Testfahrt im Elektroauto MG4: Wird das der neue Volkswagen?

Mit der Konkurrenz auf Konfrontationskurs: Der elektrische MG4
Mit der Konkurrenz auf Konfrontationskurs: Der elektrische MG4© MG

Dass chinesische Marken wie MG bei Elektroautos ganz vorn dabei sind, zeigt der neue MG4. Er wird dem VW ID.3 Konkurrenz machen und ihm in manchen Punkten sogar die Schau stehlen. Testfahrt mit Infos, aktuellen Daten und Bildern.

  • 4,29 Meter langer MG4 kommt als ID.3-Konkurrent

  • Zwei Batterien: 51 und 64 kWh für 350 und 450 km Reichweite

  • Preis: 31.990 Euro für die Standardversion

Sie sind so etwas wie der Shooting-Star unter den chinesischen Newcomern. Denn während andere Marken aus dem Reich der Mitte momentan viel Lärm um noch nicht viel machen, hat sich MG bereits (wieder) fest auf dem Kontinent etabliert: Knapp zwei Jahrzehnte nachdem die britische Traditionsmarke im chinesischen SAIC-Konzern aufgegangen ist und nicht einmal zwei Jahre nach dem Verkaufsstart in Deutschland, ist MG an Marken wie Alfa Romeo oder Subaru vorbeigezogen und hat sich zugleich an die Spitze der Neueinsteiger gesetzt.

China-Konkurrenz: Wie der VW ID.3 – nur preiswerter

Straffe Linienführung: Der MG4 setzt auf sportliches Design © chrislawrence

Und das war nur der Anfang. Nach MG5, MG ZS, MG EHS und Marvel R bereiten die Chinesen nun mit dem MG4 ihren ersten wirklichen Coup vor: Als erstes Auto auf ihrer neuen E-Plattform zielt er auf Volkswagens ID.3 und will mit der besseren Technik zum günstigeren Preis zum wahren Volks-Wagen werden. Diese Positionierung ist brisant – schließlich sind VW und die MG-Mutter SAIC in China enge Partner und bauen gemeinsam die Volkswagen-Modelle für die Volksrepublik.

Und schon der Blick aufs Außendesign offenbart eine gewisse Angriffslust, denn im Vergleich zu den eher rundgelutschten VW-Modellen kommt der MG4 eher schnittig und kantig daher. Der Spoiler an der Dachkante und die stromlinienförmigen Elemente rufen die britische Sportwagen-Vergangenheit ins Gedächtnis.

Ganz ähnlich wie bei den ID-Modellen spielen ein kleiner Bildschirm hinter dem Lenkrad und ein größerer über der Mittelkonsole zusammen, auf denen die Bedienung leichter fällt als beim noch immer ziemlich verkorksten VW-System. Erst recht, weil es auf einem kleinen Vorsprung darunter neben einer Ladeschale fürs Smartphone noch einen klassischen Drehregler gibt. Allgemein fällt die sehr schlichte Gestaltung auf, die dem Innenraum ein eher technisches Antlitz verleiht.

Galerie: Der MG4 im Detail

Kompaktes Elektroauto mit viel Platz

Und die Platzverhältnisse sind bei knapp 4,30 Metern Länge, großem Radstand und kurzen Überhängen sowie der komplett im flachen Boden verstauten Elektrotechnik mehr als ausreichend. Die Batterie ist besonders flach gestaltet, folglich ist der MG4 wie alle dezidierten E-Autos innen geräumiger, als man es ihm von außen zutraut. Das Kofferraumvolumen fällt mit 363 Litern deshalb auch zufriedenstellend aus. 28 Ablagen im Innenraum sorgen dafür, dass auch Kleinkram nicht zu Hause bleiben muss.

Bei einer ersten Ausfahrt mit einem noch getarnten Prototyp gab sich der Wagen keine Blöße. Die Lenkung ist zwar für den europäischen Geschmack sehr stark unterstützt, wirkt aber hinreichend präzise und zusammen mit der ausgeglichenen Gewichtsverteilung und dem tiefen Schwerpunkt macht der ID-Gegner einen ziemlich agilen und auch komfortablen Eindruck. Interessant auch, dass MG auf "Brake-by-wire" setzt – der Bremsbefehl wird also elektronisch statt mechanisch übertragen. Dadurch soll sich das Pedalgefühl den individuellen Vorlieben der Fahrerin oder des Fahrers anpassen lassen.

Echte Golf-Konkurrenz: MG4 liefert gute Argumente

Komfortable Federung, gute Straßenlage - nur die Lenkung ist zu leichtgängig © MG

Nur die Assistenzsysteme sind noch ein bisschen nervös und greifen öfter und vor allem fester ins Geschehen ein, als es dem Fahrer lieb ist – ob diese Details bis zum aktuellen Release angegangen werden, wird bald ein ausführlicher ADAC-Test zeigen.
Doch selbst wenn VW seine ID-Modelle womöglich aufwändiger entwickelt und gründlicher abstimmt, und der ID.3 auch das vielleicht bessere Auto ist: Wo der Golf mal als unangreifbar galt, kommt der MG4 den ID-Modellen zumindest auf der ersten Fahrt im Prototypen so nahe, dass die Unterschiede für den Kunden nicht mehr ins Gewicht fallen.

