Testfahrt VW ID. Buzz: Das kann der elektrische VW-Bus

VW ID. Buzz: Knuffig, praktisch, elektrisch ∙ Bild: © news to do GmbH, Video: © Nicht veröffentlichen

Ab sofort ist das Bestellbuch für den elektrischen VW ID. Buzz offen. Ob VW es geschafft hat, die Bulli-Legende erfolgreich in die Moderne zu übersetzen? Testfahrt mit allen Infos zur Technik, der Reichweite, den Preisen sowie zu den Stärken und Schwächen.

  • VW-Bus zunächst nur als Fünfsitzer mit 77-kWh-Akku erhältlich

  • Folgt: Version mit längerem Radstand, dritter Sitzreihe und größerem Akku

  • Parallel im Angebot: Eine Cargo-Version mit drei Sitzen und großem Laderaum

Während man die elektrischen VW-Modelle ID.3, ID.4 und ID.5 schon recht häufig im Straßenbild zu sehen bekommt, lässt der Marktstart des VW ID. Buzz noch bis Oktober 2022 auf sich warten. Doch obwohl es bislang keine Möglichkeit gab, den ID. Buzz beim Händler Probe zu fahren oder auch nur anzuschauen, hatten ihn bis Ende August schon mehr als 10.000 Kunden bestellt. Der Elektro-Van scheint also äußerst begehrt zu sein.

Aber ist der neue Elektro-Van von Volkswagen diese Begierde auch wert? Der ADAC hatte die Gelegenheit, den VW ID. Buzz bei der internationalen Fahrvorstellung in Kopenhagen zu testen.

Dänemarks Hauptstadt ist nicht nur bekannt als Metropole für exquisites Design, sondern auch als Ort für moderne Mobilität. Und das passt zu den Ansprüchen des ID. Buzz. Tatsächlich waren viele Passanten sichtlich begeistert und lächelten, wenn sie den Elektro-Bulli entdeckten. Selbst Fahrradfahrer – von denen es in Kopenhagen ebenso viele wie Autonutzer gibt – quittierten den Anblick bewundernd mit dem Daumen nach oben.

VW ID. Buzz: Der Ur-Bulli ins Moderne übersetzt

Das Karosseriedesign ist sicherlich einer der wichtigsten Gründe, sich für den VW ID. Buzz zu interessieren. Denn Volkswagen hat es tatsächlich geschafft, die sympathische Optik eines T1- oder T2-Bulli in die Moderne zu übersetzen. Angefangen bei der schlichten Kastenform mit den großen Fensterflächen über die optischen Akzente der Zweifarblackierung bis hin zu der Gesichtskontur mit Augen, Nase und Mund an der Front. Genau auf so etwas haben die Fans des Ur-Bulli schon lange gewartet.

Und auch im Innenraum gelang es VW, den alten Charme wieder aufleben zu lassen – obwohl die heute üblichen Standards der Funktionalität und Bedienung eingehalten werden. So sind auch hier etliche bekannte Teile aus dem Konzernregal wie das Lenkrad, das Mittendisplay, die Schalttasten für die Lichtfunktionen oder der Touchscreen mit der Leiste für die unpraktischen Slider verbaut, aber alles ist geometrisch fein und mit der jeweils gewählten Lackfarbe außen abgestimmt.

Die praktischen Details im Elektro-Bulli

Funktionales Cockpit im Stil des VW ID.3 und ID.4, allerdings mit mehr Farbe © Volkswagen

Die Materialien wirken weitgehend wertig, zum Teil sind sie sogar nachhaltig. Das Lenkrad etwa wird nicht mit Rindsleder überzogen, fühlt sich aber genauso angenehm an. Am Armaturenbrett fällt eine Holbeschichtung ins Auge – die aber keinerlei Holz enthält. Und der stoffähnliche Bezug des Dachhimmels besteht aus recyceltem Plastik. Motto: Kunststoffe ja – aber wenn, dann möglichst nachhaltig. Was heißt: aus einer Kreislaufproduktion.

Noch mehr Lob gibt es für die netten Details mit praktischem Nutzwert. Und damit sind nicht nur die elektrischen Schiebetüren auf beiden Seiten gemeint. Im Armaturenbrett neben dem Lenkrad gibt es einen nach unten geneigten Schacht, wo das Mobiltelefon nicht nur absolut rutschfest und sicher verstaut, sondern wo es nebenbei auch noch induktiv geladen wird. Zwischen den Vordersitzen kann optional ein Aufbewahrungsmodul befestigt und auch wieder herausgenommen werden. Und an allen vier Türen (vorn wie hinten) befinden sich USB-Buchsen zum Anschließen von Handys der Mitfahrenden.

