Aiways U5: China-SUV überrascht im ADAC Test

Aiways U5: In China gebaut
Aiways U5: In China gebaut© Aiways

Mit dem Aiways U5 ist ein günstiger Elektro-SUV auf den Markt gekommen. Der ADAC hat das Produkt aus China getestet – mit überraschend positivem Ergebnis.

  • Im Test: Aiways U5 in Vollausstattung für 45.547 Euro

  • Gesamturteil: Note 2,5

  • Ein rundes Angebot, Schwächen nur im Detail

Es war eine ganz besondere Jungfernfahrt, als am 17. Juli 2019 zwei Prototypen des Aiways U5 von China aus nach Europa aufbrachen. Nach 53 Tagen Fahrt kamen die beiden Elektro-SUV in Frankfurt am Main an. Die zurückgelegte Distanz betrug rund 15.000 Kilometer.

Das durchschnittliche Reisepensum pro Tag betrug 283 Kilometer. Gemessen an dem, was man von einem Benzin- oder Diesel-Pkw gewohnt ist, nicht gerade viel. Aber auf der Strecke herrschten nicht immer die besten Straßen- und Verkehrsverhältnisse. Und auf ein perfekt ausgebautes Netz von Schnellladesäulen konnte man unterwegs sicher nicht zurückgreifen. Insofern war die Fahrt eine echte Pionierleistung.

Längst ist der Aiways U5 an erste Käufer in Deutschland ausgeliefert worden, in Europa wurde 2021 laut Hersteller immerhin schon eine vierstellige Zahl von U5 unters Volk gebracht. Und längst hat der ADAC auch ein Exemplar des Aiways U5 unter die Lupe nehmen können. Die ADAC Ingenieure waren besonders gespannt, was der China-SUV taugen würde. Kann er mit der Konkurrenz mithalten? Oder fährt der Newcomer hinterher?

Aiways U5: China-SUV ab 39.657 Euro

Das stärkste Argument für den Aiways U5 ist der Anschaffungspreis. Mit 39.657 Euro vor Abzug der Förderprämien kostet der Aiways nur etwa halb so viel wie zum Beispiel ein fein ausgestatteter Mercedes EQC, der von den Abmessungen her in der gleichen Liga spielt. Ist der Aiways dann auch nur halb so gut wie der Mercedes?

Mitnichten. Zu diesem Ergebnis sind die Testingenieure des ADAC gekommen, nachdem sie das Auto bis ins kleinste Detail untersucht hatten. Beispiel Verarbeitung: Hier erreicht der China-SUV zwar nicht das sehr hohe Niveau des Mercedes EQC, aber der Aiways ist sauber zusammengebaut, die Lackqualität tadellos. Im Innenraum des U5 setzt sich der gute Eindruck fort. Geschäumte Oberflächen im oberen Bereich von Armaturenbrett und den Türverkleidungen sowie Filz in den Türablagen sorgen für einen wertigen Eindruck.

Viel Ausstattung für wenig Geld

Das Angebot an Komfort- und Sicherheitsdetails im Aiways U5 ist angesichts des Kaufpreises sogar konkurrenzlos. So bietet der Testwagen in der Premiumausstattung, die im Modelljahr 2022 Prime heißt, für 45.547 Euro Annehmlichkeiten wie LED-Scheinwerfer, Panoramadach, Regen- und Lichtsensor, automatisches Fernlicht, Parkassistenten, Rundumkameras, Sitzheizung, Verkehrszeichenerkennung, Notbremsfunktionen, Abstandstempomat und vieles mehr.

Was beispielsweise fehlt, ist ein Head-up-Display. Und auf ein Handschuhfach müssen Käufer vollends verzichten. Das scheinen die Entwickler – genauso wie die Abblendfunktion beim Innenspiegel – einfach vergessen zu haben bei ihrem Erstlingswerk. Ebenfalls nicht im Lieferumfang enthalten ist ein Navigationssystem. Das jedoch haben die Macher in China bewusst weggelassen. Ziel und Zweck: den Kaufpreis niedrig zu halten.

Als Argument für das fehlende Navi zählt die Tatsache, dass heutzutage jeder ein Smartphone mit einem gut funktionierenden und zudem stets aktuellen Navigationssystem bei sich hat. Das einzige, was man tun muss, ist das eigene Smartphone per Kabel mit dem Bediensystem zu verbinden. Und wäre noch der Klang des Lautsprechersystems etwas besser – die unmittelbare Welt um den Aiways-Fahrer herum wäre ganz in Ordnung.

