Lynk & Co 01: China-SUV zur Flatrate

Seitenansicht eines Lynk & Co 01 vor dem Showroom in München
Vor dem Showroom in München: Lynk & Co 01 ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Ein Auto mieten statt kaufen und durch Carsharing sogar refinanzieren? Mit diesem Konzept versucht die Marke Lynk & Co, Kunden ihre Autos schmackhaft zu machen. Lesen Sie, wie sich der Lynk 01 fährt – und wie man mit dem China-SUV Geld sparen kann

Eigentlich hätte die Marke Lynk & Co mit ihrem ersten Modell schon Ende 2019 in Deutschland sein wollen. Doch das Projekt des chinesischen Geely-Konzerns hat sich immer weiter verzögert – bis Ende 2021. Erst dann wurden in Deutschland die ersten Showrooms der neuen Marke eröffnet: in Hamburg, Berlin und München.

Die Idee: ein Auto – das Erstlingswerk heißt Lynk & Co 01 – nicht zum Kauf anzubieten, sondern zur Miete im Rahmen einer Clubmitgliedschaft. Mit 500 Euro Monatsbeitrag können interessierte Kunden das stylishe SUV fahren, inklusive Versicherung, Wartungskosten und Winterreifen – eine Art Flatrate für die Nutzung des Fahrzeugs. Nur die Kosten für Tanken und Waschen sind ausgenommen.

Das Beste aber ist: Kunden müssen sich nicht über einen längeren Zeitraum vertraglich verpflichten, um die Flatrate zu nutzen. Wenn es jemandem nach einem Monat nicht mehr zusagt, Lynk zu fahren, kann sie oder er den Vertrag sofort wieder kündigen. Keine Anzahlung, keine Restlaufzeit, keine Restzahlung. Man gibt das Auto wieder ab, und das war's.

"In China, wo das Auto schon seit 2017 angeboten wird, wäre dieses Mietmodell unmöglich umsetzbar gewesen", erklärt Alain Visser, Vorstandschef der Marke. "Als wir eine Umfrage gemacht haben unter den Chinesen, da waren die beleidigt. Chinesen sind stolz, ein Auto zu besitzen, sie wollen es nicht mieten!" Also verkauft Lynk das Auto auf dem Heimatmarkt China, wo es übrigens auch gefertigt wird, wie üblich über das Händlernetz.

Lynk & Co: Privates Carsharing mitgedacht

Heckansicht eines stehenden Lynk & Co 01
Markantes Detail: Design der LED-Rücklichter ∙ © Lynk & Co

Auf diesem Hintergrund stellt sich natürlich die Frage, wieso das Vermietungskonzept in Deutschland funktionieren sollte? Sind deutsche Kunden so anders? Visser sagt: "Autofahrer wissen: 90 Prozent der Zeit steht das Auto, das sie besitzen, still. Und sie fragen sich immer mehr, ob das Sinn macht." Selbstverständlich seien auch 90 Prozent der Autofahrer nach wie vor nicht daran interessiert, ein Auto auf Mietbasis zu fahren, 10 Prozent aber schon. Diese Gruppe wolle die Marke Lynk & Co ansprechen.

Besonders reizvoll an dem Vertrag mit Lynk ist seine monatliche Kündbarkeit, die es ermöglicht, das Auto auch nur mal eine Weile auszuprobieren. Hinzu kommt, dass Kunden den Lynk 01 sozusagen weitervermieten können, wenn sie ihn nicht brauchen. Die entsprechende Sharing-App, mit der das organisiert wird, liefert Lynk & Co gleich mit.

Was das Sharing kostet, ist allein Sache des Hauptmieters. Die Firma Lynk & Co verdient daran nicht mit und redet hier auch nicht rein. Durch die Weitervermietung ist es sogar möglich, die 500-Euro-Flatrate zu refinanzieren. Wenn sich beispielsweise für zehn Tage im Monat weitere Nutzer finden, die einen Tagessatz von jeweils 50 Euro zu zahlen bereit wären. Es wäre auch möglich, dass sich mehrere Personen oder Familien die Kosten für einen Vertrag mit Lynk – und das Auto – teilen. Für zwei Parteien wären es beispielsweise nur noch 250 Euro im Monat (plus Benzin). Das ist dann finanziell noch deutlich attraktiver.

