Verbrenner-Verbot ab 2035: Das sind die Folgen

In der EU dürfen ab 2035 Verbrenner nur noch zugelassen werden, wenn sie klimaneutral sind
In der EU dürfen ab 2035 Verbrenner nur noch zugelassen werden, wenn sie klimaneutral sind© iStock.com/Luckyraccoon

Ab 2035 dürfen in der EU keine Verbrenner-Pkw mehr neu zugelassen werden. Was das Aus für Benziner und Diesel für Autofahrerinnen und Autofahrer bedeutet.

  • Ersatzteile für Verbrenner bleiben vermutlich verfügbar

  • Gebrauchte Diesel und Benziner sind vom Verbot nicht betroffen

  • E-Fuels für Neuwagen sind wohl keine Alternative

Runter mit dem CO₂-Ausstoß: Das hat Folgen für fast jeden Lebens- und Wirtschaftsbereich, auch für den Verkehrssektor. So trägt in Deutschland schon heute die Förderung von E-Fahrzeugen zur CO₂-Minderung bei. Oder die Pflicht für Mineralölunternehmen, von Jahr zu Jahr mehr CO₂ einzusparen, indem sie eine Quote an emissionsarmen Kraftstoffen auf den Markt bringen. Und auch das geplante 49-Euro-Ticket für den Nahverkehr soll unter anderem dem Klimaschutz dienen.

Nach Ansicht der EU-Kommission reichen solche und ähnliche Maßnahmen zur CO₂-Minderung des Verkehrs allerdings nicht aus. Deshalb hat die EU am 27. Oktober 2022 eine Verschärfung des CO₂-Flottenziels für neu zugelassene Pkw in zwei Stufen beschlossen.

Ab wann dürfen neue Pkw kein CO₂ mehr ausstoßen?

Das Flottenziel der EU verpflichtete die Autohersteller dazu, den gesamten CO₂-Ausstoß aller von ihnen innerhalb eines Jahres verkauften Pkw, also für die komplette Flotte, Schritt für Schritt zu senken. Bis 2035 soll der CO₂-Ausstoß neu zugelassener Pkw in der EU auf null sinken.

Was sind die neuen Flottenziele der EU?

Jahr

Aktuelle Vorgaben

Neues Flottenziel

2021

Basisjahr

Basisjahr

ab 2025


EU entwickelt einheitliche Bewertung des CO₂-Ausstoßes von Pkw über den gesamten Lebenszyklus. Anwendung durch Hersteller freiwillig

2025

–15 Prozent CO₂-Ausstoß

–15 Prozent CO₂-Ausstoß

2026


Kommission überprüft Fortschritte

2030

–37,5 Prozent CO₂-Ausstoß

–55 Prozent CO₂-Ausstoß

Ende der Begünstigung emissionsfreier Fahrzeuge bei der Flottenziel-Berechnung

2035

–100 Prozent CO₂-Ausstoß

–100 Prozent CO₂-Ausstoß

Mit ihren Flottenzielen stellt die EU alle Weichen in Richtung Elektromobilität: Der CO₂-Ausstoß am Auspuff wird als alleinige Messgröße genutzt – und nach aktuellem Stand der Technik lässt sich diese Vorgabe nur mit Elektroautos oder Brennstoffzellen-Fahrzeugen mit Wasserstoff einhalten. Dessen Erzeugung soll in den nächsten Jahren stark gefördert werden. Experten gehen allerdings davon aus, dass Wasserstoff vor allem in der Industrie eingesetzt werden dürfte. 

Wie lange dürfen Verbrenner noch fahren?

Das Gesetz gilt nur für neu zugelassene Pkw, also für die erstmalige Zulassung. Bestandsfahrzeuge sind von den neuen EU-Vorgaben nicht betroffen. Allerdings könnten strengere Schadstoffrichtlinien zur Luftreinhaltung dazu führen, dass ältere Autos von zonalen oder streckenbezogenen Fahrverboten betroffen sind.

Gilt das Verbrenner-Aus auch für Gebrauchtwagen?

Nein. Das neue Gesetz gilt nur für Pkw, die ab dem 1.1.2035 neu zugelassen werden. Nach aktuellem Stand dürfen Autos mit Verbrennungsmotor auch nach diesem Tag noch weiterverkauft und – sofern es sich nicht um die Erstzulassung handelt – zugelassen werden.

Welche Rolle spielen E-Fuels?

