Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

Anhängelast: Was dabei zu beachten ist

ein Auto mit einem Caravan auf der Teststrecke
Anhängelast: Nicht jedes Fahrzeug darf schwere Wohnwagen ziehen ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Wer einen schweren Anhänger ziehen will, braucht ein Auto mit hoher Anhängelast. Was Sie dabei beachten müssen und welche Modelle sich besonders gut eignen, lesen Sie hier.

  • Die besten Zugfahrzeuge aller Fahrzeugklassen

  • Alle Infos zu Anhängelast, Stützlast und Zug-Gesamtgewicht

  • So messen Sie die Stützlast selbst

Bevor man einen Hänger an den Haken nimmt, gilt der erste Blick immer zuerst den Fahrzeugpapieren. In Zulassungsbescheinigung Teil I und Teil II (Fahrzeugschein) sowie in den CoC-Papieren ist die maximale Anhängelast des Fahrzeugs ausgewiesen.

Ist dagegen ein Neuwagenkauf geplant, sollten die technischen Daten in den Prospekten genau gecheckt werden. Denn je nach Motorisierung, Getriebe- und Antriebsart (Allrad) sowie Ausstattung kann die zulässige Anhängelast sogar bei ein und dem selben Modell erheblich variieren. Beispiel: Ein aktueller Dacia Duster dCi 115 (Diesel) darf 1500 Kilogramm ziehen, der vergleichbare Benziner TCe 100 nur 1300.

Gebremst oder ungebremst?

Es wird unterschieden zwischen "gebremst" und "ungebremst". Ungebremste Anhänger ziehen als "Leichtanhänger" oft Motorräder oder kleine Boote. Auch die "Baumarktanhänger", mit denen der Gartenabfall entsorgt oder der Rasenmäher zur Reparatur gebracht wird, zählen häufig dazu. Große Boots- oder Kfz-Anhänger wie auch Wohnwagen oder Yacht-Trailer sind meist mit eigener Bremse (Auflaufbremse) ausgestattet und dürfen daher schwerer sein. In Deutschland müssen nur Pkw-Anhänger mit über 750 kg zulässigem Gesamtgewicht eine Auflaufbremse haben.

Das Zug-Gesamtgewicht ist entscheidend

Wichtig: Nicht nur die eingetragene Anhängelast des Zugfahrzeugs ist entscheidend. Immer mehr Fahrzeuge haben in den Fahrzeugpapieren einen Zusatzeintrag, der das Zug-Gesamtgewicht des Gespanns limitiert – das liegt oft unter dem Wert, der sich rein rechnerisch ergibt, wenn man das zulässige Gesamtgewicht des Zugfahrzeugs und dessen maximale Anhängelast addiert. Nutzt man also die Anhängelast komplett aus, darf man das Zugfahrzeug nicht mehr voll beladen.

Grund: Das Gespann muss in der Lage sein, an einem Berg mit zwölf Prozent Steigung in fünf Minuten fünf mal anzufahren, ohne dass ein Bauteil am Fahrzeug versagt. Zusätzlich müssen das Fahrwerk und die Bremsen des Zugfahrzeugs für eine sichere Führung des Gespanns ausgelegt sein.

Nicht jedes Auto eignet sich als Zugfahrzeug

Dass ein kleiner Fiat Panda oder ein Opel Astra mit wenig Leistung mit einem schweren Pferdeanhänger oder einem großen Wohnwagen überfordert ist, dürfte jedem klar sein. Doch auch ein großer SUV oder ein PS-starker Pkw ist nicht automatisch als Zugmaschine geeignet. Es gibt durchaus beträchliche Unterschiede: Ein Lexus UX als Kompakt-SUV darf zum Beispiel maximal 750 Kilogramm ziehen, während der 400 PS starke Elektro-SUV Jaguar i-Pace gar keine Anhängelast hat. Ein BMW X5 Diesel oder eine Mercedes G-Klasse kommen dagegen auf satte 3500 Kilo Anhängelast.

Wie hoch die Anhängelast beim jeweiligen Wunschmodell ist, können Sie der unten stehenden Liste entnehmen. Aufgeführt sind in Deutschland relevante Modellreihen und davon jeweils die Motorisierung mit der niedrigsten maximalen Anhängelast (gebremst) und die mit der höchsten. Falls vorhanden, ergänzt ein Modell mit alternativem Antrieb die Auswertung.

Alle technischen Daten zu jeder aktuellen Modellreihe und auch zu bereits eingestellten Fahrzeugen finden Sie im ADAC Autokatalog.

Was es bei der Stützlast zu beachten gibt

Die Stützlast beschreibt das maximale Gewicht, das von oben auf die Anhängerkupplung wirken darf. Für sie darf weder die angegebene zulässige Stützlast für die Anhängerkupplung und die Zugeinrichtung noch die vom Hersteller des Zugfahrzeugs überschritten werden. Außerdem gibt es noch den Stützlast-Wert von Deichsel und Auflaufvorrichtung, den der Hersteller des Hängers vorschreibt. Der kleinere Wert ist einzuhalten. Er sollte aber möglichst voll ausgenutzt werden, da eine hohe Stützlast der Gespannstabilität dienlich ist.