Das Sorgenkind des U5 heißt: Bedienbarkeit

Bei der Bedienbarkeit schlägt dann aber die mangelnde Erfahrung der Aiways-Entwickler zu Buche. Der wie so oft bei modernen Autos demonstrierte Verzicht auf Tasten für wesentliche Bedienfunktionen führt zu umständlichen Bedienschritten auf dem Touchdisplay – und damit zur Ablenkung vom Verkehrsgeschehen. Eine App für das Smartphone, mit der die Systeme des U5 hochgefahren, die Klimatisierung eingestellt und Türen, Kofferraum sowie das Schiebedach geöffnet oder verriegelt werden können, hat der Hersteller Ende 2021 eingeführt.

Leistung und Fahrverhalten sind okay

Auch am Fahren gibt es wenig auszusetzen. Der Aiways U5 ist mit 150 kW/204 PS Leistung für den Alltag völlig ausreichend motorisiert. Der Sprint von 0 auf 100 km/h ist in sportlichen 7,8 Sekunden erledigt, die Spitze wird zugunsten der Energieeffizienz bei 160 km/h abgeregelt. Auch bei der Fahrsicherheit zeigt sich der U5 – im Gegensatz zum VW ID.4 – recht solide. Der übrigens nur 1,8 Tonnen wiegende Elektro-SUV wird beim ADAC Ausweichtest vom elektronischen Stabilitätsprogramm ESP sicher eingebremst und durchfährt den Pylonenkurs zwar mit starker Seitenneigung, aber weitgehend problemlos.

Im alltäglichen Fahrverhalten zeigt sich ein ähnliches Bild: Das Fahrwerk versucht nicht, übertrieben sportlich zu sein, sondern arbeitet angenehm kommod, wie man es von einem SUV erwartet. Auch der Geradeauslauf überzeugt. Von Spurrinnen und seitlich abfallenden Fahrbahnen lässt sich der U5 kaum aus der Ruhe bringen. Die Servolenkung erledigt ihre Arbeit ohne Tadel. Und die Bremse lässt sich gut dosieren – keine Selbstverständlichkeit für ein E-Auto, bei dem die Verzögerung durch den E-Motor (Rekuperation) mit der Radbremse zusammenspielen muss.

Nur hinsichtlich der Bremsleistung schwächelt der Aiways ein bisschen. Aus einer Geschwindigkeit von 100 km/h benötigt der U5 einen 36,5 Meter langen Bremsweg. Mancher Konkurrent steht rund drei Meter früher. Auch dass der Elektromotor seine Kraft über die Vorderachse auf die Straße bringen soll, ist keine optimale Lösung. Durch das hohe und spontan abrufbare Drehmoment von 310 Newtonmetern kommen die Vorderräder schnell an ihre Haftgrenze, besonders auf rutschigem Untergrund. Zum Glück regelt die Antriebsschlupfregelung erfreulich feinfühlig, sodass der Vortrieb trotzdem erhalten bleibt.

In Sachen Platz rangiert der Aiways U5 vorn

Mit 4,68 Metern Länge misst der Aiways U5 acht Zentimeter weniger als der Mercedes EQC. Und trotzdem bietet der Elektro-SUV aus China etwa genauso viel Platz im Innenraum wie das deutsche Premiumprodukt. Vorn und hinten können Personen bis 1,90 Meter Körpergröße im Aiways bequem sitzen ohne mit dem Kopf anzustoßen. Die Beinfreiheit hinten ist geradezu opulent. Der Kofferraum des U5 fasst in normaler Konfiguration 370, mit umgeklappten Rücksitzlehnen 960 und bei maximaler dachhoher Beladung 1675 Liter. Da kann der Mercedes EQC (355/755/1230 Liter) nicht mithalten.

Negativ zu Buche schlägt, dass der Platzvorteil des Aiways nicht ganz mit seinem zulässigen Gesamtgewicht harmoniert. Mit fünf erwachsenen Personen besetzt, aber noch ohne Gepäck, gilt der U5 behördlicherseits als überladen.

