch Lenkung und Bremsen machen einen guten Job. Die Lenkung ist nicht zu leichtgängig, die angepeilte Linie auf kurvigen Landstraßen trifft man meist auf Anhieb. Kleines Manko: Besonders aufschlussreiche Rückmeldungen von der Straßenbeschaffenheit gibt die Lenkung nicht. Dafür wirkt sie zu entkoppelt. An das Ansprechverhalten und die Dosierbarkeit der Bremse gewöhnt man sich schnell. Für eine Notbremsung aus 100 km/h benötigt der MG4 einen Bremsweg von nur 33,9 Meter. Auch das ist ein außerordentlich gutes Ergebnis in dieser Fahrzeug- und Preisklasse.

Abstriche beim Federungskomfort

Deutlich weniger gut schneidet der MG4 hinsichtlich der Federung ab. Hintergrund ist nicht etwa ein hartes Sportfahrwerk – die Federung arbeitet nämlich mit konventionellen Dämpfern zusammen. Problem ist eher: Der Testwagen steht auf üppigen 18-Zoll-Rädern mit einem schmalen Querschnitt der Reifen. Und das lässt Schwellen und Fahrbahnverwerfungen zu den Insassen durchdringen. Insgesamt federt der kompakte MG4 zwar passabel, kurzwellige Fahrbahnabschnitte und Einzelhindernisse wie abgesenkte Kanaldeckel kommen jedoch spürbar in den Innenraum durch. Ein elektronisch regelbares Fahrwerk ist nicht verfügbar.

Ärger mit der Elektronik

Ein großes Rätsel gibt die Temperaturregelung des MG4 auf. Die Vorwahl von 21 °C führt zu eifriger Kühlung des Innenraums, egal wie kalt es draußen und im Innenraum ist. Erst bei einer Vorwahl zwischen 26 und 28 °C wird der Innenraum geheizt. Aber schon nach kurzer Zeit muss man wieder nachregeln, weil es zu warm oder zu kalt aus den Lüftungsdüsen kommt. Das Problem ist bekannt und wird in den einschlägigen Foren diskutiert. Bisher war MG nicht in der Lage, den Regelungsfehler zu beheben.

Bei den aktiven Sicherheitssystemen hapert es ebenfalls. Die Verkehrszeichenerkennung hat über weite Teile des Testbetriebs nicht wirklich funktioniert: Entweder wird gar keine Tempobegrenzung angezeigt oder scheinbar willkürliche Limits. Die adaptive Temporegelung arbeitet sehr unharmonisch, insbesondere das Beschleunigen nach einem Spurwechsel erfolgt deutlich zu spät.

Der Spurhalteassistent greift sehr rigide, also mit erheblicher Kraft ins Lenkrad. Das ist unangenehm für den Fahrer und bedeutet im Zweifel, dass er kraftvoll gegenhalten muss. Darüber hinaus ist die Erkennung nicht immer passend. Es kam im Testbetrieb sogar vor, dass das System in den Gegenverkehr lenken wollte. Folge für die Bewertung: Im Testkapitel aktive Sicherheitssysteme bekommt der MG4 eine mäßige Benotung (3,3 = noch befriedigend). Zum Vergleich: Ein getesteter ID.3 bekam hier die Note 1,0, der Cupra Born die Note 1,7. Bis zur Notengrenze 1,5 ist das in der Benotung des ADAC ein "sehr gut".

Platzverhältnisse sind klassengemäß

Das Platzangebot im MG4 liegt auf klassenüblichem Niveau. Der Platz vorn geht in Ordnung, ist aber nicht ganz so großzügig wie bei manchem Konkurrenten. Grund ist der weniger weite Längseinstellbereich der Vordersitze. So reicht die Beinfreiheit vorn für Personen bis etwa 1,90 Meter Größe. Auf der Sitzbank hinten finden Personen bis 1,85 Meter bequem Platz.

Der Gepäckraum des MG4 fasst 250 Liter unter der Kofferraumabdeckung. Entfernt man die obere Abdeckung und nutzt den Stauraum bis zum Dach hoch, erweitert sich das Volumen auf 340 Liter. Alternativ kann man im Kofferraum auch bis zu fünf Getränkekisten unterbringen. Das sind eher mäßige Werte. Weiteren Stauraum für Kleinkram (55 Liter) gibt es unter dem Kofferraumboden.

MG4: Bedienung nicht optimal

Das kleine Kombiinstrument vor dem Lenkrad bietet eine Menge an sinnvollen Informationen. Das ist deshalb positiv hervorzuheben, weil sich manche Hersteller eine separate Instrumentenanzeige aus Kostengründen sparen.

Der 10,25-Zoll-Touchscreen des Infotainmentsystems ist gut auf dem Armaturenträger positioniert, das darüber zu bedienende Multimedia-Menü jedoch umfangreich und wenig übersichtlich. Nur für die Lautstärke sowie Front- und Heckscheibenheizung gibt es noch einzelne physische Tasten, ansonsten werden fast alle Funktionen inklusive Klimatisierung über den Touchscreen gesteuert. Nicht optimal ist, dass manche Einstellungen über den Hauptbildschirm und andere wiederum im Kombiinstrument vorgenommen werden müssen.

