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Der ADAC

Opel Corsa im Test: Mit französischem Akzent

Opel Corsa fährt um Pylonen
Der neue Opel Corsa auf dem ADAC Testgelände ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Zeitenwende bei Opel: Der neue Corsa ist erstmalig unter dem Dach des PSA-Konzerns entstanden. Hat der Kleinwagen dadurch gewonnen? ADAC Test mit Daten, Messwerten, Video

  • Corsa 1.2 DI Turbo mit 100 und 130 PS im ADAC Test

  • Kein Raumwunder: kleinwagentypische Platzverhältnisse

  • Einstiegspreis: 13.990 Euro für Basisversion mit 75 PS

  • An Fahrdynamik hat der Corsa deutlich gewonnen

Mit dem Opel Corsa ist es so ähnlich wie mit dem VW Golf: Jeder hat schon mal einen gefahren oder kennt jemanden, der einen hat. Kein Wunder: Begleitet der kleine Rüsselsheimer doch bereits seit 1982 ganze Generationen von Autofahrern. In 37 Jahren wurden mehr als 13,6 Millionen Exemplare verkauft.

Nun steht Corsa Nummer sechs bei den Händlern – und ist kaum wiederzuerkennen: So sportlich hat noch kein Corsa ausgesehen! Doch ist er das auch? Oder täuscht die Optik? Welche Talente im neuen Modell schlummern, das komplett bei PSA (Peugeot/Citroën/DS/Opel) konstruiert wurde, klärt der ADAC Test des Opel Corsa mit 100 und 130 PS Benziner.

Ein Raumwunder ist der Corsa nicht

Weil der Corsa vier Zentimeter länger, aber fünf niedriger geworden ist, ergibt sich eine neue Statur. Das Auto wirkt zierlicher, und der Fahrer sitzt knapp drei Zentimeter tiefer als bisher. Das verlagert den Schwerpunkt nach unten und verbessert die Fahrdynamik, steht aber dem Trend entgegen, dass Autofahrer heute eigentlich höher sitzen wollen. Die flachere Karosserie hat beim Ein- und Aussteigen zudem den Nachteil, dass man sich leichter den Kopf stößt als etwa im vergleichbaren VW Polo.

Auch beim Raumangebot vollbringt der Corsa keine Wunder: Er bietet nicht mehr als die durchschnittlichen Platzverhältnisse eines Kleinwagens. Zwar lässt sich der Fahrersitz so weit zurückschieben, dass auch 1,95-Meter-Riesen gut hinters Lenkrad passen. Doch dann können im Fond nur noch Kinder sitzen. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, kommen hinten zumindest Mitfahrer bis 1,72 Meter klar.

Auch im vorderen Fußraum geht es eng zu: Die Fußablage für den Fahrer ist zu klein, und die Füße des Beifahrers stehen angewinkelt auf der schrägen Spritzwand. Und das kann auf langen Strecken etwas unangenehm sein. Gut dagegen: In den Kofferraum passen nach ADAC Messungen bis zur Abdeckung 250 Liter Gepäck. Damit ist er exakt so groß wie der des VW Polo und etwas größer als der des Ford Fiesta mit 225 Litern Stauraum.

Konventionelle Bedienung, gute Vernetzung

Besser punkten als bei der Raumausnutzung kann der Corsa auf anderen Gebieten. Zum Beispiel bei der einfachen Bedienung, die sich im Vergleich zum Vorgänger nicht grundlegend geändert hat. Mit der gelungenen Mischung aus analogen Tasten und Touchscreen-Steuerung sollte man nach kurzer Eingewöhnungszeit gut zurechtkommen. Hinter dem Lenkrad befinden sich serienmäßig noch ganz klassische, gut ablesbare Analoginstrumente, die den optionalen Digitalinstrumenten vorzuziehen sind: Letztere wirken ziemlich lieblos und unübersichtlich.

Im digitalen Zeitalter ist der Corsa auch ohne Mäusekino hinter dem Lenkrad längst angekommen. So kann das Smartphone kabellos geladen (135 € extra) und via Android Auto und Apple CarPlay perfekt in das Bordsystem inte­griert werden (Serie im getesteten GS-Line). Das Navi zeigt Live-Verkehrsdaten (drei Jahre kostenlos, danach als Abo).

