Überblick: So entlasten Fahrerassistenzsysteme Autofahrer

5.4.2019

Wer sich über die Grundlagen von Fahrerassistenzsystemen informieren möchte, findet hier einen ersten Überblick. Wir erklären, wie diese Systeme den Fahrer in bestimmten Fahrsituationen entlasten.

 

Spurhalteassistent
Fahrerassistenzsysteme unterstützen und entlasten den Fahrer in bestimmten Fahrsituationen. Sie können Unfälle verhindern oder Unfallfolgen mildern. ©PR

Autos werden immer sicherer und die Anzahl der Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr konnte auch durch diese Entwicklung in den letzten 15 Jahren um mehr als die Hälfte reduziert werden. Die Erkenntnisse aus zahlreichen Crashtests sowie unsere Arbeit im Verbraucherschutz führen weiterhin dazu, dass Fahrzeuge mit deutlich besserer Sicherheitstechnik ausgestattet wurden. Dazu zählen zum Beispiel Gurtstrammer, Gurtkraftbegrenzer, Kopf-Airbags, Isofix und ein besserer Fußgängerschutz.

Jetzt treten verstärkt Fahrerassistenzsysteme in den Vordergrund. Sie können Unfallfolgen abmildern oder im besten Fall dazu beitragen, einen Unfall zu vermeiden.  

Autofahrer können vor allem dann von Fahrerassistenzsystemen profitieren, wenn sie durch

  • schwierige Verkehrssituationen
  • die Ansage des Navigationssystems
  • ein Telefonat
  • oder durch Gespräche von Mitfahrern

abgelenkt oder überfordert sind.

Der Fahrzeugführer erhält ein Warnsignal oder das Fahrzeug reagiert gleich automatisch. Damit wird verhindert, dass das Fahrzeug unbemerkt in den Gegenverkehr gerät oder auf das Stauende auffährt. So unterstützen Assistenzsysteme den Fahrer optimal in einer Notsituation. 

Mittlerweile sind mehr als 20 Fahrerassistenzsysteme auf dem Markt, manche sind nur gegen Aufpreis erhältlich.

Die wichtigsten Assistenzsysteme im Überblick

Sie wirken auf die Längsführung des Fahrzeugs, also auf Geschwindigkeitswahl, zuverlässiges Beschleunigen, sicheres Bremsen und Traktion.

  • Antiblockiersystem (ABS) wird seit 2004 serienmäßig in fast allen Pkw ausgeliefert. Es verhindert das Blockieren einzelner Räder während des Bremsvorgangs und erhält so die Lenkfähigkeit bei Vollbremsung.
  • Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) wirkt durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder und Eingriff in die Motorleistung jederzeit dem Ausbrechen und Schleudern des Wagens entgegen. Die zweite Generation unterstützt dies auch durch elektrische Lenkeingriffe. Neuere Systeme integrieren zudem eine Gespannstabilisierung im Anhängerbetrieb.
  • Antriebsschlupfregelung (ASR) dient zur Verbesserung des Anfahrverhaltens und zum Beschleunigen. Es verteilt das Antriebsmoment auf die Räder und verhindert auf glattem Untergrund das Durchdrehen.
  • Bremsassistent (BAS) unterstützt den Fahrer durch Verstärkung des Bremsdruckes zu einer optimalen Vollbremsung, wenn eine Notbremssituation erkannt wird.
  • Berganfahrhilfe wirkt als automatische Handbremse.
  • Bergabfahrhilfe (HDC) regelt die Geschwindigkeit beim steilen Bergabfahren.
  • Abstandsregeltempomat (ACC, Adaptive Cruise Control) regelt präzise die eingestellte Geschwindigkeit, den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und verhindert das Auffahren auf langsamere Fahrzeuge. Die neuesten ACC+ beherrschen auch das Abbremsen bis zum Stillstand und Stop&Go im Stau.
  • Automatische Notbremssysteme (AEBS) prüfen ständig den Abstand zu Autos, Fußgängern und Radfahrern. Sie bremsen im letztmöglichen Augenblick völlig selbständig und verhindern so Auffahrunfälle oder mildern deren Schwere ab. Abstandswarner reagieren etwas früher, damit der Fahrer selbst noch eine Vollbremsung einleiten kann. 
  • Spurhalteassistenten (LKA, Lane Keeping Assistant) unterstützen den Fahrer durch kleine Lenkeingriffe, wenn das Auto dem Fahrbahnrand oder der Begrenzungslinie zu nahe kommt.
  • Spurverlassenswarner (LDW, Lane Departure Warning) warnen den Fahrer vor dem unbeabsichtigten Verlassen des Fahrbahnstreifens. Ein voller Lenkeingriff ist bisher nur bei Geschwindigkeiten bis 10 km/h erlaubt wie zum Beispiel beim Einparken oder Rückwärtsfahren mit einem Anhänger.
  • Überholassistenten können ein komplettes Überholmanöver überwachen und unterstützen.
  • Multikollisionsbremse. Hier wird mit Hilfe des ESP-Systems nach einer Unfallerkennung die Bremse angesteuert. So kann ein Folge-Crash und damit die Unfallschwere reduziert werden.
  • Fernlichtassistenten bieten einen deutlichen Sicherheitsgewinn. Eine bessere Ausleuchtung der Straße lässt den Fahrer Gefahren zuverlässiger erkennen. Für neuere Fahrzeuggenerationen gibt es bereits dynamische Fernlichtassistenten, die die Lichteinstellungen selbstständig aktivieren, damit der Gegenverkehr nicht geblendet wird.
  • Speed Limiter helfen dem Fahrer, Geschwindigkeiten besser einzuhalten. Bei neueren Modellen wird der Limiter mit einer Verkehrskennzeichenerkennung kombiniert.
  • Intelligent Speed Adaptation (ISA) kann den Fahrer über ein aktives Gaspedal bei der Wahl der richtigen Geschwindigkeit unterstützen. Weitergehende Systeme passen die Fahrgeschwindigkeit dem Straßenverlauf an.

