VW T-Cross: Der Mini-SUV im ADAC Test

5.8.2019

Der VW T-Cross ist der erste Mini-SUV von Volkswagen. Basis ist der VW Polo. ADAC Test mit Messwerten, technischen Daten, Bildern & Preisen. Plus: Ergebnisse des Euro NCAP-Crashtests.

VW T-Cross schräg von vorne fahrend
VW T-Cross: Markante Front im Stil des Tiguan
  • Mit 4,11 m Länge liegt der VW T-Cross zwischen Polo und Golf
  • Aktuell gibt es zwei Benziner mit 95 und 115 PS und einen Diesel mit 95 PS
  • Die Preise starten bei 17.975 Euro (Benziner) und 20.425 Euro (Diesel)
  • Im Euro NCAP-Crashtest erhält der T-Cross die Bestnote

 

VW T-Cross? Da hat man sich gerade an den VW T-Roc gewöhnt, der unterhalb des VW Tiguan angesiedelt ist, und nun ist schon wieder ein neuer SUV von Volkswagen auf dem Markt. Der T-Cross ist nochmal eine Nummer kleiner und im Prinzip ein VW Polo im Kleid eines Abenteurers.

Zwar ist der T-Cross nur sechs Zentimeter länger als ein Polo, aber rund 13 Zentimeter höher. Dadurch wirkt er wesentlich stämmiger als sein technischer Bruder, was bei der Konkurrenz im Grunde ähnlich ist. Ein Renault Captur ist schließlich nichts anderes als ein abgewandelter Clio und ein Ford EcoSport ein in die Höhe geschossener Fiesta.

Variabler Innenraum, verschiebbare Rückbank

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Seitenansicht des VW T-Cross fahrend
Größer als der Polo: Der T-Cross ist 6 cm länger, 13 cm höher

Für einen VW kommt der T-Cross schon recht mutig daher: Zwölf teils recht auffällige Außenfarben, bunte Dekorelemente innen, ein selbstbewusster Grill im Stil der größeren SUV und ein durchgehendes Leuchtenband am Heck zeigen, das hier kein Mauerblümchen um die Gunst der Käufer buhlt.

Auch mit inneren Werten will der Wolfsburger überzeugen. Schon beim Einsteigen ist nichts von Kleinwagenflair zu spüren: Im Innenraum geht es für die Fahrzeugklasse erstaunlich luftig zu. Der Fahrersitz lässt sich sogar für bis zu zwei Meter große Fahrer zurückschieben. Und auch in Reihe zwei können selbst große Mitfahrer bis 1,90 Meter Körpergröße gut sitzen –  vorausgesetzt die um 14 Zentimeter verschiebbare Rückbank ist ganz nach hinten gefahren. Die ist lobenswerterweise bei allen Versionen serienmäßig an Bord und ermöglicht entweder mehr Beinraum für die Mitfahrer oder einen größeren Kofferraum.

Dessen Fassungsvermögen variiert dadurch laut VW von 385 bis 455 Liter, und wer die serienmäßig asymmetrisch geteilte Rücksitzlehne umlegt, soll sogar bis zu 1281 Liter transportieren können. Die ADAC Messungen, bei denen nicht alle Hohlräume und doppelte Böden mitgerechnet werden, fällt etwas nüchterner, aber für diese Fahrzeuggröße immer noch ordentlich aus: 310 bis 1140 Liter sind mehr als brauchbar. Ab der zweiten Ausstattungsstufe kann auch der Beifahrersitz wie bei einem kleinen Van nach vorn geklappt werden.

Die Kunststoffe wirken billig, aber farbenfroh

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Cockpit des VW T-Cross
Gute Bedienbarkeit, aber schlichte Materialien im Kleinwagen-SUV

Eigenartig und so gar nicht VW-like: Ist die Rückbank nach vorn geschoben, klafft eine Lücke zwischen Bank und Kofferraum, so dass man nicht nur bis zur Reserveradmulde durchgucken kann – kleinere Gegenstände können hier sogar hineinfallen. Die Ladekante liegt 72 cm über der Straße und damit insgesamt günstig. Auch innen stört die kleine Stufe mit zwei Zentimetern beim Be- und Entladen kaum – wenn der Kofferraumboden in der oberen Position ist; in der unteren Position steigt die Stufe innen auf knapp 17 cm an. 

Typisch VW ist aber die gute Sitzposition und die schnell durchschaubare Bedienlogik, auch der Touchscreen erschließt sich schnell. Wie bei anderen Modellen gibt es gegen 400 Euro Aufpreis ein Display statt konventioneller Rundinstrumente hinter dem Lenkrad. Das sieht modern aus und dessen Darstellung lässt sich auch je nach Gusto verändern, doch wirklich nötig ist die Investition nicht.

Elementarer ist da schon eine simple Klimaanlage, die VW leider erst ab der zweiten Ausstattungsstufe "Life" spendiert. Für die Basis kostet sie 560 Euro extra. Eine Smartphoneanbindung via Android Auto oder Apple CarPlay kostet samt USB-Buchsen ebenfalls 225 Euro extra.

