Autogas - eine Alternative?

8.4.2019

Rund 400.000 Pkw sind mit Autogas auf Deutschlands Straßen unterwegs. Autofahrer schätzen den alternativen Antrieb aus guten Gründen: geringe Kraftstoffkosten und niedrigere Treibhausgaswerte. Alles Wichtige zum Thema.

 

Mann tankt sein Auto mit Autogas
iStock.com/MagMos

Die Kraftstoffkosten um rund die Hälfte reduzieren? Das geht mit Autogas, einem Gemisch aus Propan und Butan, auch bekannt unter dem Kürzel „LPG“ (Liquified Petroleum Gas). Autogas ist ein unter Druck verflüssigtes Gemisch aus Propan und Butan, das bei der Erdöl- und Erdgas-Förderung sowie in Erdöl-Raffinerien anfällt. Nicht zu verwechseln ist Autogas mit Erdgas (CNG „Compressed Natural Gas“). Autogas ist in seiner chemischen Zusammensetzung (Kohlenwasserstoffe) mit Benzin verwandt und kann – nach Umrüstung – in Ottomotoren eingesetzt werden. Bei atmosphärischem Druck gasförmig, geht es bei maximal 10 bar (je nach Temperatur) in den flüssigen Zustand über und kann so gespeichert werden. Da es geruchsneutral ist, wird ihm ein Geruchsstoff beigegeben, damit Lecks früher zu bemerken sind. 

 

 
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Technik

Speicher und Tanken

Als Kraftstoffbehälter kommen spezielle Gastanks – im allgemeinen Stahlbehälter – zum Einsatz. Es gibt sie zylindrisch, aber auch passend für die Reserveradmulde. Als Ersatz für das dadurch entfal­lende Reserverad sollte ein Pannenspray oder besser noch ein Kompressor mit Reifendichtmittel im Kofferraum deponiert werden.

Bei gleichem Tankinhalt ist mit Autogas gegenüber einem Erdgasfahr­zeug eine bis zu dreifache Reichweite erzielbar. Getankt wird mittels eines speziellen Füllstutzens, den man mit dem fahrzeugeigenen Tankanschluss verbindet. Zu beachten ist, dass der Gastank nur bis zu max. 80 Prozent befüllt werden darf, danach wird der Tankvorgang automatisch über eine Füllstoppventil abgeschaltet. Dies bedeutet, dass ein Gastank mit einem Fassungsvermö­gen von z.B. 70 Liter nur mit 56 Liter Autogas betankt werden kann.

Das Autogas-Tankstellennetz in Deutschland ist gut ausgebaut. Eine interaktive Karte mit allen Tankstellen bietet der Deutsche Verband Flüssiggas hier.

In den Niederlanden, Belgien, Italien, Frankreich, England und Polen besteht ein teilweise recht dichtes
Tankstellen-Netz, im Gegensatz zu Dänemark, Österreich und der Schweiz. Eine Übersicht aller Stationen in Europa kann finden Sie z.B. unter gas-tankstellen.de. Zu beachten ist, dass im Ausland wegen unterschiedlicher Zapfanschlüsse stellenweise Adapter erforderlich sind. Der ACME-Anschluss ist vor allem in Deutschland und Belgien verbreitet, der Bajonettanschluss dominiert in den Niederlanden und der Dish-Anschluss in Italien sowie Frankreich. Tankstellen halten teilweise Adapter bereit. Bezugsadressen in Deutschland sind z.B. unter autogasadapter.de zu finden.

Zulassungsverfahren

Seit 1.10.2017 können nur noch Fahrzeuge mit Autogas-Nachrüstsystem in Verkehr gebracht werden, für die eine Genehmigung nach ECE-R 115 vorliegt. Ausgenommen sind Fahrzeuge mit Abgasnorm Euro 2, D3 und D4 sowie Fahrzeuge mit Einzelbetriebserlaubnis (TSN: 000). Diese können weiterhin über Einzel-Abgasgutachten in den Verkehr gebracht werden und benötigen somit keine Genehmigung nach ECE-R 115. In Bezug auf die einzelnen Bauteile wird zwar auch in der ECE-R 115 auf die Anforderungen der ECE-R 67/1 verwiesen, darüber hinaus muss jedoch der Anlagenhersteller u.a. nachweisen, dass das Abgasverhalten des Kraftfahrzeuges durch die Nachrüstung nicht negativ beeinflusst wird.

