Test Opel Grandland X: So gut ist der Tiguan-Rivale

Blauer Opel Grandland X faehrt auf Strasse
Mit 4,48 Metern Länge gehört der Opel Grandland X zu den Kompakt-SUVs ∙ © Opel

Mit dem Opel Grandland X haben die Rüsselsheimer im SUV-Segment einen starken Konkurrenten zum VW Tiguan im Angebot. Fahrbericht der Plug-in-Hybrid-Version. Dazu: Diesel und Benziner mit je 130 PS im ADAC Autotest plus Infos zum Facelift im Herbst 2021

  • Der Opel Grandland X ist technisch verwandt mit dem Konzernbruder Peugeot 3008

  • Im ADAC Autotest wird er mit der Note 2,4 (Diesel) bzw. 2,6 (Benziner) bewertet

  • Der Rüsselsheimer SUV ist auch als sparsamer Plug-in-Hybrid zu haben

  • Im Herbst 2021 gibt es ein größeres Facelift, dem auch das X zum Opfer fällt

Vom SUV-Boom profitiert auch Opel: Nach eigenen Angaben ist der Hersteller mit den Absatzzahlen des Grandland X sehr zufrieden. Auch in den kommenden Jahren rechnet man mit weiteren Zuwächsen, was nicht zuletzt an einer interessanten Erweiterung der Produktpalette liegt. Sie machte den Grandland zum ersten SUV der Kompaktklasse mit Plug-in-Hybrid. Rein elektrische Reichweite laut Opel: bis zu 59 Kilometer. Im Herbst 2021 steht ein kräftiges Update an – siehe unten.

Opel sieht zunächst eher Dienstwagenfahrer als Hauptzielgruppe – schließlich haben die von einem Plug-in-Hybrid einen handfesten Nutzen, vom verbrauchsarmen Fahren einmal abgesehen: Sie müssen als geldwerten Vorteil nur 0,5 Prozent statt ein Prozent vom Listenpreis versteuern.

Der Grandland X Hybrid ist teuer

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Opel

Der Privatkunde dürfte bei einem Grundpreis von 44.690 Euro ohnehin erst einmal schlucken, auch wenn er mit 224 PS Systemleistung und üppiger Ausstattung einen guten Gegenwert bekommt und bis zu 7177,50 Euro Innovations-Zuschuss vom Grundpreis abziehen kann.

Es geht aber auch noch teurer in Form einer noch stärkeren Version mit 300 PS Systemleistung, deren Benziner von gleich zwei Elektromotoren (einer an der Vorderachse, einer hinten) unterstützt wird und dadurch die einzige Allradversion im Grandland-X-Portfolio darstellt. Der "Hybrid4" kostet happige 51.190 Euro.

Gut abgestimmter Hybridantrieb

Opel Grandland X Hybrid fährt dynamisch auf einer Strasse
Nur für die Hybridversion gibt es optional eine schwarze Motorhaube ∙ © Opel

Testfahrten mit dem Hybrid4 zeigen: Der Antrieb ist sehr gut gelungen und das Wechselspiel zwischen Elektroantrieb und 1,6-Liter-Benziner klappt hervorragend. Welcher Antrieb gerade arbeitet, merkt der Fahrer eigentlich nur beim Blick auf das Info-Display, das die jeweils aktive Antriebsart zeigt. Die Übergänge sind fließend und harmonisch, und da Opel auf eine Achtgang-Automatik statt auf ein stufenloses Getriebe setzt, bleibt das unschöne Aufheulen des Motors wie bei Honda CR-V und Mitsubishi Outlander aus.

Ist die 13,2-kWh-Batterie voll geladen, schaltet der Grandland X automatisch in den Elektromodus, fährt flüsterleise, beschleunigt mit seinem 81 kW starken E-Motor vorn und dem 83-kW-Motor hinten überaus zügig und lässt den Benziner so lange ruhen, bis die elektrische Energie aufgebraucht ist oder schneller als 135 km/h gefahren wird.

Beim Kickdown schaltet sich der Benziner zu und lässt den SUV in sportlichen 6,1 Sekunden auf 100 km/h (der schwächere Fronttriebler braucht 8,9) preschen. Das schafft enorme Reserven beim Überholen auf der Landstraße – und ja, es macht auch Spaß!