E-Fuels oder biogene Treibstoffe könnten zumindest bilanziell CO₂-neutral sein und deshalb im Bestand oder in Bereichen, die sich nicht für die Elektrifizierung eignen, eingesetzt werden. Aus diesem Grund hat sich der ADAC auch gegen ein Verbrenner-Verbot eingesetzt.

Doch für Neufahrzeuge werden E-Fuels spätestens ab 2035 wohl keine Rolle mehr spielen. So bekam die EU-Kommission zwar den Auftrag, einen Mechanismus für die Nutzung von E-Fuels in neuen Pkw ab 2035 zu entwickeln. Allerdings nur "außerhalb der Flottengrenzwerte".

Im Klartext: Fahrzeuge, die in Großserie gebaut werden, würden von einer möglichen Ausnahmeregel für Verbrenner-Pkw wohl nicht erfasst. E-Fuels könnten ab 2035 also nur noch in Neufahrzeugen von Herstellern eingesetzt werden, die pro Jahr in Kleinserie weniger als 1000 Autos produzieren, oder in Sonderfahrzeugen wie Feuerwehr- oder Krankenwagen.

Den Auftrag, einen Mechanismus für die Nutzung von E-Fuels zu finden, müsse die Kommission nun annehmen, sagt ADAC Technikpräsident Karsten Schulze. Schließlich könnten synthetische Kraftstoffe, sofern sie mit erneuerbarer Energie erzeugt wurden, einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Karsten Schulze: "Wir werden die Fortschritte auf diesem Feld verfolgen und die Kommission daran messen."

Gibt es für E-Autos genug Ladesäulen?

Mitte 2022 waren in Deutschland fast 760.000 reine Elektroautos zugelassen, zur selben Zeit gab es ca. 70.000 Ladepunkte im öffentlichen Raum. Tendenz in beiden Fällen stark steigend.

Um den wachsenden Bedarf zu decken, hat die Bundesregierung das Ziel von einer Million Ladepunkten bis 2030 ausgegeben. Bis dahin soll es – geht es nach den Berliner Plänen – 15 Millionen E-Autos in Deutschland geben. Das Verhältnis zwischen Elektroautos und Ladepunkten würde sich damit nur geringfügig verschlechtern. Nach Einschätzung des ADAC sollte das Angebot in diesem Fall ausreichen.

Wichtig ist aus Sicht des Clubs: ein gutes Angebot an Ladesäulen überall in Deutschland und nicht nur in Städten. Nur so ist Elektromobilität auch in ländlichen Regionen möglich.

Wird es genug Ersatzteile für Verbrenner geben?

Auch wenn die meisten Autohersteller die Neuentwicklung von Verbrennern für den europäischen Markt in den 2030er-Jahren einstellen wollen: Weltweit wird Diesel und Benzin auch danach noch eine größere Rolle spielen. Deshalb dürfte auch das Angebot an Ersatzteilen zunächst unproblematisch bleiben.

Sinkt der Wert von gebrauchten Verbrennern?

Die Preisentwicklung auf dem Gebrauchtwagenmarkt wird von vielen Faktoren bestimmt. In städtischen Regionen könnten schärfere Richtlinien zur Luftreinhaltung die Nachfrage nach älteren Verbrennern, insbesondere nach Dieselfahrzeugen der Euro-Normen 4 und 5, senken. Inwieweit diese Entwicklung durch größere Nachfrage in anderen Regionen oder im Ausland aufgefangen wird, bleibt abzuwarten.

ADAC: "Elektromobilität erfolgreich umsetzen"

Der ADAC begrüßt die Einigung auf die neuen Flottenziele. Sinkende CO₂-Grenzwerte tragen zum Klimaschutz bei, senken den fossilen Kraftstoffverbrauch und damit die Betriebskosten fürs Auto. Und auch der Plan der EU, den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs für die Berechnung der Klimafolgen transparent zu machen, trifft beim ADAC auf Zustimmung.

Damit die Elektromobilität zum Erfolg wird, muss jetzt die Versorgung mit erneuerbarem Strom gesichert, die Stromverteilnetze und die Ladeinfrastruktur müssen auf die wachsende Nachfrage vorbereitet werden. Und mindestens ebenso wichtig: E-Fahrzeuge für Verbraucher müssen bezahlbar sein, auch im Kleinst- und Kleinwagensegment sollten günstige Pkw verfügbar sein. Nur so kann sichergestellt werden, dass E-Mobilität für alle erschwinglich ist.