Hausratversicherung für die WG: So schützen Sie Ihr gemeinsames Zuhause richtig

Das WG-Leben in Deutschland ist für viele der Inbegriff von Freiheit und Gemeinschaft. Man teilt sich den Alltag, die Kosten und oft auch das Inventar. Doch genau hier beginnt oft die Unsicherheit: Wer zahlt eigentlich, wenn in der WG eingebrochen wird? Was passiert, wenn die Waschmaschine ausläuft und den Boden ruiniert? Eine Hausratversicherung ist unverzichtbar, aber für WGs gelten besondere Spielregeln. Wir klären auf, warum eine Hausratversicherung für die gesamte Wohngemeinschaft oft der sicherere Weg ist.

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Was eine Hausratversicherung grundsätzlich leistet

Die Hausratversicherung ersetzt Schäden am beweglichen Inventar (Hausrat), wenn es durch bestimmte Ereignisse beschädigt, zerstört oder gestohlen wird.

Dazu gehören:
  • Einrichtungsgegenstände: Möbel, Teppiche, Lampen, Dekoration.
  • Elektronik: Fernseher, Laptops, Gaming-PCs, Tablets, Haushaltsgeräte.
  • Gebrauchsgegenstände: Kleidung, Bücher, Geschirr, Vorräte.
  • Wertsachen: Bargeld und Schmuck (in der Regel bis zu definierten Wertgrenzen).
Offener Geschirrspüler, aus dem Wasser und Schaum austritt, daneben eine Schrankleiste mit Wasserschaden.
KI generiertes Bild

Die versicherten Gefahren

Eine solide Police deckt die "existenzbedrohenden" Risiken ab:
  • Feuer: Brand, Blitzschlag, Explosion.
  • Leitungswasser: Bestimmungswidrig austretendes Wasser (z. B. Rohrbruch, geplatzter Waschmaschinenschlauch).
  • Sturm und Hagel
  • Einbruchdiebstahl und Raub: Inklusive Vandalismus-Schäden nach einem Einbruch.

Wichtige Abgrenzung: Schäden, die ein Mitbewohner am Eigentum eines anderen verursacht, sind nicht Fall der Hausratversicherung, sondern der privaten Haftpflichtversicherung.

Die WG-Herausforderung: Drei Wege zur Absicherung

In einem klassischen Familienhaushalt ist die Sache einfach: Eine Wohnung, eine Familie, eine Versicherung. In einer WG ist die Situation komplexer.
Grundsätzlich stehen Ihnen drei Wege offen:

Modell A: Die "Eltern-Lösung" (Außenversicherung)

  • Zielgruppe: Studierende und Auszubildende in der Erstausbildung.
  • Funktionsweise: Sie schließen keine eigene Versicherung ab. Ihr Hausrat ist über die Police der Eltern mitversichert.
  • Risiko: Hoch (begrenzte Summen, strenge Auflagen).

Modell B: Die "Solidar-Lösung" (Gemeinschaftspolice)

  • Zielgruppe: Berufstätigen-WGs, Paare, feste Freundeskreise.
  • Funktionsweise: Ein Hauptmieter versichert die gesamte Wohnung. Alle Mitbewohner werden namentlich in den Vertrag aufgenommen.
  • Vorteil: Lückenloser Schutz für die gesamte Wohnung.
  • Risiko: Mittel (Verwaltungsaufwand bei Mieterwechsel, Haftung des Hauptmieters für Beiträge).

Modell C: Die "Einzelkämpfer-Lösung" (Einzelpolice)

  • Zielgruppe: Zweck-WGs, Untermieter, Misstrauische.
  • Funktionsweise: Jeder Bewohner versichert nur sein eigenes Zimmer per separatem Vertrag.
  • Risiko: Technisch anspruchsvoll (Schloss-Problematik, Abgrenzungsprobleme).

