Kia Soul: Der neue fährt nur noch elektrisch

7.5.2019

Der neue Kia Soul ist nur noch als Elektroauto erhältlich. Als technischer Bruder des e-Niro soll er auf 452 Kilometer Reichweite kommen. Preis: ab 33.990 Euro. Erste Testfahrt, Bilder, technische Daten, Preise

Heckansicht des Kia E-Soul fahrend
Neuer Kia Soul: Grundform wie beim Vorgänger, aber schmalere LED-Scheinwerfer
  • Mit 4,20 Metern Länge etwas größer als der Vorgänger
  • Motorleistung: 136 und 204 PS
  • Zwei Batteriegrößen mit 39,2 und 64 kWh. Maximale Reichweite: 452 Kilometer
  • Lange Lieferzeit von rund zwölf Monaten

 

Eigentlich ist es an Tragik nicht zu überbieten: Jetzt werden endlich brauchbare Elektroautos mit praxistauglicher Reichweite angeboten, doch die Hersteller kommen mit der Lieferung nicht hinterher. Bestes Beispiel: Der Kia e-Soul, der zwar offiziell im April 2019 in den Markt eingeführt wurde, aber noch lange nicht zu haben ist. Schon zum Bestellstart betrug die Lieferzeit ein Jahr.

Nicht anders ergeht es den Käufern des Kia e-Niro, die genauso lang warten müssen. Das etwas größere Schwestermodell ist mit der gleichen Antriebstechnik ausgerüstet wie der neue e-Soul. Schuld für die Liefer-Misere seien laut Kia-Deutschland-Geschäftsführer Steffen Cost die zu konservative Stückzahlplanung und die Batteriehersteller, die momentan für die ganze Branche als Flaschenhals gelten. Mit der starken Nachfrage hätte einfach keiner gerechnet.

Mit 64-kWh-Batterie Reichweite von 452 km

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Seitenansicht des Kia E-Soul fahrend
Mit 4,20 Metern Länge ist der e-Soul etwas kürzer als ein VW Golf

Dabei hätte man durchaus davon ausgehen können, dass ein E-Auto gut ankommt, wenn es nicht allzu teuer ist und eine praxistaugliche Reichweite von mehr als 400 Kilometern aufweist. Das schließlich verspricht der Hersteller: Mit dem flüssig gekühlten Lithium-Ionen-Polymer-Akku mit 64 kWh sollen im Normzyklus 452 Kilometer drin sein. Zwar gibt es wie beim e-Niro auch einen kleineren Akku mit 39,2 kWh für 276 Kilometer Reichweite, aber Kia rechnet damit, dass sich mehr als 90 Prozent der Kunden für den größeren Akku entscheiden.

Kein Wunder, schließlich kostet der größere Akku "nur" 3800 Euro mehr und man erhält die deutlich praxistauglichere Version. Erste Testfahrten haben gezeigt: Ist man nicht nur mit Bleifuß unterwegs, kann man dem e-Niro locker 400 Kilometer zutrauen. Doch wie bei jedem Elektroauto ist auch hier die Bandbreite groß: Bei schneller Fahrt auf der Autobahn (die Spitze liegt bei 167 km/h) können es auch nur 300 Kilometer sein, bei ausschließlicher Stadtfahrt auch mehr als 500. Es kommt eben drauf an.

Umso wichtiger ist es, mit der Energie zu haushalten, vorausschauend zu fahren und die Rekuperation gut zu nutzen. Wie viel Bremsenergie in elektrische Energie zurückgewonnen wird, kann der Fahrer über Schaltwippen am Lenkrad beeinflussen und dadurch auch "elektrisch bremsen". Zieht man den Hebel links vom Lenkrad länger, kann man den Soul auch ohne Einsatz der herkömmlichen Bremsen bis zum Stillstand abbremsen. Zudem orientiert sich das Fahrzeug am vorausfahrenden Verkehr, um automatisch maximal energieeffizientes Bremsen zu gewährleisten – oder möglichst weit zu rollen.

Damit der e-Soul im Winter nicht zu viel Energie fürs Heizen aufbringen muss, ist er ab der Vision-Ausstattung mit einer Wärmepumpe ausgerüstet. Bei der Basis kostet diese 1290 Euro extra.

Der e-Soul kann bis 100 kW laden

Zoom-In
Heckansicht des Kia E-Soul fahrend
Markant: Der Kia e-Soul hebt sich auch von hinten von der Masse ab 

Das Fahren mit dem e-Soul ist so einfach wie mit einem Autoscooter auf der Kirmes. Einfach den Drehknopf in der Mittelkonsole auf "D" drehen und Gas geben. Schon gleitet der Elektrowagen mühelos und geräuscharm dahin – wenn es sein muss sogar recht sportlich. Die Version mit großem Akku und 204 PS sprinten in 7,9 Sekunden auf 100 km/h, die schwächere 136-PS-Variante mit kleinem Akku braucht 9,9.

