Nur noch als Gebrauchter: Der VW e-Up im ADAC Test

VW e-Up fahrend auf der Straße
Der VW e-Up im ADAC Test ∙ © Volkswagen

Der VW e-Up wurde dank Umweltprämie zum absoluten E-Auto-Schnäppchen – und für alle Interessenten zum großen Ärgernis. Wegen der großen Nachfrage war er zunächst kaum zu haben, dann wurde er komplett eingestellt. ADAC Test, Daten, Bilder.

  • Mini-Stromer nur noch als Gebrauchter zu haben

  • Reichweite im ADAC Test: 220 Kilometer mit 32-kWh-Batterie

  • Ideales Stadtauto mit 83 PS

  • Manko: Nur drei Sterne im Crashtest

Ein praktisches Stadtauto war der VW Up mit seinen gerade einmal 3,60 Metern Länge schon immer. Doch gerade die Elektroversion galt lange Zeit als eher unattraktiv: Der Stromer war rund zweieinhalbmal so teuer wie der vergleichbare Benziner – und nach höchstens 160 Kilometern war der 18,7-kWh-Akku leer. Im Winter und bei schneller Fahrt auch deutlich früher.

Gute Reichweite in der Stadt

gelber VW e-Up fahrend von hinten
VW e-Up: Fünf Türen sind Serie ∙ © Volkswagen

Das unbefriedigende Preis-Leistungsverhältnis hatte sich zur Freude vieler potenzieller Käufer im Jahr 2020 erledigt. Der Grundpreis wurde um fast 5000 auf 21.421 Euro gesenkt und aufgrund der E-Auto-Förderung wurde der e-Up zum absoluten Elektro-Schnäppchen. Doch dann nahm der Hersteller den City-Stromer wegen zu großer Nachfrage "temporär aus dem Bestellprogramm". Die Lieferzeit lag zwischenzeitlich bei 16 Monaten. Bis in die zweite Jahreshälfte 2021 hinein wurden die bestellten Fahrzeuge abgearbeitet. Was zu der eigenartigen Situation führte, dass im Mai 2021 ein gar nicht bestellbares Modell laut Kraftfahrtbundesamt mit 2819 Exemplaren die Elektro-Neuzulassungsliste anführte.

Ob und wann der Konfigurator wieder geöffnet werden würde, ließ man in Wolfsburg zunächst offen. Inzwischen ist längst klar: Der e-Up wird nicht mehr produziert. Sein Nachfolger wurde als Studie ID. Life auf der IAA in München vorgestellt. Als VW ID. 2 soll er 2025 debütieren - und vielleicht kommt ja auch noch ein ID. 1.

Deutschen e-Up-Interessenten hilft das allerdings nicht weiter. Sie müssen sich jetzt zwangsweise auf dem Gebrauchtmarkt umschauen oder auf Alternativen wie den Renault Twingo Electric oder den Dacia Spring umsteigen. Was sie besonders ärgert: Der Run auf den kleinsten VW war keineswegs überraschend. Denn der Akku des e-Up hat 32,3 kWh Kapazität und ermöglicht nach realitätsnaher WLTP-Norm 260 Kilometer Reichweite. Im ADAC Test schaffte der Elektro-Up 220 Kilometer – also etwa gleich viel wie ein baugleicher Seat Mii electric, der bei gemischter Fahrt auf 215 Kilometer kam. Für ein vornehmlich als Stadtauto genutztes Fahrzeug ist das o.k.

Dank des bereits ab der ersten Umdrehung anliegenden maximalen Drehmoments von 212 Nm schiebt der Elektro-Kleinstwagen bei Druck aufs Gaspedal fast verzögerungsfrei an und sorgt so für ein mehr als ausreichendes Spurtvermögen. Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h benötigt der elektrische VW Up im ADAC Test nur 7,1 Sekunden. Kaum ein anderes Fahrzeug in der Kleinstwagenklasse kann mit einem derartigen Elan punkten. Auch oberhalb von 100 km/h geht es nicht träge voran. Die abgeregelte Spitze von 130 km/h wird spielend erreicht.

Testverbrauch: Nur 16,7 kWh/100 km

Dabei hält sich der kleine Stromer beim Verbrauch zurück – artgerechte Fahrpedal-Nutzung vorausgesetzt. Der Durchschnittsverbrauch im ADAC Ecotest: 16,7 kWh/100 km, Ladeverluste inklusive. Um die leere Batterie vollzuladen, werden 36,7 kWh benötigt. Aus den 16,7 kWh/100 km errechnet sich nach dem aktuellen deutschen Strommix eine CO₂-Bilanz von 92 g/km. Innerorts gibt sich der Motor übrigens mit sehr niedrigen 11,4 kWh/100 km zufrieden.

In Summe steht der VW also gut da – mit insgesamt 97 Punkten erhält er als eines von wenigen Autos und wie sein baugleiches Pendant Seat Mii electric die vollen fünf Sterne im ADAC Ecotest.

