Tesla Model X: Ein SUV mit Flügeltüren

Ein Tesla Model X steht auf eine Weg vor Bergkulisse, mit geöffneten Flügeltüren
Tesla Model X: Beeindruckendes Raumschiff© imago images/imagebroker

Flügeltüren sind vom klassischen Mercedes SL bekannt – an diesem sechssitzigen Elektro-SUV aus den USA macht die Technik allerdings mehr Sinn. ADAC Test des Tesla Model X plus Infos zum 2022er Facelift.

  • Model X mit sechs Einzelsitzen: Mischung aus SUV und Van

  • 2,3 Sekunden von null auf 100, Spitze 250 km/h

  • Enorme Kraft, 450 Kilometer Reichweite

  • Alle Details zum Update fürs Modelljahr 2022

Kein anderer Autohersteller treibt die Branche so in Richtung Zukunft voran wie Tesla: Das Einstiegsmodell der US-amerikanischen Firma um Elon Musk, das Model 3, ist längst eines der am besten verkauften Elektroautos weltweit.

Nach Roadster und dem Model S war das Model X die dritte Tesla-Baureihe, deren Start wegen anfänglicher Fertigungsprobleme aber stotterte. Diese Probleme sind längst beseitigt – Zeit also, sich dem Urteil des ADAC Autotests zu stellen.

Volle Kontrolle mit Kameras und Sensoren

Das Model X ist eine Mischung aus Van und großem SUV. Auffälligstes Merkmal: Die hinteren Flügeltüren, im Englischen "Falcon Wings". Hier hat Tesla einen enormen Aufwand betrieben, um eine möglichst gute Praxistauglichkeit zu erreichen.

Damit die hinteren Türen auch bei geringem seitlichen Platz öffnen können, sind oberhalb der Scheiben zusätzliche Gelenke montiert – der Raum über dem Model X muss dann natürlich mit Sensoren geprüft werden, damit die Türen beim Öffnen nicht anstoßen. Und weil auch die vorderen Türen automatisch öffnen, werden zusätzlich die Seiten mit Kameras überwacht, damit alles ohne Schrammen abläuft. Kein Wunder, dass es hier zu anfänglichen Produktionsproblemen kam.

Ist man nach all den eindrucksvollen automatisierten Türbewegungen auf dem Fahrerplatz angekommen, findet man – auch das typisch Tesla – einen riesigen Touchscreen am Armaturenbrett vor, der als zentrales Bedienelement fungiert. Konventionelle Tasten existieren gerade noch zwei auf dem Armaturenbrett: Die eine Taste ist für den Warnblinker, die andere öffnet das Handschuhfach. Die Schalter für die Fensterheber und die Außenspiegeleinstellung sind wie der Automatikwählhebel aus dem Mercedes-Regal.

Das Bedienkonzept mit den vielen Einstellungsmöglichkeiten ist anfangs ein wenig verwirrend. Die gute Übersichtlichkeit der Menüs und die großen berührungssensitiven Tasten lassen die Bedienung aber bald leicht von der Hand gehen. Nur beim Fahrlicht hat Tesla übertrieben: Hier wäre ein Schalter am Armaturenbrett besser geeignet als ein Untermenü im Infotainmentsystem.

Ein Tesla ist immer online

Touchscreen und Lenkrad des Elektroautos Tesla Model X
Navigation und Online-Funktionen sind top © imago images/Norbert Eisele

Verarbeitungsqualität und Materialanmutung liegen im Model X auf einem erstaunlich hohen Niveau. Tesla hat sich auch einige außergewöhnliche Dinge einfallen lassen: So kann sich das Auto merken, wo der Fahrer das Luftfahrwerk in die höchste Stufe gestellt hat, um ein Hindernis zu überwinden – und stellt es dort das nächste Mal automatisch ein. Genauso schlau sind die Flügeltüren, die den größtmöglichen Öffnungswinkel in der eigenen Garage abspeichern und das nächste Mal an dieser Stelle die Flügel gleich so weit wie möglich nach oben recken. Absolut clever.

Ein Tesla ist immer online – darauf fußt auch das Multimedia- und Konnektivitätsangebot des Autos. Das Navigationssystem basiert auf Google Maps, ist stets auf aktuellem Stand und holt sich aktuelle Verkehrsflussinformationen online. Per Browser kann man auch im Internet surfen. Die Fernbedienung einiger Fahrzeugfunktionen per App ist für Tesla Ehrensache, CarPlay und Android Auto sind aber nicht vorgesehen.

