Elektro, Gas, Hybrid: Alternative Antriebe im Vergleichstest 

25.6.2018

Es wird umgedacht: Autos mit Elektroantrieb, Hybridtechnik oder mit Erdgas im Tank gelten für viele mittlerweile als Option. Wie gut die Alternativen schon sind, zeigt der ADAC Vergleichstest von vier Fahrzeugen der Kompaktklasse: Nissan Leaf, Opel Astra, Toyota Prius, Hyundai Ioniq

Alternative Antriebe im ADAC Vergleich
Im ADAC Vergleichstest haben wir vier alternative Antriebsarten gegenübergestellt

Wer sich vor ein paar Jahren für ein Auto mit alternativem Antrieb entschieden hat, wurde noch als Exot abgestempelt. Doch die Zeiten ändern sich: "Ökoautos" sind gesellschaftsfähig geworden – wohl auch, weil sie immer alltagstauglicher und preislich attraktiver werden. Die ADAC Motorwelt hat sich in der Kompaktklasse vier Autos mit verschiedenen alternativen Antrieben von Elektro bis Erdgas herausgepickt und miteinander verglichen. Einzig ein Fahrzeug mit Autogas (LPG) fehlt, da derzeit keines in dieser Klasse angeboten wird.

Elektro: Nissan Leaf

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Schwarzer Nissan Leaf wird an Straße aufgeladen
Der Nissan Leaf ist das weltweit meistverkaufte Elektroauto

Der Elektropionier kam 2010 auf den Markt – mit magerer 24-kWh-Batterie. Das aktuelle Modell hat einen 40-kWh-Speicher an Bord, was einen deutlich größeren Aktionsradius ermöglicht: 200 Kilometer weit kommt der Japaner im realitätsnahen ADAC EcoTest mit vollem Akku. Das ist zwar okay, so richtig langstreckentauglich ist der Leaf damit aber immer noch nicht.

Für den, der seine Strecken einschätzen kann, bleibt der Nissan trotzdem ein attraktives Angebot. Der Federungskomfort ist gut, das Geräusch beim Beschleunigen flüsterleise, der Kofferraum (gemessene 390 bis 1265 Liter) der größte im Vergleich.

Durch seinen 110 kW (150 PS) starken E-Motor sprintet der Japaner mit Leichtigkeit davon und lässt nicht nur die Konkurrenz stehen: Nach 7,9 Sekunden erreicht er Tempo 100. Dass der Leaf bei 144 km/h abgeregelt wird, ist sinnvoll. E-Auto-Fahrer wollen meist ohnehin nicht schneller fahren – schließlich steigt der Stromverbrauch auf der Autobahn erheblich an, und die Reichweite sinkt rapide.

Verbesserungspotenzial gibt es bei den zu weichen Sitzen und dem unzureichend verstellbaren Lenkrad: Nicht jeder findet im Leaf eine ideale Sitzposition.

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Nissan Leaf

Video: Der neue Nissan Leaf im ADAC Test

Erdgas: Opel Astra CNG

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Opel Astra wird an Tankstelle betankt
Den Opel Astra gibt es jetzt erstmals mit Erdgasantrieb für CNG

Gasautos sind keine neue Erfindung, doch bislang erfolglos. Das ändert sich gerade: Die Zulassungen von Erdgasautos stiegen 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 640 Prozent. Opel bietet seit Jahresbeginn den Astra mit dem alternativen Kraftstoff an.

Weil die beiden Gastanks aus rostfreiem ­Kohlefaserverbundstoff mit 19 Kilo Fassungsvermögen großzügig bemessen sind, kommt der Rüsselsheimer rund 445 Kilometer weit. Falls keine Erdgastankstelle in Sicht ist, springt zur Not ein 13-Liter-Benzintank ein – das Umschalten zwischen den Kraftstoffsorten geht unkompliziert via Knopfdruck.

Im ADAC EcoTest erweist sich der Astra mit einem Verbrauch von 4,2 Kilo CNG als recht genügsam und bekommt auch in Sachen CO2- und Schadstoffausstoß erdgastypisch gute Noten. Volle fünf Sterne in der Umweltbewertung verfehlt der Opel dennoch knapp, weil beim Kaltstart die Partikelanzahl leicht erhöht war.

Freude kommt an der Tankstelle auf. Bei rund 1,10 Euro je Kilo kosten 100 Kilometer mit dem Erdgas-Astra gerade einmal 4,60 Euro. Tanken wie vor 20 Jahren. Mit dem – im Vergleich zum Benziner und Diesel – kleineren Kofferraum (gilt nicht für Kombi) muss man sich arrangieren. Und ein ausgeprägtes Turboloch lässt den Astra unter 2000 Umdrehungen zugeschnürt erscheinen. Erst darüber wirkt der Opel-Motor lebhafter. Weil auch die Durchzugskraft in hohen Gängen fehlt, versteht sich der Astra eher als gemütlicher Cruiser.

Opel Astra 1.4 Ecotec CNG Innovation im ausführlichen ADAC Autotest

Wer hat die beste CO2-Bilanz?

Zum CO2-Ausstoß des Autos kommen die CO2-Emissionen, die bei der Spritherstellung ­entstehen. Bester: der Toyota Prius Plug-in-Hybrid.

Die Werte stammen aus dem ADAC EcoTest mit dem aktuellen Strommix.

