Benzin, Diesel, Elektro & Co.: Antriebsarten im Überblick

Ein Elektro-Auto fährt durch eine schöne Landschaft
Sauber erzeugter Strom ist Voraussetzung für nachhaltige Antriebe© Shutterstock/Alexander Steamaze

Ab 2035 sollen in Europa nur noch emissionsfreie Pkw neu zugelassen werden. So steht es im Klimaplan der EU. Ist damit das Aus des Verbrenners besiegelt? Antworten im großen Antriebsarten-Überblick.

  • Die Europäische Union will die Emissionsnormen für Pkw deutlich verschärfen

  • Die Hälfte aller Neuzulassungen waren 2022 noch reine Verbrenner

  • Alternativen zu Benziner und Diesel werden alltagstauglicher und preiswerter

Die EU-Kommission will, dass in Europa ab 2035 nur noch emissionsfreie Pkw neu zugelassen werden. Ein Zwischenziel bis zur vollständigen Dekarbonisierung des Verkehrs ist, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber den 1990er-Jahren zu reduzieren.

Um die Versorgung mit Strom und Wasserstoff zu sichern, müssen die Mitgliedstaaten die Ladekapazitäten erweitern und besonders entlang wichtiger Verkehrsverbindungen massiv ausbauen. Teil des transeuropäischen Verkehrsnetzes ist auch die Achse Kopenhagen-Hamburg-Hannover-Würzburg-Nürnberg-München-Innsbruck. In diesem Netz sollen nach einem Beschluss des EU-Parlaments vom Juli 2023 alle 60 km Ladesäulen für elektrische Fahrzeuge und alle 150 km Tankstellen für Wasserstoff bereitgestellt werden.

Aber mit welchen Antriebsformen lässt sich das EU-Ziel überhaupt erreichen? Die wichtigsten Antriebe, Alternativen und Treibstoffe im Vergleich.

Die Antriebswende

Die EU will bis 2050, Deutschland sogar schon bis 2045 treibhausgasneutral werden. Gemessen wird dies an den Emissionen von Treibhausgasen in sogenannten CO₂-​Äquivalenten. In Deutschland, so der aktuelle Plan, soll der Verkehr seinen Beitrag zu den Klimazielen dadurch erreichen, dass sein Ausstoß von 150 Millionen CO₂-Äquivalenten 2020 auf 85 Millionen im Jahr 2030 sinkt. Eine Maßnahme dazu ist die Bepreisung des Treibhausgases CO₂.

Bis 2045 soll die Verkehrswende vollzogen, also auch der Verkehr klimaneutral sein. Neben dem öffentlichen Personennah-, dem Schienen-, Rad- und Fußgängerverkehr sind alternative Antriebe dabei ein wichtiges Handlungsfeld.

Benziner und Diesel – die Verbrenner

In der Klimadiskussion sind Verbrennungsmotoren am heftigsten umstritten, die Zulassungsstatistik des Kraftfahrt-Bundesamts führen sie allerdings noch immer an. Für 2022 registrierte es bei den Neuzulassungen circa 864.000 Benziner und rund 471.000 Diesel. Damit wurde jeder zweite Neuwagen mit Verbrennungsmotor ausgeliefert.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ Kraftstoffe praktisch immer und überall verfügbar
+ große Auswahl an Modellen
Schadstoffe und klimaschädliche Gase

Das Prinzip: Ein Verbrennungsmotor wandelt chemische Energie in mechanische Arbeit um. Ansaugen, verdichten, arbeiten, ausstoßen lautet sein Funktionsprinzip.

Die Klimawirkung: Moderne Diesel sind mit ihrem niedrigeren Verbrauch zwar etwas klimafreundlicher als Benziner. Dennoch gehört der Verkehr zu den größten CO₂-Verursachern. Manche Staaten planen daher bereits Verkaufsverbote für Benzin- und Dieselfahrzeuge, schon 2025 soll es zum Beispiel in Norwegen keine Neuzulassungen für diese Antriebsart mehr geben. Und sollten die Pläne der EU-Kommission Wirklichkeit werden, hätte es der Verbrenner noch schwerer.

Die Herausforderungen: Wegen des großen Bestands und weil die Alternativen nicht alle überzeugen, dürften Verbrenner noch lange zum Straßenbild gehören. Sie könnten aber sauberer sein. Ein Schritt in diese Richtung ist das neue Super-Benzin E20. Es enthält bis zu 20 Prozent Bioethanol-Beimischung und hilft, CO₂-Emissionen zu reduzieren. Seit Oktober 2023 wird es im Rahmen eines geschlossenen Flottentests erprobt.