Kritik müssen sich die billigen Kunststoffe im Innenraum gefallen lassen. Ein wenig zu viel Hartplastik am Armaturenträger und an den Seitenverkleidungen – das hinterlässt keinen hochwertigen Eindruck. Bunte Dekors mit verschiedenen Mustern können das nicht wirklich ausgleichen. Und dass VW wie beim Polo sämtliche Haltegriffe am Dachhimmel weggespart hat, bringt die Wolfsburger gerade bei der älteren Kundschaft in Erklärungsnot. 

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Ältere dürfte allerdings den sehr bequemen Einstieg schätzen und die gute Übersicht nach vorn – hier macht sich die im Vergleich zum Polo zehn Zentimeter höhere Sitzposition bemerkbar. Ein Vorteil im Vergleich zum Konzernbruder Seat Arona, der merklich niedriger gebaut ist. Nach hinten schränkt – ebenfalls VW-typisch – die breite C-Säule die Sicht ein.

VW T-Cross-Motoren: Zwei Benziner, ein Diesel

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Heckansicht des VW T-Cross fahrend
VW T-Cross: Sieht aus wie ein Großer, Allradantrieb gibt es aber nicht

Beim Fahren wirkt der T-Cross überraschend erwachsen. Er federt gut, aber nicht ganz so komfortabel wie andere VW-Modelle. Die Lenkung arbeitet direkt und macht den Mini-SUV recht handlich. Allzu laut geht es selbst bei flotter Fahrt nicht zu und nach ein paar Stunden Fahrt fragt man sich unwillkürlich, wozu es eigentlich den etwas größeren T-Roc überhaupt braucht. So viel kann er nicht besser als sein kleiner Bruder.

Die Auswahl an Motoren ist noch recht eingeschränkt. Es steht ein 1,0-Liter-Dreizylinder mit wahlweise 95 oder 115 PS zur Verfügung. Dazu kommt ein 1.6 TDI mit 95 PS (ab 20.425 Euro, Verbrauch: 4,3 Liter/100 km) und Ende 2019 ein 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS. Denkbar ist auch eine Erdgasversion. Doch dazu hat sich VW noch nicht durchgerungen.

Schon die beiden Dreizylinder-Benziner passen ganz gut zum T-Cross. Im ADAC Test: Die 95-PS-Version, für die sich auch die meisten Käufer entscheiden. Der Turbobenziner hat mit dem T-Cross zwar etwas zu kämpfen, zieht bis Autobahn-Richtgeschwindigkeit aber passabel durch. Für die meisten dürfte dieser Motor allemal ausreichen, es sei denn man ist sehr häufig auf langen Autobahnetappen unterwegs. 

Testverbrauch: 6,0 l beim Benziner; 5,5 beim Diesel

Dann zahlt sich der größere Motor mit 115 PS aus und die 1425 Euro Aufpreis sind gut investiert, auch weil er mit sechs statt fünf Gängen kommt und die Anschlüsse beim Schalten besser passen. Beiden Motoren gemein ist das typische Dreizylinder-Surren bei höheren Drehzahlen und der nicht gänzlich vibrationsfreie Lauf. Verbrauch: rund sechs Liter Super nach der neuen WLTP-Norm und exakt 6,0 im ADAC Ecotest.

Gut: Auch die Schadstoffwerte liegen beim T-Cross 1.0 im durchweg grünen Bereich, auch bei den ADAC Messungen auf der Straße. Unter dem Strich bekommt der T-Cross zusammen mit den CO2-Werten gute vier von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Auch den Diesel 1.6 TDI hat der ADAC getestet. Er arbeitet merklich lauter als die Benziner, glänzt aber mit einem üppigen Drehmoment von 250 Nm bei nur 1500 Umdrehungen. Die Folge: Sehr gutes Durchzugsvermögen und eine angenehm gleichmäßige Leistungsentfaltung. Auch das DSG-Automatikgetriebe (Aufpreis) harmoniert gut mit dem Motor. Es schaltet frühzeitig hoch, um das üppige Drehmoment zu nutzen. Das bringt Gelassenheit ins Fahrgeschehen.

Der Verbrauch liegt allerdings nur im durchschnittlichen Bereich: Mit 5,5 Litern Diesel Testverbrauch liegt er nur einen halben Liter unter dem Benziner – der Diesel lohnt sich hier also kaum. Weil aber auch der Diesel sehr saubere Abgase hat, bekommt er ebenfalls vier Sterne in der ADAC Umweltwertung.

