Honda Jazz: Mit Hybridantrieb und Magic Seats

Ford Jazz fahrend von schräg vorne
Honda Jazz mit fünf Türen serienmäßig ∙ © Honda

Honda bietet die fünfte Generation des Kleinwagen Jazz nur noch mit Hybridantrieb an – das senkt den Verbrauch, treibt aber den Preis in die Höhe. Der "Crosstar" im SUV-Look ergänzt die Modellreihe. ADAC Test, Infos, Daten, Preise

  • In Europa gibt es den Jazz nur noch als Hybrid

  • Es bleibt beim variablen Innenraum mit Magic Seats

  • Umfangreiche Ausstattung, Basispreis ab 21.445,37 Euro

Honda hat seinen pfiffigen Kleinwagen Jazz neu aufgelegt. Neben der Standardversion gibt es auch ein SUV-artig angehauchtes Schwestermodell mit dem Namenszusatz Crosstar. Beide Versionen eint ein vielseitig nutzbarer Innenraum sowie ein Hybridantrieb als einzig verfügbarer Motor.

Die fünfte Generation des 4,05 Meter langen Jazz zeigt mit etwas glubschäugigen Scheinwerfern ein völlig anderes Gesicht und auch die Karosserie hat deutlich mehr Rundungen bekommen. Die neue Optik und der hohe Preis des Fahrzeugs von mindestens 21.445,37 Euro könnte Interessenten die Lust am Kauf jedoch verleiden. Zum Vergleich: Ein VW Polo ist rund 7000 Euro günstiger zu haben.

Gute Serienausstattung, hoher Preis

Allerdings beruht der hohe Einstiegspreis des Japaners auf seiner umfangreichen Ausstattung: Schon das Basismodell Comfort bringt serienmäßig unter anderem den Notbremsassistenten, den aktiven Spurhalter, die adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie eine Verkehrszeichenerkennung mit. LED-Scheinwerfer mit Fernlichtassistent, Sitzheizung, ein Radiosystem mit 5-Zoll-Display, ein 7-Zoll-Digitalcockpit und die vom Vorgänger bekannten Magic Seats gehören ebenfalls dazu.

Letztere erlauben es, die Sitzflächen der Fondplätze ähnlich wie Kinosessel hoch zu klappen. So entsteht praktischer Stauraum hinter den Vordersitzen. Der Kofferraum ist zwar etwas kleiner als beim Vorgänger und schluckt nur noch zwischen 298 und 1203 Liter (nach ADAC Messmethodik: 260 bis 1200 Liter), doch die extrem niedrige Ladekante ermöglicht problemloses Bepacken.

Endlich ein Auto mit guter Rundumsicht

Erstaunlich: Vorne wie hinten können annähernd zwei Meter große Gäste kommod reisen - vorne zumindest in Sachen Kopffreiheit, mit dem Beinen wird es zumindest vorne ab 1,85 Meter langsam knapp. Auch das Raumgefühl und die Rundumsicht verdienen Lob. Anders als bei vielen Mitbewerbern schaut man nämlich nicht durch kleine Schießscharten, sondern durch ordentliche Fenster nach draußen. Auch die schmalen A-Säulen tragen zur guten Sicht bei.

Honda Jazz Hybrid: Ein Benziner, zwei E-Motoren

Fahrender Ford Jazz von seitlich schräg hinten
Auffällig: Die niedrige Ladekante des Honda Jazz ∙ © Honda

Der hohe Preis des Jazz resultiert aber nicht allein aus der umfangreichen Ausstattung, sondern auch aus dem aufwendigen Hybridantrieb. Der japanische Hersteller setzt nämlich auf das aus dem Honda CR-V bekannte Drei-Motoren-System: Neben einem E-Motor, der den Großteil der Arbeit verrichtet, ist auch ein 1,5-Liter-Benziner an Bord. Der wirkt in den meisten Situationen allerdings nicht direkt auf die Räder ein, sondern treibt vornehmlich eine zweite E-Maschine als Generator an, die den Strom für den Elektroantrieb erzeugt.

Der hauptsächlich für den Antrieb verantwortliche Elektromotor leistet 80 kW/109 PS
und 253 Newtonmeter Drehmoment. Das reicht, um den rund 1250 Kilogramm schweren Japaner aus dem Stand in 9,4 Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen, maximal sind 175 km/h möglich. Die Beschleunigung von 60 bis 100 km/h, etwa beim Überholen auf der Landstraße, gelingt in 6,4 Sekunden.

Vor allem im Stadtverkehr fühlt sich der Jazz aber dank der stets zur Verfügung stehenden Kraft des E-Motors deutlich flotter an. Sein Geradeauslauf ist tadellos, auch in Kurven zieht er zwar wankend, aber auch von Lastwechseln weitgehend unberührt seine Bahn. Im ADAC Ausweichtest gibt es sich nicht sonderlich dynamisch, aber sicher.

Motor: Herrlich leise bis nervig laut

Touchscreen-Display im Armaturenbrett des Ford Jazz
Touchdisplay mit übersichtlichem Kachelmenü ∙ © Honda

Im Elektrobetrieb schwimmt der Honda Jazz herrlich leise und harmonisch im Verkehr mit und darf sich mit seinem kraftvollen Drehmoment auch durchaus zum Überholen auf die linke Spur wagen. Allerdings wird der Benziner nervig laut, wenn man mal etwas stärker aufs Gas gehen muss. Darüber hinweg trösten soll der Verbrauch, den Honda mit 4,6 Litern pro 100 Kilometer (nach WLTP) angibt.
Im ADAC Ecotest gab sich der japanische Hybride mit 5,1 Liter Super je 100 Kilometer zufrieden. Der CO₂-Ausstoß liegt bei 142 g/km. Interessanter Aspekt: Innerorts beträgt der Verbrauch 3,1, außerorts 4,7 und auf der Autobahn happige 7,2 Liter je 100 Kilometer. Das aufwändige Motorkonzept kann seine Vorteile also hauptsächlich im Stadtverkehr ausspielen.