Details und Risiken der Außenversicherung (Modell A)

Für Studierende klingt es verlockend: Warum Geld ausgeben, wenn man über Mama und Papa versichert ist? Die sogenannte Außenversicherung deckt Gegenstände ab, die sich vorübergehend außerhalb der elterlichen Wohnung befinden. Doch dieser Schutzmantel ist löchriger, als viele vermuten.

Risiko 1: Definition von “Vorübergehend” (Frankenthal-Urteil)

Ein aktuelles Urteil des Landgerichts Frankenthal (Az. 3 O 236/22) hat für erhebliche Unruhe gesorgt. Es verschärft die Auslegung dessen, was „vorübergehend“ bedeutet. Das Gericht entschied, dass Gegenstände, die dauerhaft in der Zweitwohnung (Ihrem WG-Zimmer) gelagert werden, nicht unter die Außenversicherung fallen.
Wichtig: Nach dieser Rechtsauffassung sind Dinge, die Sie am Wochenende mit nach Hause nehmen (Wäsche, Laptop), versichert. Ihr stationärer PC, Ihre Möbel oder das Fahrrad, das immer am Studienort bleibt, sind es streng genommen nicht.
Viele Versicherer zeigen sich hier kulant („Ausbildungsklausel“), aber ohne schriftliche Bestätigung bewegen Sie sich auf dünnem Eis.

Risiko 2: Zeitliche Befristung

Eng verknüpft mit dem Begriff „vorübergehend“ ist die Dauer des Schutzes:
  • In vielen älteren oder Basis-Verträgen ist der Schutz der Außenversicherung starr zeitlich begrenzt (oft auf 3 bis maximal 12 Monate).
  • Konsequenz: Dauert das Studium länger als diese Frist und kehren die Gegenstände nicht zwischendurch in den elterlichen Haushalt zurück, erlischt der Versicherungsschutz automatisch – oft ohne dass Sie es merken.

Risiko 3: Gründung eines eigenen Hausstands

Sobald Sie einen eigenen Hausstand gründen, erlischt der Schutz über die Eltern sofort. Die Grenzen sind fließend, aber folgende Faktoren sind Warnsignale für den Verlust des Schutzes:
  • Melderecht: Sie melden den Studienort als Erstwohnsitz an.
  • Dauer: Das Studium/Ausbildung ist beendet.
  • Unabhängigkeit: Sie finanzieren Ihren Lebensunterhalt selbst und richten die Wohnung komplett neu ein.
Zwei junge Frauen sitzen sich auf einem Sofa gegenüber und lächeln sich an

Details und Risiken der Hausratversicherung für die gesamte WG (Modell B)

Für „Business-WGs“ oder WGs, die keine Studenten sind, ist dies der Goldstandard. Es wird ein einziger Vertrag für die gesamte Wohnung abgeschlossen.

Vorteile der Bündelung

Versicherungsrechtlich wird die WG hier wie eine Familie behandelt:
  • Keine Zuordnungsprobleme: Wem der Toaster oder der Fernseher im Wohnzimmer gehört, ist egal. Alles in der Wohnung ist versichert.
  • Günstiger: Ein Vertrag ist meist preiswerter als drei Einzelverträge.
  • Lückenloser Schutz: Auch Gemeinschaftsräume (Flur, Bad, Keller) sind voll abgedeckt

Hauptmieter-Risiko

Der Versicherungsnehmer (meist ein Hauptmieter) haftet für die gesamte Prämie. Zahlt ein Mitbewohner seinen Anteil nicht, ist das Ihr privates Problem.

Wechsel-Risiko

Zieht Bewohner B aus und C ein, muss der Vertrag zwingend aktualisiert werden. Steht der neue Mitbewohner C nicht namentlich im Vertrag, ist sein Eigentum im Schadensfall (z.B. Einbruch im eigenen Zimmer) oft nicht versichert, da er für die Versicherung ein Fremder ist.

Details und Risiken der Hausratversicherung für das eigene WG-Zimmer (Modell C)?

