Mercedes EQE: Die Elektro-E-Klasse mit 660 Kilometern Reichweite

Mercedes EQE seitlich auf einer Strasse fahrend
Bricht mit dem bisherigen Mercedes-Design: Der elektrische EQE ∙ © Mercedes

Mit dem Mercedes EQE will Daimler das Model S von Tesla ausstechen. Die Elektro-Limousine in E-Klasse-Größe kommt Mitte 2022 auf den Markt – mit einer 90-kWh-Batterie für 660 Kilometer Reichweite. Erste Infos, Daten, Bilder

  • Futuristisches Design: Mercedes EQE orientiert sich optisch am EQS

  • Mit 4,95 Metern Länge ein klassischer Vertreter der oberen Mittelklasse

  • 660 Kilometer Reichweite nach WLTP, Marktstart Mitte 2022

Der EQS war nur die Speerspitze. Nachdem sich Mercedes lange Zeit gelassen hat mit seinem ersten komplett um den Akku herum entwickelten Elektroauto, geht es bei den Schwaben jetzt dafür Schlag auf Schlag: Auf der IAA in München steht, was im Sommer 2022 vom Stapel gelassen wird. Mit dem EQE will Daimler nach der Luxus- auch die Businessklasse elektrifizieren und so bei der Jagd auf Teslas Model S in die Poleposition gehen.

EQE kommt vor Elektro-A6 und Elektro-5er

Mercedes EQE von vorne, auf einer Strasse fahrend
Typisch E-Auto: Auch der EQE kommt mit geschlossenem "Kühlergrill" ∙ © Mercedes

Denn bis bei Audi ein elektrischer A6 auf der gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE-Plattform kommt, wird es wohl noch zwei Jahre dauern – und von einem i5 ist bei BMW noch nicht die Rede. Dass der EQE so kurz nach dem EQS schon fertig ist, hat einen Grund: Beide nutzen die zweite Generation der Electric Vehicle Architecture (EVA2), die bald zur wichtigsten Plattform für Mercedes werden dürfte. Allerdings haben die Entwickler diese Grundstruktur für den EQE in jeder Hinsicht ein bisschen zurechtgestutzt.

Mercedes EQE mit 660 Kilometern Reichweite

Unter dem Blech gilt das vor allem für den Akku, der statt 108 kWh nutzbarer Kapazität nur 90 kWh zu bieten hat. Weil zugleich der Cw-Wert des EQE einen Hauch schlechter ist und das Gewicht nicht sehr viel besser, schrumpft die Reichweite auf 660 WLTP-Kilometer. Das sind zwar 120 weniger als im EQS, aber deutlich mehr, als es die vielen elektrischen SUV bieten, mit denen die Businessklasse aktuell unterwegs ist. Für die Praxis dürften jedenfalls mehr als 500 Kilometer drin sein. Außerdem wird schnell geladen: Dank einer Ladeleistung von bis zu 170 kW soll in 15 Minuten im besten Fall der Strom für 250 Kilometer fließen.

Zum Start gibt es nur einen Motor. Beginnen will Mercedes die Auslieferung im Sommer 2022 mit einem EQE 350, an dessen Hinterachse ein 215-kW-Triebwerk angeschlagen ist. Später folgen noch 4Matic-Modelle mit Frontmotor und sicher auch ein starker AMG.

Viel Platz für die Insassen, wenig fürs Gepäck

Zurechtgestutzt hat Mercedes auch die Karosserie: Weil der Radstand um 9 und die Länge um fast 30 Zentimeter schrumpfen, wirkt der EQE bei 4,95 Metern Länge etwas gedrungener als der EQS und kommt trotz des sogenannten One-Bow-Designs mit kurzer Haube, knappem Überhang hinten und einem kuppelförmigen Bogen über dem Innenraum der traditionellen Limousine näher: Nicht umsonst gibt’s statt der großen Heckklappe bis ins Dach einen klassischen Kofferraumdeckel, unter dem mit 430 Litern vergleichsweise wenig Platz fürs Gepäck bleibt.

Auch im EQE kommt der mächtige Hyperscreen

Das Cockpit des Mercedes EQE
Wie im EQS kommt auch im EQE der Hyperscreen mit drei Bildschirmen unter Glas zum Einsatz ∙ © Mercedes

Und wo andere einen Frunk haben, also einen Zusatz-Kofferraum unter der Fronthaube, braucht Mercedes den Bauraum für den Hepa-Filter, der genau wie im EQS für die reinste Luft sorgen soll, die Autofahrer bislang atmen konnten. Dafür allerdings schwelgen immerhin die Passagiere in fürstlichen Platzverhältnissen. Wie in jedem Elektroauto sitzen die zwar etwas höher und sind der Straße damit ein wenig entrückt. Doch bei acht Zentimetern mehr Innenraumlänge als in einer normalen E-Klasse bietet der EQE vor allem Hinterbänklern so viel Beinfreiheit wie sonst nur die auf China beschränkte Langversion der Limousine.

Zwar schwelgt Mercedes bereits in elektrischer Intelligenz, prahlt mit der schlauen Navigation, die Rücksicht nimmt auf Routenprofile und Ladestopps, oder berichtet stolz von den Rekuperationsstufen zwischen One-Pedal-Feeling und kilometerlangen Segelphasen. Und natürlich drehen auch die Designer auf, wenn sie über die sinnliche Klarheit der schnörkellosen Karosserie sprechen oder vom Hyperscreen schwärmen, der sein digital animiertes Infotainment-Feuerwerk auf Wunsch auch für die E-Klasse-Kundschaft abbrennt und dabei ohne tief verschachtelte Menü-Ebenen bedient wird.

Preis für den EQE: rund 70.000 Euro

Mercedes EQE von schräg hinten auf einer Strasse fahrend
Kurzer Überhang: Das Heck des EQE endet für Limousinen-Verhältnisse recht abrupt ∙ © Mercedes

Doch ausgerechnet bei dem Thema, das die Viel- und Firmenfahrer mit am meisten interessiert, werden die Schwaben schmallippig: Zum Preis lassen sie sich noch keine Silbe entlocken. Klar wird der EQE nicht so viel kosten wie ein EQS, der aktuell bei knapp 110.000 Euro startet. Aber genauso klar ist auch, dass es ihn nicht für die rund 50.000 Euro geben wird, für die man eine günstige E-Klasse bekommt. Wer mit 70.000 Euro rechnet, der könnte schon auf einem richtigeren Weg sein.

Der EQE ist nur ein Fahrzeug der geplanten Elektrowelle von Daimler. Auf dessen Plattform sollen auch elektrische Geländewagen im Stil von GLE und GLS kommen – und bald auch der erste elektrische Maybach. Denn ein bisschen Vitamin E kann auch den Sehr-viel-Besser-Verdienern kaum schaden.

Video: Der Mercedes EQE im ADAC Review

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Mercedes

Text: Thomas Geiger

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