Zusätzlich müssen jeder Gasanlage technische Handbücher für Einbauer und Benutzer beigelegt werden. Gasanlagen, die nach ECE-R 115 genehmigt wurden, erkennt man am ECE-R-115-Genehmigungsschild, das jeder Anlage vom Hersteller beigelegt ist und nach dem Einbau des Systems gut sichtbar im Fahrzeug angebracht werden muss. Um sicherzustellen, dass die Gasanlage korrekt eingebaut wurde und ein sicherer Betrieb gewährleistet ist, muss das Fahrzeug einer Gas-Systemeinbau-Prüfung (GSP) unterzogen werden. Die Kosten hierfür betragen 100 Euro.

Die GSP können amtlich anerkannte Sachverständige, Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr, Prüfingenieure der amtlich anerkannten Überwachungsorganisationen sowie dafür anerkannte Kfz-Werkstätten durchführen, sofern diese den Einbau der Gasanlage selbst vorgenommen haben. Nach erfolgter Prüfung ist die Nachrüstung unverzüglich der Zulassungsbehörde zu melden und die Eintragung in die Fahrzeugpapiere zu veranlassen.

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Kosten

Autogas (LPG) genießt wie Erdgas (CNG) als alternativer Kraftstoff Steuervorteile. Dies wird vor allem begründet, indem vornehmlich Erdgas, aber auch Autogas, Vorteile bezüglich ihres CO2-Ausstoßes bieten. 2017 wurde die Steuerbegünstigung verlängert.

Steuersätze Autogas Für 1000 Kilo Für 1 Liter*                    
1.1.2019 bis 31.12.2019  180,32 Euro 

9,74 Cent 

1.1.2020 bis 31.12.2020   226,06 Euro 
12,21 Cent  
 1.1.2021 bis 31.12.2021   317,53 Euro 
17,15 Cent                    
 1.1.2022 bis 31.12.2022  363,94 Euro 
19,65 Cent  
 ab 1.1.2023   409,00 Euro 
22,09 Cent  

 

Die Steuersätze von Erdgas und Autogas sind somit bezogen auf den Energiegehalt etwa gleich hoch (von 1,4 ct/kWh steigend auf 3,2 ct/kWh) und deutlich niedriger als die von Benzin (etwa 7,7 ct/kWh) und Dieselkraftstoff (4,8 ct/kWh zzgl. Zuschlag bei der Kfz-Steuer). Darüber hinaus kann die Nachrüstung einer Autogasanlage auch zu einer Reduzierung der Kfz-Steuer führen. Dies gilt jedoch nur für Pkw mit Erstzulassung ab 1. Juli 2009, für die die neue Kfz-Steuer auf CO2-Basis gilt, bzw. für Pkw, die im Zeitraum zwischen dem 5. November 2008 und dem 30. Juni 2009 erstmals zugelassen wurden, bei denen die „neue CO2-Steuer“ günstiger ist als die „alte Hubraumsteuer".

Voraussetzung für die Anerkennung des CO2-Wertes des Autogasbetriebes ist jedoch, dass der entsprechende Wert im Abgasgutachten der Autogasanlage vermerkt ist und bei der Abnahme der Anlage in Feld V.7 der Zulassungsbescheinigung Teil I eingetragen wird, Bei vom Fahrzeughersteller ab Werk angebotenen Autogasmodellen wird in der Zulassungsbescheinigung Teil I unter V.7 bereits der kleinste kombinierte CO2-Wert eingetragen. 

Verbrauch und Rentabilität

Weil Autogas wesentlich billiger ist als Benzin (derzeit kostet in Deutschland der Liter im Schnitt 0,65 Euro), kann sich die Umrüstung rechnen. Wirtschaftliche Vorteile ergeben sich vor allem bei Vielfahrern und bei Fahrzeugen mit einem hohen Benzinverbrauch. Da der volumetrische Heizwert von Autogas jedoch deutlich niedriger liegt (ca. 25 Prozent) als der von Benzin, steigt der Verbrauch beim Betrieb mit Autogas. Je nach Motor, Autogasanlage, Gaszusammensetzung und Fahrweise können dies 10 bis 30 Prozent sein.

Mit zunehmendem Butan-Anteil im Autogas sinkt der Mehrverbrauch, da der Energiegehalt von Butan im Vergleich zu Propan etwas höher liegt. Der höheren Energiedichte von Butan stehen jedoch eine geringere Klopffestigkeit und ein geringerer Dampfdruck bei tiefen Temperaturen entgegen. Bei der Kostenrechnung sollte beachtet werden, dass das Fahrzeug nicht zu alt und in einem guten Zustand ist, damit sich die Investition amortisiert. Eine nachträgliche Umrüstung liegt zwischen 1800 und 3500 Euro, entsprechend der ADAC Umfrage 2012 lagen sie überwiegend im Bereich von 2000 bis 2500 Euro.