Der ADAC Technikpräsident Karsten Schulze

Über eine höhere Beimischungsquote von aktuell maximal 10 auf dann bis zu 20 Prozent Bioethanol ließen sich die Einsparpotenziale noch einmal deutlich steigern.

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze©Uwe Klössing/werdewelt

Lesen Sie hier ein Interview mit ADAC Technikpräsident Karsten Schulze zur Möglichkeit klimaneutraler Verbrenner, welche sparsamen und sauberen Autos angeboten werden und was sich bei der Entwicklung umweltfreundlicher Diesel-Pkw tut.

Synthetische Kraftstoffe

E-Fuels gelten als große Hoffnung im Transportsektor: Fossile Energie soll durch regenerative ersetzt, der Kraftstoff klimaneutral hergestellt werden, bezahlbar sein und sauber verbrennen.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ bestehende Infrastruktur (Tankstellennetz) nutzbar
Produktion energieaufwendig
Wirkungsgrad gering

Das Prinzip: Synthetische Treibstoffe werden ohne Erdöl oder nachwachsende Rohstoffe wie Raps oder Palmöl hergestellt. Stattdessen wird per Elektrolyse Wasserstoff aus Wasser gewonnen und mit Kohlenstoff aus CO₂ verbunden, das etwa aus der Umgebungsluft oder aus Industrieabgasen stammt.

Die Klimawirkung: Wasserstoff und CO₂ lassen sich in beliebiger Menge erzeugen, ohne – wie viele Biorohstoffe – mit der Landwirtschaft zu konkurrieren. Beim Fahren setzt der Motor Kohlendioxid frei, das vorher aus der Atmosphäre gezogen wurde.

Die Herausforderungen: Zur klimaneutralen Erzeugung von E-Fuels sind große Mengen regenerativen Stroms erforderlich. Das wäre mit riesigen Solarfeldern in der Wüste oder Windkraftanlagen im Meer denkbar. Außerdem muss der Wirkungsgrad von E-Fuel höher werden, der aktuell bei nur zehn bis 15 Prozent liegt. Wegen der aufwendigen Herstellung ist momentan auch der Preis zu hoch. Experten hoffen, dass er bis 2030 erheblich reduziert werden kann.

Synthetische Kraftstoffe, die mit regenerativen Energien entstehen, könnten den Verbrenner klimaneutral machen. Aber schon heute kann jeder Autofahrer etwas für das Klima tun, indem er E10-Benzin oder B7-Diesel tankt.

ADAC Technikpräsident Karsten Schulze

Elektroantrieb

Ein Fiat 500 steht an einer Ladesäule
Als Elektroauto wurde der Fiat 500 komplett neu entwickelt© Fiat

Unter allen Alternativen zum Antrieb mit Verbrennungsmotoren dominieren E-Autos bei Weitem. Sie funktionieren lokal emissionsfrei und bereiten viel Fahrspaß. Würde ihr Kauf aber nicht wie aktuell stark subventioniert, könnten sie bei den Anschaffungskosten nicht mithalten. 2022 wurden fast 471.000 neu zugelassen, damit stieg ihr Anteil auf fast 18 Prozent.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ lokal ohne Emissionen
+ hohes Fahrvergnügen
ohne Förderung hoher Anschaffungspreis
Energiequelle noch nicht nachhaltig
Ladenetz ausbaubedürftig

Das Prinzip: Bei Elektroautos ist der Akku zwischen Vorder- und Hinterachse im Unterboden verbaut, der Elektromotor und die Leistungselektronik befinden sich an einer oder an beiden Achsen. Im Motor erzeugt elektrische Energie wechselnde Magnetfelder – und damit mechanische Energie, die das Fahrzeug in Bewegung bringt. Dabei steht vom Start weg das volle Drehmoment zur Verfügung.

Die Klimawirkung: Elektroautos fahren lokal emissionsfrei, stoßen also selbst keinerlei CO₂ oder andere Stoffe aus. Klimaneutral sind sie per se aber nicht: Abgesehen von der regulären Autoproduktion werden bei der Batterieherstellung Treibhausgase frei. Und auch der Strom, mit dem Elektroautos geladen werden, ist nur selten grün. 2022 kam ein Drittel des in Deutschland erzeugten und ins Netz eingespeisten Stroms aus Kohlekraftwerken.