59 km Elektro-Reichweite nur unter Idealbedingungen

Close-Up von der digitalen Anzeige vom Opel Grandland X Hybrid
Wie viel Strom und Benzin verbraucht wird, zeigt das Display ∙ © Opel

Doch eigentlich ist ein Plug-in-Hybrid zum Kraftstoffsparen da – was schon mal nicht funktioniert, wenn der Fahrer unbekümmert Gas gibt. Dann sind die angegebenen 59 Kilometer elektrische Reichweite utopisch, umso mehr, wenn frostige Temperaturen hinzukommen und der SUV elektrisch heizt. Bei unseren Testfahrten im Winter wies der Bordcomputer rund 40 Kilometer aus. Manchem Pendler reicht das für die tägliche Tour, bei weiteren Strecken kommt dann der Benziner hinzu.

Sinnvoll ist ein Plug-in-Hybrid aber natürlich nur, wenn er vornehmlich elektrisch bewegt wird und so oft wie möglich an die Steckdose kommt. Weil der Opel aber nur einphasig lädt, dauert eine volle Ladung im Notfall an der Haushaltssteckdose (1,8 kW) rund sieben Stunden, mit einer 3,7-kW-Wallbox rund vier.

An einer öffentlichen Ladesäule zieht der Grandland maximal 7,4 kW für 1,5 Stunden Ladezeit – vorausgesetzt, man hat vorher 500 Euro extra in einen stärkeren Onboard-Lader und mindestens 250 Euro in ein entsprechendes Ladekabel investiert. Diese Extra-Kosten sollte man zum Grundpreis genauso einplanen wie eine Wallbox für zu Hause, die noch einmal samt Montage mindestens einen hohen dreistelligen Eurobetrag verschlingt. Vom Bund gibt es dafür aber 900 Euro Förderung – unter bestimmten Voraussetzungen.

Ein günstiges Vergnügen ist der Plug-in-Hybrid also nicht. Und der Normverbrauch von 1,4 Litern Benzin plus 15,9 kWh Strom auf 100 Kilometer klingt gut, dürfte in der Praxis aber kaum zu realisieren sein, selbst wenn der Opel überraschend sparsam bewegt werden kann.

Grandland X: Viel Platz und großer Kofferraum 

Blauer Opel Grandland X faehrt durch Gelaende
Ende Gelände: Mit Ausnahme des 300-PS-Hybrids hat der Grandland X immer Frontantrieb ∙ © Opel

Die grundsätzliche Entscheidung für den Grandland X ist als Alternative zum VW Tiguan auf jeden Fall keine schlechte: Mit viereinhalb Meter Länge ist er das größte Pferd in Opels SUV-Stall und bietet reichlich Platz. Selbst für Zwei-Meter-Riesen lässt sich der Vordersitz noch gut justieren, und auch hinten finden die Insassen recht gute Platzverhältnisse vor, wie die ADAC Messungen ergeben haben. Hinter einem 1,85 Meter großen Fahrer passen immer noch 1,95 Meter große Mitfahrer – nicht schlecht.

Für die Koffer stehen bei voller Bestuhlung laut Werksangabe 514 bis 1650 Liter Stauraum zur Verfügung. Nach ADAC Messung passt zwar mit 425 bis 1420 Litern nicht ganz so viel rein, aber für einen längeren Familienurlaub sollte es reichen.

Zum Vergleich: Der VW Tiguan schluckt mit 400 bis 1415 Litern etwas weniger. Nachteil: Die Ladekante ist relativ hoch. Dafür entschädigt der Opel beim Umklappen der Rücksitze mit einem brettebenen Ladeboden.

Der Innenraum ist typisch Opel

Cockpit eines Opel Grandland X
Aufgeräumtes Cockpit mit Apple Car Play und Android Auto ∙ © Opel

Wer schon mal in einem Opel gesessen hat, wird sich auch im Grandland X schnell zurechtfinden. Das ist nicht selbstverständlich, schließlich ist der SUV kein waschechter Rüsselsheimer, sondern eng mit dem Peugeot 3008 verwandt, mit dem er derzeit noch im französischen Sochaux vom Band rollt. Opel hat es allerdings geschafft, außen und innen alle Ähnlichkeiten verschwinden zu lassen: Das fängt bei den Opel-Instrumenten an, geht über Schalter, Tasten und Lenkstockhebel bis zum Infotainmentsystem mit Online-Zugang.