Toyota Prius Plug-in-Hybrid

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Blauer Toyota Prius steht vor Garage
Den Toyota Prius gibt es als konventionellen Hybrid und als Plug-in-Version

Bereits die aerodynamisch ausgefeilte Tropfenform des futuristischen Prius verrät: Hier kommt ein Sparauto. In der Tat läuft der Prius Plug-in-Hybrid bei der Effizienz zur Hochform auf. Ist der Japaner aufgeladen, fährt er bis zu 50 Kilometer (bis 135 km/h) rein elektrisch und verbraucht, hochgerechnet auf 100 Kilometer, niedrige 12,4 kWh.

Wer 100 Kilometer am Stück fährt und nicht nachladen kann, verbraucht 2,5 Liter Super und 5,6 kWh Strom. Und fährt man den Prius, ohne ihn vorher extern aufgeladen zu haben, ergibt sich im Hybridmodus ein Verbrauch von 4,2 Litern. Auch das ein toller Wert. Unter dem Strich hat der Prius die niedrigsten CO2-Emissionen im Vergleich – vorausgesetzt, man lädt die Batterie konsequent auf, was in drei Stunden an einer normalen Steckdose erledigt ist.

Sportlichen Fahrspaß darf man vom Toyota Prius allerdings nicht erwarten, sein bei durchgetretenem Gaspedal aufheulender Motor erzieht ohnehin zu ­defensiver Fahrweise. Dafür überzeugt
er mit hohem Fahrkomfort und gutem Platzangebot. Leider lässt die 120 Kilo schwere 8,8-kWh-Antriebsbatterie im Heck nur einen sehr flachen Kofferraum zu. Das Volumen fällt mit gemessenen 200 bis 1025 Litern dürftig aus.

Toyota Prius 1.8 Plug-in Comfort im ausführlichen ADAC Autotest

Hyundai Ioniq Hybrid

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Oranger Hyundai Ioniq fährt aus Tankstelle
Der Hyundai Ioniq wird als reines E-Auto, Plug-in und Hybrid angeboten

Der Koreaner steht in diesem Vergleich exemplarisch für die Gattung Hybridfahrzeuge, die nicht extern aufgeladen werden können. Ihre kleine Batterie füllt sich während der Fahrt selbst und dient vor allem als Kraftquelle für den E-Motor, der dem Benziner beim Beschleunigen und Anfahren Arbeit abnimmt. Nur kurze Distanzen können rein elektrisch bewältigt werden.

Der Elektro-/Benzin-Zwitter harmoniert beim Ioniq sehr gut und sorgt für einen niedrigen Verbrauch von 5,1 Litern Super auf 100 Kilometer. Weil Hyundai auf ein 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe und nicht wie Toyota auf ein stufenloses setzt, schaltet der Ioniq so angenehm wie ein ganz normales Automatikfahrzeug.

Erfreulich auch, dass die getestete ­Premium-Variante mit Navi, Sitzheizung und Assistenzsystemen gut ausgestattet und die Bedienung schnell zu durchschauen ist. Im Fond fühlen sich durch die abfallende Dachlinie allerdings nur Personen bis 1,80 Meter wohl.

Dass der Hyundai trotz seiner Sparsamkeit im ADAC EcoTest nur drei von fünf Sternen erhält, liegt am stark erhöhten Kohlenmonoxidausstoß und den leicht erhöhten Partikelemissionen auf der ­Autobahn. Das passt nicht zum sauberen Ökoauto-Image.

Hyundai Ioniq Hybrid Premium im ausführlichen ADAC Autotest

Video: Hyundai Ioniq Hybrid im Autotest

Im Vergleich: Vier Kompaktwagen

Antriebsart/Modell Plus/Minus ADAC Note
Elektro
Nissan Leaf Acenta

Plus: Gut abgestimmter und kräftiger Elektroantrieb. Gute Serienausstattung. Lokal emissionsfrei.

Minus: Geringe Reichweite. Hoher Preis. Lenkrad unzureichend verstellbar.

2,3
Plug-in-Hybrid
Toyota Prius 1.8 Plug-in Comfort

Plus: Sehr niedriger Verbrauch. Sehr umfangreiche Serien- und Sicherheitsausstattung. Viel Platz vorn.

Minus: Mäßiger Bremsweg. Schlechte Sicht nach hinten. Kleiner Kofferraum.

2,3
Erdgas
Opel Astra 1.4 Ecot. CNG Innovation

Plus: Geringe Kraftstoffkosten. Sicheres Fahrverhalten. Gute Bedienbarkeit. Saubere Abgase.

Minus: Kein Start-Stopp-System. Hoher Aufpreis zum Benziner. Turboloch.

2,4
Hybrid
Hyundai Ioniq Hybrid Premium

Plus: Viel Platz vorn. Umfangreiche Serien- und Sicherheitsausstattung. Niedriger Verbrauch.

Minus: Erhöhte Schadstoffe bei Autobahnfahrt. Schlechte Sicht nach hinten. 

2,7

 

Ausführliche Tabelle zum "Vergleichstest Alternative Antriebe" mit allen Details (PDF-Download902,68 KB)

 

Fazit: Das Ergebnis überrascht: Drei Kompaktwagen haben am Ende fast die gleiche (gute!) Note. Austauschbar sind sie deswegen nicht, schließlich eignet sich nicht jeder Antrieb für jeden gleichermaßen. Wer keine Erdgastankstelle in der Nähe hat, kann mit dem Gasauto nichts anfangen. Wer nur Langstrecken fährt, liegt mit dem E-Auto falsch. Und ausgerechnet der Allrounder, der Hybrid, patzt bei den Abgasen.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: ADAC/Uwe Rattay. Grafik: ADAC Motorwelt.

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(acfo)