Geht es um musikalische Unterhaltung, kann man per Internetradio, Digitalradio, USB-Anschluss oder auch mittels Bluetooth die Lautsprecher ansteuern – ein High-End-
Lautsprechersystem erhöht den Genuss gegen Aufpreis. Das Model X kann auch noch analoge Radiosender (FM/AM) empfangen, ein CD- oder DVD-Laufwerk ist dagegen nicht erhältlich. Ganz oldschool gibt es auch noch einen 12-Volt-Anschluss im Kofferraum.

SUV mit sechs Einzelsitzen und viel Platz

Der Innenraum des Elektroautos Tesla Model X
Die Weiten des Raumes: Blick aus der dritten Reihe nach vorn © imago images/GlobalImagens

Auf den vorderen Plätzen findet man reichlich Platz, vor allem die Kopffreiheit ist sehr üppig. Die Beinfreiheit reicht bis 1,95 Meter Größe. Neben der großzügigen Innenbreite trägt auch die bis über die Köpfe der Frontinsassen gezogene Panorama-Windschutzscheibe zum großzügigen Raumgefühl bei. Die relativ hoch eingebauten Sitze der mittleren Reihe ergeben einen angenehmen Kniewinkel für Erwachsene, doch dadurch bleibt nicht mehr so viel Kopffreiheit, wie man bei einem Auto dieser Größe erwarten würde.

In der dritten Sitzreihe befinden sich die Köpfe der Insassen leider direkt neben den Dachsäulen – das wirkt beengend. Dennoch können selbst Erwachsene hier eine gewisse Zeit angenehm sitzen. Obwohl als SUV mit sechs Einzelsitzen gut aufgestellt, halten sich die Variationsmöglichkeiten des Innenraums beim Model X in Grenzen. Die Sitze können nicht ausgebaut, nur die Lehnen der dritten Reihe umgeklappt werden. Die mittleren Sitze lassen sich längs verstellen und ihre Neigung als Ganzes etwas anpassen, da Lehne und Fläche fix miteinander verbunden sind.

Hinter der dritten Sitzreihe finden 335 Liter Gepäck Platz, unter dem Kofferraumboden gibt es weitere 70 Liter Volumen. Klappt man die dritte Sitzreihe um, ergibt sich hinter den mittleren Sitzen ein Stauvolumen von 660 Litern. Weitere 125 Liter stehen unter der Fronthaube bereit. Das kann sich mehr als sehen lassen.

Ausgezeichnete Traktion mit Allradantrieb

ein Tesla Model X mit Anhänger
Das Model X zieht Hänger bis zu 2,25 Tonnen © Tesla

Fast perfekt schneidet das Model X im Kapitel Motor und Antrieb ab: Das Beschleunigungsvermögen des getesteten Model X 100D macht den Hype um die Marke Tesla etwas verständlich. Nur wenige Serienmodelle – erst recht keine so großen SUVs – erreichen aus dem Stand so schnell und unproblematisch Tempo 100 wie das Model X. An jeder Achse des Model X sitzt ein Elektromotor: Der so realisierte Allradantrieb sorgt maßgeblich für die druckvolle Beschleunigung und ausgezeichnete Traktion. Damit kann das Model X Anhänger mit bis zu 2250 Kilogramm Gewicht ziehen – Reichweitenverluste von um die 50 Prozent sind dann aber einzukalkulieren.

Bei höheren Geschwindigkeiten ist der Vortrieb immer noch kraftvoll, allerdings weniger explosiv. Die 250 km/h Höchstgeschwindigkeit sind aber kein Problem. Nach einigen Sekunden in diesen Geschwindigkeitsbereichen drosselt der Tesla die Geschwindigkeit aber etwas, um die Batterien und die Elektronik vor Überhitzung zu schützen.

Im durchschnittlichen Fahrprofil schafft das Model X 100D gute 450 Kilometer Reichweite. Auf der Langstrecke navigiert das Auto zuverlässig zum nächsten Supercharger: Die Insassen gehen sich die Beine vertreten und einen Kaffee trinken – und schon geht's weiter. Da hinken andere Hersteller noch deutlich hinterher.

Beim ADAC Ausweichtest kommt das Model X zwar aufgrund seines Gewichts und seiner Größe an die Grenzen der Physik, die Abstimmung ist aber gut gelungen: Sicher und gelassen durchfährt der große SUV den Parcours und neigt erst im Grenzbereich zu kontrolliertem Untersteuern. Das ESP greift rechtzeitig in das Geschehen ein und regelt angemessen. Insgesamt legt das Model X auch im Fahrverhalten einen souveränen und sicheren Auftritt hin.