Die Herausforderungen: Die Ladekapazitäten sind vielerorts noch nicht ausreichend vorhanden. Doch der technologische Fortschritt spielt der E-Mobilität in die Hände. Die Batterien werden klimafreundlicher in der Herstellung und leistungsfähiger sowie haltbarer im Gebrauch.

Herr Sippl lehnt mit Labtop an einem Auto im Testzentrum Landsberg

Die Energiewende muss zügig klappen, damit der Strom sauberer und die Klimabilanz von E-Autos deutlich besser wird.

Markus Sippl, Leiter ADAC Fahrzeugtechnik©ADAC/Peter Neusser

Näheres zum Elektroantrieb finden Sie hier: Wie er funktioniert, Fragen und Antworten zum Laden eines Elektroautos sowie Informationen zu Lebensdauer, Garantie und Reparatur des Akkus.

Plug-in-Hybrid

Ein weißer Mercedes fahrend
Die dritte Generation der Mercedes-B-Klasse als Plug-in-Hybrid© Mercedes

Ein Hybridantrieb ist die Kombination aus verschiedenen Antriebsprinzipien oder Energiequellen. Gebräuchlich sind Hybride mit Benzin- oder Diesel- und Elektroantrieb. Für 2022 registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt rund 827.000 Neuzulassungen, davon waren etwa 362.000 Plug-in-Hybride. Diese Fahrzeuge mit größerer Antriebsbatterie können per Stromkabel mit deutlich mehr Energie extern geladen werden als Hybridautos ohne Plug-in-Funktion.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ extern aufzuladen
+ auf Kurzstrecken lokal emissionsfrei
für Langstrecken nicht nachhaltig

Das Prinzip: Plug-in-Hybride lassen sich an einer öffentlichen Ladesäule, aber auch zu Hause per Kabel mit Strom versorgen und schaffen damit 40 bis 60 Kilometer rein elektrische Reichweite. So können zum Beispiel Pendler morgens mit vollem Akku rein elektrisch den Arbeitsplatz erreichen.

Die Klimawirkung: Wer 30 Kilometer von der Arbeitsstätte entfernt wohnt und dort sowie zu Hause eine Lademöglichkeit hat, kann lokal emissionsfrei pendeln. Benzin wird nur auf längeren Strecken verbrannt. Wer hauptsächlich solche fährt, stößt entsprechend viel CO₂ aus und belastet die Klimabilanz im Vergleich zum regulären Verbrenner durch Gewicht und Herstellung der Batterie und des E-Motors mehr.

Die Herausforderungen: Plug-in-Hybride sind populär, werden aber seit Anfang 2023 nicht mehr gefördert. Oft werden sie in PS-starke SUVs eingebaut, wo sie keinen Klimavorteil bieten. Ihren Vorteil können Plug-in-Hybride nur mit regenerativer Energie ausspielen.

Bei Plug-in-Hybriden kommt es noch mehr als bei anderen Antriebsarten darauf an, das richtige Fahrzeug für das eigene Nutzungsverhalten zu kaufen. Vor allem geht es darum, ob das Fahrzeug überwiegend auf Kurz- oder auf Langstrecken gefahren wird und wie stark motorisiert es sein soll.

Markus Sippl, Leiter ADAC Fahrzeugtechnik

Alles zu Modellen, Verbrauch, Technik, Kosten und Ökobilanz von Plug-in-Hybriden können Sie hier lesen.

Autogas und Erdgas

Ein roter Skoda fährt auf einer Landstrasse
Den Kamiq, Mini-SUV von Škoda, gibt es auch als Version mit Erdgasmotor© Skoda

Fahrzeuge mit Gasantrieb zeigen, dass auch ein konventioneller Antrieb mit Verbrennung in der Klimabilanz gut abschneiden kann. 2022 wurden aber lediglich 15.006 Pkw mit Flüssiggas- und 1846 mit Erdgasantrieb in Deutschland neu zugelassen.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ erprobte Technik
+ tendenziell gute Klimabilanz
Infrastruktur nicht ausreichend
nur wenige Automodelle

Das Prinzip: Gas im Auto bedeutet Autogas, kurz LPG (Liquefied Petroleum Gas, ein flüssiges Propan-Butan-Gemisch), oder Erdgas, kurz CNG (Compressed Natural Gas), das gasförmig gespeichert wird. Die meisten Fahrzeuge enthalten zusätzlich einen Tank mit Benzin, das während des Startvorgangs benötigt wird.