 
Technische Daten
VW T-Cross 1.0 TSI (70 kW)
(getestete Version)
VW T-Cross 1.0 TSI (85 kW)
VW T-Cross 1.6 TDI SCR (70 kW) (getestete Version mit DSG)
Motor
3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 70 kW/95 PS, 175 Nm bei 2000 U/min 3-Zylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 85 kW/115 PS, 200 Nm bei 2000 U/min
4-Zylinder-Turbodiesel, 1598 cm3, 70 kW/95 PS, 250 Nm bei 1500 U/min
Fahrleistungen
11,5 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze
10,2 s auf 100 km/h, 193 km/h Spitze
12,5 s auf 100 km/h, 180 km/h Spitze
Verbrauch nach WLTP 5,7 l Super/100 km, 132 g CO2/km 5,3–6,3 l Super/100 km, 122–141 g CO2/km
5,5 l Diesel/100 km, 145 g CO2/km
Maße L 4,11 / B 1,78 / H 1,58 m L 4,11 / B 1,78 / H 1,58 m
L 4,11 / B 1,78 / H 1,58 m
Kofferraum 385–1281 l 385–1281 l
385–1281 l
Preis ab 17.975 € ("Life" ab 20.075 €)
 ab 19.400 € ab 20.425 € ("Style m. DSG 26.300 €)
ADAC Messwerte (Auszug) 1.0 TSI (70 kW) 1.6 TDI (70 kW) DSG 
Überholvorgang 60-100 km/h 7,2 s  7,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h 35,9 m 36,2 m 
Wendekreis 10,6 m 10,6 m 
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 6,0 l Super/100 km, 165 g CO2/km (well-to-wheel)  5,5 l Diesel/100 km, 175 g CO2/km (well-to-wheel)
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) ****  **** 
Reichweite 665 km 725 km 
Innengeräusch bei 130 km/h    68,3 dB (A) 70,3 dB (A) 
Leergewicht / Zuladung 1235 / 485 kg 1394 / 466 kg 
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch   310 / 670 / 1140 l 255 / 615 / 1085 l (m. Subwoofer i. Kofferraumboden) 

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote 1.0 TSI: 2,4 Gesamtnote 1.6 TDI: 2,3
Karosserie/Kofferraum 2,8 2,8 
Innenraum 2,4 2,4 
Komfort 3,1 2,9 
Motor/Antrieb 2,8 2,3 
Fahreigenschaften 2,7 2,7 
Sicherheit  1,6 1,7 
Umwelt/Ecotest 2,1 2,3

 

  • Das hat uns gefallen: Ordentliches Platzangebot. Gute Lenkung. Viele Assistenzsysteme. Verschiebbare Rückbank.
  • Das hat uns nicht gefallen: Einfache und billig wirkende Materialien im Innenraum. Mäßiges Serien-Halogenlicht. Teure Extras.

Preis: Die Basisversion kostet 17.975 Euro

Wer in einem SUV stets einen Allradler sieht, muss umdenken. Wie in der Kleinwagen-SUV-Klasse üblich, gibt es auch den T-Cross ausschließlich mit Frontantrieb. Sollen es dennoch vier angetrieben Räder sein, muss dann eben doch der T-Roc herhalten: Bei ihm sind manchen Versionen auch mit Allradantrieb zu haben. Doch als Schlecht-Wege-Fahrzeug ist der T-Cross ohnehin nicht gedacht, sondern eher als variables Alltagsfahrzeug, das meist in der Stadt unterwegs ist und einen Klein- bzw. Kompaktwagen ersetzt.

Zum Preis. Der T-Cross ist ab 17.975 Euro in der Basisversion zu haben. Weil der aber wichtige Ausstattungsdetails fehlen, sollte man lieber zur darüberliegenden Ausstattung "Life" für 20.075 Euro greifen. Dann erhält man ein solides Fahrzeug mit gutem Fahrkomfort, hoher Variabilität und jenem Schuss Esprit, der einem Polo oder Golf fehlt.

Ganz so leicht wie ein Golf dürfte es der T-Cross allerdings nicht haben – die Konkurrenz ist schließlich groß. Nicht nur die aus eigenem Haus in Form des Seat Arona (etwas kleiner als der T-Cross) oder des neuen Škoda Kamiq (einen Hauch größer als der T-Cross). Renault Captur, Peugeot 2008, Kia StonicOpel Crossland X und Citroën C3 Aircross sind schon lange auf dem Markt.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum VW T-Cross 1.0 TSI (pdf) und den zum T-Cross 1.6 TDI (pdf).

Ford Puma stehend

Ford Puma: Konkurrenz für den VW T-Cross

Der neue Ford Puma kommt Anfang 2020 auf den Markt und soll als Kleinwagen-SUV auf Fiesta-Basis dem VW T-Cross Paroli bieten. Das könnte gelingen. Preis: rund 21.000 Euro.

Infos, technische Daten, Preise zum Ford Puma

Crashtest-Ergebnis: Volle 5 Sterne

Der VW T-Cross erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür erforderlichen Punktwerte deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen und am Beifahrersitz montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der T-Cross ist mit einem umfassenden und guten Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Hier finden Sie die ausführlichen Crashtest-Ergebnisse des VW T-Cross

Text: Jochen Wieler. Fotos: Uli Sonntag/Volkswagen AG (8), Ingo Barenschee/Volkswagen AG (2)

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