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Die getestete, jetzt nicht mehr angebotene 100D-Variante des Model X, für die immerhin fast 112.000 Euro fällig wurden, hatte serienmäßig eine Luftfederung verbaut. Die passt die Bodenfreiheit an die verschiedene Fahrsituationen und Fahrerwünsche an, beispielsweise ein Absenken der Karosserie bei höheren Geschwindigkeiten für eine bessere Aerodynamik. Das Fahrwerk überzeugt, da es trotz straffer Auslegung stets einen guten Federungskomfort bieten kann.

Wer die aufpreispflichtigen, schicken 22-Zoll-Räder wählt, muss mit recht trockenem Ansprechen bei kleinen Unebenheiten und Querfugen rechnen. Das gelingt mit den am Testfahrzeug montierten, serienmäßigen 20-Zoll-Rädern geschmeidiger.

Gefahr durch programmierte Unaufmerksamkeit

Kaum ein Fahrzeug ist in Bezug auf aktive Assistenzsysteme so weit entwickelt wie ein Tesla. Die optionale Selbstfahr-Funktion samt Spurwechselautomatik verleitet allerdings dazu, dem Verkehrsgeschehen nicht mehr mit absoluter Aufmerksamkeit zu folgen. Das ist gefährlich.

Der große Vorteil bei Tesla sind die Software-Updates, die online und automatisch durchgeführt werden. Gibt es Verbesserungen bei den Systemen, werden sie nachträglich aufgespielt. Tesla-Techniker denken eben mehr wie Software- und Computer-Entwickler, nicht wie die Mitarbeiter bei traditionellen Autobauern.

Modelljahr 2022: Feinschliff und noch mehr Leistung

Für das Modelljahr 2022 hat Tesla dem immerhin seit 2012 angebotenen Model X eine kräftige Aufwertung verpasst. Die Optik wurde innen wie außen aufgefrischt und das Angebot auf zwei Versionen zusammengestutzt: Es gibt den E-SUV mit 100 kWh fassendem Akku und 670 PS als "Maximum Range" und mit 130-kWh-Strombehälter als "X Plaid". Dessen Spitzenleistung dank zweier E-Motoren hinten und einem vorne: völlig abgehobene 1020 PS. Die Tri-Motor-Allradplattform mit Drehmomentverteilung katapultiert die bis zu sieben Passagiere in dem 2,5-Tonner in nur 2,6 Sekunden auf 100 km/h und macht ihn 262 Sachen schnell.

Bis zu zehn Teraflops Rechenleistung ermöglichen laut Tesla "das Spielen im Auto auf gleichem Niveau der neuesten Spielkonsolen". Dazu kommen Bluetooth-, kabelloses und USB-C-Laden für mehrere Geräte pro Passagier, ein 960-Watt-Audiosystem mit 22 Lautsprechern und Active Road Noise Reduction. Eine Dreizonen-Temperaturregelung, belüftete Vordersitze und HEPA-Luftfilter sind serienmäßig installiert. Neu ist auch das jetzt quer angebrachte 17-Zoll-Display. Die Preise des auch aerodynamisch optimierten US-SUV: ab 105.990 Euro (Maximum Range) und ab 116.990 Euro (X Plaid).

Technische Daten und Preise (aktuelle Versionen)

Technische Daten (Herstellerangaben)

Tesla Model X Maximum Range (ab 06/22)

Tesla Model X Plaid (ab 06/22)

Motorart

Elektro

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

493

750

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

670

1.020

Drehmoment (Systemleistung)

n.b.

n.b.

Antriebsart

Allrad

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

3,9 s

2,6 s

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h

262 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

560 km

536 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

0 g/km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

100,0

130,0

Kofferraumvolumen normal

425 l

425 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.497 l

2.497 l

Leergewicht (EU)

2.352 kg

2.455 kg

Zuladung

n.b.

n.b.

Anhängelast ungebremst

n.b.

n.b.

Anhängelast gebremst 12%

2.268 kg

2.268 kg

Garantie (Fahrzeug)

4 Jahre oder 80.000 km

4 Jahre oder 80.000 km

Länge x Breite x Höhe

5.036 mm x 1.999 mm x 1.684 mm

5.036 mm x 1.999 mm x 1.684 mm

Grundpreis

105.990 Euro

116.990 Euro

ADAC Messwerte (Model X 100 D)

ADAC Messwerte (Auszug)

Tesla Model X 100D

Überholvorgang 60-100 km/h

2,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,4 m

Wendekreis

12,9 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

24,0kWh/100 km, 139 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

450 km

Innengeräusch bei 130 km/h

67,8 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

2.500 / 579 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

660 / 720 / 955 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Tesla Model X 100D

Karosserie/Kofferraum

2,4

Innenraum

2,3

Komfort

2,0

Motor/Antrieb

0,9

Fahreigenschaften

2,2

Sicherheit

2,1

Umwelt/Ecotest

1,7

Gesamtnote

1,9

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

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