Inspektionskosten und Prüffristen

Bei einigen Fahrzeugmodellen können sich nach einer Umrüstung auf Autogas höhere Inspektionskosten im Vergleich zu ihren mit Benzin betriebenen Schwestermodellen ergeben. Ursachen sind z.B. spezielle Zündkerzen, Ventilspiel-Kontrolle, Additiv-Nachfüllmenge. Für einen Überblick sollte man sich diese vor dem Umbau bzw. dem Kauf eines Autogas-Fahrzeuges von der Werkstatt aufzeigen lassen. Im Rahmen der Hauptuntersuchung (HU) wird zusätzlich eine Gas-Anlagen-Prüfung (GAP) durchgeführt. Der Prüfer kann darauf verzichten, wenn die letzte GAP nicht länger als zwölf Monate zurückliegt. Die GAP ist außerdem auch nach jeder Reparatur der Gasanlage fällig, nach einem Unfall oder einem Fahrzeugbrand, bei dem die Gasanlage beeinträchtigt wurde.

Die Kosten belaufen sich bei Durchführung im Rahmen der HU auf 20 Euro, bei eigenständiger Durchführung ohne HU auf 26 Euro. Die GAP können amtlich anerkannte Sachverständige oder Prüfer für den Kraftfahrzeugverkehr, Prüfingenieure der amtlich anerkannten Überwachungsorganisationen sowie dafür anerkannte Kfz-Werkstätten durchführen. Für Fahrzeuge, die vor dem 1. April 2006 in Verkehr gekommen sind und deren Gasanlagen-Tank nicht nach ECE R-67 genehmigt ist, gilt § 41a StVZO in der bisherigen Fassung. Das heißt, dass ältere Tanks, die noch gemäß Druckbehälterverordnung genehmigt wurden, nach zehn Jahren gesondert zu überprüfen sind, was um die 150 Euro kostet.

Autogas-Modelle in der Kostenübersicht

Ausführlicher Kostenvergleich Autogas/Erdgas mit Benzin/Diesel

* Steuersätze

Unter Berücksichtigung des gewichtsspezifischen Energiegehalts (unterer Heizwert in kWh/kg) von 12,4 kWh/kg bzw. des volumenspezifischen Energiegehalts (unterer Heizwert in kWh/l) von 6,7 kWh/l für LPG [Quelle: MJ/l: 2009/33/EG Anhang (RL über Förderung sauberer und energieeffizienter Fahrzeuge); MJ/kg: Berechnung über Dichte 0,538 kg/l (lt. VO (EG) Nr. 692/2008 Anh. XII ("Durchführungsverordnung zur Euro5/6-Richtlinie"); kWh/kg, kWh/l: Umrechnung 1kWh = 3,6 MJ] entspricht 1 l Autogas 0,54 kg. 
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Neuwagen

Die hier aufgeführten Automobilhersteller und Importeure bieten derzeit ab Werk eine Autogas-Ausrüstung ihrer Benzin-Neufahrzeuge an. Auch Nachrüst-Angebote werden von einigen Automobilherstellern über ihre autorisierten Vertragshändler angeboten (z.B. Citroen, Fiat, Hyundai, Kia, Opel). Die Anlagen sind in der Regel auf bivalenten (wechselweisen) Betrieb ausgelegt, es kann also während der Fahrt von Benzin- auf Gasbetrieb und umgekehrt umgeschaltet werden.

  • Dacia: Sandero, Logan MCV, Lodgy, Dokker, Duster
  • Fiat: 500, Panda
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Umrüstung

Der Einbau sollte nur bei qualifizierten Fachbetrieben erfolgen, nur so kann sichergestellt werden, dass die Einbauvorgaben des Anlagen- bzw. Teileherstellers eingehalten und alle erforderlichen Komponenten verbaut werden. Empfehlenswert sind auch Fachwerkstätten, die die seit April 2006 vorgeschriebenen Prüfungen der Gasanlagen GAP bzw. GSP durchführen dürfen. Bei Umrüstung von Neufahrzeugen ist zu berücksichtigen, dass Schäden, die einen direkten Zusammenhang mit dem Gasbetrieb haben, von der Sachmängelhaftung des Fahrzeugherstellers ausgeschlossen sind. Überlegenswert ist daher der Abschluss einer Garantieversicherung für Autogas-Umrüstungen, die von diversen Versicherungsunternehmen angeboten wird. 