Von Volvo entwickelt, in China gebaut: Lynk & Co 01

Wer das Angebot ausprobieren will, kann sich beim Lynk 01 zwischen einem Hybrid- und einem Plug-in-Hybrid-Antrieb, außerdem für die Farben Blau oder Schwarz entscheiden. Als Extra ist lediglich eine Anhängerkupplung erhältlich. Die reichhaltige Ausstattung umfasst LED-Scheinwerfer, Panoramadach, Metallic-Lackierung, automatische Heckklappe, Navigation, Premium-Soundsystem, Carsharing-Funktion, digitalen Schlüssel, integrierte Apps, kabelloses Laden von Smartphones, Sitzheizung, Isofix-Halterungen sowie etliche Assistenzsysteme bis hin zum Autobahnassistenten.

Zur Testfahrt in Deutschland stand der Plug-in-Hybrid zur Verfügung, der maximal 192 kW/261 PS per Doppelkupplungsgetriebe und Frontantrieb auf die Straße bringt. Das Systemdrehmoment beträgt stattliche 425 Nm. An elektrischer Reichweite ist unter Idealbedingungen mit bis zu 69 Kilometern zu rechnen.

Der Antrieb zeigt sich kräftig und kultiviert. Das Auto wirkt insgesamt sehr solide, prima verarbeitet und lässt sich überaus entspannt und angenehm fahren. Kein Deut von minderer Qualität. Was aber auch kein Wunder ist: Abgesehen vom eigenständigen Design ist der Lynk 01 technisch so gut wie identisch mit dem Volvo XC40. (Hier geht es zum ausführlichen ADAC Test des Volvo XC40 Recharge Plug-in-Hybrid )

Und doch gibt es einen gravierenden Unterschied: Während der Volvo 4,43 Meter misst, kommt der Lynk 01 auf 4,54 Meter Länge. Das sind immerhin elf Zentimeter mehr und macht sich natürlich beim Raumangebot bemerkbar. Und während man für den Volvo XC40 mit identischem Antrieb wenigstens 50.000 Euro ausgeben muss, gibt Lynk das Modell 01 für 42.000 Euro in andere Hände.

Richtig gelesen: Auf besonderen Wunsch kann man das Auto nämlich doch käuflich erwerben. Alain Visser erklärt den Grund: "Wenn ein Kunde zu uns kommt und will das Auto unbedingt kaufen, sagen wir natürlich nicht Nein. Das wäre ja dumm und arrogant."

Und so wären eigentlich alle mit dem Quast gepudert, sich für den Volvo XC40 zu entscheiden, wenn sie den Lynk 01 etwa 8000 Euro billiger bekommen. Allerdings: Beim Preis runterhandeln lässt Lynk sich wohl kaum, beim Volvo-Händler dagegen sind immer ein paar Prozentpunkte Nachlass drin.

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Interview: 7 Fragen an Alain Visser, Vorstand Lynk & Co.

Redakteur Wolfgang Rudschies im Interview
CEO Alain Visser (rechts) beim Interview ∙ © Lynk & Co

In den Ausstellungsräumen von Lynk & Co. gibt es zwar das Auto zu sehen, aber keine Verkäufer oder Service-Leute. Die "Clubs" sind soziale und kulturelle Treffpunkte, auch für Events und Konzerte. Und die Marke geht auch das Thema Vertrieb anders an als die Konkurrenz. Vorstandschef Alain Visser (CEO) hat den unübersichtlichen Ausstattungslisten und den langen Lieferzeiten den Kampf angesagt. Durch das Sharing sollen die Fahrzeuge zudem besser ausgelastet werden. Für Visser ist das praktizierte Nachhaltigkeit.

