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Mercedes EQC im Test: Wie gut ist der Elektro-SUV?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Mercedes verspricht für den elektrischen EQC bis zu 471 Kilometer Reichweite. Schafft er die wirklich? Der Elektro-SUV im ADAC Test: Alle Daten, Infos, Testergebnisse.

  • Der rein elektrische Luxus-SUV EQC ist ab knapp 72.000 € erhältlich

  • Gehobener Komfort, gesalzene Preise

  • Reichweiten-Angaben des Herstellers arg optimistisch 

Lange haben die Premiumhersteller dem Neuling Tesla aus USA das Feld bei Elektroautos überlassen. Und erst 2019-2020 konkurrenzfähige Fahrzeuge auf den Markt gebracht: den britischen Jaguar i-Pace sowie aus Deutschland den Audi e-tron quattro, den Porsche Taycan und den hier getesteten Mercedes EQC.

Doch wie schlägt sich der Elektro-SUV? Stimmt das Mercedes-Motto "Das Beste oder nichts?" Die ADAC-Ingenieure haben sich den Mercedes genau angeschaut – und zeigten sich von den Messergebnissen zum Teil höchst überrascht.

Riesiger Akku mit 80 kWh Energie

Die technische Plattform des EQC ist mit der des GLC eng verwandt. Beide Modelle laufen in Bremen vom Band. Erstaunlicherweise ist die Karosserie des EQC zehn Zentimeter länger. Beim Platzangebot macht sich das jedoch nicht positiv bemerkbar. Im Gegenteil. Während für die vorn Sitzenden sehr großzügige, fast identische Platzverhältnisse herrschen, ist die Kopffreiheit auf der Rückbank im EQC fast zehn Zentimeter geringer. Es passen zwar immer noch 1,90-Meter-Menschen bequem in den Fond, aber irgendwo muss der Platz ja geblieben sein.

Des Rätsels Lösung ist die im Unterboden liegende Batterie für den Elektroantrieb. Der Akku mit 80 kWh Kapazität enthält acht Batteriemodule mit 384 Pouchzellen, ist 650 Kilogramm schwer, riesengroß und zudem durch einen aufwendigen Sicherheitskäfig geschützt. Das kostet eine Menge Platz.

Elektro-SUV mit beeindruckenden Fahrleistungen

Schon ab den ersten Metern stellt sich im EQC das typische Mercedes-Fahrgefühl ein, das man von den großen und luxuriösen Daimler Baureihen kennt. Extrem komfortabel und gediegen fühlt sich das alles an: das Antriebsgeräusch flüsterleise, die Federung wolkenweich. Ein Auto wie eine Trutzburg. Und dennoch: Wenn's drauf ankommt, kehrt der EQC auch seine sportliche Seite heraus. Kein Wunder bei einer Systemleistung von 300 kW/408 PS beziehungsweise einem Drehmoment von satten 760 Nm. Fast ansatzlos entfaltet der EQC seine ganze Kraft, sprintet wie ein Weltklasse-Zehnkämpfer davon und wird quasi genauso schnell von den Tempobegrenzungen des öffentlichen Straßenverkehrs wieder eingefangen wie der Athlet von der 100-Meter-Ziellinie.

Von den Fahrgeräuschen ist kaum etwas zu hören, weil sich vielerorts in Hohl- und Zwischenräumen zusätzliche Dämmmaterialien befinden, dazu Verstärkungen an Blechen und Konstruktionsteilen, die Vibrationen auf ein Minimum reduzieren.

Natürlich treibt der 650 Kilogramm schwere Akku das Gewicht des EQC auf 2,5 Tonnen. Das ist trotz feinfühliger entkoppelter Lenkung auch stets zu spüren, wird aber nie unangenehm. Denn der Akku drückt den Schwerpunkt des Fahrzeugs tief nach unten. Es ist beeindruckend, wie stabil der SUV durch Kurven fährt.

Weitere Elektroautos im ADAC Check

Reichweite im ADAC Test: 335 Kilometer

Von den versprochenen 471 Kilometer Reichweite, die Mercedes angibt, bleibt im Alltag allerdings nicht so viel übrig. 335 Kilometer Fahrstrecke mit einer Akkuladung sind durchschnittlich möglich, wurde von den Ingenieuren im ADAC Ecotest ermittelt. Der Energieverbrauch inklusive der Ladeverluste beträgt hohe 27,6 kWh pro 100 Kilometer. Der Verbrauch inklusive Ladeverluste liegt innerorts bei etwa 23, außerorts bei knapp 29 und auf der Autobahn bei über 30 kWh pro 100 Kilometer.

Fazit der Tester: Der Mercedes EQC gehört damit zu den wenig effizienten Elektroautos. Das schlägt sich bei der Umweltbewertung nieder. Schon vier (Höchstwertung: fünf) Sterne sind für ein Elektroauto kein Ruhmesblatt. Der Mercedes EQC bekommt aber nur drei Sterne. Das Umwelt-Ergebnis ist nicht besser als das des vom ADAC getesteten Mercedes GLC 220d - ein Diesel.

Auf langen Strecken kann die intelligente Routennavigation, wie wir sie von Tesla und dem Netz von Superchargern kennen, eine gute Hilfe sein. Der Mercedes berechnet die Route mit Zwischenstopps an DC-Schnelladesäulen, wo der Elektrowagen mit bis zu 110 kW laden kann.

