HiPhi X und Z: Besser als Porsche und BMW?

HiPhi X und Z Neuvorstellung
Der HiPhi X (links) ist eine Mischung aus Van und SUV, der Z ein Sportwagen© HiPhi/CharlieBPhotography

Bei uns kennen sie nur Insider, doch in China sind sie die Shootingstars. Kein anderer Hersteller verkauft dort mehr Oberklasse-Elektroautos als Human Horizon mit der Marke HiPhi. Ab August 2023 kommen HiPhi X und Z auch nach Deutschland.

  • Erste HiPhi-Modelle: Vanartiger X und Sportwagen Z

  • Hightech-Autos mit modernster Technik

  • Preise: 105.000 und 109.000 Euro

Billigautos aus China? Wer gedacht hat, dass die Chinesen den europäischen Markt zunächst mit preiswerten Fahrzeugen überschwemmen, hat sich getäuscht. Nio, Ora und Co. treten auch beim Preis selbstbewusst auf. Und nun setzt Start-up Human Horizons mit der Marke HiPhi mit anspruchsvollen Fahrzeugen jenseits der 100.000 Euro noch einen drauf.

Dafür hat das vor gerade einmal fünf Jahren in Schanghai gegründete Unternehmen in die Vollen gegriffen und so ziemlich alles in seine Autos eingebaut, was man meist nur in Designstudien oder bei besonders exklusiven Modellen jenseits der 200.000-Euro-Schwelle gesehen hat.

HiPhi X und Z mit effektheischenden Türen

HiPhi X mit geöffneten Türen
Türen auf: Hier fühlt man sich auch im Fond als willkommener Gast© HiPhi

Der HiPhi X ist deshalb eine Art in die Zukunft gebeamte R-Klasse: Eine Mischung aus SUV und Großraumlimousine von imposanten 5,20 Metern Länge, die nicht nur gegenläufige Türen bekommt wie ein Rolls-Royce, sondern bei der sich über der zweiten Reihe auf Knopfdruck bei schönem Wetter und freiem Luftraum auch noch zwei Dachelemente aufstellen wie die Flügel eines Schmetterlings, sodass man tatsächlich aufrecht ins Auto steigen kann, statt sich in den Fond zu falten. Dagegen wirken selbst die Falcon-Doors des Tesla Model X irgendwie altmodisch.

Der Hiphi z stehend von der seite
Der HiPhi Z kommt mit gegenläufig öffnenden Türen© HiPhi/CharlieBPhotography

Und auch der Z ist ein Blickfang, selbst wenn ihm die geteilten Flügeltüren fehlen und es nur bei der Scheunentor-Show zum Einsteigen bleibt, für die man nicht mal einen Knopf drücken muss, weil das Auto seinen Fahrer erkennt und ihn mit offenen Türen willkommen heißt. Als Gran Turismo ist der 5,04 Meter lange Exot zugeschnitten auf Modelle wie den Porsche Taycan oder den Audi e-tron GT, die im direkten Vergleich allerdings eher brav und bieder wirken.

Als wären das eigenwillige Design und vor allem die Türkonzepte nicht schon auffällig genug, gibt es obendrein noch jede Menge aufwendig inszenierte Spoiler und Shutter für den Fahrtwind und beim Z zudem eine Zweifarblackierung sowie für beide ein schlicht spektakuläres Beleuchtungskonzept.

Über Pixel-Licht mit anderen kommunizieren

Die beiden China-Stromer haben deshalb nicht nur digitales Matrixlicht, das im Stand individuelle Schriftzüge, Grafiken oder gar Videoclips auf die Straße oder an die Garagenwand projiziert. Dazu gibt es unter den Scheinwerfern und Rückleuchten noch Pixel-Felder, über die X und Z mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren können. Hier mal ein Herzchen, da mal ein Daumen hoch und dort mal ein Augenzwinkern – ein Fingerzeig genügt, schon laufen die unterschiedlichsten Grafiken übers Display. Und wer lieber schreibt, dem bietet der Z in den Flanken noch jeweils ein Leuchtband, über das sich individuelle Textbotschaften in Laufschrift in die Welt schicken lassen.

Innen geht es munter weiter mit der Aufschneiderei, denn beide Modelle haben Cockpits, die den Mercedes-Hyperscreen förmlich alt aussehen lassen. Im X besteht das aus einem großen Bildschirm hinter dem Lenkrad, einem senkrechten vor der Mittelkonsole und einem noch größeren vor den Knien des Beifahrers, auf dem auch während der Fahrt Netflix und Co. laufen dürfen.