E-Bulli: VW-Bus mit sehr variablem Transportraum

Durch den Laderaumboden entstehen ein abgetrennter Stauraum und eine ebene Liege- oder Transportfläche © Volkswagen

Die zweigeteilte Rückbank ist um 15 Zentimeter verschiebbar, je nachdem, ob mehr Platz für Gepäck oder für die Knie der in Reihe zwei Sitzenden gewünscht ist. Zur Unterteilung des großen Kofferraums (1121 Liter) ist als Option ein Laderaumboden erhältlich. Unter dem Boden kann man eine erstaunliche Menge an kleinen und größeren Utensilien verstauen. Er dient auch dazu, eine ebene Fläche zu erzeugen, wenn die Rücksitzlehnen umgeklappt werden – etwa zum Transport sperriger und langer Gegenstände oder wenn man hinten eine Liegefläche herrichten möchte. Flexibilität vom Feinsten.

Weniger erfreulich ist, dass sich die Fenster der Schiebetüren in der zweiten Reihe nicht öffnen lassen, weil das in der nach unten ins Türinnere versenkbaren Form technisch kaum möglich ist. Auf Nachfrage erklärt Volkswagen, dass es in absehbarer Zeit elektrische Fenster in der zweiten Reihe geben werde, die sich seitlich verschieben. Außerdem, so ein VW-Techniker, habe man sich die Kritik an den unbeleuchteten Slidern für Heizung und Radiolautstärke zu Herzen genommen und werde zeitnah eine Änderung präsentieren.

VW ID. Buzz: Elektroantrieb vom MEB-Baukasten

In die Neuzeit katapultiert wird der ID. Buzz vor allem durch den Elektroantrieb aus dem bekannten MEB-Baukasten. Der Elektromotor sitzt an der Hinterachse und entwickelt 150 kW (204 PS) und ein Drehmoment von 310 Nm. Damit beschleunigt der in Hannover gefertigte Elektro-Van binnen 10,2 Sekunden von null auf 100, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 145 km/h abgeregelt. Das reicht nicht nur vollkommen aus, sondern ist wegen der ansatzlosen Beschleunigung auch durchaus unterhaltsam. Ob die Leistung aber auch ausreicht, wenn die Anhängelast von bis zu einer Tonne ausgenutzt wird (gebremst, zwölf Prozent Steigung), wird man sehen. Noch nicht zu beantworten ist auch die Frage, ob die Trommelbremsen an der Hinterachse den Aufgaben eines Zugfahrzeugs vollends gewachsen sind.

Schnellladefunktion für über 400 km Reichweite

Dank der verbauten 77-kWh-Batterie (82 kWh brutto) kommt der ID. Buzz nach WLTP-Messung bis zu 423 Kilometer weit mit einer Akkufüllung. Der Verbrauchswert ist mit 20,6 bis 21,7 kWh pro 100 Kilometer angegeben. Aufgeladen wird der ID. Buzz an der Schnellladesäule mit bis zu 170 kW. Das markiert einen neuen Spitzenwert bei den VW-Modellen. Und das passt zum Bulli. Denn die recht ordentliche Reichweite sowie die Gewissheit, bei entsprechender Infrastruktur auch kraftvoll laden zu können, sorgen für eine gute Portion Gelassenheit beim Reisen.

Entspannt und gelassen – die Worte beschreiben im Grunde das ganze Geheimnis, wie es sich anfühlt, mit dem ID. Buzz unterwegs zu sein. Man sitzt bequem, genießt die gute Übersicht, und die Federung macht – typisch für Volkswagen – einen tadellosen Job.

Überrascht werden die künftigen Fahrer sein, wenn sie das erste Mal mit dem 4,71 Meter langen ID. Buzz rangieren müssen. Schlägt man das Lenkrad bis zum Anschlag ein, reicht eine normale zweispurige Straße aus, um eine Kehrwende in einem Zug zu vollführen. Der Wendekreis beträgt lediglich 11,1 Meter. Zum Vergleich: Ein Kleinwagen wie der nur 4,07 Meter lange VW Polo braucht für das Manöver mit 10,6 Metern fast genauso viel Platz.

Die neuen Assistenzsysteme des Elektro-Van

Der ID. Buzz kann mit bis zu 170 kW aufladen und ist Plug-&-Charge-fähig © Volkswagen

Auch Digitalisierung und Assistenzsysteme sind auf die Höhe der Zeit gebracht worden. So kann der VW ID. Buzz Software-Updates over the Air bekommen. Immer an Bord sind Car2X, ein System, über das sich Fahrzeuge gegenseitig vor Gefahren warnen können, sowie der proaktive Insassenschutz. Ab der Ausstattungsstufe Pro gehören die Verkehrszeichenerkennung und der Spurhalteassistent dazu. Optional ist der Travel-Assist erhältlich, der den Bus per Schwarmdaten in der Mitte der Spur hält, auch wenn keine Begrenzungslinien vorhanden oder sie nicht zu erkennen sind.

