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Test Hyundai i10: Kleinstwagen mit Technik wie ein Großer

Hyundai i10 fahrend in der Kurve
Neuer Hyundai i10: Sieht dynamisch aus - und fährt auch so ∙ © Hyundai

Der Hyundai i10 der dritten Generation bleibt mit nur 3,67 Metern Länge ein ideales Stadtauto. Zugelegt hat er an Sicherheit, Technik und Platz. Die erste Testfahrt mit allen Daten und Preisen.

  • Mehr Radstand für mehr Platz

  • Zwei Dreizylinder-Benziner mit 67 und 84 PS

  • Zahlreiche Assistenzsysteme serienmäßig

  • Preis: ab günstigen 10.990 Euro

Kleinstwagen mit Verbrennungsmotor? Gibt's fast nicht mehr: Die verschärften Abgas- und
CO2-Vorgaben machen Kleinstwagen mit entsprechender Abgastechnik deutlich teurer – und das lohnt sich für viele Autobauer nicht mehr. Wenn überhaupt noch Kleinstwagen angeboten werden, dann wie der smart oder die baugleichen Drillinge VW up!, Seat mii und Skoda Citigo nur noch rein batterieelektrisch.

Gut, dass Hyundai anders denkt und die Klasse für Verbrenner nicht ganz aufgibt. Für Jürgen Keller, den deutschen Geschäftsführer des koreanischen Unternehmens, ist das selbstverständlich: "Während andere Hersteller das Kleinstwagen-Segment verlassen, zeigen wir mit dem neuen i10 ein klares Bekenntnis zu dieser Klasse. Wir sehen weiterhin eine große Nachfrage unserer Kunden nach konventionell angetriebenen Kleinstwagen."

Seit 2008 entschieden sich immerhin 225 000 deutsche Käufer für den koreanischen Kleinstwagen. Ob auch die dritte Generation, die im türkischen Izmit produziert wird, an den Erfolg anzuknüpfen kann, sollen die ersten Testfahrten rund um Lissabon zeigen.

Hyundai i10: Fünf Türen sind Serie

Seine Länge ist sein Erfolgsgeheimnis. Denn vor allem Städter brauchen oft kein großes Auto und sind bei der Parkplatzsuche über jeden gesparten Zentimeter Länge froh. Der neue Hyundai i10 belässt es daher bei den stadttauglichen 3,67 Metern Länge des Vorgängers. Zum Vergleich: Der Kleinstwagen-Konkurrent VW Up ist mit 3,60 m zwar noch etwas kürzer, der VW Polo als "normaler" Kleinwagen mit 4,05 m aber schon wesentlich länger.
Weil der Koreaner allerdings zwei Zentimeter niedriger und zwei Zentimeter breiter geworden ist, ergeben sich zumindest optisch neue Proportionen – und das lässt den Mini deutlich präsenter wirken.

Doch an den klassentypisch eher überschaubaren Platzverhältnissen ändert das wenig. Immerhin wird der i10 standardmäßig als Fünftürer ausgeliefert, so dass die Fondpassagiere gut einsteigen können und auch die Montage eines Kindersitzes ohne Verrenkungen möglich ist.

Für einen deutlichen Platzgewinn im Innenraum sorgt der im Vergleich zum Vorgänger um vier Zentimeter auf knapp 2,43 Meter angewachsene Radstand. Die Beinfreiheit der Fondpassagiere ist für ein Auto dieses Formats deshalb überraschend üppig. Auch vorne sitzt man großzügig, allerdings könnte sich mancher Fahrer für eine bequemere Sitzposition ein längsverstellbares Lenkrad wünschen.

Das Kofferraumvolumen ist mit 252 Litern für einen Kleinstwagen großzügig, die Ladekante liegt nun auch knapp drei Zentimeter tiefer. Nur schade, dass die Rückbank nicht verschiebbar ist, dann wäre der Innenraum noch variabler nutzbar. Die Rückenlehnen können zwar einzeln geklappt werden, doch es bleibt eine relativ hohe Ladestufe im dann 1050 Liter fassenden Gepäckabteil.

Besonders lobenswert ist, dass der Hersteller die Übersichtlichkeit verbessert hat. Die Gürtellinie wurde vorn um 11 Millimeter und hinten um 13 abgesenkt, die C-Säule fällt schmaler aus. Das kommt der Rundumsicht zugute – bei einem Stadtauto ein echtes Plus an Sicherheit.

Vorbildlich: Umfassende Assistenzsysteme

Eine ganz klare Stärke aller Hyundai- und Kia-Modelle ist die leichte und logische Bedienbarkeit. Und da macht auch der i10 keine Ausnahme: Dreh- und Drückschalter sind dort, wo man sie vermutet, recht viele Tasten am Lenkrad, die aber trotzdem leicht durchschaubar sind, klar ablesbare Instrumente und – ab der Trend-Ausstattung – ein 8-Zoll-Farb-Touchscreen inklusive Android Auto und Apple Car Play.
Beim Trend bietet Hyundai zwei Optionspakete an: Das Navigations-Paket (Navi mit Rückfahrkamera, Verkehrszeichenerkennung sowie dem Telematiksystem Bluelink) für 1250 Euro und das Komfort-Paket mit Klimaautomatik, kabelloser Ladefunktion für Smartphones, Armlehne, und höhenverstellbarem Kofferraumboden für 500 Euro.