Weil der Jazz-Antrieb selbst im anspruchsvollen Autobahnzyklus des ADAC, der weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgeht, fast überall unter den Grenzwerten bei den Schadstoffen bleibt, gibt es unterm Strich locker vier von fünf Ecotest-Sternen.

Der Arbeitsplatz des Fahrers wirkt aufgeräumt und gut sortiert. Hinter dem Lenkrad informiert ein digitales Kombiinstrument über die relevanten Fahrdaten. Und das ist laut der ADAC Ingenieure der größte Schwachpunkt bei der Bedienung, weil die Navigation durch die Untermenüs unnötig umständlich ausfällt. Der Touchscreen in der Armaturenbrettmitte ist wie üblich für das Infotainment und die Nutzung spezieller Apps zuständig. Hier wird auch das Smartphone mit dem Bediensystem verbunden. In der Executive-Version ist der Jazz mit allem ausgestattet, was es für den Kleinwagen gibt.

Honda Jazz Crosstar: Die robuste Variante

Ein fahrender Ford Jazz Crosstar von schräg vorne
Der Jazz "Crosstar" ist die etwas höher gelegte Robust-Variante ∙ © Honda

Der Jazz Crosstar ist fünf Zentimeter länger und drei Zentimeter höher. Wichtigste Unterschiede zu seinem Bruder sind aber die erhöhte Bodenfreiheit, die um einen Zentimeter breitere Spur, eine integrierte Dachreling und wasserabweisende Sitzbezüge. Er kostet ab 26.124,37 Euro, basiert aber auch grundsätzlich auf der höchsten Ausstattungsstufe namens Executive. Der Aufpreis zum "normalen" Jazz in dieser Version beträgt rund 1500 Euro.

Der größere Kühlergrill, Schutzplanken aus Kunststoff an den Radhäusern, stylische Seitenschweller sowie spezifische schwarz-silberne Alufelgen im 16-Zoll-Format verleihen dem Jazz Crosstar optisch eine kraftvollere Präsenz und eine Prise Robustheit. Verwirrend: Trotz der größeren Außenabmessungen nennt Honda geringere Werte für das Kofferraumvolumen.

Direkte Konkurrenten des Jazz sind übriges nur der Toyota Yaris und der Renault Clio, die beide als Vollhybride angeboten werden. Mehr Auswahl an Hybridfahrzeugen – Mildhybride ausgenommen – gibt es in der Kleinwagenklasse bisher nicht.

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Technische Daten Honda Jazz

Herstellerangaben

Honda Jazz 1.5 i-MMD Executive e-CVT (getestetes Modell)

Honda Jazz Crosstar

Motor/Antrieb

Elektromotor und Vierzylinder-Benziner mit 1498 cm³, max. Leistung 80 kW/109 PS, max. Drehmoment 253 Nm

Elektromotor und Vierzylinder-Benziner mit 1498 cm³, max. Leistung 80 kW/109 PS, max. Drehmoment 253 Nm

Fahrleistungen

9,5 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze

9,9 s auf 100 km/h, 173 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

4,6 l Super/100 km, 84 g CO₂/km

4,8 l Super/100 km, 110 g CO₂/km

Maße

L 4,04 / B 1,97 / H 1,53 m

L 4,09 / B 1,97 / H 1,56 m

Kofferraum

304 – 1205 l

298 – 1199 l

Leergewicht / Zuladung

1300 / 410 kg

1325 / 385 kg

Preis

ab 24.515,96 €

ab 26.124,37 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Honda Jazz 1.5 i-MMD Executive e-CVT

Überholvorgang 60-100 km/h

6,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

37,9 m

Wendekreis

11,1 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,1 l Super/100 km, 142 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

780 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,9 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1250 / 460 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

260 / 735 / 1200 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Honda Jazz 1.5 i-MMD Executive e-CVT

Karosserie/Kofferraum

2,9

Innenraum

2,8

Komfort

3,1

Motor/Antrieb

1,8

Fahreigenschaften

2,7

Sicherheit

1,9

Umwelt/Ecotest

1,8

Gesamtnote

2,3

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Crashtest: Leichte Schwächen beim Insassenschutz

Der Honda Jazz im EuroNCAP-Crashtest ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Den Euro NCAP-Crashtest absolviert der Jazz mit einem Fünf-Sterne-Ergebnis, allerdings mit Schwächen beim Insassenschutz. Die Fahrgastzelle bleibt im Offset-Frontal-Crashtest stabil. Der Schutz des Brustbereichs des Fahrers wird jedoch als schwach eingestuft. Die Messungen an Knien und Oberschenkeln von Fahrer- und Beifahrer deuten auf ein gutes bis grenzwertiges Schutzniveau hin.

Das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder ist überwiegend mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den beiden hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Serienmäßig sind ein autonomer Notbremsassistent mit Fußgängererkennung und ein aktives Spurhaltesystem installiert. Eine Multikollisionsbremse und eine Fahreraufmerksamkeits-Erkennung sind nicht verbaut, ein e-Call-Notrufsystem ist serienmäßig an Bord.

Hier finden Sie die detaillierten Euro-NCAP-Ergebnisse des Honda Jazz
PDF, 4,35 MB
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Text: Michael Gebhardt, Rudolf Huber