Beim Sparen hilft zudem das "haptische Gaspedal". Wer das Fahrprogramm "Max Range" vorwählt, wird beim Gasgeben durch einen Widerstand daran gehindert, bis zum Bodenblech durchzutreten.

Wohnanhänger und Fahrradträger möglich

Keine Selbstverständlichkeit bei Elektrofahrzeugen ist, dass sie einen Anhänger ziehen dürfen. Der Mercedes EQC darf das, und zwar bis zu einem Gewicht von 1,8 Tonnen, wenn der Anhänger über eine eigene Bremse verfügt (750 kg ohne eigene Bremsen). Die Stützlast ist bis 72 Kilo erlaubt, ein Fahrradträger selbst mit zwei Pedelecs sollte damit also möglich sein. Schlecht: Die Zuladung beträgt nur 380 Kilogramm. Das reicht kaum für vier Erwachsene, selbst wenn diese auf Gepäck verzichten würden.

Eine weitere Paradedisziplin des Mercedes EQC ist das Kapitel Sicherheit. Wählt man das Fahrerassistenz-Paket, wird das System um einen Kreuzungsassistenten, einen Abstandsregeltempomaten mit streckenbasierter Geschwindigkeitsanpassung (Kurven,
Kreisverkehr, etc.) sowie einen Spurwechselassistenten erweitert. Dieser warnt den Fahrer auch im Stand vor Zweirädern oder Fußgängern, die sich dem Fahrzeug von hinten nähern.

Ein Stauassistent ist bei diesem Paket ebenfalls an Bord und ermöglicht teilautonomes Fahren auf der Autobahn. Der aktive Spurwechselassistent führt selbsttätig einen Spurwechsel auf der Autobahn durch, wenn der Fahrer blinkt und es die Verkehrssituation zulässt. Mit dabei ist auch der Ausweichassistent, der den Fahrer in einer kritischen Situation beim Ausweichen unterstützt. Die optionale Verkehrszeichenerkennung zeigt nicht nur die aktuell erlaubte Höchstgeschwindigkeit an, sondern warnt auch vor falscher Einfahrt in Autobahnen und Einbahnstraßen.

Die Extraliste des EQC ist ellenlang

Der Gesamtpreis des Mercedes EQC hängt sehr stark davon ab, ob man den zahlreichen Optionen der Aufpreisliste Stand hält oder nicht. Beispiele? Dass man für ein Burmester-Soundsystem lediglich 595 € zahlen soll, ist super. Eine Wallbox für knapp 800 Euro (plus Montage) liegt absolut im Rahmen des Üblichen. Dass die Lackfarbe Designo-Grau über 2300 Euro kostet? Muss man ja nicht nehmen. Dass aber die Sitzheizung 387 Euro extra verschlingt, die Smartphone-Anbindung (Apple CarPlay/Android Auto) 417 Euro und ein Head-up-Display 1178 Euro, erscheint überzogen.

Der Mercedes EQC 400 4matic kostet in Basisausstattung rund 71.000 Euro, der Testwagen mit AMG-Line-Paket und etlichen Extras über 90.000 Euro.

Hier können Sie den ausführlichen ADAC Autotest herunterladen
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Technische Daten (Herstellerangaben)Mercedes EQC 400 AMG-Line 4MATIC

Motor/Antrieb

2 Asynchron-Elektromotoren, 300 kW/408 PS, Allrad,760 Nm Drehmoment

Fahrleistungen

Spitze 180 km/h (abgeregelt), 0 – 100 km/h in 5,1 s, 471 km Reichweite (NEFZ)

Verbrauch

19,7 kWh/100 km

Maße

L 4,76 / B 1,88 / H 1,62 m

Batterie

Lithium-Ionen, 80 kWh

Leergewicht

2495 kg

Batteriegewicht

652 kg

Ladeleistung

110 kW (DC), 7,4 kW (AC)

zul. Anhängelast

1800 kg

Preis

73.971 €; Baureihe ab 71.281 €

ADAC Messwerte (Auszug)Mercedes EQC 400 AMG-Line 4MATIC

Überholvorgang 60-100 km/h

2,5 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,6 m

Wendekreis

11,4 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

27,6 kWh/100 km , 151 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

335 km

Innengeräusch bei 130 km/h

64,9 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

2500 / 380 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

355 / 755 / 1230 l

ADAC TestergebnisMercedes EQC 400 AMG-Line 4MATIC

Karosserie/Kofferraum

2,4

Innenraum

2,1

Komfort

2,0

Motor/Antrieb

0,8

Fahreigenschaften

2,4

Sicherheit

1,3

Umwelt/Ecotest

3,3

Gesamtnote

2,1

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Crashtest: 5 Sterne für den Mercedes EQC

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP

Im Euro NCAP Crashtest erreicht der Mercedes-Benz EQC volle 5 Sterne und überschreitet die dafür erforderlichen Punktzahlen erheblich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind Seitenairbags verbaut (für die zweite Sitzreihe optional verfügbar), der Fahrer wird zudem mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko für Erwachsene und Kinder mittel bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der mittlere Sitz hinten eignet sich für gegurtete Kindersitze, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite lässt sich deaktivieren.

Der EQC ist serienmäßig mit automatischem Notbremsassistenten, aktivem Spurhaltesystem und systemintegriertem Speedlimiter ausgestattet.

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