ADAC Autotest: Lieber bewährt oder exotisch?

Gutes Design, guter Antrieb: Der neue Opel Astra im ADAC Test
Gutes Design, guter Antrieb: Der neue Opel Astra im ADAC Test© Opel

19 verschiedene Automodelle hat der ADAC zwischen April und Juni 2022 getestet: Drei Elektroautos, vier Plug-in-Hybride, sieben Benziner und fünf Diesel in allen Größen- und Preisklassen. Die Highlights im Quartalsrückblick.

Eine der wichtigsten Neuerscheinungen in diesem Jahr ist sicher der neue Opel Astra. Die sechste Astra-Generation soll dem ewigen Rivalen VW Golf das Leben wieder schwerer machen und die Kunden nach Rüsselsheim lotsen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Denn: Der Astra L hebt sich nicht nur mit einem auffälligen Design von der Masse ab. Unter dem Blech steckt zudem die modernste Technik des Stellantis-Konzerns (u. a. Peugeot, Citroën, Fiat, Jeep) – der Kompaktwagen steht auf der EMP2-Plattform, die neben dem neuen Peugeot 308 beispielsweise auch bei Citroën C5 X und DS 4 zum Einsatz kommt. Als 1.2 Turbo GS Line überzeugt der Astra mit seiner gelungenen Fahrwerksabstimmung, der guten Bedienbarkeit und seinem Antrieb.

Der 1,2 Liter große Turbobenziner sorgt mit 130 PS für ordentliche Fahrleistungen bei gleichzeitig erfreulich niedrigem Verbrauch von 6,0 Liter Super auf 100 Kilometer. Zudem befinden sich die Abgasemissionen auf niedrigem Niveau. Deshalb bekommt der Rüsselsheimer auch verdiente vier von fünf Sternen im ADAC Ecotest.

Renault Mégane E-Tech Electric: 360 km Reichweite

Renault Mégane E-Tech Electric: Elektro-SUV in der Golfklasse mit 360 km Reichweite im ADAC Test © Renault

Wie der Opel Astra gehört auch der neue Renault Mégane zu der nach wie vor sehr populären Kompaktklasse. Die neueste Modellgeneration fährt im modernen SUV-Look vor und ist ausschließlich als Elektroauto erhältlich, was ihm die Zusatzbezeichnung E-Tech Electric einbringt. Wer sich weder mit SUV-Optik noch mit Elektroantrieb anfreunden will, kann aber auch noch zum Vorgänger greifen. Er wird nach wie vor mit konventionellen Antrieben und Hybridmotoren parallel angeboten.

Doch zurück zum Elektro-Mégane. Das derzeitige Topmodell kommt mit 160 kW starkem E-Motor an der Vorderachse und 60 kWh großem Akku und hinterlässt im ADAC Autotest eine gute Figur. Bis auf das knappe Platzangebot im Fond und die dürftige Rundumsicht lässt sich dem Franzosen wenig vorwerfen. Die Reichweite fällt mit gemessenen 360 Kilometern alltagstauglich aus und liegt auf dem Niveau der Konkurrenz. Das modern gestaltete Cockpit dürfte besonders Technikaffine begeistern und der kräftige E-Antrieb auch sportlichen Fahrerinnen und Fahrern gefallen.

Guter Einstand: Der exotische Lynk & Co 01

Den Lynk & Co 01 kann man im Abo mieten © Lynk & Co

Lynk & Co? Was wie ein neues Modelabel klingt, ist eine junge chinesische Marke, die mit dem Lynk & Co. 01 erstmals zum Autotest im ADAC Technik Zentrum angetreten ist. Der Kompakt-SUV teilt sich die technische Basis mit dem Volvo XC 40 – kein Wunder, gehören doch sowohl Lynk & Co. als auch Volvo zum chinesischen Geely-Konzern. Der 01 wird ausschließlich über das Internet und vorwiegend als "Abo-Modell" (=Dauermiete) angeboten. Vorteil für den Hersteller: Er spart sich das kostspielige Händler- und Werkstattnetz. Vorteil für den Kunden, wenn er sich für ein Abo entscheidet: Er wird das Fahrzeug nicht nur schnell wieder los, wenn er das möchte. Er hat zudem kalkulierbare Kosten (alles dabei außer Treibstoff) und kann das Auto sogar untervermieten und so einen Teil der Kosten wieder hereinbekommen.

