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Test Nissan Leaf: Schneller, weiter, alltagstauglicher

Nissan Leaf fährt auf der Straße
Der Nissan Leaf ist ein Elektroauto der Golfklasse ∙ © Nissan

Der Nissan Leaf ist bereits in der zweiten Generation zu haben. Wie praxistauglich der Leaf mit 40 kWh und 62-kWh-Akku mittlerweile ist, hat der ADAC getestet. Plus: Video, Daten und Fakten

Um den Nissan Leaf ist es ein wenig ruhig geworden seit VW den ID.3 mit großem Tamtam angekündigt hat. Anders aber als der Wolfsburger, der erst im Sommer 2020 ausgeliefert wird, ist der Nissan Leaf aber schon seit einigen Jahren zu haben.

Der Japaner wurde stetig weiterentwickelt, vor allem seine Batterie. Bei Einführung des Vorgängers im Jahr 2012 hatte die Batterie noch eine Kapazität von 24 kWh, der aktuelle Leaf wird mit 40 kWh und 62 kWh als Leaf e+ angeboten. Beide Versionen hat der ADAC getestet.

Nissan gibt bis zu 385 Kilometer Reichweite an

270 und 385 Kilometer Reichweite nennt Nissan für die beiden Varianten. Klingt gut, doch in der Realität sieht das ganze anders aus. Mit einer Komplettladung sind auf Basis des ADAC Ecotest im Fall des 40-kWh-Akkus lediglich 200 Kilometer drin. Für ein Elektroauto ist das ok, wer aber einen vollwertigen Ersatz für einen Verbrenner möchte, dürfte damit nicht glücklich werden.

Mit der 62 kWh großen Batterie sieht das besser aus: Hier hat der ADAC 300 Kilometer Reichweite ermittelt. Von einem elektrischen Hyundai Kona mit 375 Kilometern oder einem Kia Niro mit 395 ist der Leaf aber dennoch ein ganzes Stück weit entfernt.

Auch den Stromverbrauch hat der ADAC ermittelt – und zwar nicht nur den des Motors, der die Reichweite bestimmt. Rechnet man die Ladeverluste mit ein, die bei einem Elektroauto immer entstehen, verbraucht der Leaf laut ADAC Ecotest 22,1 kWh mit 40 kWh-Akku und 22,7 kWh mit 62 kWh-Akku auf 100 Kilometer.

Bis zu 30 Stunden laden an der Haushaltssteckdose

Der Leaf besitzt einen Typ-2-Wechselstromanschluss bis 6,6 kW Ladeleistung, einen Stecker für die Haushaltssteckdose (bis 2,3 kW) und einen CHAdeMO Gleichstromanschluss mit bis zu 50 kWh für Schnellladesäulen.

Eine Komplettladung an der Haushaltssteckdose mit 2,3 kW bei 10 Ampere dauert mit der kleinen Batterie ca. 17 Stunden und mit der großen rund 30. Nicht nur deshalb empfiehlt sich eine geeignete Wallbox für zu Hause, die bei 4,6 kW rund 15 Stunden benötigt, um die große Batterie komplett zu füllen. An der Schnellladesäule lassen sich 80 Prozent der Batterie in 45-66 Minuten aufladen.

Der Leaf liegt viel satter auf der Straße als früher. Ein Grund dürfte neben der aufwendigeren Geräuschdämmung das höhere Gewicht des Akkus im Unterboden sein, der jetzt mindestens 300 Kilogramm wiegt. Das schon beim Vorgänger angenehm ausgewogene Fahrwerk ist auch beim neuen Modell gelungen. Vor allem im innerstädtischen Bereich gefällt, wie das Fahrwerk Querfugen und Gullideckel pariert.

Der Leaf e+ federt schlechter

Zumindest bei der Version mit kleinem Akku. Im Vergleich dazu federt der Leaf e+ nicht so souverän. Das gut 150 kg höhere Leergewicht wurde offenbar lediglich durch straffere Federn und Dämpfer kompensiert. Das spürt man vor allem innerorts, wo der Leaf e+ recht hölzern über kurze Bodenwellen fährt.

Im ADAC Ausweichtest verhält sich der Nissan nicht besonders sportlich oder agil, aber konsequent sicher. Das ESP fängt das beim Ausweichvorgang drängende Heck zuverlässig ab und stabilisiert das Auto. Gleichzeitig wird so deutlich Geschwindigkeit abgebaut, und der Leaf rollt sicher durch den Rest des Parcours.

Die Motorleistung von 110 kW/150 PS ist für die Basisversion vollkommen ausreichend. Den Sprint von null auf 100 km/h gibt Nissan mit 7,9 Sekunden an – die Beschleunigung fühlt sich tatsächlich äußerst kräftig an. Dass die Spitze auf 144 km/h (157 km/h bei 62-kWh-Akku) limitiert ist, macht Sinn: Schließlich nimmt bei Elektroautos der Stromverbrauch jenseits der Richtgeschwindigkeit deutlich zu.

Der Version mit großem Akku gönnt Nissan sogar stolze 160 kW/217 PS, was naturgemäß für ein noch leichtfüßigeres Fahrgefühl sorgt. 6,9 Sekunden auf 100 km/h und ein Zwischenspurt von gemessenen 3,6 Sekunden von 60 auf 100 km/h sowie die direkte Gasannahme machen hier richtig Spaß und lassen manchen Sportwagen-Fahrer mit Verbrenner verblüfft zurück.

