Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

Seat Mii electric: Billigheimer oder mehr?

Seat Mii electric fahrend in der Stadt
Erste Ausfahrt mit dem Seat Mii Electric in Madrid. ∙ © Seat

Günstiger geht's kaum: Den Seat Mii gibt es mit Umweltbonus bald für weniger als 15.000 Euro – mit einer Reichweite von bis zu 260 Kilometer. Das klingt, als hätte die Sache einen Haken. Fahrbericht mit allen Infos, Daten und Termin für den Händlerstart

  • Elektroversion des Seat Mii ersetzt den Benziner

  • 32,3-kWh-Batterie sorgt für 260 km Reichweite im WLTP

  • Nach Abzug des aktuellen Fördergelds 16.270 Euro, demnächst weitere 2000 Euro Umweltbonus

Jetzt hat auch Seat ein Elektroauto:  Aus dem konventionellen Mii wird der Mii electric. Mit Erscheinen der Elektro-Version werden die Verbrenner eingestellt. Der Mii electric bringt dafür eine alltagstaugliche Reichweite mit und eine recht gute Serienausstattung. Den Preis für die Elektro-Variante gibt der Hersteller mit 20.650 Euro an. Inklusive der aktuell gültigen Fördergelder liegt man dann nur noch bei rund 16.270 Euro. Und sobald der Umweltbonus aufgestockt ist, werden dem Kunden weitere 2000 Euro erlassen. Günstiger geht's derzeit nicht. 

Im Leasing wird das Auto schon heute für 145 Euro monatlich angeboten. Das Angebot ist ein Kampfpreis. Die Leasing-Sonderzahlung von 2000 Euro wird von der anteiligen Umweltprämie des Staates abgedeckt. Nach 36 Monaten hat man lediglich 5220 Euro Leasingraten gezahlt. Plus der Versicherungsprämien, versteht sich. Das ist verdammt verlockend. Zumal darüber hinaus die Wartungskosten für den elektrischen Kleinwagen im Vergleich zu einem Benziner um 30 Prozent geringer ausfallen.

Bei aller Euphorie angesichts des Preises muss man sich trotzdem fragen, was man von dem kleinen Elektroflitzer erwarten darf und was möglicherweise auf der Strecke bleibt. Um das herauszufinden, durften wir den Seat Mii electric im Großraum Madrid ausprobieren – ein Terrain, das für solche Autos quasi maßgeschneidert ist.

Beim Einsteigen fällt das in hellem Grau leuchtende Armaturenbrett ins Auge. Die glatte Kunststoffoberfläche mit dem zarten Strichmuster sortieren wir unter der Rubrik Geschmackssache ab. Ähnliches gilt für die neu gestaltete Bedieninsel mit den Klimafunktionen sowie den Tasten für die Heckscheibenheizung und so weiter. Und siehe da: Ein Navigationssystem ist nach wie vor nicht an Bord. Stattdessen thront über der Bedieninsel eine Universalhalterung für das Smartphone. Die Platzierung ist insofern gut gewählt, weil sich dahinter ein großer Luftausströmer für die notwendige Kühlung des Smartphone-Akkus befindet. Der wird nämlich schnell heiß, wenn das Navi aktiviert ist.

Allein an diesem Beispiel zeigt sich das Bemühen, den Preis für das Auto niedrig zu halten. Und warum sollte man nicht das eigene Smartphone nutzen, wenn man das Gerät sowieso immer bei sich hat. Des weiteren lässt sich auf dem Smartphone eine App installieren, die von überall her darüber Auskunft gibt, welchen momentanen Ladezustand der Akku besitzt oder es ermöglicht, den Innenraum vorzuklimatisieren. Gut und günstig – das passt. 

Weniger gut ist die Anmutung der verwendeten Materialien. Hartplastik rundherum verströmt dann doch eher das Flair eines Billigheimers. Die vorderen Sitze mit den integrierten Kopfstützen setzen sich dagegen optisch wohltuend ab. Dass Erwachsene im Fond des nur 3,56 Meter langen Seat Mii wenig Kniefreiheit genießen und dass der Kofferraum nur rund 250 Liter Volumen hat, wird niemanden böse überraschen und enttäuschen.

Die Motorleistung reicht vollkommen aus

Unterwegs dauert es nicht lang, bis dem Fahrer das Gefühl beschert ist, dass weniger auch mehr sein kann.  Die im Vergleich zu anderen Elektroautos relativ bescheidenen 61 kW bzw. 83 PS des Seat Mii machen einen wohltuend unaufgeregten und doch vollkommen zufrieden stellenden Eindruck. Und einschläfernd wird es dank immerhin 212 Nm Drehmoment nie. Okay, auf der Autobahn macht der Seat bei Tempo 130 km/h Schluss. Aber braucht man mehr Geschwindigkeit auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen? Wohl kaum.

Auf der Landstraße avanciert der Seat Mii electric sogar zum von anderen Verkehrsteilnehmern unterschätzten Flitzer. Über die Ausgewogenheit des Fahrwerks, sprich den Federungskomfort dieses Kleinwagens, könnte man geradezu ins Schwärmen geraten. Und mit seinem Wendekreis von nur rund zehn Metern und beim Einfädeln in enge Parklücken macht ihm in der Stadt auch keiner so leicht etwas vor.  

Bleibt die Frage nach der realistischen Reichweite. Aufgrund des immerhin 32 kWh großen Akkus soll der Seat im Drittelmix 260 Kilometer schaffen. Das entspräche einem Verbrauch von rund 15 kWh pro 100 Kilometer. Am Ende der Fahrt in und um Madrid zeigte der Bordcomputer 13,4 kWh. Anders gesagt: Bei unserem Streckenprofil und mithilfe der zurückhaltenden Fahrweise wäre also sogar mehr als die angegebene Reichweite möglich gewesen.  

Allerdings muss man wissen: Eine solche Reichweite ist nur dann realistisch, solange der Innenraum weder geheizt noch gekühlt werden muss. Wird die Klimaanlage zugeschaltet, reduziert sich die Reichweite je nach Außentemperatur erheblich. Eine Wärmepumpe, die das ausgleichen könnte, gibt es nicht für den Seat Mii electric. Aber wie auch, bei dem Preis?!

Für eine Probefahrt steht das Auto ab Mitte Februar beim Seat-Vertragshändler bereit.  

Technische Daten (Herstellerangaben)Seat Mii electric
AntriebElektromotor, 61 kW/83 PS, 212 Nm max. Drehmoment
Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP32,3 kWh (netto) / 250 – 259 km
LadeleistungAC: bis 7,2 kW; DC: bis 40 kW
Fahrleistungen12,3 s auf 100 km/h, 130 km/h Spitze
MaßeL 3,56 / B 1,65 / H 1,48 m
Leergewicht1235 kg
Kofferraum250 – 923 l
Garantie auf den Akku8 Jahre oder 160.000 km ( 70 % der Kapazität)
Preisab 20.650 € / Leasing 145 € monatl.