Ladedauer mit 40 kW: Rund eine Stunde

gelber VW e-Up beim Laden
Die Schnellladefunktion via CCS-Stecker kostet Aufpreis ∙ © Volkswagen

Die Straßenlage ist tadellos und zum guten Eindruck trägt auch das weniger synthetische Bremsgefühl als bisher bei. Die Rekuperation (Energierückgewinnung) lässt sich in vier Stufen einstellen, allein mit dem Strompedal wie etwa der Nissan Leaf ist der e-Up aber nicht zu verzögern. Die Bremse braucht es nach wie vor. Wer gelassen fährt, wird normalerweise meist nur die Ladesäule im Büro oder daheim benötigen, doch auch eine Schnellladefunktion ist optional an Bord. Via CCS-Stecker zieht der kleine Wolfsburger an Schnellladesäulen bis zu 40 kW. Eine 80-Prozent-Ladung wäre dann laut VW in rund einer Stunde erledigt. Dabei ist die erreichbare Ladeleistung stark vom aktuellen Ladestand abhängig.

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Ab Werk an Bord ist ein Radio mit Bluetooth-Schnittstelle und eine solide Docking-Station für das Smartphone. Das fungiert als zentrales Infotainment-System im e-Up. Per serienmäßiger "maps + more"-App und optionaler "We Connect"-App lässt sich damit sogar das Laden starten, stoppen und programmieren. Sehr praktisch: Auch Heizung und Klimaanlage können per App ferngesteuert werden. Das ist sinnvoll, wenn der e-Up an der Ladeleine hängt und der Innenraum vor dem Start vorklimatisiert werden soll.

Weil die Batterie komplett im Unterboden untergebracht ist, gibt es keinerlei Einschränkungen beim Platzangebot. Für nur 3,60 Meter Länge ist der e-Up denn auch recht geräumig, sieht man vom bescheidenen Kofferraum (laut ADAC Messung 195 bis 800 Liter) einmal ab. Vorn finden Fahrer bis zu einer Größe von knapp 1,90 Metern genügend Beinfreiheit vor, die Breite ist etwas eingeschränkt. Im Fond muss man mit deutlich weniger Platz klarkommen. Bei 1,85 Meter großen Insassen vorn reicht die Beinfreiheit dahinter lediglich für rund 1,65-Meter-Menschen, dann stehen die Knie an den Vordersitzlehnen an.

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ADAC Test, Daten, Bilder

Schlecht: Der City-Notbremsassistent wurde gestrichen

VW e-Up Cockpit
Schlichter Innenraum mit Smartphone als Anzeigeinstrument ∙ © Volkswagen

Nicht bieten kann der e-Up die Armada an radar- und sensorgestützten Assistenzsystemen, die etwa der eine Klasse größere und wertiger verarbeitete VW Polo offeriert. Denn der kleinste Volkswagen steht noch auf einer alten Plattform, die den Einsatz von Abstandsregler und Co nicht zulässt. Immerhin spendiert VW dem e-Up einen aktiven Spurhalteassistenten. Schlecht: Die City-Notbremsfunktion musste weichen, weil die Kamera nicht beides bieten kann. Erst der Nachfolger des Up wird hier besser ausgerüstet sein. Dafür gibt es im ADAC Test nur die Note 4.

Enttäuschende Note beim Crashtest

Der VW Up erreicht wegen der fehlenden Notbremsfunktion nur 3 Sterne. Die Sicherheitsausstattung entspricht nicht den heutigen Erwartungen. So lassen sich beispielsweise die Sicherheitsgurte vorn nicht in der Höhe justieren, es gibt nur kombinierte
Seiten-Kopfairbags vorn und hinten, außerdem fehlen im Fond sowohl Gurtstraffer als auch Gurtkraftbegrenzer.

Immerhin ist der Insassenschutz gut, das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder ist mittel bis sehr gering. Der e-Up ist mit einem aktiven Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. Die Hochvolttechnik wird beim Crash automatisch abgeschaltet, die Antriebsbatterie bleibt unbeschädigt.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Fazit: Der Elektro-Up wäre ein tolles Stadtauto

Dank der Umweltprämie wäre der e-Up ein absolutes Schnäppchen-Angebot für den City-, Pendel- oder Zweitwageneinsatz – wenn er denn noch gebaut würde. Kein Trost für verprellte Interessenten ist die Tatsache, dass auch die Konkurrenz aus dem eigenen Haus in Gestalt der technisch weitestgehend identischen Modelle Škoda Citigo e iV und Seat Mii electric nicht mehr angeboten wird.

Hier können Sie den ausführlichen Test des VW e-Up Style als PDF herunterladen
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VW e-Up: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW e-Up

Motor

Elektromotor, 61 kW/82 PS, 210 Nm bis 2800 U/min

Batteriekapazität (netto)

32,3 kWh

Reichweite nach WLTP

260 km

Fahrleistungen

11,9 s auf 100 km/h, 130 km/h Spitze

Verbrauch

12,7 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Maße

L 3,56 / B 1,65 / H 1,48 m

Kofferraum

251 – 941 l

Preis

nicht mehr bestellbar

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

VW e-Up Style

Überholvorgang 60-100 km/h

7,1 s

Bremsweg aus 100 km/h

38,2 m

Wendekreis

10,4 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

16,7 kWh/100 km, 92 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

220 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,3 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1188 / 342 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

195 / 430 / 800 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

VW e-Up Style

Karosserie/Kofferraum

3,4

Innenraum

3,2

Komfort

3,2

Motor/Antrieb

1,5

Fahreigenschaften

2,8

Sicherheit

3,8

Umwelt/Ecotest

1,2

Gesamtnote

2,7

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Text mit Material von SP-X