Nio ES8: Der Elektro-SUV jagt Tesla & Co. in China

15.1.2019

Während Mercedes, VW oder Porsche noch auf sich warten lassen, bringt Nio in China den ES8 schon an den Start. Wir sind den Elektro-SUV mit Wechselakkus schon gefahren. Dazu: Alles zu Reichweite, Batterie und Preisen

Nio ES 8 fahrend
Macht in China Eindruck: Der Nio mit dem mächtigen Kühlergrill
  • Dank des Wechselakkus ist der Nio in fünf Minuten wieder startklar
  • Das chinesische Start-up-Produkt wurde in München entwickelt 
  • Geplanter Verkaufsstart in Deutschland: Ende 2019/Anfang 2020
  • Die Preise: Mit Miet-Batterie ab 45.000 Euro

 

Chinesische Start-ups drängen nach Europa! Aktuell auch die Firma Nio, die einen SUV im Format von Tesla Model X, Audi e-tron und Jaguar i-Pace entwickelt und davon bereits 10.000 Fahrzeuge verkauft hat. Bislang fahren die bulligen Autos, deren Preise mit Leasing-Akku bei 45.000 Euro beginnen (mit eigenem Akku 58.000 Euro) nur in China. Doch Firmenchef William Li will damit auch ins Ausland und vieles spricht dafür, dass es den elektrischen Nio ES8 schon ab Ende 2019, spätestens Anfang 2020 auch bei uns gibt.

Serienmäßig: Die dritte Sitzreihe im geräumigen Innenraum 

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Cockpit Nio ES 8
Zwei Displays im Cockpit informieren den Fahrer

Ein spannendes Auto! Denn so gewöhnlich der gut fünf Meter lange Geländewagen mit dem Walfisch-Gesicht von außen aussieht, so unkonventionell ist sein Innenleben. Neben dem eher kleinen Display hinter dem Lenkrad hat er einen riesigen Touchscreen in der Mittelkonsole – und aus der Mitte des Armaturenbretts schaut "Nomi", der dem digitalen Sprach- und Bediensystem des Nio buchstäblich ein Gesicht gibt.

Darüber hinaus wartet der ES8 mit praktischen Details auf: Die seitlich offene Mittelkonsole bietet viel Stauraum. Der Beifahrersitz lässt zur bequemen Liege umbauen – und wer etwas von der Rückbank holen möchte, kann seinen Sitz per Knopfdruck entriegeln und dann so weit nach hinten fahren, bis der Stuhl am Rücksitz anschlägt.

Insgesamt bietet der ES8 mit seinem drei Meter langem Radstand innen deutlich mehr Platz als konventionelle Geländewagen. Das merkt man in der zweiten und erst recht in der serienmäßigen dritten Reihe.

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Das Fahrwerk kommt von Continental

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Nio ES 8 stehend von hinten
Der 2,5-Tonnen schwere SUV ist sogar für Großfamilien geeignet

Angetrieben von zwei E-Maschinen mit zusammen 480 kW Leistung und einem satten Drehmoment von 840 Nm bietet der ES8 ähnliche Fahrleistungen wie die europäischen Elektroautos aus der Oberklasse sie zumindest für die Zukunft versprechen.

Von Tempo 0 auf 100 schafft er es in 4,4 Sekunden und erst bei 200 km/h drehen ihm die Entwickler den Saft ab. Das Fahrwerk ist betont komfortabel, die Lenkung eher soft und das ESP sehr defensiv abgestimmt.

Dass der chinesische Nio wesentlich solider wirkt als viele andere Akku-Autos aus Asien, liegt auch daran, dass er mehrheitlich in München entwickelt und abgestimmt wurde – und wichtige Zubehörteile aus Europa kommen. Bestes Beispiel: Die serienmäßige Luftfederung von Continental.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

Batterie: Wechsel-Akku für mehr Reichweite   

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Nio ES 8 fahrend von vorne
Bodenunebenheiten schluckt das Fahrwerk des ES8 komfortabel

Bei der Batterie geht Nio einen ungewöhnlichen Weg. Der Akku ist zwar mit 70 kWh und einer NEFZ-Reichweite von 355 Kilometern allenfalls unterer Durchschnitt. Doch während andere Batterien bei der Konkurrenz fest verbaut sind, kann man sie beim Nio stationär wechseln, wenn sie leer sind.

Und so wie andere zur Waschanlage fahren, steuern ES8-Kunden eine Tauschstation an. Hier wird ihr Auto automatisch aufgebockt, ein Roboter löst von unten zehn Schrauben, nimmt den leeren Akku heraus und tauscht ihn gegen einen vollen aus dem Lager. Das Ganze dauert keine fünf Minuten und soll mittelfristig dank eines Autopiloten sogar funktionieren, während der Fahrer beim Essen sitzt.

Bislang gibt es zwar erst 18 solcher Wechselstationen entlang der Autobahn von Peking nach Macao. Doch bis 2020 sollen es 1000 sein. Selbstverständlich kann der ES8 auch an der Wallbox zuhause und jeder Ladesäule Strom zapfen.  

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR.

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