Herr Visser, was macht Sie sicher, mit Ihrem Vertriebskonzept Erfolg zu haben?
Wenn Sie ein Auto kaufen wollen, machen Sie sich sehr viele Gedanken, welches es sein soll, mit welcher Ausstattung und wo Sie es am billigsten bekommen. Und wenn Sie es bestellt haben, müssen Sie Monate lang warten, bis Sie es bekommen. Dann fahren Sie es ein Jahr, und die Technik ist schon wieder veraltet. Das ist nicht kundenfreundlich. Wir nehmen all diese veralteten Elemente weg. Unsere Kunden zahlen monatlich 500 Euro, und alles ist drin, sogar der Service. Und wenn ein Kunde nicht mehr will, macht er einfach Schluss.

Wo kann man den Werkstatt-Service machen lassen?
Beim Volvo-Händler in Ihrer Nähe. Aber Sie müssen das Auto nicht bringen, es wird bei Ihnen abgeholt und wieder zurückgebracht.

Was ist nicht enthalten in den 500 Euro Monatsmiete?
Benzin – und Strom, weil es ein Hybrid ist. Das Auto zu benutzen, der Service, Road Side Assistance, Versicherung, also eigentlich alles, was Sie sonst als Kosten haben, ist drin. (Anmerkung der Redaktion: 1250 Kilometer pro Monat sind inklusive; jeder weitere Kilometer kostet 0,15 Euro)

Wie steht die Firma im Moment da?
Die Zahlen sind gut. Wir haben aktuell 29.000 Mitglieder in Europa, davon 400 in Deutschland. 300 haben ihr Auto hier schon bekommen.

Der Lynk 01 ist technisch fast identisch mit dem Volvo XC40. Läuft er von demselben Band in derselben Fabrik?
Nein, der Volvo wird in Belgien gebaut, der Lynk in China.

Eigentlich wollen Sie den Lynk 01 bei uns nur vermieten, jetzt verkaufen Sie ihn auch in Deutschland. Wird das Mietabo nicht wie erhofft angenommen?
Es wird sehr gut angenommen. 95 Prozent schließen die Clubmitgliedschaft ab, nur 5 Prozent kaufen das Auto ohne Clubmitgliedschaft.

Wie funktioniert das Carsharing?
Wir haben eine Sharing-App im Auto. Da geben Sie ein, von wann bis wann Sie das Auto zur Verfügung stellen und welchen Preis Sie dafür haben möchten. Das suchende Clubmitglied schaut in seine Handy-App, klickt das passende Angebot an und bekommt einen Code, mit dem er das Auto öffnen und fahren kann. Die Bezahlung funktioniert per Kreditkarte. Wie bei Airbnb, alles ganz einfach. Damit das Sharing funktioniert und wir die App freischalten können, brauchen wir aber 1000 bis 2000 Autos in Deutschland. Das dauert noch etwas. Sonst gibt es nur Frust. Wir erwarten das Sharing vor allem in großen Städten. Es ist für Leute, die ein Auto brauchen, aber nicht jederzeit. Es können auch drei Freunde sein, die sich das Auto und die Kosten aufteilen. Das ist das besonders Interessante an der Sharing-App.

Technische Daten Lynk & Co 01

Technische Daten (Herstellerangaben)

Lynk & Co 01 1.5T HEV

Lynk & Co 01 1.5TD PHEV

Motorart

Voll-Hybrid

PlugIn-Hybrid

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

145

192

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

197

261

Drehmoment (Systemleistung)

345 Nm

425 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.500 U/min

5.500 U/min

Antriebsart

Front

Front

Beschleunigung 0-100km/h

9,0 s

8,0 s

Höchstgeschwindigkeit

190 km/h

210 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-

69 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

150 g/km

27 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

6,6 l/100 km

1,2 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

1,8

17,6

Batteriekapazität (Netto) in kWh

0,7

14,1

Ladeleistung (kW)

-

AC:2,3

Kofferraumvolumen normal

466 l

466 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.213 l

1.213 l

Leergewicht (EU)

1.739 kg

1.879 kg

Zuladung

491 kg

471 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg

1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre

4 Jahre

Grundpreis

35.000 Euro

42.000 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.541 mm x 1.857 mm x 1.694 mm

4.541 mm x 1.857 mm x 1.694 mm

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