Renault Zoe im ADAC Dauertest: Wie alltagstauglich ist der Elektro-Kleinwagen?

Ein blauer Renault Zoe fährt durch die Altstadt von Landsberg am Lech
Der elektrische Renault Zoe überzeugt in der Stadt absolut. Und sonst? ∙ © ADAC/Test und Technik

Seit März 2020 sind ADAC Fachleute regelmäßig mit dem Renault Zoe mit 52 kWh großem Akku unterwegs. Alle Testergebnisse, technische Daten, Verbrauch und Reichweite.

  • Reichweite im Langzeittest: 200 bis 300 Kilometer

  • Verbrauch ohne Ladeverlust: 18 kWh auf 100 Kilometer

  • Geringe Kosten bei Wartung und Unterhalt

Der Renault Zoe startete im März 2020 als frisch überarbeitetes Modell in der Ausstattung Experience in den ADAC Dauertest. Es gibt ihn mit einem 41 kWh großen Akku und einem 108 PS starken Elektromotor sowie mit größerem 52-kWh-Akku und dann mit 108 oder 136 PS Motorleistung.

Bei dem Testfahrzeug handelt es sich um einen Renault Zoe mit 52 kWh und 108 PS mit dem R110-Motor. Die günstigste Ausstattungsversion Life ist ab 31.990 Euro erhältlich. Der Testwagen mit der Ausstattung Experience kommt auf 32.890 Euro, plus weitere Extras (Infotainment, Winterpaket, CCS-Anschluss u.a.) im Wert von etwa 3300 Euro. Macht also rund 36.000 Euro.

Doch ist der Zoe sein Geld auch wert? Inzwischen hat das kleine Elektroauto aus Frankreich 27.000 Kilometer zurückgelegt. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Der Renault Zoe im Langzeiturteil der ADAC Techniker

Ein blauer Renault Zoe fährt in der Altstadt von Landsberg am Lech
Kleinwagen mit großem Akku: Die Kombination ist sehr entspannt ∙ © ADAC/Test und Technik

80 kW/108 PS Leistung, 225 Nm Drehmoment und eine WLTP-Reichweite von 395 Kilometern: Das sind wahrlich keine schlechten Voraussetzungen für Fahrspaß im Alltag – sollte man jedenfalls meinen. Und tatsächlich fällt das erste Nutzerfeedback unter den Technikexperten des ADAC in Landsberg weitgehend positiv aus. Mehrheitlich wird der Zoe als sehr gutes Alltagsauto für den regionalen Einsatz bezeichnet und auch gern dafür genutzt. Nicht nur der Fahrspaß, auch das Platzangebot sowie die gute Konnektivität des Infotainmentsystems werden durchweg lobend erwähnt.

Mittelstrecken von 200 bis 300 Kilometern sind aufgrund der großen Batterie im Normalfall kein Problem. Das war bei den Vorgängermodellen mit zunächst nur 22 kWh und später dann immerhin 41 kWh noch nicht der Fall.

Aufgrund der Möglichkeit, serienmäßig mit 22 kW an einer AC-Säule laden zu können, hebt sich der Zoe positiv von der Konkurrenz ab. Denn das ist in dieser Fahrzeugklasse immer noch sehr selten so. Lediglich einige hochpreisige E-Autos und der elektrische Smart bieten ein 22-kW-Bordladegerät gegen Aufpreis an. 22 kW Ladeleistung sind vor allem im urbanen Einsatz von Vorteil, da dort noch selten öffentliche Ladesäulen mit Gleichstrom, aber häufig 22-kW-Wechselstrom-Säulen zu finden sind. Damit kann die Batterie in etwa drei Stunden komplett aufgeladen werden.

Für Berufspendler passt der Zoe bestens

Ein blauer Renault Zoe beim Laden an einer Station in der Münchner Innenstadt im Winter
Spitze! An der AC-Säule lädt der Zoe mit bis zu 22 kW ∙ © ADAC/Test und Technik

Bei der Auswertung des Fahrtenbuchs fällt auf, dass der Zoe zu 50 Prozent auf der Autobahn bewegt wurde. Hauptgrund dafür ist das Pendlerprofil der Tester sowie die geografische Lage von Landsberg am Lech direkt an der Autobahn in Richtung München, Augsburg sowie Memmingen. Die Autobahn ist für die meisten Mitarbeiter die schnellste und bequemste Route von der Arbeitsstätte nach Hause oder auch in die ADAC Zentrale nach München und zurück.

Statistisch gesehen wurde der Zoe täglich immerhin 68 Kilometer bewegt, nicht mitgerechnet die häufigen Tage, an denen der Wagen pandemiebedingt unbewegt blieb. Laut Bordcomputer ergibt sich dabei ein Durchschnittsverbrauch von 18,0 kWh pro 100 km. Dies ist in Anbetracht des hohen Autobahnanteils und der enthaltenen Wintermonate ein respektabler Wert. Nicht enthalten sind allerdings die Ladeverluste, die beim Zoe zwischen zehn und 20 Prozent ausmachen können und mitbezahlt werden müssen, obwohl sie für keinen Meter Vortrieb sorgen. Inklusive der Ladeverluste beträgt der durchschnittliche Energieverbrauch 19,8 kWh pro 100 km.

