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Der ADAC

Seat Mii electric: Ausverkauft

Seat Mii electric fahrend in der Stadt
Der Seat Mii electric ist ein ideales Stadtauto ∙ © Seat

Abzüglich der neuen Kaufprämie würde der Seat Mii electric weniger als 12.000 Euro kosten – wenn er denn noch verfügbar wäre. Im ADAC Test zeigte er diese Qualitäten

  • Elektroversion des Seat Mii ersetzt den Benziner

  • 32,3-kWh-Batterie für 260 Kilometer Reichweite im WLTP

  • Enttäuschung für Kunden: Das Fahrzeug ist praktisch ausverkauft

Das Frohlocken der Kunden war von kurzer Dauer: Aus dem konventionellen Mii wurde Anfang 2020 der Mii electric. Der Preis für die Elektro-Variante lag bei 20.650 Euro – inklusive der Fördergelder war der Elektro-Seat also für weniger als 15.000 Euro erhältlich. Im Leasing wurde das Auto für 145 Euro monatlich angeboten. Im Juni 2020 kamen die neuen, nochmals erhöhten Fördersätze. Dadurch kostet das Auto den Kunden nicht einmal mehr 12.000 Euro.

Der Traum der Kunden ist inzwischen geplatzt. Grund: Der Seat Mii electric ist nicht mehr bestellbar. Seat verweist lediglich darauf, dass vielleicht bei dem einen oder anderen Händler noch ein Fahrzeug zu erwerben sei.

Beim Einsteigen fällt das in hellem Grau leuchtende Armaturenbrett ins Auge. Die glatte Kunststoffoberfläche mit zartem Strichmuster ist Geschmackssache. Ähnliches gilt für die neu gestaltete Bedieninsel für Klimaanlage und Radio. Ein Navigationssystem ist übrigens nach wie vor nicht an Bord. Stattdessen thront über der Bedieninsel eine Universalhalterung für das Smartphone. Die Platzierung ist insofern gut gewählt, weil sich dahinter ein großer Luftausströmer für die Kühlung des Smartphone-Akkus befindet. Der wird nämlich schnell heiß, wenn das Navi aktiviert ist.

Eine Billiglösung, aber warum auch nicht: Das eigene Smartphone hat man sowieso bei sich, und viele trauen Google Maps ohnehin mehr zu als einem eingebauten Navi. Zudem lassen sich über eine Smartphone-App etwa der momentane Ladezustand der Antriebsbatterie checken und der Innenraum vorzuklimatisieren, auch wenn man nicht in der Nähe des Autos ist. 

Seat Mii: Kleiner Kofferraum, vorn ausreichend Platz

Weniger gut ist die Anmutung der verwendeten Materialien. Hartplastik rundherum verströmt das Flair eines Billigautos. Störend ist auch, dass sich das Lenkrad nur in der Höhe an den Fahrer anpassen lässt, eine Justierung in der Horizontale ist nicht möglich. Zu viel gespart hat man auch bei der Kofferraumverkleidung. Der Kofferraum ist nur spärlich ausgekleidet, wodurch die lackierten Blechteile schnell verkratzen. Die lackierte Ladekante ist ungeschützt, beim Ein- und Ausladen holt man sich schnell unschöne und auf Dauer problematische Kratzer, weil der Korrosionsschutz verloren geht. Auch die Türen zeigen unverkleidetes Blech in Wagenfarbe.

Dass Erwachsene im Fond des nur 3,56 Meter langen Seat Mii wenig Kniefreiheit genießen, und dass der Kofferraum nur gemessene 195 Liter Volumen aufweist (umgeklappt bis zu 800), wird niemanden böse überraschen. Der Mii ist eben ein Kleinstwagen. Vorn überrascht der große Verstellbereich der Sitze. Bis 1,90 Meter Körpergröße bekommt man keine Probleme. Die kurze Karosserie hat beim Rangieren natürlich handfeste Vorteile: Mit seinem Wendekreis von exakt zehn Metern und beim Einfädeln in enge Parklücken macht dem Mii in der Stadt keiner so leicht etwas vor.   

Die Motorleistung reicht vollkommen aus

Unterwegs dauert es nicht lang, bis der Fahrer das Gefühl bekommt, dass weniger auch mehr sein kann. Die im Vergleich zu anderen Elektroautos relativ bescheidenen 61 kW/83 PS des Seat Mii machen einen wohltuend unaufgeregten und doch vollkommen zufriedenstellenden Eindruck: Die Beschleunigung geht zügig und gleichmäßig von statten, 212 Nm Drehmoment sorgen für spürbaren Schub.