Würden nicht auch Image, Händlernetz und Restwert den Kauf mitbestimmen, gäbe es bei dem Preisvorteil der Chinesen nicht mehr viele gute Gründe für den VW. Der Grundpreis der bereits gut ausstaffierten Basisversion mit 51-kWh-Batterie beläuft sich (ohne Umweltboni) auf 31.990 Euro. Damit startet der MG deutlich günstiger als das entsprechende ID.3-Modell. Die Version mit 64-kWh-Batterie steht ab 35.990 Euro in der Liste.

64-kWh-Batterie für 450 km Reichweite

Treibende Kraft im neuen Modell ist eine E-Maschine, die genau wie bei VW 150 kW/204 PS leistet und an der Hinterachse montiert ist. Sie ist stark genug, den Fünftürer in weniger als acht Sekunden auf Tempo 100 zu bringen und die auf 160 km/h abgeregelte Höchstgeschwindigkeit zu erreichen.

Gespeist wird der Motor aus einer neuen Batterie, die mit gerade mal elf Zentimetern ungewöhnlich flach ist und deshalb eine sehr natürliche Sitzposition ermöglicht. Sie hat 64 kWh und sollte nah WLTP für rund 450 Kilometer reichen. Die angegebene Ladezeit von 35 Minuten (10 Prozent Akkustand auf 80 Prozent an Schnellladestationen mit bis zu 135 kW Ladeleistung) ist zudem sehr überschaubar. An AC-Säulen kann der MG4 maximal 11 kW ziehen.

Weitere Varianten des MG4 geplant

Autor Thomas Geiger vor dem noch getarnten MG4-Prototyp © MG

Die Plattform des MG4 ist ausgesprochen flexibel. Für den MG4 bedeutet das die Option auf eine zweite Version mit 125 kW/170 PS und auf einen Akku mit 51 kWh für 350 Kilometer. Zukünftig sollen zwei zusätzliche Varianten mit Allradantrieb bzw. einer 77 kW-Batterie mit mehr als 500 Kilometern Reichweite erhältlich sein. Und auch für die künftigen Schwestermodelle hat SAIC alle Möglichkeiten: „Mit Radständen von 2,65 bis 3,10 Metern können wir vom Kleinwagen bis zum großen SUV alle Segmente abdecken“, sagt Entwicklungschef Zhu Jun. „Und bei den Batteriegrößen reicht das Spektrum von 40 bis 150 kWh.“

Wo der MG4 aktuell noch mit einem 400 Volt-Netzwerk arbeitet, könnte die Spannung bald auf 800 Volt steigen und selbst für Batterie-Wechselsysteme sei die Plattform vorbereitet. Am Horizont winkt außerdem schon der MG Cyberster, ein vollelektrischer Roadster.

Natürlich weiß MG, dass VW ein Big-Player ist, dem man nicht so schnell am Zeug flicken kann. Doch zumindest die Elektroautos aus dem Stellantis-Konzern (u.a. Opel, Peugeot, Fiat) sind mit ihrem schwachen Motor und ihrem kleinen Akku da schon dankbarere Gegner. Noch bevor er 2023 in den Handel kommt, könnte etwa ein elektrischer Opel Astra im Vergleich zum MG4 ziemlich alt aussehen. MG hat zudem noch einiges vor. Bis 2025 wollen die Chinesen 10 Modelle anbieten und auch das europäische Händlernetz soll laut MG-Ankündigung in Zukunft kontinuierlich erweitert werden. Sieben Jahre Garantie soll Vertrauen in die Marke schaffen. Scharfer Wind für die etablierte Konkurrenz.

MG4: Technische Daten und Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

MG MG4 Electric Standard Range (ab 09/22)

MG MG4 Electric Maximum Range Comfort (ab 09/22)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

125
150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

170
204

Drehmoment (Systemleistung)

250 Nm
250 Nm

Antriebsart

Heck
Heck

Beschleunigung 0-100km/h

7,5 s
7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h
160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

351 km
452 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

11,9 kWh/100 km
12,3 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

51,0
64,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

50,8
61,7

Ladeleistung (kW)

AC:7,0 DC:50,0-150,0
AC:7,0 DC:50,0-150,0

Kofferraumvolumen normal

363 l
363 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.177 l
1.177 l

Leergewicht (EU)

1.655 kg
1.685 kg

Zuladung

448 kg
448 kg

Anhängelast ungebremst

n.b.
n.b.

Anhängelast gebremst 12%

n.b.
n.b.

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km
7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.287 mm x 1.836 mm x 1.504 mm
4.287 mm x 1.836 mm x 1.504 mm

Grundpreis

31.990 Euro
35.990 Euro

Text: Thomas Geiger

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