Die Verwandtschaft merkt man auch beim Fahren nicht: Die hessischen Ingenieure haben das Fahrwerk besser austariert, als es den Franzosen gelungen ist. Die Lenkung hinterlässt einen ordentlichen Eindruck, ist recht leichtgängig und erfordert daher wenig Kraftaufwand. Erst der Blick unters Blech offenbart die gemeinsamen Wurzeln: Die Motoren stammen allesamt von PSA und sind in beiden Modellen erhältlich. Neben den Plug-in-Motoren sind das zwei Benziner mit 130 und 180 PS sowie ein Diesel mit 130 PS.

Im ADAC Test: Benziner und Diesel mit 130 PS

Cockpit eines Opel Grandland X
Die Sitze wurden mit dem Siegel "Aktion Gesunder Rücken" ausgezeichnet ∙ © Opel

Für die ADAC Tests standen die 130-PS-Versionen als Benziner mit 6-Gang-Schaltung und als Diesel mit der 8-Gang-Automatik zur Verfügung. Übertrieben stark klingt das nicht, umso erstaunlicher aber, dass sich der mindestens 1,4 Tonnen schwere Grandland X ziemlich leichtfüßig bewegt.
Der Dreizylinder-Benziner legt quirlig los, und dank des kräftigen Drehmoments von 230 Nm bei 1750 Umdrehungen können sich auch die Durchzugswerte sehen lassen: Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h erledigt der Opel in flotten 5,9 Sekunden. Dass es dann doch mehr als zehn Sekunden für den Sprint auf Tempo 100 sein sollen, möchte man kaum glauben.

Der Diesel wirkt etwas gemütlicher und braucht relativ lang, bis die Spitze von 192 km/h erreicht wird. Eine hektische Fahrweise passt auch einfach nicht zu dieser Motor-Getriebe-Kombination. Sie lädt eher zu gemütlich entspanntem Fahren ein.

Auf dem Papier begnügt sich der Benziner zumindest mit 5,1 Litern je 100 Kilometer, aber wie die meisten Turbos mit kleinem Hubraum langt auch der 1.2er bei flotter Fahrt deutlich kräftiger zu. Im ADAC Ecotest verbrauchte der Benziner 6,3 Liter Super im Schnitt, ein eher mäßiger Wert. Bei den Schadstoffen fiel der Grandland mit hohem Kohlenmonoxid-Ausstoß (CO) auf der Autobahn negativ auf. 

Verbrauch: 5,9 Liter Diesel, wenig Schadstoffe

Auch der 130-PS-Selbstzünder setzt mit einem Durchschnittsverbrauch von 5,9 Litern Diesel im Test keine Bestwerte, doch zugutehalten muss man ihm den niedrigen Schadstoffausstoß. Hier zeigt die Euro-6d-TEMP-Norm ihre Wirkung, bei der neue Fahrzeuge auch auf der Straße beweisen müssen, wie sauber sie sind.

Insgesamt ist der Opel Grandland X eine interessante Alternative zum Bestseller VW Tiguan oder zum Ford Kuga und ist beiden zumindest beim Hybridantrieb zunächst mal vorausgeeilt.

Laden Sie hier die ausführlichen Testberichte als PDF herunter:

Benziner: Opel Grandland X1.2 DI Turbo
PDF, 1,24 MB
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Diesel: Opel Grandland X1.5 Diesel Automatik
PDF, 689 KB
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ADAC Test: Benziner und Diesel im Vergleich

Technische Daten
(Herstellerangaben)

Opel Grandland X 1.2 DI Turbo

Opel Grandland X 1.5 Diesel Automatik

Motor

3-Zylinder-Turbobenziner, 96 kW/130 PS, 1199 cm³, 230 Nm bei 1750 U/min

4-Zylinder-Turbodiesel, 96 kW/130 PS, 1499 cm³, 300 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

10,4 s auf 100 km/h, 197 km/h Spitze

12,3 s auf 100 km/h, 192 km/h Spitze

Verbrauch

5,1 l Super/100 km, CO2-Ausstoß 117 g/km

3,9 l Diesel/100 km, CO2-Ausstoß 102 g/km

Maße

L 4,48 / B 1,86 / H 1,61 m

L 4,48 / B 1,86 / H 1,61 m

Kofferraumvolumen

514 – 1652 l

514 – 1652 l

Preis

ab 28.440 €

ab 34.220 €

ADAC Messwerte (Auszug)