Auf der Landstraße macht der Seat Mii electric sogar richtig Laune! Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h benötigt der Mii electric nach ADAC Messungen nur 7,2 Sekunden – kaum ein anderes Fahrzeug in der Kleinstwagenklasse hat so ein Spurtvermögen. Die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h wird spielend erreicht. Braucht man mehr Tempo auf dem Weg zur Arbeit oder zum Einkaufen? Wohl kaum.

An der komfortablen Federung könnten sich manch andere Kleinstwagen eine Scheibe abschneiden – die Fahrwerksabstimmung darf als gelungen bezeichnet werden. Die gute Auslegung zeigt sich auch beim ADAC Ausweichtest. Der Mii durchfährt den Parcours flink, souverän und gut beherrschbar und lässt sich präzise steuern. ESP regelt bedarfsgerecht, so dass der Mii stets gut beherrschbar bleibt.

17,3 kWh Testverbrauch, 215 km Reichweite

Bleibt die Frage nach der realistischen Reichweite. Aufgrund des 32 kWh großen Akkus soll der Seat laut Hersteller 260 Kilometer schaffen. Das ist nicht unrealistisch, vorausgesetzt man fährt vornehmlich bei überschaubarem Tempo in der Stadt. Dort verbraucht der Mii electric nämlich am wenigsten, wie der realitätsnahe ADAC Ecotest ermittelt hat: 11,7 kWh sind im städtischen Umfeld sehr genügsam.  

Im gemischten Betrieb des ADAC Ecotest, der auch einen Autobahnanteil beinhaltet, kam der Mii allerdings auf einen Durchschnittsverbrauch von 17,3 kWh auf 100 Kilometer. Das ist für ein Elektroauto immer noch ein guter Wert, doch es offenbart sich ganz klar, wo der Mii electric zum Stromfresser wird: Auf der Autobahn. Hier hat der ADAC einen Verbrauch von 21,1 kWh ermittelt. So zeigt sich auch daran: Der Mii ist am besten in der Stadt aufgehoben!

Legt man den Durchschnittsverbrauch zugrunde und zieht die eingerechneten Ladeverluste ab, ergeben sich nach dem ADAC Ecotest 215 Kilometer Reichweite. Kein Rekordwert, aber bei einem Elektroauto dieser Preisklasse durchaus respektabel. Einem vergleichbaren Smart EQ geht bereits nach 112 Kilometern der Strom aus.

Seat Mii electric, VW e-up und Skoda Citigo iV im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Volkswagen

Fünf Sterne im ADAC Ecotest

Insgesamt bekommt der Seat Mii electric im ADAC Ecotest volle fünf Sterne und gehört damit zu den saubersten Fahrzeugen überhaupt, selbst wenn ihm – wie bei der ADAC Umweltbewertung üblich – die Emissionen aus dem deutschen Kraftwerksmix angelastet werden. Dann kommt der Mii auf 95 g CO₂/km.

Und die Ladezeiten? Für eine Schnelllademöglichkeit via CCS-Stecker verlangt Seat 600 Euro extra – das sollte bei einem E-Auto eigentlich dabei sein. Trotz der begrenzten Ladeleistung von 40 kW kann der Akku damit in rund 40 Minuten auf 80 Prozent Füllstand kommen. Beim Wechselstromladen an "normalen" Ladesäulen oder einer Wallbox zu Hause ist die Leistung sogar auf 7,2 kW begrenzt, so dass sich ein komplett leerer Akku fünf Stunden für eine volle Ladung Zeit ließe.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Seat Mii electric als PDF herunterladen
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Technische Daten (Herstellerangaben)Seat Mii electric Plus

Antrieb

Elektromotor, 61 kW/83 PS, 212 Nm max. Drehmoment

Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP

32,3 kWh (netto) / 250 – 259 km

Ladeleistung

AC: bis 7,2 kW; DC: bis 40 kW

Fahrleistungen

12,3 s auf 100 km/h, 130 km/h Spitze

Maße

L 3,56 / B 1,65 / H 1,48 m

Leergewicht

1235 kg

Kofferraum

250 – 923 l

Garantie auf den Akku

8 Jahre oder 160.000 km ( 70 % der Kapazität)

Preis

21.775 €; Modellreihe ab 20.650 € / Leasing 145 € monatl.

ADAC Messwerte (Auszug)Seat Mii electric Plus

Überholvorgang 60-100 km/h

7,2 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,7 m

Wendekreis

10,0 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

17,3 kWh/100 km , 95 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*****

Reichweite

215 km

Innengeräusch bei 130 km/h

69,1 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1190 / 340 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

195 / 430 / 800 l

ADAC TestergebnisSeat Mii electric Plus

Karosserie/Kofferraum

3,4

Innenraum

3,3

Komfort

3,2

Motor/Antrieb

1,6

Fahreigenschaften

2,6

Sicherheit

3,8

Umwelt/Ecotest

1,3

Gesamtnote

2,7

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet