Werden günstige Kleinwagen Mangelware?

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Von Jochen Wieler

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Seat Mii, Citroen C1 und Renault Twingo auf grauem Hintergrund
Viele bezahlbare Klein- und Kleinstwagen sind aus dem Straßenbild verschwunden© Seat, Citroen, Renault [M]

Das Angebot an Klein- und Kleinstwagen ist inzwischen überschaubar – und die verbliebenen Modelle sind teuer geworden. Einzig bei Elektro-Kleinwagen ist ein positiver Trend zu beobachten. Alle Infos.

  • Geringes Angebot an bezahlbaren Kleinwagen

  • Enorme Preissprünge in den letzten Jahren

  • Positiv: Mehr preiswertere Elektro-Kleinwagen erhältlich

Die Preise für Neuwagen sind in den letzten Jahren erheblich angestiegen. Was im Luxussegment wohl die wenigsten treffen wird, ist vor allem im Kleinst- und Kleinwagensegment schmerzlich. Hier sitzt der Euro bei Weitem nicht so locker: Viele Autokäufer sind auf günstige Einstiegsmodelle angewiesen, um mobil zu bleiben.

In den letzten Jahren hat sich die Autoindustrie allerdings eher auf größere Fahrzeuge konzentriert, weil diese höhere Gewinnmargen aufweisen, und etliche Kleinwagenmodelle aus dem Programm genommen. Und hat ein Hersteller noch Klein- oder Kleinstwagen im Angebot, wurden diese so verteuert, dass die Marge eben doch stimmt. Der Kunde muss nehmen, was da ist.

Günstige Kleinwagen wurden eingestellt

BMW i3 an einer Ladesäule
Selbst der elektrische Kleinwagen BMW i3 hatte keine Zukunft mehr© BMW

Ford Ka+ und Fiesta, Opel Karl und Adam, Citroën C1, Peugeot 108, Hyundai i10, Škoda Citigo, Seat Mii, Mitsubishi Space Star und sogar der elektrische BMW i3 – all diese Kleinst- und Kleinwagen gibt es nicht mehr.

Warum? Die Hersteller sagen, schon das Erreichen der Euro-6-Abgasnormen wäre mit hohen Entwicklungskosten verbunden gewesen, die sich über Verkäufe nicht amortisiert hätten. Auch mit der Sicherheit argumentieren die Hersteller: Eine Sicherheitsausstattung, wie sie vom Euro-NCAP-Programm und der EU gefordert werden, koste viel Geld – das müsse man an die Käuferinnen und Käufer weitergeben.

Preisanstieg bei Verbrenner-Kleinwagen

Heck und Seitenansicht eines stehenden Opel Corsa nach Facelift
Opels Kleinster, der Corsa, ist teurer geworden© Opel

Ein gutes Beispiel, wie besonders Kleinwagen mit Verbrennungsmotor immer teurer geworden sind, ist der Opel Corsa. 2013 gab es einen Basis-Corsa für 11.980 Euro, 13 Jahre später kostet er 22.890 Euro, also rund 11.000 Euro mehr. Das entspricht einer Preissteigerung um satte 94,8 Prozent. Selbstredend haben sich Technik, Ausstattung und Sicherheitsniveau in dieser Zeit verbessert. Doch lässt sich damit wirklich der exorbitante Anstieg erklären?

Kein Einzelfall. So hat sich der durchschnittliche Preis der Basismodelle aller Kleinwagen mit Verbrennungsmotoren von 13.244 Euro im Jahr 2013 auf 25.357 Euro im Jahr 2025 erhöht. Immerhin: 2026 geht die Kurve leicht nach unten, auf einen Durchschnittswert von 24.117 Euro. Trend oder Eintagsfliege? Das wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Berücksichtigt wurden in den Grafiken alle Modelle in der Kleinst- und Kleinwagenklasse mit allen Karosserievarianten, also auch Kleinwagen-SUVs wie ein VW T-Cross, Hyundai Bayon oder Ford Puma, davon jeweils das günstigste Einstiegsmodell.

Beispiele: Verbrenner-Preise Kleinwagen 2020 vs. 2026

Besonders seit 2020 sind die Preise nach oben gegangen. Ein paar Beispiele aktueller Kleinwagen:

Basis-Modell (Verbrenner)Preis 2020 in EuroPreis 2026 in Euro

Peugeot 208

15.099

24.480

Opel Corsa

14.052

23.340

Mini 3-Türer

17.254

25.500

VW Polo

15.139

20.380

Quelle: Hersteller/ADAC e.V. Autokatalog

Preisentwicklung Elektro-Kleinwagen

Und wie sieht es bei den elektrischen Kleinwagen aus? Hier sind in den letzten Jahren einige erschwinglichere Modelle auf den Markt gekommen. Für um die 25.000 Euro werden zum Beispiel Fiat Grande Panda (ab 25.990 Euro), Hyundai Inster (ab 24.650 Euro), VW ID. Polo (ab 24.990 Euro), Škoda Epiq (ab 25.900 Euro) und BYD Dolphin Surf (ab 22.990 Euro) angeboten.

