Neuer Jeep Wrangler: So fährt die Offroad-Ikone

4.1.2019

Die vierte Auflage des Jeep Wrangler hält an bewährten Stärken fest und bessert bei alten Schwächen nach. Dabei bleibt der Ami ein echter Offroader. Daten, Motoren, Preise und das alarmierende Crashtest-Resultat von Euro NCAP

 

  • Neuauflage der Offroad-Legende bietet kultige Optik und ist sehr variabel
  • Fahrgefühl auf Asphalt schwammig, begrenzter Komfort, laute Windgeräusche  
  • Konkurrenten: Suzuki Jimny, Mercedes G-Klasse, Toyota Land Cruiser
  • Im Euro NCAP Crashtest erreicht der Wrangler nur einen von 5 Sternen

"Langsam. Nie gegen den Hang fahren. Jetzt mit Augenmaß." Die beiden Instruktoren der Geländewagenfreunde Gevenich haben alle Hände voll zu tun, uns im neuen Jeep Wrangler durch den vereinseigenen Offroad-Parcours zu lotsen. Steile Hänge, Bachdurchfahrten, extreme Verschränkungen, schmale Waldwege und loses Terrain gehören zu den Aufgaben.

Neues Cockpit, modernes Infotainment

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Cockpit Jeep Wrangler
Armaturenbrett in Wagenfarbe, Lenkrad und Sitze sind beheizt

Der Wrangler, mittlerweile in vierter Generation, fühlt sich mit seinem neuen, vollautomatischen Allradantrieb, der auf Wunsch eine starre 50:50-Verteilung sowie Geländeuntersetzung bietet, im Eifelwald spürbar heimisch. Traktion ist – besonders im Modell Rubicon mit Stollenreifen und Höherlegung – scheinbar unendlich vorhanden.

Selbst steilste Hänge kraxelt der Jeep problemlos hoch. Und geht es doch einmal verschränkter zur Sache, lassen sich die Querstabilisatoren elektrisch entkoppeln: Die Räder bleiben deutlich länger am Boden, bevor der Wrangler letztlich ein Bein hebt. 

Das neu gestaltete Cockpit ist Kommandozentrale und Wohlfühloase in einem. Neben diversen Schaltern für den Offroad-Betrieb sowie den Zusatzinstrumenten im Infotainment-System gibt es im Wrangler sehr bequeme, beheizbare Sitze und ein beheiztes Lenkrad – wichtig bei engen Walddurchfahrten, die wegen der besseren Übersicht auch im Herbst oder Winter mit offenem Fenster bewältigt werden können.

Jeep Wrangler: Nur ein Motor zum Start 

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Jeep Wrangler offroad fahrend
Der Wrangler hat einen neuem vollautomatischem Allradantrieb

Dass der neue Jeep Wrangler ein echter Geländeprimus sein würde, daran hatte niemand Zweifel. Doch für die Neuauflage hat sich der amerikanische Hersteller zusätzlich vorgenommen, die Straßen- und Alltagstauglichkeit deutlich zu verbessern. Und tatsächlich macht der Wrangler in Sachen Komfort zwar keinen so großen Sprung nach vorne wie etwa die neue G-Klasse von Mercedes, völlig untauglich für asphaltierte Straßen ist er aber nicht.

Wen die starken Windgeräusche schon bei niedrigen Autobahngeschwindigkeiten oder die lieblos gestaltete Dachverkleidung im Styropor-Look nicht stören, der wird auch die gefühllose und schwammige Lenkung sowie den trägen Antriebsstrang nicht allzu schlimm finden.

Zu Beginn wird es den Wrangler lediglich mit einem 2,1 Liter großen Vierzylinder-Diesel mit Turboaufladung und 147 kW/200 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 450 Newtonmetern geben. Ein Zweiliter-Turbobenziner mit 199 kW/270 PS folgt dann Ende des Jahres. Beide Aggregate sind an die gleiche 8-Gang-Automatik gekoppelt, die auch im Grand Cherokee zum Einsatz kommt.

Mäßige Fahrleistungen auf Asphalt

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Jeep Wrangler von vorne
Modernisiertes Design und schwammiges Handling: Der Wrangler auf Asphalt

Beschleunigungs-Wunder darf man von dem bis zu 2,6 Tonnen schweren Geländewagen nicht erwarten und die Höchstgeschwindigkeit von 177 km/h (156 km/h beim Rubicon) will man wegen der enormen Windgeräusche und des schaukeligen Handlings (besonders mit der Geländebereifung) ohnehin nicht austesten. Optisch bleibt der Wrangler seiner Historie treu und bringt die klassische Gestaltung durch moderne LED-Technik in den Leuchten oder schick gezeichnete Felgen auf modernen Stand. 

Was der Wrangler seinen Konkurrenten voraus hat? Man kann ihn komplett offen fahren. Egal, ob man sich für das modulare Hardtop, das Stofffaltdach oder das elektrische Faltdach entscheidet: Nimmt man das Dach weg, legt die Frontscheibe um und hängt dann noch die drei oder fünf Türen aus, wird er zum ultimativen Frischluft-Transporter. Ein Offroad-Cabrio mit bis zu fünf Sitzplätzen und ohne Scheibe oder Türen? Das gibt es sonst nirgends und trägt dazu bei, dass der Wrangler bei Fans wie den Gevenichern Geländewagenfreunden so beliebt ist.

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Miserables Ergebnis im Euro NCAP-Crashtest

Der Jeep Wrangler erreicht nur einen Stern von maximal 5 möglichen. Das Fahrzeug ist nur in der ersten Sitzreihe mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopf- und Seitenairbags ausgestattet. Für beide Sitzreihen sind optische und akustische Gurtwarner installiert.

Der Insassenschutz ist mangelhaft, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder teilweise hoch bis sehr hoch. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung, für den Beifahrersitz sind sie nicht erhältlich. Der mittlere Sitz hinten ist für einige gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist sicherheitskritisch, auch teilweise auf den äußeren, hinteren Sitzplätzen.

Auch sind trotz i-Size-Kennzeichnung nur eine bedingte Anzahl von ISOFIX-Kindersitzmodellen ohne Sicherheitsrisiko montierbar. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. Der Wrangler wird ohne Sicherheitsassistenten ausgeliefert, die Unfälle verhindern oder abmildern könnten. Auch optional werden sie nicht angeboten. 

Hier kommen Sie zum kompletten Crashtest-Ergebnis des Jeep Wrangler.

Technische Daten Jeep Wrangler 
Motor Vierzylinder-Turbodiesel, 2,1 l, 147 kW/200 PS, 450 Nm bei 2000 U/min
Fahrleistungen 0 – 100 km/h: 8,9 s (Dreitürer) / 9,6 s (Dreitürer Rubicon), Spitze: 177 km/h / 156 km/h (Rubicon)
Verbrauch 7,4 l Diesel/100 km, 195 g CO2/km
Maße L 4,33 / B 1,89 / H 1,87 m 
Kofferraum 192 – 587 l
Leergewicht 1995 kg
 Preis Ab 46.500 Euro

 

Text: Max Friedhoff/SP-X, Fotos: PR.

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