Wer das Modell der Einzelversicherung wählt (jeder Bewohner versichert sein Zimmer separat), entscheidet sich für maximale Unabhängigkeit. Doch diese Freiheit erkauft man sich mit den höchsten technischen Anforderungen.

Risiko 1: Die Verfügbarkeits-Hürde

Viele deutsche Versicherer lehnen die Versicherung eines einzelnen Zimmers innerhalb einer WG schlichtweg ab. Der Grund: Eine gewöhnliche Zimmertür entspricht meist nicht den strengen Sicherheitsstandards, die Versicherer für eine „Wohnungseingangstür“ voraussetzen. Modell C ist daher am Markt oft schwer zu finden und meist nur bei Nischenanbietern verfügbar.

Risiko 2: Die Schloss-Problematik

Versicherungen unterscheiden streng zwischen einfachem Diebstahl und Einbruchdiebstahl. Einbruch liegt nur vor, wenn ein Hindernis gewaltsam überwunden wird.
  • Szenario: Ein Dieb gelangt durch die offene WG-Eingangstür (z. B. während einer Party) in den Flur. Nun steht er vor Ihrem Zimmer.
  • Problem: Standard-Zimmertüren haben oft einfache Buntbartschlösser. Diese lassen sich mit einem Draht öffnen, ohne Spuren zu hinterlassen. Fehlen Einbruchspuren, argumentiert der Versicherer oft erfolgreich, die Tür sei nicht verschlossen gewesen.
  • Lösung: Tauschen Sie das Zimmerschloss zwingend gegen einen Profilzylinder aus. Nur so lässt sich ein Einbruch zweifelsfrei nachweisen.

Risiko 3: Die kalkulatorische Falle

In einer Einzelversicherung wird oft der Fehler gemacht, die Versicherungssumme rein nach der Zimmergröße zu berechnen.
  • Zusatzrisiko Gemeinschaftsfläche: Oft wird vergessen, dass der Einzelvertrag auch den anteiligen Wert der Gegenstände in Küche und Bad (z. B. die gemeinsam finanzierte Waschmaschine) abdecken muss.
  • Lösung: Ignorieren Sie Quadratmeter-Pauschalen. Machen Sie eine ehrliche Inventur Ihres Zimmers plus Ihres Anteils am Gemeinschaftseigentum und setzen Sie diese Summe manuell fest.

Spezifische Risiken im WG-Alltag

Pikto Fahrradversicherung
Abseits der Vertragsstruktur gibt es Risiken, die in WGs überproportional oft zu Schäden führen.

Fahrraddiebstahl

Das Fahrrad ist oft das wichtigste Verkehrsmittel. In der Standard-Hausratversicherung ist es nur in der Wohnung oder im eigenen verschlossenen Keller geschützt.
  • Gemeinschaftskeller: In WGs nutzen oft alle denselben Keller. Da dieser nicht exklusiv vom Versicherungsnehmer genutzt wird, greift der Schutz oft nicht.
  • Lösung: Sie benötigen den Zusatzbaustein „Fahrraddiebstahl". Dieser deckt auch Diebstahl auf der Straße oder aus Gemeinschaftskellern ab. Prüfen Sie zudem alte Verträge auf die „Nachtzeitklausel“ (kein Schutz zwischen 22-6 Uhr), die in modernen Verträgen gestrichen sein sollte.

Grobe Fahrlässigkeit

In WGs ist die soziale Kontrolle oft geringer. Ein Fenster steht auf Kipp, während niemand da ist? Die Waschmaschine läuft unbeaufsichtigt, während alle in der Uni sind? Kerzen brennen bei der Party?
  • Rechtslage (§ 81 VVG): Bei grober Fahrlässigkeit darf der Versicherer die Leistung kürzen (Quotierung). Bei schweren Fehlern bis auf Null.
  • Lösung: Achten Sie penibel darauf, dass Ihr Tarif den Verzicht auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit enthält. Dann zahlt die Versicherung, auch wenn der Fehler dumm war (außer bei Vorsatz).