Da es im ADAC Technikzentrum umfangreiche Lademöglichkeiten gibt, wird das Auto überwiegend an Wechselstrom-Wallboxen (meistens 22 kW) geladen – und das auch nur bei etwa jeder zweiten Fahrt. Das ist selbstverständlich dem 52 kWh großen Akku zu verdanken, der noch genug Restkapazität für eine normale nächste Etappe enthält, um bei seinen Nutzern keine Nervosität aufkommen zu lassen. Mit der kleineren Batterie wäre sicherlich ein viel häufigeres Nachladen notwendig gewesen.

CCS-Schnellladungen dauern deutlich zu lang

Ein blauer elektronischer Renault Zoe im Winter, bei Schnee und in der Nacht af einem Parkplatzan einer Ladesäule
Beim Schnellladen wird's im Innenraum bitterkalt ∙ © ADAC/Test und Technik

Weniger positiv fällt das Urteil über die Schnellladefähigkeiten des Renault Zoe aus. Die Gleichstrom-Ladekurve zeigt, dass er seine maximale Leistung von 50 kW nicht erreicht und dass die Ladeleistung schon ab 50 Prozent Akkustand merklich absinkt. Für eine Aufladung von zehn auf 80 Prozent Akkufüllstand braucht der Zoe damit knapp eine Stunde. Und damit stellt sich die Frage, ob der Mehrwert den Aufpreis von 1090 Euro für die CCS-Ladefunktion rechtfertigt.

Ärgerlich ist, dass während eines Schnellladevorgangs der Innenraum des Zoe nicht beheizbar ist. So wird das Schnellladen im Winter unter Umständen zu einer frostigen Angelegenheit für den Fahrer. Renault sollte hier unbedingt per Software-Update nachbessern, sodass die Heizfunktion auch während des Ladevorgangs aktiviert werden kann. Ein früherer Appell an Renault blieb allerdings ungehört – und so wird es wohl bis auf Weiteres dabei bleiben.

Einen weiteren Minuspunkt bekommt der Zoe für das laute Pfeifgeräusch, das während der Wechselstrom-Ladung aufkommt und für Irritationen sorgt. Schlimmer noch: Nachbarn könnten sich empfindlich gestört fühlen und sich beschweren, wenn das Auto über Nacht im Carport geladen wird.

Zuverlässigkeit: Defekte und Auffälligkeiten

Bisher zeichnet sich der Renault Zoe durch eine insgesamt gute Zuverlässigkeit aus. Die erste Wartung wurde bei Kilometerstand 17.923 nach etwa einem Jahr durchgeführt. Die Kosten hierbei beliefen sich auf günstige 92,26 Euro.

Bis zum Kilometerstand 27.000 gab es lediglich einen außerplanmäßigen Werkstattaufenthalt. Grund: Beim Betätigen des elektrischen Fensterhebers kam es zu sogenannten Reversierungen. Das heißt: Die Bewegung des Fahrerfensters kehrte sich plötzlich immer mal wieder ohne Zutun in die ungewünschte Gegenrichtung um.

Leider zeigen inzwischen die Bremsen erste Korrosionsspuren – ein für Elektroautos aufgrund der Verzögerung durch Rekuperation nicht ganz unbekanntes Thema. Flecken auf den Scheiben der Vorderachse waren selbst durch mehrfaches starkes Bremsen nicht ganz zu beseitigen. An den Bremsscheiben der Hinterachse sind deutliche Riefen sichtbar. Dies könnte bei der Hauptuntersuchung (nach drei Jahren) zum Problem werden. Ganz frisch kam hinzu, dass der linke Halter für die Gasdruckfeder der Heckklappe beim Öffnen und Schließen knarzt.

Der Gesundheitszustand der Batterie, der durch die vorhandene Energiekapazität definiert ist, kann über das interne Batteriemanagement ausgelesen werden und weist aktuell einen Wert von 98 Prozent aus. Die Prüfstandsmessungen des ADAC zeigen eher einen Wert um 95 Prozent. Es wird interessant, wie sich diese Werte in einem weiteren Jahr des Betriebs entwickeln werden.

Laden über die PV-Anlage funktioniert häufig nicht

Besonders interessant ist eine Beobachtung, die die ADAC Techniker beim Stromladen über die hauseigene PV-Anlage gemacht haben: Solche Systeme, die eine Verknüpfung zwischen dem überschüssigen PV-Strom und der Wallbox herstellen können, gibt es im Fachhandel zu kaufen. Damit lädt die Wallbox die überschüssige Energie in das Auto, welche ansonsten in das öffentliche Netz verkauft würde.

Mit dem getesteten Renault Zoe funktioniert das aber nicht unbedingt. Versuchsreihen zeigen, dass der Zoe eine Stromstärke von mindestens zehn Ampere braucht, um zu laden. Bei sechs Ampere speichert der Zoe quasi keine Energie mehr in der Batterie, der Stromzähler läuft trotzdem. Somit eignet sich der Zoe eher nicht für kleine PV-Anlagen auf dem Haus, da sie in der Übergangszeit oder an weniger sonnigen Tagen nicht die erforderlichen Stromstärken liefern. In Internetforen sind entsprechende Erfahrungen schon häufiger diskutiert worden.

Man darf gespannt sein, für welche Überraschungen der Renault Zoe – ob im positiven oder negativen Sinn – noch gut ist.

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Den obligatorischen ADAC Autotest hat der aktuelle Renault Zoe mit großem Akku und stärkster Motorleistung durchlaufen. Alle Details zu den Stärken und Schwächen hinsichtlich Bedienung, Komfort, Sicherheit etc. lesen Sie im PDF, das hier für Sie kostenlos abrufbar ist.

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht zum Renault Zoe 135 Z.E. 50 als PDF herunterladen
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