Testfahrt VW ID. Buzz: Das kann der elektrische VW-Bus

VW ID. Buzz: Knuffig, praktisch, elektrisch ∙ Durch Anklicken des Vorschaubildes mit dem Play-Button werden Sie auf die Internetseite von YouTube weitergeleitet. Für deren Inhalte und Datenverarbeitung ist der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich. ∙ Bild: © Volkswagen

Endlich hat VW das Tuch gehoben und den elektrischen VW ID. Buzz vorgestellt. Kann er an die Bulli-Legende anknüpfen? Bilder, Infos zu Reichweite, Marktstart und Innenraum. Plus: Testfahrt im Serienmodell.

  • Ab Herbst 2022 für ca. 63.000 Euro, Vorbestellung ab Mai

  • Geteilte und verschiebbare Rückbank

  • Elektroantrieb mit 77-kWh-Akku

Sie sind technisch auf der Höhe der Zeit und mittlerweile auf Monate ausverkauft – doch so gut VW mit ID.3, ID.4 und bald auch dem ID.5 voran kommt beim Verkauf von Elektroautos: Es fehlt den Stromern ein bisschen an Sex-Appeal, denn so richtig wollen sie uns das Herz nicht erwärmen. Aber damit ist es jetzt vorbei: Fünf Jahre nach dem Debüt des Showcars geht der ID. Buzz endlich in Serie. Im Mai 2022 startet der Vorverkauf, im Herbst ist offizielle Händlerpremiere.

VW ID. Buzz: Blech gewordenes Fernweh

Mit der ersten elektrischen Großraumlimousine schlägt VW den Bogen zurück zum legendären "Bulli", der 1950 seinen Einstand gab und binnen 70 Jahren zum Traumwagen ganzer Generationen geworden ist. Erst Motor des Wirtschaftswunders, dann Ikone der Hippies und bis heute blech gewordenes Fernweh für Camper, Studienräte und Familienväter – es gibt neben dem Käfer kaum ein anderes VW-Modell, an das so viele unterschiedliche Generationen so viele positive Erinnerungen haben. Und spätestens nachdem VW erstmals die elektrische Studie präsentiert hat, sind die Erinnerungen auch alle wieder frisch und lebendig.

„Sympathisch, ikonisch, einzigartig – es gibt viele Elektroautos, aber nur einen ID. Buzz“, sagt Markenchef Ralf Brandstätter und freut sich an der Begeisterung, die dem elektrischen Bulli seit dem ersten Tag entgegen schlägt. „Das ist wichtig für uns, das tut der Marke gut.“ Dass der ID. Buzz so gut ankommt, liegt für Brandstätter an seinem starken Erbe: „Vor 70 Jahren war der Bus der Inbegriff von Freiheit und Unabhängigkeit, einfach eine große Liebe. Und dieses Lebensgefühl bringen wir jetzt ins hier und heute – elektrisch und digital.“

Der VW ID. Buzz in Bildern

Vom Retro-Charme ist nur wenig geblieben

Allerdings war die ursprüngliche Studie viel charmanter und detailverliebter, als es in der Serie je durch die Kostenkontrolle gegangen wäre – von Gimmicks wie dem versenkbaren Lenkrad oder dem Sofa im Fond ganz zu schweigen. Von außen mag der sentimentale Gedankensprung dabei noch klappen, weil der serienfertige ID. Buzz wie der originale Bulli ein extra großes VW-Logo trägt, weil das Serienmodell genau wie die Studie eine süße Stupsnase hat, die typische Bulli-Zweifarblackierung mit korrespondierenden Innenfarben zu haben ist. Und weil die Proportionen mit kurzen Überhängen einfach passen.