Zusammenfassende Übersicht der Modelle

Kriterium
Kriterium Modell A: Außenversicherung (Eltern) Modell B: Gemeinschaftspolice (WG) Modell C: Einzelpolice (Zimmer)

Zielgruppe

Zielgruppe

Studenten, Azubis

Berufstätige, feste WGs

Zweck-WGs, Untermieter

Kosten

Kosten

0 € (im Elternbeitrag)

Gering (geteilt durch alle)

Verhältnismäßig hoch

Versicherter Ort

Versicherter Ort

"Vorübergehend" außerhalb

Gesamte Wohnung

Nur Zimmer (+ anteilig Gemeinschaftsräume)

Hauptrisiko

Hauptrisiko

Frankenthal-Urteil (Dauerhaftigkeit)

Versicherungsnehmer haftet für alle

Beweisbarkeit Einbruch (Schloss)

Haftung

Haftung

Eltern

Versicherungsnehmer

Individuell

Summenlimit

Summenlimit

Oft max. 10% der Elternsumme

Pauschal oder nach Wert

Nach Wert des Zimmerinhalts

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Fazit: Welcher Weg passt zu Ihrer WG? 

Es gibt nicht „die eine“ richtige Versicherung für jede Wohngemeinschaft, aber es gibt die perfekte Lösung für Ihre aktuelle Lebensphase. Machen Sie Ihre Entscheidung von Ihrer WG-Struktur abhängig:
  • Für Studierende: Die Außenversicherung der Eltern ist oft der kostengünstigste Weg. Verlassen Sie sich jedoch nicht blind darauf, sondern prüfen Sie genau das Kleingedruckte, denn kostenlos heißt hier leider auch “begrenzt”.
  • Für enge Wohngemeinschaften: Wählen Sie die Gemeinschaftspolice. Sie ist der Preis-Leistungssieger und verhindert Streit, wenn mal die gemeinsame Waschmaschine ausläuft. Wichtig: Halten Sie die Namensliste aktuell!
  • Für Zweck-WGs: Greifen Sie zur Einzelpolice, aber investieren Sie zwingend in einen Profilzylinder für Ihre Zimmertür. Ohne diesen mechanischen Schutz ist die Police oft wertlos.

Unser Angebot für Sie: ADAC Hausratversicherung

Junges Paar sitzt auf Sofa und schaut in ein Tablet, im Hintergrund Küche und Wohnzimmerschrank mit Hausrat
Die Hausratversicherung des ADAC bietet Ihnen umfassenden Schutz für Ihren Hausrat in nur einem Tarif. Auch dann, wenn Sie sich für maximal 12 Monate außerhalb Ihres Zuhauses befinden. Damit sind Sie als Student für maximal 12 Monate im Vertrag Ihrer Eltern mitversichert, solange Sie keinen eigenen Hausstand gründen.

Was ist versichert

Über Möbel, Bargeld, Schmuck, Wertsachen, Sportgeräte wie Ihr Fahrrad, Garteninventar und Arbeits-/Elektrogeräte ist in Ihrer Mietwohnung Ihr gesamtes Hab und Gut geschützt. Versichert sind die Gefahren Brand, Frost, Rohrbruch, Sturm und Hagel, Leitungswasserschäden, Einbruchdiebstahl Zuhause und unterwegs sowie der Zahlungsverkehr  im und über das Internet.

Möchten Sie sich zusätzlich gegen den Fahrraddiebstahl unterwegs absichern, so bietet die ADAC Hausratversicherung den Zusatzbaustein "Fahrradschutz. Der weltweit gültige Versicherungsschutz (Tag und Nacht) umfasst alle Fahrräder aus Ihrem Haushalt, sofern sie durch ein Schloss gesichert sind. Bei Eintritt eines Schadenfalls erhalten Sie eine Entschädigung zum Neuwert, bis zur vereinbarten Versicherungssumme.

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