Um den Wagen kennenzulernen, besucht man einen der wenigen "Pop-up-Stores" oder lässt ihn sich für eine Probefahrt nach Hause liefern. Auch für die Inspektion schickt Lynk & Co. einen Mitarbeiter vorbei, der den Wagen in eine Volvo-Werkstatt bringt. Der Service lässt also kaum zu Wünschen übrig. Doch wie steht es um die Fahrzeugqualitäten?

Der Lynk & Co. 01 1.5TD PHEV DCT macht besonders für ein Erstlingswerk eine bemerkenswert gute Figur. Die Verarbeitung ist routiniert, das Fahrwerk hinterlässt einen ausgewogenen Eindruck und der komplexe Antriebsstrang des Plug-in-Hybriden geht harmonisch zu Werke – alles Bereiche, die von einem Autohersteller großes Know-how er-fordern. Hinzu kommen das großzügige Platzangebot, die üppige Serienausstattung und das hohe Sicherheitsniveau samt Fünf-Sterne-Ergebnis im Euro NCAP-Crashtest. Weniger gut kommen hingegen die teils umständliche Bedienung sowie die mit 3,7 kW geringe Ladeleistung bei den Testern an.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

Genesis: Der Verbrauch ist zu hoch

Schickes Heck, aber wenig Platz: Genesis G70 Shooting Brake © Genesis

Noch ebenfalls wenig bekannt dürfte die Marke Genesis als Ableger von Hyundai sein. Sie hat bereits einige Modelle vom Elektro-SUV GV60 bis hin zum großen G80 im Portfolio. Diesmal musste sich aber das Mittelklassemodell Genesis G70 im Test beweisen – als klassische Stufenhecklimousine sowie als stylischer Kombi Shooting Brake. Während die Limousine bereits seit 2017 produziert und nun in überarbeiteter Form auch nach Deutschland gekommen ist, ist der extra für den europäischen Markt entwickelte Kombi brandneu.

Beiden Modellen gemein ist das noble Interieur, das mühelos mit BMW und Mercedes mithalten kann, die überdurchschnittlich agilen und sicheren Fahreigenschaften sowie die geradezu opulente Komfortausstattung. Hinzu kommt das Rundum-Servicepaket samt kostenloser Inspektionsarbeiten und Hol-und-bring-Service in den ersten fünf Jahren.

Weniger überzeugen können die beiden Koreaner hingegen beim Platzangebot hinten und insbesondere beim Verbrauch. Könnte man dem 245 PS starken G70 2.0T das knappe Platzangebot im Fond noch nachsehen – schließlich ist Konkurrent 3er BMW auch kein Raumwunder – ist der hohe Verbrauch von 9,4 Litern auf 100 Kilometer einfach nur von gestern. Und auch der Diesel im Shooting Brake verbraucht mit 7,1 Liter/100 km noch vergleichsweise viel. Schafft dann wenigstens der Kofferraum des Kombi ordentlich was weg? Leider nein. Mit gemessenen 300 bis 1040 Litern Fassungsvermögen hat ein BMW 3er Touring (gemessene 365 bis 1325 Liter) die Nase vorn.

2. Quartal 2022: 19 Modelle im ADAC Autotest

Beim Click auf die Links gelangen Sie zur jeweiligen Modellseite im ADAC Autokatalog mit den ausführlichen Testergebnissen.

Benziner:

Diesel:

Plug-in-Hybride:

Elektroautos:

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Text: Jochen Wieler, Alexander Werner