Und im Z haben die Chinesen ihren "Bot" eingebaut – einen digitalen Assistenten, der sich auf einem drehbaren Touchscreen in der Mitte materialisiert und sich jeweils dem Insassen zuneigt, der ihn gerade anspricht. Und als wäre das noch nicht genug, gibt's eine Ambientebeleuchtung in mehr Farben als überall sonst, die selbstredend mit der Musik pulsiert und so der neuen E-Klasse die Schau stiehlt. Eine Duftorgel mit mehreren Raumparfüms ist ebenfalls an Bord.

Dazu gibt's eine Sitzlandschaft auf S-Klasse-Niveau – mit handschuhweichem Leder, Klima und Massage für alle und im Fond zwei einzelne Liegen, zwischen denen auf Knopfdruck eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank surrt. Alternativ kann der X auch mit dritter Reihe und dann vier eher konventionellen Sesseln bestellt werden.

Große Batterien, aber nur 100 kW Ladeleistung

HiPhi X und Z Neuvorstellung
Starke Motoren, große Batterien: An den HiPhis wurde nicht gespart© HiPhi/CharlieBPhotography

Während den Chinesen bei Auftritt und Ambiente keiner das Wasser reichen kann, bieten sie beim Antrieb allerdings nur gehobenen Durchschnitt. Ja, die beiden Motoren des X leisten zusammen imposante 598 PS und 820 Nm, und beim Z sind es sogar 672 PS, sodass der Sprint bei beiden Modellen in weniger als vier Sekunden gelingt. Doch bei 200 km/h ist Schluss. Und die Akkus kommen zwar auf 97 kWh und 460 Kilometer im X und sogar 120 kWh und für 555 Kilometer im Z, aber geladen wird mit vergleichsweise bescheidenen 100 kW, sodass sich der Boxenstopp ein bisschen ziehen kann.

Und auch wenn beide Autos mit adaptiven Dämpfern und Hinterachslenkung beim Fahrwerk über alle gängigen Finessen verfügen, sind sie lange nicht so engagiert und verbindlich wie europäische Edel-Elektriker. Da haben Porsche und Co. die Nase dann doch noch vorn.

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Dafür allerdings führt HiPhi die Europäer auch bei der Elektronik vor. Denn schon der X hat alle aktuellen Assistenzsysteme an Bord und kann zum Beispiel allein Ein- und Ausparken, während der Fahrer schon zum nächsten Termin läuft. Und im Z ist bereits ein Lidar-Sensor montiert, mit dem autonomes Fahren nach Level 4 nur eine Frage des Software-Updates ist.

Preise über 100.000 Euro

Fahraufnahme des HiPhi Z von hinten
Über das Pixellicht am Heck kann man mit anderen Verkehrsteilnehmern kommunizieren© HiPhi/CharlieBPhotography

Zwar stehlen die chinesischen Newcomer allen anderen (Elektro)-Oberklassemodellen die Schau. Und dafür sind sie mit Preisen ab 105.000 Euro für den Z und 109.000 Euro für den X fast schon geschenkt. Doch will Europachef Kjell-Arne Wold, der sein Geschäft erst bei Tesla und dann bei Audi gelernt hat und so die neue Welt genauso gut kennt wie die alte, die Marke langsam aufbauen und lieber einer Handvoll Kunden einen einzigartigen Service wie kostenloses Parken, Laden und Waschen an ausgewählten Flughäfen bieten, als sie wie die etablierten Hersteller beim Händler abzuspeisen.

Deshalb plant er erst einmal mit bescheidenen Zielen. Viel mehr als 500 bis 600 Autos sollen über die beiden Hubs in München und Oslo und ein paar Pop-up-Stores bei Events in ganz Europa in diesem Jahr nicht verkauft werden. Und Wold wäre schon froh, wenn er diese Zahl 2024 verdoppeln könnte.

Aber das ist nur das Vorspiel, sagt der Norweger: Denn Ende 2024 kommt mit dem jüngst enthüllten HiPhi Y ein erschwinglicheres Modell, das als SUV der gehobenen Mittelklasse gegen Tesla Model Y und Audi Q6 positioniert ist.

Text: Thomas Geiger

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