Erfreulich: Sogar um bzw. unter 20.000 Euro wird die Auswahl größer. Renault Twingo (ab 19.990 Euro), Citroën ë-C3 (ab 20.140 Euro), Dacia Spring (ab 16.900 Euro) und der Leapmotor T03 (ab 18.990 Euro) oder der kommende VW ID.1 sind hier zu nennen. Sie versprechen E-Mobilität zum günstigen Preis. Mit ihren kleinen Batterien sind sie eher für den urbanen Bereich und weniger als Langstreckenautos gedacht. Mit nunmehr 37 elektrischen Kleinwagenmodellen ist die Auswahl 2026 zudem größer geworden.

Der Preisanstieg für E-Kleinwagen war bis 2024 ähnlich wie bei den Verbrennern, 2025 gab es aber einen Knick nach unten, der sich 2026 fortgesetzt hat. Heute sprechen wir inklusive der elektrischen Kleinwagen-SUVs von einem Durchschnittspreis von 29.716 Euro. Verglichen mit dem Niveau des Jahres 2013 von 24.604 Euro ist das zwar erheblich mehr, fairerweise muss man erwähnen, dass die Reichweiten deutlich alltagstauglicher geworden sind. Mal sehen, wo die Reise in Zukunft hingeht, hoffentlich preislich weiter nach unten.

Berücksichtigt wurden in der Grafik alle Modelle in der Kleinst- und Kleinwagenklasse mit allen Karosserievarianten (z.B. Schrägheck, SUV etc.), davon jeweils das günstigste Einstiegsmodell.

Beispiele: E-Auto-Preise Kleinwagen 2020 vs. 2026

Während Peugeot über die Jahre kontinuierlich die Preise des e-208 erhöht hat und mittlerweile stolze 36.675 Euro verlangt, gibt es auch Modelle, bei denen die Preise gesunken sind. Kostete ein Fiat 500 Elektro 2024 noch 29.490 Euro, ist er nun für 25.990 Euro zu haben. Auch der Elektro-Mini wurde im Preis gesenkt. 2024 kostete das Basismodell noch 32.900 Euro, heute 27.500. Es geht also nicht nur in eine Richtung – und das ist gut so.

Basis-Modell (Elektroauto)Preis 2020 in EuroPreis 2026 in Euro

Fiat 500e

23.560

25.990

Peugeot e-208

29.682

36.675

Opel Corsa-e

29.146

30.440

Mini 3-Türer electric

31.681

27.500

Quelle: ADAC e.V. Autokatalog

Zusammenfassung

Die Anzahl der Klein- und Kleinstwagen mit Verbrennungsmotor schrumpft weiter, während es stetig mehr Elektrofahrzeuge in diesem Segment gibt. So ist unter dem Strich die Anzahl aller Kleinwagen 2026 im Vergleich zu den Vorjahren merklich gewachsen, nämlich auf 83 Modelle. Die Verschiebung in Richtung Elektroantrieb wird sich in den kommenden Jahren weiter fortsetzen. Die schlechte Nachricht: Insgesamt ist das Preisniveau hoch geblieben.

Berücksichtigt wurden in den Tabellen alle Modelle in der Kleinst- und Kleinwagenklasse mit allen Karosserievarianten (z.B. Schrägheck, SUV etc.), davon jeweils das günstigste Einstiegsmodell.

Welche Kleinwagen werden noch gebaut?

Welche Klein- und Kleinstwagen in all ihren Ausführungen aktuell erhältlich sind, können Sie unter dem folgenden Link im ADAC Autokatalog abrufen. Dort sind auch alle technischen Daten und aktuellen Preise der verschiedenen Varianten dargestellt.

Fazit: Autofahren muss bezahlbar bleiben

Selbstverständlich müssen alle Autos und auch Kleinwagen möglichst umweltfreundlich fahren. Ebenso wichtig ist eine gute Sicherheitsausstattung. Aber: Autofahren muss bezahlbar bleiben. Und wenn Kundinnen und Kunden schlichtweg kein Auto mehr zu einem leistbaren Preis bekommen, bleibt die individuelle Mobilität für immer mehr Menschen auf der Strecke.

Für viele ist ein preisgünstiger Kleinwagen lebenswichtig. Gerne auch ohne Schnickschnack und Chichi, mit kleinem Motor oder billigeren Materialien. Ganz verschwinden dürfen günstige Kleinwagen aber nicht.

Fachliche Beratung: Denny Neumeister, ADAC Technik Zentrum