Innenraum des VW ID. Buzz: Nüchtern statt verspielt

Das Cockpit eines VW ID Buzz
Funktionales Cockpit im Stil des VW ID.3 und ID.4, allerdings mit mehr Farbe © Volkswagen

Doch drinnen gibt es weder Retro-Charme noch ein riesiges Tablet im Cockpit. Stattdessen die bekannte Bedienlandschaft aus ID.3 und ID.4 und man freut sich fast schon, dass zumindest der Wählhebel fürs Getriebe jetzt vom Bildschirmrand ans Lenkrad gewandert ist. Gleichzeitig ärgert man sich allerdings auch über die schier endlose Armaturen-Platte, die sich bis zur Frontscheibe erstreckt wie die Norddeutsche Tiefebene zwischen Wolfsburg und Hamburg: Weil es keinen Vorbau mehr gibt, muss darunter die gesamte Klimatechnik und Steuerungselektronik verschwinden, rechtfertigt Grünitz das mächtige Tableau. Und Platz fürs Head-up-Display mit Augmented-Reality-Technik brauchte sein Team schließlich auch noch.

Smarte Ladetechnik: Plug & Charge

Ein gelb-weißer VW ID Buzz seitlich stehend
Besondere Kennzeichen: Schmale Rückleuchten, hintere Schiebtür © Volkswagen

Kann man als Bulli-Fan kritisieren. Doch was dem Serienfahrzeug an Augenzwinkern zur Studie fehlen mag, macht es mit Alltagstauglichkeit wieder wett. Anders als beim handgeschnitzten Einzelstück gibt es Ablagen wohin das Auge blickt und reichlich smarte Ladetechnik. Nicht nur, dass man mehr Handys gleichzeitig aufladen kann, als der Bus Sitzplätze hat. Mit seiner Premiere führt VW Plug & Charge an der Ladesäule ein: ohne leidige Authentifizierung sowie vorbereitet für bidirektionales Laden. Letzteres macht den Bus zum Pufferspeicher für den Strom vom heimischen Solardach.

ID-Cockpit hin, Sprachsteuerung her: Zumindest der Fahrer fühlt sich schnell zu Hause in der neuen alten Bulli-Welt. Schließlich ist schon die Sitzposition näher am Bus als in jedem anderen VW-Modell. Die Rundumsicht ist besser als bei allen anderen ID-Modellen – und wie bei den Verbrennern schon seit über 30 Jahren nicht mehr.

Außerdem hat der Neuzeit-Bulli sogar wieder Heckantrieb. Und auch das Tempo erinnert an die Jugendjahre des Dauerbrenners: Mit Rücksicht auf die Reichweite, die dem Borddisplay zufolge bei gut 400 Kilometern liegen wird, regelt die Elektronik bei 145 km/h kurzerhand ab. Bis dahin aber beschleunigt der ID. Buzz schneidig und seidig.

Viel Platz und trotzdem handlich

Das Sitzbänke eines VW ID Buzz
Der VW ID. Buzz ist 4,70 Meter lang und hat dadurch viel Platz im Innenraum © Volkswagen

Während sich der ID. Buzz mit einem Wendekreis von gerade mal elf Metern für den Fahrer plötzlich so handlich anfühlt wie sonst allenfalls ein Golf, müssen sich die Hinterbänkler erstmal umstellen. Sie haben dem großen Radstand sei Dank jede Menge Beinfreiheit. Denn obwohl der ID. Buzz mit 4,70 Metern rund 20 Zentimeter kürzer ist als der Multivan, stehen die Achsen fast drei Meter weit auseinander.

Und bei genauem Hinschauen entdeckt man auch ein paar liebevolle Details wie die Halteschlaufen anstelle der Griffe über den Schiebetüren, die seit 70 Jahren zum Bulli gehören wie der Golfball auf dem Schaltknauf zum GTI. Auf Tierleder verzichten die Niedersachsen übrigens und es soll ein hoher Anteil an recycelten Materialien zum Einsatz kommen.