Aiways U5: Laden, Reichweite, Verbrauch

Ladeklappe unterm Scheinwerfer auf der Fahrerseite © Aiways

Zentral stellen sich bei einem Elektro-SUV natürlich die Fragen nach dem Aufladen, der Reichweite und dem Stromverbrauch. Der durchschnittliche Verbrauch des Aiways U5 beträgt im ADAC Ecotest 24,7 kWh pro 100 Kilometer (Stadt 21,5, Land 25,5, BAB 27,3 kWh/100 km). Damit konsumiert der China-SUV zwar etwas mehr als der VW ID.4, aber deutlich weniger als der Mercedes EQC, der im ADAC Test 27,6 kWh benötigte. Die Reichweite des Aiways U5 fällt mit 290 Kilometern unterdurchschnittlich aus.

Zum Stromverbrauch des Motors kommen vor allem auch hohe Ladeverluste. Um die 63 kWh große Batterie (brutto) einmal komplett von leer auf voll zu laden, sind nämlich 77,3 kWh erforderlich. Auch da sollte Aiways nachbessern.

Beim DC-Schnelladen an der Autobahn macht der Aiways U5 dagegen eine erfreulich gute Figur. Der Wagen lädt bei niedrigem Akkufüllstand sehr schnell mit der vollen Leistung von 90 und mehr Kilowatt und die Ladeleistung bleibt lange auf einem hohen Niveau. Über die gesamte Ladedauer lädt der Aiways U5 mit 78 kW – ein prima Wert.

Das bedeutet, dass der Aiways U5 während einer halbstündigen Pause eine Reichweite von 214 Kilometern nachladen kann. Zum Vergleich: Der Mercedes EQC 400 lädt in gleicher Zeit 216 Kilometer nach. Hier liegen die beiden also genau auf Augenhöhe. Auch das ist ein ganz erstaunliches Ergebnis für den vermeintlichen "Billigheimer" aus China. Nachgebessert hat Aiways übrigens fürs Modelljahr 2022 beim Wechselstromladen. Demnach kommen nämlich laut Aiways statt wie bisher maximal 6,6 Kilowatt jetzt elf Kilowatt aus Ladesäule oder Wallbox im Akku an. Im Alltag kann das ziemlich hilfreich sein.

Fazit zum Aiways U5 Testergebnis

Abgesehen von einigen Schwächen im Detail beweist der Aiways U5, dass Autos, die in China gebaut werden, schon lange nicht mehr billig im Sinne von "qualitativ minderwertig" sein müssen. Im Gegenteil, gerade verarbeitungstechnisch zeigt der Aiways eine gute Qualität. Offen bleibt derweil, ob dieser Eindruck auch in der Langzeitbetrachtung stehen bleibt.

Blickt man auf die vorgeschriebenen Wartungsintervalle – den Service übernimmt übrigens die Werkstattkette A.T.U –, scheinen die Chinesen aber volles Vertrauen in ihr Produkt zu haben. Der Aiways U5 muss erst nach 100.000 Kilometern zur Inspektion.

Hier können Sie den ausführlichen Test zum Aiways U5 als PDF herunterladen. Am Ende befindet sich eine Extra-Auswertung zu Elektroauto-spezifischen Messungen wie etwa die Ladekurve beim DC-Laden.
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Der Aiways U5 im Video

Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Aiways

Aiways U5: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Aiways U5 PRIME (ab 04/22)

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204

Drehmoment (Systemleistung)

310 Nm

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

160 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

400 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

17,0 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

13,8 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

63,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:90,0

Kofferraumvolumen normal

432 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.555 l

Leergewicht (EU)

1.770 kg

Zuladung

385 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg

Länge x Breite x Höhe

4.680 mm x 1.865 mm x 1.700 mm

Grundpreis

45.548 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Aiways U5

Überholvorgang 60 – 100 km/h

3,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,5 m

Wendekreis

11,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

24,7 kWh/100 km, 124 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

290 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,4 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1808 / 347 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

370 / 960 / 1675 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Aiways U5 Premium (10/20 - 04/22)

Karosserie/Kofferraum

2,7

Innenraum

3,0

Komfort

3,0

Motor/Antrieb

1,1

Fahreigenschaften

2,9

Sicherheit

2,4

Umwelt/EcoTest

2,4

Gesamtnote

2,5
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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