Die Klimawirkung: Bei der Verbrennung von Erdgas entstehen meist weniger Schadstoffe als bei Benzin- und Dieselkraftstoff. Wegen des geringeren Kohlenstoffanteils stoßen Erdgasautos rund 20 Prozent weniger CO₂ aus als Benziner. Mit Autogas wird der CO₂-Ausstoß im Vergleich zum Benzin um bis zu zehn Prozent reduziert. Noch besser ist die Klimabilanz, wenn dem Erdgas Biogas beigemischt wird oder Biomethan aus Abfall- und Reststoffen fossiles Erdgas ersetzt. Experten sehen in CNG eine Brückentechnologie zu alternativen Antrieben.

Die Herausforderungen: Den Vorteilen von Erdgasfahrzeugen steht eine mangelnde Tankstelleninfrastruktur vor allem für CNG gegenüber. Deutschlandweit gab es Mitte 2023 weniger als 800 CNG-Tankstellen, Tendenz fallend. Außerdem bieten die meisten Hersteller keine neuen Modelle mehr an. Für sie scheint der Gasantrieb ein Auslaufmodell zu sein.

Alles Wichtige zu den Themen Autogas/LPG sowie Erdgas/CNG als Kraftstoff finden Sie hier.

Wasserstoffautos

Ein Toyota steht an einer Wasserstoff Tankstelle
Der Toyota Mirai ist Vorreiter der Wasserstofftechnik im Pkw© Toyota

Brennstoffzellenfahrzeuge haben Elektromotoren mit Wasserstoffantrieb und bieten unter bestimmten Bedingungen Vorteile gegenüber der Batterieelektrik. Allerdings mangelt es bei der Modellauswahl und den Tankstellen. 2019 waren daher weniger als 400 Wasserstofffahrzeuge in Deutschland zugelassen.

Vorteile und Nachteile auf einen Blick

+ lokal emissionsfrei
+ hohe Reichweite
Technik aufwendig und teuer
Modellauswahl und Infrastruktur unzureichend

Das Prinzip: Wie ein Elektroauto enthält das Brennstoffzellenfahrzeug einen Elektromotor. Der dafür benötigte Strom wird allerdings nicht direkt zugeführt und in einer Batterie gespeichert, sondern mittels einer Brennstoffzelle aus Wasserstoff direkt an Bord erzeugt. So entfällt der beim E-Auto übliche lange Ladevorgang. Beim Brennstoffzellenfahrzeug entsteht kein CO₂, sondern Wasserdampf.

Die Klimawirkung: Dank des Elektromotors fährt das Wasserstoffauto zwar lokal emissionsfrei. Doch fällt bei der Produktion des Fahrzeugs und der speziellen Wasserstofftanks mehr CO₂ an als bei einem konventionellen Auto. Auch ist der derzeit in Deutschland verfügbare Wasserstoff klimatechnisch noch keine echte Alternative. Das wird sich aber ändern, sobald er in großen Mengen mit regenerativen Energiequellen erzeugt wird.

Die Herausforderungen: Die Brennstoffzellentechnik ist komplex und braucht so viel Platz, dass sie ihre Stärken nur bei großen Autos, Lkw, Schiffen oder Flugzeugen auf der Langstrecke richtig ausspielen kann. Im Automobilbereich fehlt es zurzeit zudem an den wichtigsten Grundlagen: Tankstellen und Fahrzeugen.

Zu Technik, Modellen, Tests und Tankstellen für Wasserstoffautos sind Informationen hier zusammengestellt.

Fragen und Antworten

Der Standpunkt des ADAC

Der ADAC setzt sich dafür ein, Elektromobilität voranzubringen und Antriebsalternativen technologieneutral zu unterstützen. Es gilt, die individuelle Mobilität zu sichern und gleichzeitig den CO₂-Ausstoß zu begrenzen, die Abhängigkeit von begrenzten fossilen Ressourcen zu verringern sowie Luftschadstoffe zu reduzieren.

Lesen Sie hier den vollständigen Standpunkt:

ADAC Standpunkt zu Antriebsalternativen
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Text: Christoph Henn / Helmuth Meyer