Doch sitzt man im Fond auf einer konventionellen Rückbank wie sonst im Touran und mit der Variabilität ist es nicht außergewöhnlich gut bestellt. Ja, das Sofa ist zweigeteilt und man kann es um 15 Zentimeter verschieben, und natürlich lässt sich die Lehne umklappen und auch in der Neigung verstellen. Doch weder verschwindet die Bank für maximalen Stauraum im Boden noch kann man sie umdrehen oder ausbauen.

2023 kommt der ID. Buzz in XL-Version

Ein gelb-weißer VW ID Buzz frontal zu sehen
Schön retro: Die Zweifarbigkeit verleiht dem Elektro-Bus Charme © Volkswagen

"Geduld, Geduld" rufen die Niedersachsen. Schließlich kommt 2023 nicht nur ein XL-Buzz mit 25 Zentimetern mehr Radstand und dann auch Platz für eine dritte Sitzreihe. Bis dahin soll es für den Fond auch vier Captain-Chairs geben, mit denen man dann wie eh und je Stühlerücken spielen kann. Auch Gewerbetreibende können übrigens künftig rein elektrisch ihre Ware ausliefern. Der ID. Buzz Cargo kommt mit drei Sitzplätzen im Fahrerhaus, kann im 3,9 m³ großen Laderaum zwei Europaletten aufnehmen und 650 Kilogramm zuladen.

Praktisch: Eine "Buzz Box" als großes Staufach, das zwischen Fahrer- und Beifahrersitz eingeklinkt wird und eine fünf Liter große Schublade mit Halterungen für Eiskratzer und Flaschenöffner beherbergt.

77-kWh-Batterie für rund 400 km Reichweite

Redakteur Thomas Geiger neben einem VW ID Buzz
Autor Thomas Geiger konnte mit der noch leicht getarnten Serienversion des ID. Buzz fahren © Volkswagen/Hardy Mutschler

Beim Antrieb ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Gegenteil. Während es zum Start erst mal nur den 77-kWh-Akku mit einem 150-kW-Motor im Heck gibt, kommen später noch mindestens zwei weitere Varianten: Der "Pure" mit etwas mehr als 50 kWh für runde 300 Kilometer und das Top-Modell mit einer zweiten E-Maschine für Allradantrieb und sportliche 300 kW/400 PS. Und wahrscheinlich werden die Ingenieure den größeren Bauraum des XL-Modells auch mit mehr Batteriezellen zu füllen wissen, so dass dann auch die 500-Kilometer-Marke zu knacken ist.

All das spreizt natürlich auch das Preisgefüge. Es beginnt bei etwa 63.000 Euro für die erste Auflage, später soll der Preis mit einem Einstiegsmodell auf 55.000 und mit dem Cargo auf 45.000 Euro sinken. Auch darin steht der ID Buzz ganz in der Tradition des Bulli, der zumindest in den letzten Generationen nie ein günstiges Auto war.

VW ID. Buzz: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Nutzfahrzeuge ID. Buzz Pro (ab 10/22)

VW Nutzfahrzeuge ID. Buzz Cargo (ab 10/22)

Motorart

Elektro

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150

150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204

204

Drehmoment (Systemleistung)

310 Nm

310 Nm

Antriebsart

Heck

Heck

Beschleunigung 0-100km/h

10,2 s

10,2 s

Höchstgeschwindigkeit

145 km/h

145 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

420 km

424 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

20,7 kWh/100 km

20,5 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

18,9 kWh/100 km

-

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

82,0

82,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

77,0

77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:170,0

AC:11,0 DC:170,0

Kofferraumvolumen normal

1.121 l

-

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.205 l

3.900 l

Leergewicht (EU)

2.471 kg

2.353 kg

Zuladung

529 kg

647 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg

1.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.712 mm x 1.985 mm x 1.927 mm

4.712 mm x 1.985 mm x 1.932 mm

Grundpreis

64.581 Euro

62.206 Euro

Text: Thomas Geiger