Nach § 42 StVZO wird die Stützlast dem Zugfahrzeug zugeschlagen und vom tatsächlichen Anhängergewicht abgezogen. Das zulässige Gesamtgewicht des Anhängers darf aber dennoch nicht überschritten werden.

Die tatsächliche Stützlast lässt sich mit einer Stützlastwaage aus dem Zubehörhandel, aber auch mit einer Badezimmerwaage ermitteln. So gehen Sie dabei vor: Legen Sie ein Brett flach auf die Badezimmerwaage und stellen ein passend langes, zweites Brett senkrecht quer zur Fahrtrichtung unter das Kupplungsmaul. Senken Sie die Deichsel mit dem Stützrad langsam ab, bis das Kupplungsmaul auf dem senkrechten Brett aufsteht und das Stützrad nur wenige Millimeter in der Luft hängt. Das senkrecht stehende Brett muss so hoch sein, dass das Kupplungsmaul etwa in der Höhe ist, wie die Anhängerkupplung Ihres Fahrzeugs im belasteten Zustand.

Wenn Sie die Stützlast direkt unter dem Stützrad messen, ist der abgelesene Wert zu hoch und daher nicht aussagekräftig. Achtung: Sichern Sie den Anhänger zur Messung der Stützlast gut gegen Wegrollen, ziehen Sie die Bremse an, oder legen Sie in beide Richtungen Keile unter.

Weitere interessante Themen

Der ADAC bietet in seinen Fahrsicherheitszentren auch Fahrtrainings für Gespanne an.

Abreißsicherung: Wann ist sie nötig?

Gebremste Anhänger müssen mit dem Auto mit einem Abreißseil verbunden werden. Es löst die Bremse des Anhängers aus, wenn sich der Anhänger vom Fahrzeug trennt und muss an einer separaten Öse oder Lasche am Fahrzeug eingehängt sein. Sind Öse oder Lasche am Auto nicht vorhanden, ist in Deutschland ein Überstreifen über die Anhängerkupplung zulässig, aber aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen.

In den Niederlanden, Österreich und in der Schweiz müssen auch ungebremste Anhänger mit (Stahl-) Seil oder Kette so gesichert werden, dass sich der Anhänger vom Fahrzeug nicht trennen kann. Ein bloßes Überstreifen des Abreiß- oder Sicherungsseils über die Anhängerkupplung ist in diesen Ländern nicht zulässig und mit teils hohen Bußgeldern belegt, eine Öse oder Lasche an einem festen Teil des Zugfahrzeugs sind also zwingend erforderlich. Hier finden Sie alle Details zu den Bestimmungen im benachbarten Ausland.

Elektroautos und Anhängelast

Für die meisten E-Fahrzeuge werden keine Anhängervorrichtungen angeboten – weder ab Werk noch als Nachrüstung oder es besteht keine Freigabe. Grund: Die bislang ohnehin oft überschaubaren Reichweiten würden durch den deutlich höheren Stromverbrauch im Anhängerbetrieb weiter zusammenschmelzen. Doch das dürfte sich in Zukunft mit immer leistungsfähigeren Akkus ändern.

Bei einer Handvoll E-Autos etwa von Nissan, Renault und Tesla ist dennoch ein Anhängerbetrieb möglich. Tesla ermöglicht beim Model X bis zu 2270 kg Anhängelast. Und für das Model S und manche E-Fahrzeuge anderer Hersteller ist zumindest die Montage einer Anhängerkupplung erlaubt, wenn man sie ausschließlich für den Fahrradtransport einsetzt.

Weitere hilfreiche Tipps des ADAC

  • Ein Gespann fährt sich stabiler, wenn das Zugfahrzeug schwerer ist als die Anhängelast

  • Die Ausschöpfung der zulässigen Stützlast vermindert die Schlingerneigung

  • Beachten Sie die Regeln für die Gespannzulassung: Unter bestimmten Voraussetzungen dürfen Gespanne in Deutschland auf der Autobahn und auf Kraftfahrstraßen 100 km/h statt 80 km/h fahren

  • Im Ausland gelten unterschiedliche Geschwindigkeitsbegrenzungen für Gespanne

  • Prüfen Sie das Zug-Gesamtgewicht auf einer Waage, die sich vereinzelt bei Prüfdiensten, Lkw-Höfen, Speditionen, Baustoffhandlungen oder Entsorgungsunternehmen finden

  • Im Ausland sind die Strafen für Gewichts- und Geschwindigkeitsüberschreitungen sehr viel höher als in Deutschland; die Weiterfahrt kann zudem untersagt werden

  • Beachten Sie die Vorschriften zur Anbringung von Sicherungs- oder Abreißseil in den Niederlanden, Österreich und der Schweiz