 

Sicherheitspotenziale von Fahrerassistenzsystemen 

Was? Sicherheit
Abstandsregler 17% weniger schwere Unfälle mit Personenschaden (Bericht der Bundesanstalt für Straßenwesen, BASt Reihe Fahrzeugtechnik, Heft F60, 2006), 10% weniger Kraftstoffverbrauch (Studie der Technischen Universität Dresden, Verkehrliche Auswirkungen von ACC auf den Kraftstoffverbrauch, 2004)
Notbremsassistent 28% weniger Auffahrunfälle mit Personenschaden (Studie der Unfallforschung der Versicherer, GDV Demonstration von Notbrems- und Auffahrwarnsystemen am Pkw, 2009)
Spurhalteassistent 49% weniger Lkw-Unfälle durch Spurverlassen auf Autobahnen (Allianz Zentrum für Technik, AZT Wirkungspotentiale von ACC und Lane Guard System bei Nutzfahrzeugen, 2006) 
Spurwechselassistent 26 % weniger Unfälle beim Spurwechsel (Insurance Institute for Highway Safety, Crash Avoidance Potential of Five Vehicle Technologies, IIHS 2008)
Einparkassistent 30% der Versicherungsschäden entstehen bei Parkmanövern (Allianz Zentrum für Technik, AZT 2008)
Lichtsysteme 18% weniger Verkehrstote durch mehr Sicht auf Autobahnen und Landstraßen (TÜV Rheinland Einfluss der Beleuchtung an Fahrzeugen auf das nächtliche Unfallgeschehen in Deutschland, 2007)
 Nachtsichtassistent 6% weniger Verkehrstote bei Nacht (eIMPACT Consortium, Impact Assessment of Intelligent Vehicle Safety Systems, 2008)
 Verkehrszeichenbeobachter 60% Verkehrsverstöße durch überhöhte Geschwindigkeit (Kraftfahrt-Bundesamt, KBA Verkehrsauffälligkeiten, 2007)

 

Sonstige Sicherheitssysteme

Weitere Fahrerassistenzsysteme überwachen den sicheren Zustand des Fahrzeugs und die Aufmerksamkeit des Fahrers. Dazu zählt etwa die permanente Reifendruckkontrolle. Für die Aufmerksamkeits- bzw. Müdigkeitserkennung des Fahrers wird dessen Lenkverhalten ausgewertet oder die Blickführung mit einer kleinen Kamera überwacht. Nachtsichtsysteme können im Dunkeln weit entfernte Personen, Tiere oder Fahrzeuge erkennen und den Fahrer warnen, bevor er diese im Schweinwerferlicht wahrnimmt.

Einen anderen Ansatz verfolgen aktive Sicherheitssysteme, die unmittelbar vor und während eines Zusammenpralls den Insassenschutz verbessern. Sie schließen Fenster und Schiebedach, entriegeln die Türschlösser, richten die Sitze auf, straffen die Gurte und begrenzen die Gurtkraft. Die automatische Multikollisionsbremse verhindert das gefährliche Wegschleudern des Fahrzeugs nach einer Kollision.

Komfortsysteme

Zahlreiche Komfortanwendungen erleichtern das Autofahren und entlasten den Fahrer von Routineaufgaben. Dazu zählen die automatische Steuerung der Klimaanlage, des Abblendlichts und der Scheibenwischer, die Einparkhilfe oder der Einparkassistent.

Beim Parken ist die Automatisierung am weitesten fortgeschritten: die neuesten Systeme leiten den Fahrer nicht nur an, sondern fahren selbstständig in Parklücken ein.  

Moderne Beleuchtungssysteme schalten nicht nur das Tagfahr- und Abblendlicht selbstständig ein, sondern bieten auch automatische Leuchtweitenregulierung, Abbiege-, Kurven- und Fernlicht.

Damit sich Autofahrer vor dem Kauf eines neuen Fahrzeugs optimal informieren können, sind eine Erklärung der Systeme durch den Kaufberater und eine Videobeschreibung wünschenswert.

Mögliche Risiken

Neben der Möglichkeit des technischen Versagens, bzw. Überschreitens der Einsatzgrenzen, bestehen vor allem in zwei weiteren Bereichen Risiken durch FAS. Anwendungen, die entweder eine Eingabe des Fahrers benötigen (z. B. Einstellung der Abstands- und Geschwindigkeitsregelung) oder den Fahrer vor kritischen Fahrsituationen warnen, können in unzulässiger Weise von den Fahraufgaben ablenken. Sowohl die Bedienung als auch die Warnung eines FAS darf den Fahrer nicht mehr beanspruchen, als beispielsweise die Nutzung des Autoradios. Für die Mensch-Maschine-Schnittstelle gibt es entsprechende Vorgaben. 

Ablenkung am Steuer

Text: Andrea Piechotta. Foto: ©PR

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