Ärgerlich: Das Multimediasystem reagiert teilweise recht träge auf Touchbefehle, zudem kommen in den Menüpunkten deutsche und englische Begriffe vermischt zum Einsatz – teilweise mit fragwürdigen Übersetzungen. Den Bediensatelliten für die Geschwindigkeitsregelsysteme kann man nicht einsehen, sodass man die Bedienung so lange erlernen muss, bis man sie "blind" beherrscht.

MG4: Verbrauch und Reichweite

Der Boardcomputer des MG 4
Den Ladevorgang kann man am Display in Echtzeit verfolgen © MG Motor Deutschland GmbH/Marcus Werner

Sehr gut schneidet der MG4 im Kapitel Effizienz ab. Im definierten ADAC Ecotest wurde ein Stromverbrauch von lediglich 18,3 kWh pro 100 Kilometer ermittelt. Innerorts konsumiert der Elektro-MG etwa 13,7 kWh, außerorts etwa 19,6 kWh und auf der Autobahn ist mit 21,3 kWh pro 100 Kilometer zu rechnen – natürlich nur solange die Bedingungen von sommerlichen Temperaturen und zurückhaltender Fahrweise eingehalten werden. Reichweite mit der 64 kWh-Batterie: 390 Kilometer.

Die Ladung an der DC-Schnellladesäule soll mit dem MG4 laut Prospekt mit maximal 140 kW möglich sein. Bei den ADAC Messungen wurde dieser Wert tatsächlich erreicht. Und nicht nur das: Die Ladekurve im standardisierten Test blieb von 10 bis 55 Prozent Akkufüllstand auf diesem Maximalwert konstant bestehen – das ist eine beachtlich gute Ladeleistung.

Weiterer Pluspunkt: Um die Schnellladeleistung im Winter zu verbessern, kann man im Fahrzeugmenü die Batterieheizung manuell starten. Diese Funktionalität bedeutet für E-Autofahrer oft die Rettung vor einer Kalamität, ist aber leider keine Selbstverständlichkeit für die Hersteller. Rechtzeitig gedrückt und somit gut vortemperiert, schafft es der MG4, binnen 30 Minuten Strom für weitere 306 Kilometer zu tanken. Kein Spitzen- aber ein sehr ordentlicher Wert bei der Schnellladung.

Im Vergleich mit den zwei wichtigsten Konkurrenten ist die Langstreckentauglichkeit des MG4 beachtlich. Erstens, weil das chinesische E-Auto mit einem Verbrauch von nur 18,3 kWh pro 100 Kilometer punktet. Zweitens weil die Ladeleistung an der DC-Schnellladesäule lange Zeit sehr hochgehalten wird vom Batteriemanagement. Die durchschnittliche Leistung während des Ladevorgangs von 10 auf 80 Prozent Akkufüllstand beträgt 114 kW. Dadurch lädt der MG4 zwar nicht ganz so viel Kilometer nach in 30 Minuten wie der ID.3, aber deutlich mehr als der Cupra Born.

Modell / Akku netto

Verbrauch / Reichweite

Durchschnittl. Ladeleistung 10 – 80 Prozent

In 30 Min nachgeladen

MG4 / 59,5 kWh

18,3 kWh / 390 km

113,9 kW

306 km

VW ID.3 / 77 kWh

19,2 kWh / 450 km

127,1 kW

347 km

Cupra Born / 58 kWh

21,2 kWh / 295 km

85,9 kW

201 km

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht des MG4 als PDF kostenlos downloaden.

MG4: Technische Daten und Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

MG MG4 Electric Luxury (ab 05/23)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204

Drehmoment (Systemleistung)

250 Nm

Antriebsart

Hinterrad

Beschleunigung 0-100km/h

7,9 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

435 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

16,6 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

64,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

59,5

Ladeleistung (kW)

AC:2,2-11,0 DC:50,0-140,0

Kofferraumvolumen normal

350 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.165 l

Leergewicht (EU)

1.675 kg

Zuladung

448 kg

Anhängelast ungebremst

500 kg

Anhängelast gebremst 12%

500 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.287 mm x 1.836 mm x 1.516 mm

Grundpreis

41.990 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

MG4 Luxury

Überholvorgang 60 – 100 km/h

3,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,9 m

Wendekreis

10,9 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

18,3 kWh/100 km, 91 g CO₂/km (well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

390 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,7 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1700 / 423 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

250 / 635 / 1060 l

ADAC Testurteil

ADAC Testergebnis

MG MG4 Electric Luxury (ab 05/23)

Karosserie/Kofferraum

3,2

Innenraum

2,9

Komfort

3,2

Motor/Antrieb

1,2

Fahreigenschaften

2,3

Sicherheit

2,8

Umwelt/EcoTest

1,2

Gesamtnote

2,3
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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