Und die Lademöglichkeiten? An der Front befindet sich eine kleine Klappe, hinter der sich ein konventioneller Typ-2-Anschluss und ein  Schnellladeanschluss für den CCS-Stecker-Standard verbirgt. Dieser ist serienmäßig und erlaubt an einer entsprechend ausgerüsteten Autobahn-Ladesäule eine Ladeleistung von maximal 100 kW, so dass der große Akku in rund 60 Minuten von 20 auf 80 Prozent kommt.

An einer 22 kW-Säule, wie sie meist in den Städten zu finden ist, sieht es leider anders aus: Hier nimmt sich der Soul nur 7,4 kW. Ein großes Manko, denn eine Vollladung (0-100 Prozent) würde hier über neun Stunden dauern. In Städten wie München darf man aber an öffentlichen Säulen nur vier Stunden stehen. Zum Vergleich: Ein Renault Zoe nimmt sich hier die vollen 22 kW und ist entsprechend schneller voll.

Eine App zeigt den Ladezustand

Außerdem kommt ein neues Telematiksystem namens UVO zum Einsatz, das den Nutzer unter anderem mit Echtzeitinformationen zu Ladestationen versorgt und es ermöglicht, das Laden zu programmieren. Erstmalig lässt sich bei Kia auch der aktuelle Ladezustand über eine App für Android- und Apple-Smartphones verfolgen. Praktisch auch, das sich über das Handy Navi-Ziele wählen und direkt zum Auto ins Navi schicken lassen. Auch der e-Niro soll bald mit dem System ausgerüstet werden.

 

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Moderner Innenraum mit Digitalanzeigen

Der Innenraum des e-Soul präsentiert sich aufgeräumt, die Bedienung klappt weitgehend intuitiv. Das Kombiinstrument besteht aus einem zentralen Farbdisplay, das seitlich von kleineren, halbrunden Displays flankiert wird, die damit eine klassische Rundinstrumentenoptik andeuten. Außerdem befindet sich mittig im Armaturenbrett ein 10,25 Zoll großer Touchscreen für das Infotainmentsystem.

In Sachen Platzangebot muss sich der e-Soul nicht verstecken: Auch hinten sitzt es sich für diese Fahrzeuggröße recht kommod und auch das Kofferraumvolumen mit 315 bis 1339 Litern kann als alltagstauglich bezeichnet werden. Weil die Batterie im Unterboden sitzt, schränkt sie das Platzangebot nicht ein.

Darüber hinaus verfügt der Elektro-Soul über eine zeitgemäße Sicherheitsausstattung, die sieben Airbags, Crash-Verhinderer, Spurhalte- und Spurwechselassistent, Querverkehr- und Müdigkeitswarner sowie Abstandstempomat umfasst.

Bleibt als einziger Haken die lange Lieferzeit. Wer allerdings jetzt auf die Idee kommt, statt des e-Soul einen Soul mit Benziner oder Diesel zu kaufen und dadurch schneller zu der kultigen Kiste zu kommen, hat falsch gedacht. Den neuen Soul gibt es ausschließlich mit Elektroantrieb.

Diese Versionen werden angeboten:

Technische Daten (Herstellerangaben)  Kia e-Soul 136 (39,2 kWh) Kia e-Soul 204 (64 kWh)
Motor Permanentmagnet-Synchron-Elektromotor, 100 kW/136 PS, 395 Nm bei 1–2400 U/min
Permanentmagnet-Synchron-Elektromotor, 150 kW/204 PS, 395 Nm bei 1–3600 U/min
Batterie  Lithium-Ionen-Polymer mit 39,2 kWh Lithium-Ionen-Polymer mit 64 kWh 
Fahrleistungen
9,9 s auf 100 km/h, 157 km/h Spitze 7,9 s auf 100 km/h, 167 km/h Spitze
Verbrauch  15,6 kWh/100 km, 0 g CO2/km
15,7 kWh/100 km, 0 g CO2/km
Reichweite  276 km 452 km 
Maße  L 4,20 / B 1,80 (o. Spiegel) / H 1,61 m  L 4,20 / B 1,80 (o. Spiegel) / H 1,61 m
Leergewicht 1610 – 1668 kg 1757 – 1833 kg
Preis Edition 7: 33.990 €
Vision: 37.590 €
Spirit: 39.390 €
Edition 7: 37.790 €
Vision: 41.390 €
Spirit: 43.190 €

  • Das hat uns gefallen: Spritzige Fahrleistungen. Große Reichweite bei 64-kWh-Version. CCS-Schnelllader Standard. Gute Ausstattung. Sieben Jahre Garantie, auch auf die Batterie.
  • Das hat uns nicht gefallen: AC-Laden auf 7,2 kW begrenzt (daher lange Ladezeit). Kurze Inspektionsintervalle von 15.000 Kilometern. Lange Lieferzeit.

Text: Jochen Wieler, mit Material von SP-X. Fotos: Kia Motors.
 
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