Technisches Highlight ist das adaptive, blendfreie LED-Matrix-Licht, das – gegen Aufpreis – damit erstmals im Kleinwagensegment Einzug hält. Die insgesamt acht LED-Elemente werden von einer hochauflösenden Frontkamera der neuesten Generation gesteuert und passen den Lichtstrahl automatisch und kontinuierlich der jeweiligen Verkehrssituation und Umgebung an.

Elektronische Helfer wie Müdigkeitserkennung, Spurhalteassistent, Verkehrszeichenerkennung sowie ein automatisches Fußgänger-Notbremssystem befinden sich in jedem Corsa an Bord, selbst in der 75 PS starken Basis­variante für 13.990 €. Lobenswert.

Wer etwas mehr Leistung möchte, hat mit dem vom ADAC getesteten 100-PS-Corsa eine gute Alternative. Die steht ab 17.530 Euro in der Liste und bleibt damit erheblich unterhalb der derzeitigen Spitzenmotorisierung mit 130-PS-Dreizylinder. Die gibt es nämlich nur in der GS-Line-Ausstattung mit sportivem Anstrich und nur mit Automatikgetriebe. Das treibt den Preis auf 23.340 € – der sich mit weiteren Extras locker auf 30.000 € steigern lässt.

Gute Fahrleistungen, hohe Dynamik

Fahrspaß ist aber auch ohne Zusatzausstattung garantiert. Der Dreizylinder, der aus dem PSA-Regal stammt und unter anderem in Peugeot 208, 3008 und Citroën C5 Aircross arbeitet, hat mit dem kleinen Opel keine Mühe. Schon die schwächere Variante mit 100 PS schafft es, den Opel in unter zehn Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen, die Spitze liegt bei flotten 188 km/h, die Durchzugskraft ist tadellos, ein störendes Turboloch nicht vorhanden.

Mit diesem Dreizylinder kann man sehr gut leben, auch wenn er bei hohen Drehzahlen etwas lauter wird. Das sonst so typische Dreizylinder-Rasseln wurde dem 1,2-Liter zumindest so gut es ging abgewöhnt.

Die 130-PS-Version ist natürlich noch flotter unterwegs: In 8,7 Sekunden sprintet der stärkere Corsa auf Tempo 100, die Spitze liegt bei 208 km/h. Beeindruckend ist dabei, wie spontan der kleine Turbomotor auf Gasbefehle reagiert und gleichmäßig hochdreht, aber auch wie durchzugsstark er selbst bei mittleren Drehzahlen zupackt – das schafft Sicherheitsreserven beim Überholen und geht schon fast in Richtung sportlicher GSi. Hier zahlt sich aus, dass der Corsa je nach Version bis zu 100 Kilogramm leichter geworden ist.

Das spürt man beim Fahrverhalten: Der Corsa fühlt sich so handlich und agil an, als wolle er dem Mini nacheifern. Auf kurvigen Landstraßen macht der Opel richtig Freude und gibt sich sehr fahrsicher: Beim ADAC Ausweichtest, der ein abruptes Ausscheren vor einem Hindernis simuliert, wuselt der Corsa unbeeindruckt durch die Pylonengasse und bricht wegen des gut abgestimmten ESP auch nicht aus.

Die Lenkung ist so leichtgängig, dass der Kleinwagen ohne Kraftaufwand in eine Parklücke flutscht, vermittelt aber nur wenig Gefühl für die Straße.

Der 100-PS-Corsa ist deutlich sparsamer

Enttäuschend: der Verbrauch des 130-PS-Corsa. Im ADAC Ecotest kam der Corsa 1.2 DI Turbo auf 6,5 Liter Super im Schnitt – das ist viel für einen Kleinwagen. Daraus resultiert ein CO₂-Ausstoß von 149 g/km. Bei der "Well-to-Wheel"-Betrachtung, also mit den Emissionen, die bei der Kraftstoffherstellung entstehen, sind es 176 g/km. Trotz guter Bilanz bei Partikeln, Stickoxid (NOx) und (eingeschränkt) bei Kohlenmonoxid (CO) kommt der 130-PS-Corsa so nur auf drei von fünf Sternen im Ecotest.

Der Corsa mit 100 PS, den der ADAC mit Schaltgetriebe getestet hat, ergattert sich einen Stern mehr im ADAC Ecotest. Grund: Er verbraucht mit gemessenen 5,4 Litern Super im Schnitt erheblich weniger, was zu einem CO₂-Ausstoß von nur 129 g/km bzw. 152 g/km (well-to-wheel) führt.

Ganz emissionsfrei unterwegs – zumindest lokal – wäre man nur mit der Elektro-Variante Corsa-e. Die soll mit 330 km Reichweite glänzen und ist ab 29.990 € zu haben – abzüglich E-Auto-Prämie.

Fazit

Mutig, dass Opel dem Trend zu immer größeren Fahrzeugen trotzt und einen ganz klassischen Kleinwagen mit überschaubarem Platzangebot auf die Räder gestellt hat. Der Fokus liegt stattdessen eindeutig auf Fahrspaß, einem angenehm leichten Handling und zeitgemäßer Konnektivität.

Dass der 130-PS-Corsa für seine Größe zu viel verbraucht, ist enttäuschend – und zeigt, dass Kleinwagen nicht per se das Allheilmittel sind, wenn es um CO₂-Einsparung geht. Hier könnte (Mild-)Hybrid-Technik helfen, doch damit wird der Corsa nicht angeboten.

Hier können Sie den ausführlichen Test zum Opel Corsa 1.2 DI Turbo (100 PS) herunterladen
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Hier können Sie den ausführlichen Test zum Opel Corsa 1.2 DI Turbo GS-Line (130 PS) herunterladen
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Technische Daten (Herstellerangaben)1.21.2 DI Turbo 74 kW (getestete Version)1.2 DI Turbo 96 kW Automatik (getestete Version)1.5 Diesel

Motor

Dreizylinder-Benziner, 1199 cm³, 55 kW/75 PS, 118 Nm bei 2750 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner, 1199 cm³, 74 kW/100 PS, 205 Nm bei 1750 U/min

Dreizylinder-Turbobenziner, 1199 cm³, 96 kW/130 PS, 230 Nm bei 1750 U/min

Vierzylinder-Turbodiesel, 1499 cm³, 75 kW/102 PS, 250 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

13,2 s auf 100 km/h, 174 km/h Spitze

9,9 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze

8,7 s auf 100 km/h, 208 km/h Spitze

10,2 s auf 100 km/h, 188 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

5,3 – 6,1 l Super/100 km, 119 – 136 g CO₂/km

5,3 – 6,1 l Super/100 km, 121 – 137 g CO₂/km

5,6 – 6,4 l Super/100 km, 127 – 144 g CO₂/km

4,0 – 4,6 l Diesel/100 km, 104 – 122 g CO₂/km

Maße

L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m

L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m

L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m

L 4,06 / B 1,77 / H 1,44 m

Kofferraum

309 l

309 l

309 l

309 l

Leergewicht

1055 kg

1165 kg

1233 kg

1165 kg

Preis

ab 13.990 €

ab 17.530 €

ab 23.340 €

ab 19.350 €

ADAC Messwerte (Auszug)Corsa 1.2 DI Turbo 74 kWCorsa 1.2 DI Turbo 96 kW

Überholvorgang 60-100 km/h

6,5 s

5,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,5 m

33,6 m

Wendekreis

11,0 m

11,0 m

Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest

5,4 l Super/100 km , 152 g CO₂/km (well-to-wheel)

6,5 l Super/100 km , 176 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

***

Reichweite

815 km

675 km

Innengeräusch bei 130 km/h

70,7 dB (A)

69,2 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1150 / 470 kg

1175 / 475 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

250 / 545 / 890 l

250 / 545 / 890 l

ADAC TestergebnisCorsa 1.2 DI Turbo 74 kWCorsa 1.2 DI Turbo 96 kW

Karosserie/Kofferraum

3,2

3,2

Innenraum

2,9

2,9

Komfort

3,2

3,2

Motor/Antrieb

2,7

2,2

Fahreigenschaften

2,3

2,3

Sicherheit

2,5

2,7

Umwelt/Ecotest

1,9

2,6

Gesamtnote

2,6

2,7

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet
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