Ebenfalls neu als Option gibt es einen Parkassistenten, der sich den Weg zu einem immer wieder gewählten Parkplatz merkt, zum Beispiel vor dem eigenen Haus oder auch dem Parkplatz beim Arbeitgeber. Per Memory-Funktion kann der Fahrer Parkmanöver abspeichern, die der Wagen danach automatisch per Knopfdruck ausführt. Das System ist in der Lage, sich bis zu fünf verschiedene Parkplätze zu merken und auf den letzten Metern passend zu rangieren. Dabei setzt der Wagen auch automatisch vor und zurück, wenn nötig.

Der aktuelle Software-Stand 3.2 ermöglicht überdies Plug & Charge. Mit dem System authentifiziert sich das Fahrzeug an kompatiblen Ladesäulen und startet das Laden inklusive der automatischen Abrechnung für die Stromkosten. Bei der Routenplanung errechnet das Navigationssystem die Stopps an den Ladestationen und die erforderlichen Ladezeiten. Und auch fürs bidirektionale Laden, etwa per Solarstrom vom Dach des Eigenheims, ist der ID. Buzz zur Markteinführung vorbereitet.

ID. Buzz Cargo: Für Handwerk und Dienstleister

Neben der ID.-Buzz-Version People bietet Volkswagen mit dem Cargo eine Transporter-Version für Handwerker und Dienstleister an. Die Abmessungen sind identisch, im Detail ist aber vieles anders. So ist die vordere Sitzreihe durch eine feste Zwischenwand vom hinteren Transportraum getrennt, optional auch mit Fenster. Seitenscheiben hinten gibt es nicht. Im Unterschied zum Personen-Bus wird der Transporter serienmäßig mit drei Sitzen im Fahrerhaus angeboten: Fahrersitz plus eine Zweierbank für Mitfahrer.

Der Laderaum ist 3900 Liter groß und bietet Platz für zwei Europaletten. Die maximale Zuladung beträgt 648 Kilogramm. Durch Verzurrösen im Boden sowie Schienen in den Seitenwänden kann die Ladung mit Seilen gesichert werden.

In der Basisausstattung hat der Cargo nur eine Schiebetür auf der Beifahrerseite. Die Heckklappe schwingt weit nach oben auf, was aber beispielweise ein dichtes Heranfahren an eine Rampe verhindert. Wird dieses Beladungsszenario gewünscht, sind gegen Aufpreis Flügeltüren am Heck und eine zweite Schiebetür auf der Fahrerseite erhältlich.

Wann kommt der ID. Buzz als California?

Sehr viele Fans des VW Bus sind bekanntermaßen in der Camper- und Wohnmobilszene zu Hause. Wer sich lieber heute als morgen eine California-Version vom ID. Buzz wünscht, wird jedoch enttäuscht. Volkswagen arbeite zwar an einer Camping-Version, bis die auf den Markt kommt, werde es jedoch noch einige Jahre dauern, heißt es offiziell. Mutmaßlich 2025 oder 2026 ist damit zu rechnen.

Statt auf Basis des ID. Buzz wird erst einmal ein Camping-Bus als Nachfolger des California 6.1 angeboten werden – das heißt mit Verbrennungsmotor unter der Haube.

VW ID. Buzz: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Nutzfahrzeuge ID. Buzz Pro (ab 10/22)

VW Nutzfahrzeuge ID. Buzz Cargo (ab 10/22)

Motorart

Elektro
Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

150
150

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

204
204

Drehmoment (Systemleistung)

310 Nm
310 Nm

Antriebsart

Heck
Heck

Beschleunigung 0-100km/h

10,2 s
10,2 s

Höchstgeschwindigkeit

145 km/h
145 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

423 km
425 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km
0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

20,5 kWh/100 km
20,4 kWh/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

18,9 kWh/100 km
-

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

82,0
82,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

77,0
77,0

Ladeleistung (kW)

AC:11,0 DC:170,0
AC:11,0 DC:170,0

Kofferraumvolumen normal

1.121 l
-

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.205 l
3.900 l

Leergewicht (EU)

2.471 kg
2.353 kg

Zuladung

529 kg
647 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.000 kg
1.000 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.712 mm x 1.985 mm x 1.927 mm
4.712 mm x 1.985 mm x 1.932 mm

Grundpreis

64.581 Euro
54.431 Euro

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