Opel Grandland X 1.2 DI Turbo

Opel Grandland X 1.5 Diesel Automatik

Überholvorgang 60 - 100 km/h

5,9 s

6,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,9 m

34,9 m

Wendekreis

10,9 m

11,1 m

Testverbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,3 l Super/100 km, 171 g/km (well-to-wheel)

5,9 l Diesel/100 km, 187 g/km (well-to-wheel)

Reichweite

840 km

895 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,1 dB (A)

67,4 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1425 kg / 505 kg

1495 kg / 505 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

425 / 915 / 1420 l

425 / 915 / 1420 l

ADAC Testergebnis

Benziner Gesamtnote: 2,6

Diesel Gesamtnote: 2,4

Karosserie/Kofferraum

2,5

2,6

Innenraum

2,2

2,3

Komfort

2,6

2,6

Motor/Antrieb

2,4

2,0

Fahreigenschaften

2,6

2,6

Sicherheit

2,2

2,2

Umwelt/EcoTest

3,2

2,7

Das hat uns gefallen: umfangreiche Serienausstattung, viel Platz, munterer Dreizylinder-Benziner, Isofix für Beifahrersitz serienmäßig, gute ergonomische Sitze (Option).

Das hat uns nicht gefallen: hohe Ladekante, geringe Anhängelast (gebremst 1350 kg), mäßige Übersichtlichkeit.

Kein X mehr nach dem umfangreichen Facelift

Ein blauer Opel Grandland X Facelift stehend
Mit neuer Frontpartie: Der geliftete Grandland ohne X ∙ © Opel

Im Herbst rollt der rundum aufgefrischte Grandland auf die Straßen, wie beim kleinen Bruder Mokka streicht Opel dabei auch gleich das X aus seinem Namen. Facelift trifft die Operation am erfolgreichen Rüsselsheimer SUV gut, denn er bekommt dabei das neue Familiengesicht, das der Mokka eingeführt und das Opel auch für den neuen Astra vorgesehen hat . Sprich: Die Front wird vom Opel-Vizor (Visier) bestimmt, das IntelliLux-System mit 168 adaptiven LED-Elementen soll für besten Durchblick sorgen und dank Night Vision werden Fußgänger und Tiere am Straßenrand sichtbar.

Pure Panel mit zwei großen Bildschirmen

Das Cockpit eines Opel Grandland X Facelift
Mit zwei breiten Bildschirmen: Das Opel Pure Panel ∙ © Opel

Für mehr Sicherheit sollen auch der Frontkollisionswarner und der automatische Geschwindigkeits-Assistent sorgen. Mit dem Pure Panel genannten Cockpit bietet der in Deutschland designte und produzierte Opel-SUV zwei breite Bildschirme, die eine optische Einheit bilden und laut Hersteller intuitiv bedienbar sind. Das Fahrerinfodisplay ist je nach Ausstattung bis zu zwölf Zoll, der zum Fahrer hin ausgerichtete zentrale Touchscreen bis zu zehn Zoll groß. Und auch bei Infotainment und Konnektivität hat Opel aufgerüstet.

Opel Grandland X im Euro NCAP Crashtest

Der Opel Grandland X erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist überall mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, optischen und akustischen Gurtwarnern und seitlichen Kopfairbags ausgestattet. Vorne sind zusätzlich Seitenairbags verbaut. Im Insassenschutz zeigen die Rückhaltesysteme überall eine gute Wirkung für Erwachsene, das Verletzungsrisiko ist gering bis sehr gering. Einzige Ausnahme ist ein mittleres Verletzungsrisiko für den Fahrer beim Crash mit teilweiser Überdeckung.

Für Kinder ist das Verletzungsrisiko mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert. Der mittlere Sitz hinten ist für bestimmte kleine, gegurtete Kindersitze geeignet, die Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Ein Notbremsassistent ist nur gegen Aufpreis verfügbar, liefert dann aber gute Ergebnisse.

Hier geht es zu den Detailergebnissen des Opel-Grandland-X-Crashtests

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC