Elektroautos mit Anhängerkupplung: Diese Modelle gibt es
Von Jochen Wieler

Elektroauto und Anhänge, das schließt sich nicht gegenseitig aus. Inzwischen sind die meisten E-Autos mit Anhängerkupplung zu haben. Doch wie steht es um die Anhängelast? Große ADAC Übersicht. Plus: So viel können Plug‑in-Hybride ziehen.
Einige Modelle mit 2500 Kilo Anhängelast und mehr
Mit großem Wohnwagen nur noch die halbe Reichweite
Die meisten E-Autos sind mit Anhängerkupplung erhältlich
Egal ob man mit dem Wohnwagen in den Urlaub fahren möchte, den Gartenschnitt wegbringen muss oder Fahrräder transportieren will: Eine Anhängerkupplung erhöht die Einsatzmöglichkeiten eines Autos ungemein. Fahrer von Elektroautos hatten hier oftmals das Nachsehen. Bis vor einigen Jahren wurden für viele E-Autos keine Anhängevorrichtungen angeboten bzw. waren nur minimale Anhängelasten erlaubt.
Das hat sich geändert. Inzwischen gibt es für die meisten Elektroautos eine Anhängerkupplung als Option. Bei manchen Modellen ist zwar nur die Installation eines Fahrradträgers (wie beim VW ID.3) erlaubt, doch inzwischen gibt es zahlreiche Fahrzeuge mit Anhängelasten von 1800 Kilogramm und mehr, die auch einen mittelgroßen Wohnwagen an den Haken nehmen können. Zu nennen sind hier Modelle wie Kia EV, Škoda Elroq, die Allradversionen von VW ID. Buzz, ID.4, 5 und 7 (jeweils bis 1800 Kilogramm), aber auch Mercedes GLC EQ (bis 2,4 Tonnen) und BMW iX3 (zwei Tonnen).
Elektroautos mit hoher Anhängelast
Und selbst für schwerere Anhänger findet sich ein Angebot an elektrischen Zugfahrzeugen. Spitzenreiter sind mit 3,5 Tonnen der Pick-up Maxus eTerron 9 und mit 3 Tonnen der neue Porsche Cayenne.
Nicht ganz so abgehoben und mit einer durchaus ansehnlichen Anhängelast versehen sind aber beispielsweise auch der BMW iX und der Kia EV9 (jeweils 2,5 Tonnen). Auch Audi Q6 e-tron (2400 Kilo), Volvo EX90, Polestar 3 (2200 Kilo) und Audi A6 e-tron (2100 Kilo) haben Potenzial als Zugfahrzeuge. Die Anhängelasten weiterer Modelle können Sie der Tabelle (siehe unten) entnehmen.
Wenig Anhängelast: VW ID.4, Tesla Model 3
Es gibt aber auch Autos, die bei der Anhängelast enttäuschen. Dazu gehören viele Fahrzeuge aus dem MEB-Baukasten von VW wie ID.4 und ID.5 in den schwächeren Varianten (1000 Kilo). Für den ID. Buzz in Langversion und mit der stärksten Motorisierung sind immerhin 1800 Kilo möglich, genau wie für den stärksten VW ID.7.
Auch das Tesla Model 3 enttäuscht mit 1000 Kilogramm Anhängelast. Und dass der Suzuki e-Vitara und auch die Basisversion des Mercedes EQE maximal 750 Kilo an den Haken nehmen dürfen, wird für viele Gespannfahrer beim Kauf ein Ausschlusskriterium sein.
Elektroautos mit Anhängerkupplung 2026
Die folgenden Elektroautos und Plug‑in-Hybride sind als Zugfahrzeuge zugelassen. Aufgeführt sind jeweils die Modellvariante mit der geringsten und die mit der höchsten Anhängelast. Mit einem Klick auf die Reiter in der Tabelle können Sie sich die Modelle nach dem gewünschten Wert (Anhängelast, Stützlast, Dachlast, Preis) sortieren lassen:
Im ADAC Autokatalog finden Sie weitere technische Daten zu allen Elektroautos und Plug‑in-Hybriden.
Fahrradträger sind manchmal erlaubt
Ist keine Anhängelast vorgesehen, können manche Modelle wie der VW ID.3 zumindest mit einer Kupplung zur Aufnahme eines Fahrradträgers ausgerüstet werden. Bei ihnen ist eine Stützlast erlaubt.
Interessant ist, dass bei einigen Marken die maximale Anhängelast von der Batteriegröße abhängt, bei anderen jedoch davon, ob es sich um ein zwei- oder allradgetriebenes Elektroauto handelt, wie es auch bei konventionell angetriebenen Fahrzeugen üblich ist.
Elektro-Transporter: Das Angebot wächst
Lange gab es keinen elektrischen Transporter, der mehr als 1000 Kilogramm anhängen durfte. Für die meisten Handwerker war das zu wenig, doch auch das hat sich geändert – zumindest bei manchen Modellen. Opel Movano und Fiat e-Ducato gibt es nun mit 2400 Kilogramm, Ford E-Transit Custom mit 2300 und Mercedes-Benz e-Sprinter mit 2000 Kilo Anhängelast.
E-Auto und Wohnwagen: Halbe Reichweite

Klar ist, dass sich im Anhängerbetrieb der Stromverbrauch erhöht und so die Reichweite abnimmt. Im Grunde ist das nicht anders als beim Verbrennungsmotor, nur fällt das beim E-Auto aufgrund der kürzeren Reichweite und der längeren Ladedauer je nach Fahrstrecke stärker ins Gewicht. Wie stark, hängt vom Gewicht, dem Windwiderstand des Gespanns sowie der gefahrenen Geschwindigkeit ab.
Mit einem schweren Wohnwagen am Haken kann man davon ausgehen, dass sich auf der Autobahn die Reichweite etwa halbiert. Mit einer effektiven Reichweite von 150 bis 200 Kilometern dürften daher für die meisten Camper längere Urlaubstouren nicht infrage kommen. Dennoch hat der ADAC es ausprobiert und sich mit einem Kia EV6 auf die große Tour mit Wohnwagen gemacht. Das Ergebnis: gut 80 Prozent Mehrverbrauch.
Wer nur einen Baumarktanhänger durch die Stadt zieht, dürfte im Gegensatz dazu nur wenig Auswirkungen auf die Reichweite spüren. Der ADAC rät, möglichst vorausschauend zu fahren, einen windschnittigen Hänger zu wählen und auf der Autobahn eher 80 als 100 km/h anzupeilen.
So beeinflussen Anhänger die Rekuperation
Lässt sich durch das höhere Gewicht des Gespanns mehr Energie beim Bremsen zurückgewinnen (Rekuperation) als im Solo-Betrieb? Das ist nur bei einem ungebremsten Anhänger der Fall. Bei einem gebremsten wirkt sich die Bewegungsenergie des Anhängers nicht aus, wenn die Auflaufbremse greift.
Ladesäulen mit Anhänger schwer erreichbar
Auch das Laden an öffentlichen Säulen kann eine Herausforderung darstellen: Die meisten Ladesäulen sind an der Stirnseite von Parkplätzen aufgebaut. Je nachdem wo der Ladeanschluss des E-Autos ist, würde ein Anhänger während des Ladevorgangs andere Ladesäulen oder Parkplätze oder sogar den Fahrweg blockieren, was behindernd oder sogar gefährlich ist. Insofern bleibt an vielen Ladestationen nichts anderes übrig, als den Anhänger abzukuppeln, was Zeit kostet und umständlich ist.
Immer häufiger werden inzwischen jedoch auch Schnellladesäulen entlang der Autobahnen aufgebaut, die in klassischer Tankstellenmanier als Durchfahrtslösungen konzipiert und somit auch für Gespanne tauglich sind.
Anhängerkupplung nachrüsten

Einige Elektrofahrzeuge und Plug‑in-Hybride können auch mit einer Anhängerkupplung zumindest für einen Fahrradträger, teilweise auch für einen Anhänger nachgerüstet werden. Wichtig: Im Vorfeld sollte man sich vergewissern, dass eine gültige Typgenehmigung besteht.
Wenn nicht schon ab Werk eine Anhängelast freigegeben ist, kann bei Nachrüstungen die Herstellergarantie auf den Antriebsakku, den E-Motor oder andere E-Komponenten in Gefahr sein. Weil die Garantien auf die Batterie auf lange Zeiträume von bis zu 8 Jahren oder 160.000 Kilometern ausgelegt sind, sollte man sich den Schritt also sehr genau überlegen.
Plug‑in-Hybride und Anhänger
Waren Plug‑in-Hybride in der Vergangenheit noch bei der Anhängelast eingeschränkt, stehen sie inzwischen reinen Verbrennern in nichts nach und können adäquate Anhängelasten ziehen. Wer mit einem Plug‑in-Hybrid häufiger schwere Lasten ziehen will, sollte diesen bei einer Probefahrt auch mit leerem Akku testen. Denn der Akku wird bei Anhängerbetrieb schnell aufgebraucht und das Fahrzeug ist dann im reinen Hybridbetrieb unterwegs. Hier gilt es zu prüfen, ob der Verbrennungsmotor ohne elektrische Unterstützung im Anhängerbetrieb eventuell schwächelt.
Tipps und Empfehlungen des ADAC
Informieren Sie sich vor dem Autokauf gut zu Anhängelasten, Dachlasten und Stützlasten. Lassen Sie sich die Eigenschaften schriftlich bestätigen.
Prüfen Sie, ob die angegebene Anhängelast nur bis 8 Prozent Steigung gilt oder ob es sich um die maximale Anhängelast bei 12 Prozent Steigung handelt.
Informieren Sie sich, was generell bei Anhängelast und Fahrzeuggewicht zu beachten ist.
Seien Sie vorsichtig bei Nachrüstungen. Ohne Freigabe können die Herstellergarantien verloren gehen.
Seien Sie sich bewusst, dass die Reichweite im Anhängerbetrieb signifikant abnimmt.
Suchen Sie Ladesäulen aus, bei denen Sie den Anhänger nicht abkuppeln müssen.
An die Autohersteller appelliert der ADAC, Anhänge- und Dachlasten bei Elektroautos und Plug‑in-Hybriden analog zu den vergleichbaren Verbrennermodellen freizugeben. Zumindest die Möglichkeit, einen Fahrradträger oder einen ungebremsten Anhänger zu verwenden, sollte gegeben sein.
Beim Aufbau von Schnellladestationen sollten vermehrt Durchfahrt-Ladestandorte für Anhängergespanne geschaffen werden.
Technische Beratung: Matthias Vogt/ADAC Technik Zentrum