ADAC Autotest: Was können die Chinesen?

Der neue Aiways U5 wird an der Ladesäule geladen
Braucht sich nicht hinter der Ladesäule zu verstecken: Der Aiways U5 im Test ∙ © Aiways

Zwischen April und Juni 2021 hat der ADAC 35 verschiedene Automodelle getestet. Neben reinen Verbrennern waren sechs Elektroautos, acht Plug-in-Hybride, zwei Vollhybride und zahlreiche Mildhybride dabei. Die Highlights.

Audi, BMW und Opel kennt jeder. Aber wie sieht es mit Polestar (Volvo-Ableger) MG oder Aiways (beides chinesische Marken) aus? Diese Hersteller sind noch weitgehend unbekannt – ihre Fahrzeuge aber längst auf dem deutschen Markt zu haben.

Ob man sich die Namen tatsächlich merken muss? Sieht fast danach aus. Denn eines wurde den ADAC Testern schnell klar: Von der teils katastrophalen Qualität früherer chinesischer Modelle sind die aktuellen weit entfernt. Sie können mittlerweile mit den etablierten Konkurrenten mithalten. So bekommen die beiden Elektroautos Aiways U5 und MG ZS EV im ADAC Test eine gute Gesamtnote von 2,5.

Was können Aiways U5 und MG ZS EV?

MG ZS EV stehend von hinten
MG ZS EV: Viel Platz, gutes Design, aber geringe Reichweite ∙ © ADAC/Jochen Wieler

Der Mittelklasse-SUV Aiways U5 glänzt zum Beispiel mit einem tollen Platzangebot, einer guten Verarbeitung und einer sehr umfangreichen Ausstattung. Und fünf Sternen im Crashtest! Dass die Bedienung im Aiways sehr umständlich und die Zuladung viel zu gering ausfällt? Bei der nächsten Generation dürfte das dann behoben sein, die Chinesen lernen schnell. Ebenso dürfte die noch geringe Reichweite des MG ZS EV, der nach dem ADAC Ecotest nur rund 260 Kilometer mit einer Batterieladung fährt, in ein paar Jahren kein Thema mehr sein. Wer damit leben kann, bekommt mit dem MG eine gute Alternative zum elektrischen Opel Mokka oder Peugeot 2008.

Doch auch europäische Hersteller setzen vermehrt auf elektrisch angetriebene SUVs. Der mit rund 65.000 Euro Grundpreis ziemlich teure Volvo XC40 Recharge Pure Electric leistet sich nur wenige Schwächen und beeindruckt mit seinem enorm kräftigen Antrieb. Kein Wunder bei 408 PS. Der elektrische VW ID.4 wirkt deutlich behäbiger, kommt im ADAC Autotest aber dennoch auf die Traumnote 1,9 – auch, weil er für seine Größe relativ wenig Energie frisst.

Opel Mokka-e: Hübsch, aber kein Pragmatiker

Opel Mokka fährt auf einer Straße
Sein Nutzwert könnte höher sein: Der elektrische Opel Mokka ∙ © Opel

Eine Nummer kleiner ist der Opel Mokka-e. Das gefällige Design überzeugt, der relativ hohe Verbrauch und der enge Fond dagegen nicht. Ärgerlich: Weder Anhänge- noch Stützlast sind eingetragen, weshalb man also nicht mal einen Fahrradträger an einer Anhängerkupplung befestigen kann. Das einzige getestete Elektroauto mit klassischem Stufenheck war im letzten Quartal der Polestar 2, der bisher einzige echte Konkurrent zum Tesla Model 3. Der 408-PS-Motor sorgt für Fahrleistungen auf Sportwagenniveau, das unkomfortable Fahrwerk und der hohe Verbrauch enttäuschen aber.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.

ADAC Autotest: Das steckt dahinter

SUV wird als Plug-in-Hybrid immer beliebter

Starken Zulauf haben im Moment auch SUVs als Plug-in-Hybrid: Vier davon hat der ADAC in den letzten drei Monaten getestet. Am Citroën C5 Aircross gefällt vor allem sein hoher Komfort und der variable Innenraum. Mit einem besonders günstigen Verbrauch kann er allerdings nicht punkten, genau wie der Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid. Etwas besser haben in dieser Beziehung die baugleichen Modelle Suzuki Across 2.5 PHEV und Toyota RAV4 2.5 PHEV abgeschnitten. Überraschend: Die unscheinbaren Familien-SUVs gehen mit etwa 300 PS Systemleistung ab wie die Feuerwehr. Umso schlimmer, dass die Japaner sowohl bei den Bremsmessungen als auch im ADAC Ausweichtest patzen.

Auch der Volvo V90 Recharge T6 wurde als Plug-in-Hybrid vom ADAC getestet. Der elegante Kombi ist hervorragend verarbeitet, bietet erstaunlichen Komfort und hinterlässt mit hochwertigen Materialien einen edlen Eindruck, ist aber auch sehr teuer. Wer günstiger teilelektrisch fahren will, kann auch einen Blick auf die beiden Kompaktwagen VW Golf GTE und Renault Mégane Grandtour E-TECH werfen. Beide sind recht sparsam zu fahren.

Perfekter Mercedes, sparsamer Suzuki

Ein weißes Auto fährt auf einer Strasse
Der neue Suzuki Swace ist baugleich mit dem Toyota Corolla Kombi ∙ © Suzuki

Einen klassischen Diesel mit sehr sauberen Abgasen hatten VW Golf Variant 2.0 TDI, Peugeot 3008 1.5 BlueHDi, Peugeot 5008 2.0 BlueHDi und Kombi-König Mercedes E-Klasse (T-Modell) unter der Haube. Der getestete 400 d 4Matic begeistert mit ausgezeichneter Laufruhe, Kraft in jeder Drehzahllage und sehr guten Fahrleistungen bei akzeptablem Verbrauch. In Verbindung mit der sanft schaltenden 9-Gang-Automatik vermutlich einer der besten je gebauten Diesel-Antriebsstränge. Perfektion kann man von einem mindestens 73.000 Euro teuren Auto aber auch erwarten.

Deutlich erschwinglicher: Der Hyundai i20 als solider Kleinwagen mit hübschem Design und sicheren Fahreigenschaften. Der Verbrauch des 1.0 T-GDI (6,3 Liter im Test) dürfte aber trotz Mildhybridtechnik niedriger ausfallen. Dass Hybride ohne Stecker sparsam sein können, beweist der Suzuki Swace 1.8 Hybrid als baugleicher Zwilling des Toyota Corolla Touring Sports. Leider bleibt der Fahrspaß bei dem Japaner ein wenig auf der Strecke. Ob das die Chinesen womöglich bald besser können?

35 Modelle im ADAC Autotest

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Text: Jochen Wieler, Maximilian Bauer