Schon Serie in allen Ausstattungsvarianten ist ein umfangreiches Assistenz-Paket. So verfügen alle i10 ab Werk über einen aktiven Spurhalteassistenten, eine Geschwindigkeitsregelanlage mit Limiter, einen Fernlichtassistenten und einen Front-Kollisionswarner, der im Fall einer drohenden Kollision selbstständig eine Notbremsung einleitet – sogar mit Fußgängererkennung. Der Aufmerksamkeitsassistent warnt den Fahrer akustisch und visuell, wenn er Anzeichen einer Ermüdung registriert.

Motoren: Zwei Benziner mit 67 und 84 PS

Der neue Hyundai i10 geht mit zwei Benzinern an den Start, die schon im Vorgängermodell im Einsatz waren: Ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit 69 PS und ein 1,2-Liter-Vierzylinder mit 84 PS – jetzt aber serienmäßig mit einer Start-Stopp-Funktion und einem geringeren Verbrauch von höchstens 4,9 l/100 km. Beide Vierventil-Motoren sind für das kleine Stadtauto in punkto Leistungsentfaltung und Durchzugsvermögen eine gute und ausreichende Wahl. Wer allerdings mehr wert auf Komfort legt, sollte sich für den laufruhigen 1,2-Liter-Motor entscheiden: Der kleine 1,0-Liter muss naturgemäß mehr gedreht werden und wird dabei oft akustisch etwas aufdringlich.

Wer beim Fahren Spaß haben will, sollte bei beiden Motoren auf das optionale automatisierte Schaltgetriebe (700 Euro) besser verzichten: Unharmonische Schaltpunkte und extrem lange Schaltpausen erinnern unangenehm an die Getriebe, die anno 1994 in den ersten smart-Modellen verbaut waren. Das kann Hyundai eigentlich besser.

Mit der Behäbigkeit des Kleinstwagen-Urahns hat der i10 ansonsten nichts gemein: Mit der präzisen Lenkung, der gut abgestuften und leichtgängigen 5-Gang-Schaltung sowie dem straff-agilem Fahrwerk lässt sich der kleine Koreaner auf Stadt- und Landstraßen überaus wendig bewegen. Getrübt wird die gute Laune dann lediglich durch kurze Querfugen, die recht unwirsch an die Passagiere weitergegeben werden.

Das kleinste Hyundai-Modell wird je nach Ausstattungslinie als Vier- oder Fünfsitzer ausgeliefert. Die unteren Ausstattungslinien Pure und Select mit jeweils vier Sitzplätzen richten sich vor allem an diejenigen, die einen Zweit- oder Drittwagen suchen oder den i10 gewerblich nutzen wollen. Die umfangreicheren Ausstattungslinien Trend und Style fahren grundsätzlich als Fünfsitzer vor.

Preis: der Hyundai i10 kostet mindestens 10.990 Euro

Die Preise: 10.990 Euro kostet die Basisversion i10 Pure, die nur mit dem 69 PS-Motor angeboten wird. Die stärkere Version mit 84 PS ist ab 15.690 Euro zu haben, dann allerdings in der empfehlenswerten Trend-Ausstattung. Die Lieblingsfarbe der i10-Käufer sollte allerdings "Tomatenrot" sein, denn für "Solid white" oder jede andere Farbe verlangt Hyundai 250 bzw. 560 Euro Aufpreis. Und damit ist noch nicht die optionale Zweifarblackierung für das Dach in Rot und Schwarz gemeint: Die kostet noch einmal 450 Euro extra. Schön, dass immerhin die umfassende 5-Jahresgarantie noch kostenlos ist.

Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)1.0 (4-/5-Sitzer)1.2 (5-Sitzer)
Motor/Antrieb3-Zylinder-Benziner, 998 cm³, 49 kW/67 PS, 96 Nm bei 3750 U/min4-Zylinder-Benziner, 1197 cm³, 62 kW/84 PS, 118 Nm bei 4200 U/min
Fahrleistungen16,8/14,8 s auf 100 km/h, 147/156 km/h Spitze12,6 s auf 100 km/h, 171 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP)4,5/4,8 l Super/100 km, 122/126 g CO₂/km4,6-4,9 l Super/100 km, 117-132 g CO₂/km
MaßeL 3,67 / B 1,68 / H 1,48 mL 3,67 / B 1,68 / H 1,48 m
Kofferraum252 – 1050 l252 – 1050 l
Leergewicht / Zuladung993 / 489 kg1007 / 498 kg
Preisab 10.990/14.990 €ab 15.690 €