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Dank fein geregelter Leistungsabgabe ist ein sehr zügiges, aber nicht unkontrolliertes Anfahren möglich, was sich positiv bemerkbar macht, wenn man in den fließenden Verkehr einfädeln möchte. Elektrisch Autofahren ist durch das nahezu geräusch- und vibrationslose Dahingleiten ohnehin eher Entspannungsübung.

Sogar einen Stauassistenten gibt es

Keine Wünsche lässt die Ausstattung offen: Je nach Ausstattungslinie oder als Extra gibt es nun eine auch eine Einparkautomatik, LED-Vollscheinwerfer und sogar einen Stauassistenten mit Stop-and-go-Funktion.

Nicht ganz überzeugen kann das sogenannte E-Pedal, das vom BMW i3 bekannt ist. Lupft der Fahrer den "Gas"-Fuß nur leicht, bremst das Auto wenig. Nimmt er ihn dagegen komplett vom Pedal, scheint das Auto den Anker zu werfen. Irgendwann schafft man es zwar mit Geschick und Übung, den Wagen in Kurven zu zirkeln, ohne das Bremspedal überhaupt zu berühren. Doch das funktioniert weniger perfekt als im BMW i3. Wer sich damit nicht anfreunden will, kann den Leaf auch ohne E-Pedal bewegen: Ein Tastendruck, und das Auto bremst, rollt und rekuperiert normal.

Die Sitzposition ist nicht für jeden ideal

Das Platzangebot fällt durchschnittlich aus. Auch wenn die Kopffreiheit für Fahrer mit einer Körpergröße von rund 2,10 Metern ausreichen würde, lassen sich die Sitze nur für Insassen bis knapp 1,85 Meter zurückschieben. Das Raumgefühl wird durch das hohe Armaturenbrett sowie durch die hohe Seitenlinie etwas gemindert. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Fahrer eingestellt, finden im Fond Passagiere bis 1,80 Meter Körpergröße genügend Platz. Der Raum für die Füße unter den Vordersitzen ist allerdings knapp bemessen.

Schade ist, dass sich das Lenkrad nur in der Höhe, aber nicht längs verstellen lässt. Nicht jeder Fahrer findet so eine optimale Sitzposition.

36.800 Euro Basispreis

Billig ist der Leaf mit einem Basispreis von 36.800 Euro zwar nicht, aber schon das Grundmodell ist sehr gut ausgestattet und hat sogar eine stromsparende Wärmepumpe dabei, ein umfangreiches Multimediasystem inclusive Smartphone-Anbindung und Sprachsteuerung, Rückfahrkamera und einen adaptiven Tempomat. Die reichweitenstärkere Variante steht ab 44.700 Euro in der Preisliste, jeweils noch vor dem aktuell gültigen Umweltbonus.

Hier lesen Sie die ausführlichen Testberichte zum Nissan Leaf:

Testbericht Nissan Leaf (40 kWh)
PDF, 562 KB
PDF ansehen
Tetsbericht Nissan Leaf e+ (62 kWh)
PDF, 786 KB
PDF ansehen
Technische Daten (Herstellerangaben)Nissan Leaf (40 kWh)Nissan Leaf (62 kWh)
MotorElektromotor, 110 kW/150 PS, 320 Nm bei 3283 U/minElektromotor, 160 kW/217 PS, 340 Nm bei 4000 U/min
Fahrleistungen7,9 s auf 100 km/h, 144 km/h Spitze6,9 s auf 100 km/h, 157 km/h Spitze
Verbrauch19,4 kWh/100 km (nach WLTP), 0 g CO₂/100 km18,5 kWh/100 km (nach WLTP), 0 g CO₂/100 km
MaßeL 4,49 / B 1,79 / H 1,54 mL 4,49 / B 1,79 / H 1,54 m
Kofferraum400 – 790 Liter420 – 790 Liter
Preisab 36.800 €ab 44.700 €
ADAC Messwerte (Auszug)Nissan Leaf (40 kWh)Nissan Leaf (62 kWh)
Überholvorgang 60-100 km/h4,8 s3,6 s
Bremsweg aus 100 km/h36,5 m37,0 m
Wendekreis11,5 m11,5 m
Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC EcoTest22,1 kWh/100 km, 128 g CO₂/km (well-to-wheel)*22,7 kWh/100 km, 124 g CO₂/km (well-to-wheel)
Reichweite200 km300 km
Innengeräusch bei 130 km/h68,7 dB(A)69,1 dB(A)
Leergewicht / Zuladung1572 / 423 kg1725 / 375 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch390 / 645 / 1265 l390 / 655 / 1275 l
* Test 2018 mit dem damaligen BRD-Strommix
ADAC TestergebnisNissan Leaf (40 kWh) Nissan Leaf (62 kWh)
Karosserie/Kofferraum3,13,0
Innenraum3,23,1
Komfort3,13,1
Motor/Antrieb1,31,1
Fahreigenschaften2,82,9
Sicherheit2,22,0
Umwelt/EcoTest1,5*2,3**
Gesamtnote2,32,4
* Test 2018; ** Test 2020 mit verschärften Testkriterien; die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Das hat uns gefallen: Höhere Reichweite als beim Vorgänger. Gut abgestimmter und kräftiger Elektroantrieb. Umfangreiche Sicherheitsausstattung. Lokal emissionsfrei.

Das hat uns nicht gefallen: Geringe Reichweite bei Basisversion. Hoher Preis. Lenkrad unzureichend verstellbar.

Ein Nissan Leaf für die Rennstrecke mit 326 PS? Den gibt es wirklich! Und so fährt sich das Power-Elektroauto Nissan Leaf Nismo RC.

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Der Nissan Leaf-Test im Video:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. ∙ Bild: © ADAC