Von Umbauten im benachbarten Ausland (z.B. Polen), wo Autogas-Umrüstungen teilweise zu deutlich geringeren Preisen angeboten werden, ist abzuraten. In der Vergangenheit kam es hier immer wieder zu Problemen bei der anschließenden Abnahme durch TÜV oder Dekra aufgrund fehlender Genehmigungsunterlagen, insbesondere des Abgasgutachtens. Ferner sollte an mögliche Probleme bei Service, Wartung und Gewährleistung gedacht werden. 

Nachrüstbare Automodelle

Nicht alle Motorentypen kommen mit Autogas zurecht – kritisch können die Einflüsse insbesondere auf die Motor-Auslassventile sein. Renommierte Anlagen-Anbieter führen Listen der nicht nachrüstbaren Automodelle. Größere Schäden sind vor allem darauf zurückzuführen, dass das Fahrzeug aufgrund zu „weicher“ Ventile und Ventilsitze nicht für den Betrieb mit Autogas geeignet ist. Insbesondere aufgrund fehlender Additive im Autogas zur Schmierung der Ventile gegenüber den Ventilsitzen sowie deren höheren thermischen Belastung kann es im Fahrzeugbetrieb zu einer Trockenreibung zwischen Ventilen und Ventilsitzen kommen, wodurch sich die Ventile in den Ventilsitz einarbeiten. Folge ist ein Kompressionsdruckverlust und das „Durchbrennen“ der Ventile. Abhilfe verspricht der Einbau verschleißfester Ventile und Ventilsitze, der jedoch Mehrkosten in Höhe von einigen Hundert Euro zu den eigentlichen Umbaukosten mit sich bringt.

Angeboten werden auch AdditivSysteme, wie z.B. „Flashlube“ – Kosten unter 100 Euro. Das Mittel, das aus einem kleinen Tank dem Gas im Ansaugtrakt tröpfchenweise zugegeben wird, soll laut Herstellerangaben den oberen Zylinder reinigen und schmieren sowie einen Schutzwall zwischen Ventilen und Ventilsitzen bilden, sodass diese kühl bleiben. Ob diese Additiv-Systeme jedoch Schäden an Ventilen und Ventilsitzen verhindern können, ist bisher nicht unabhängig nachgewiesen. 

Vor dem Umbau sollte man sich daher von der Fachwerkstatt ausführlich beraten lassen, um zu klären, ob das Fahrzeug für den Autogasbetrieb geeignet ist oder ob ggf. der zusätzliche Einbau verschleißfester Ventile und Ventilsitze erforderlich ist, der weitere Kosten nach sich zieht. Auch die Notwendigkeit eines Additiv-Systems sollte hier hinterfragt werden.

 
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Sicherheit

Ein Autogas-Tank besteht aus einer etwa 3,5 Millimeter starken Stahlwandung und ist für einen Betriebs­druck von maximal 10 bar ausgelegt. Die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt einen Prüfdruck von 40 bar vor.

Sicherheitsventile sorgen zudem im extremen Schadensfall für ein gezieltes Abblasen oder bei Hitzeeinwirkung – z.B. bei Brand eines Fahrzeuges – für ein kontrolliertes Abbrennen der Gasfüllung und verhindern damit die Gefahr von Explosionen. Wichtig für den sicheren Umgang mit der neuen Technik ist jedoch die Einhaltung der Prüfintervalle und -richtlinien.

Garagen

In Tief- und Sammelgaragen findet man vereinzelt immer noch ein "Einstellverbot für Gasfahrzeuge". Die­ses wurde in der sogenannten Garagenverordnung der Bundesländer (GAV = Verordnung über den Bau und Betrieb von Garagen) aber bereits aufgehoben - und inzwischen auch von allen Bundesländern in Landesrecht umgesetzt. Unabhängig davon stellt das Hausrecht jedoch jedem Garagenbesitzer bzw. -betreiber frei, welchen Fahrzeugen er Einfahrt gewährt und welchen nicht. Bei Bedarf sollte man auf die Neufassung der Garagenverordnung verweisen.

ADAC Crashtest: Gastank im Heck

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Umwelt

Auch wenn die Emission der „limitierten Schadstoffe“ (CO, HC, NOx) nicht mehr bzw. nicht mehr wesentlich sinkt, so wird mit Autogas im Vergleich zum Benzin doch immer CO2 reduziert – bis zu rund 10 Prozent. Im Vergleich zu Diesel und Erdgas (CNG) ist der CO2-Ausstoß jedoch höher – ca. 2 Prozent im Vergleich zu Diesel und ca. 12 Prozent im Vergleich zu Erdgas. Autogas ist gegenüber Benzin ebenfalls vorteilhaft, wenn es um eine Verminderung von Abgasschadstoffen geht, die nicht gesetzlich limitiert sind, wie z.B. die schädlichen aromatischen Kohlenwasserstoffe.

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