Das sind die Camping-Trends 2023

Mit kompakten Kastenwagen wie dem VW Caddy California auf Tour: Camping liegt im Trend
Mit kompakten Kastenwagen wie dem VW Caddy California auf Tour: Camping liegt im Trend © VW

Camping boomt weiterhin. Die Trends für die Saison 2023: kleine Kastenwagen und leichte Caravans, Dach-Schlafplätze und Selbstversorger-Technik.

  • Weiter hohe Wohnmobil-Nachfrage, aber Lieferengpässe

  • Trend zum Kastenwagen verstärkt: ADAC Tests bieten Infos

  • Campingplätze: mehr Frühbucher, Südeuropa wieder stark gefragt

Lieferprobleme bremsen Wohnmobil-Boom

Die Begeisterung fürs Camping ist weiterhin groß, meldet der Caravaning Industrie Verband (CIVD). Dennoch gebe es keinen neuen Rekord bei den Fahrzeugzulassungen: 2022 wurden in Deutschland insgesamt 90.985 Wohnmobile und Wohnwagen neu zugelassen – im Vergleich zum Vorjahr ein Minus von 14,3 Prozent. Davon waren 66.507 Wohnmobile, 18,3 Prozent weniger als 2021. Die Wohnwagen blieben mit 24.478 Neuzulassungen auf Vorjahresniveau (minus 1 Prozent).

Hauptgrund für den Rückgang unter die Rekordmarke von 100.000 Neufahrzeugen aus den Vorjahren sind laut CIVD Lieferengpässe. Aufgrund stockender Lieferketten und Personalmangels konnten die Hersteller weniger Fahrzeuge als geplant fertigstellen. Insbesondere der Mangel an Fahrzeugchassis ließ die Wohnmobilproduktion einbrechen. Viele der in Deutschland produzierten Wohnwagen wurden zudem an ausländische Händler geliefert.

Die Nachfrage nach Freizeitfahrzeugen werde auch 2023 hoch bleiben, erwartet CIVD-Präsident Hermann Pfaff. Konkrete Prognosen seien aufgrund der vielen Unsicherheits-Faktoren nicht möglich. Grundsätzlich gehe man beim Branchenverband aber davon aus, "dass sich auch die Liefersituation im Laufe dieses Jahres verbessern wird".

Die Lage bei den knappen Rohstoffen und verzögerten Lieferketten sei zwar in jüngster Zeit etwas besser geworden, beobachtet auch ADAC Campingexperte Martin Zöllner. Seit einigen Monaten gebe es eine grundlegende Veränderung bei den Basisfahrzeugen: "Das am meisten verwendete Grundfahrzeug – der Fiat Ducato – bekommt verstärkt Konkurrenz durch andere Hersteller, zum Beispiel Ford, Mercedes oder VW." Das Preisgefüge ändere sich, viele Wohnmobile würden merklich teurer – auch durch gestiegene Material-, Energie- und Personalkosten.

Der Gebrauchtmarkt bleibe ebenfalls stark angespannt. "Die Preise sind selbst für abgenutzte Fahrzeuge noch so hoch, dass Käufer genau hinsehen, abwägen und ohne Zeitdruck kaufen sollten", sagt der ADAC Campingexperte.

ADAC Tipps rund um den Kauf eines gebrauchten Wohnmobils.

Die meisten Neuzulassungen: Kastenwagen

Beliebt bei jungen Familien: Kastenwagen wie der Dethleffs Globevan machen inzwischen mehr als die Hälfte der Neuzulassungen aus © Dethleffs

Besonders gefragt bleiben kompakte Modelle. Dieser Trend hat sich sogar noch verstärkt: Inzwischen gehören mehr als die Hälfte aller Wohnmobil-Neuzulassungen zur Campervan- und Kastenwagen-Klasse. Gesucht sind laut Zöllner vor allem Fahrzeuge, die alltagstauglich sind und trotzdem alles für den Urlaub an Bord haben. Die Campingfans werden immer jünger: Eine wichtige Zielgruppe ist im Alter zwischen Mitte 20 und Mitte 30, darunter viele junge Familien.

Kompakte Campingfahrzeuge im ADAC Test

Der ADAC testet regelmäßig Camper aus der Bus- und Kastenwagenklasse wie den Hymer Sydney – immer nach identischen Kriterien © ADAC/Uwe Rattay

Angesichts dieser Trends testet der ADAC vor allem kompakte Campingfahrzeuge, die speziell für die jüngere Zielgruppe interessant sind, wie Mercedes Marco Polo, VW Grand California 600, VW California Ocean, Hymer Sydney und Hymer Grand Canyon S, Dethleffs Globevan und VW Caddy California.

Auch im ADAC Crashtest wurde erstmals ein zum Wohnmobil ausgebauter Kastenwagen geprüft. Bei diesem Wohnmobil-Crash brach beim Testfahrzeug die Rückbank aus Holz völlig zusammen. Weitere ADAC Tests zeigten dann, dass sich das Verletzungsrisiko der Insassen mit einem einfachen Metallunterbau deutlich verringern lässt.

Trend nach oben: Aufstelldach und Dachzelt

Aufstelldach der neuen Art: Einen aufblasbaren Alkoven bietet das Wohnmobil Bürstner Lyseo © Bürstner/Uros Podlogar

Viele Camper nehmen bei ihren Fahrzeugen ein engeres "Innenleben" in Kauf und nutzen die Möglichkeit, nach oben hin Platz zu schaffen: Sehr gefragt sind Aufstelldächer, die in kompakten Wohnmobilen zusätzliche Schlafplätze bieten. Als Weiterentwicklung des Hubdachs sieht Zöllner aufblasbare Alkoven mit luftgefüllten Wänden, die sehr stabil und geräuschdämmend sind – gibt es beispielsweise bereits im Bürstner Wohnmobil Lyseo*. Das spezielle Dach-Gewebe soll laut Hersteller mechanisch hoch belastbar, UV- und witterungsbeständig sein sowie temperaturausgleichend wirken.

Voll im Trend liegen aber auch Dachzelte fürs Auto. Das Zelten auf dem Autodach ist längst nicht mehr nur im Expeditions- und Offroad-Bereich zu finden, sondern auch auf Campingplätzen. Fast 100 Hersteller sind bereits auf dem deutschen Markt zu finden. Der ADAC hat sieben Dachzelte ohne Hartschale getestet, die man neben dem Auto aufklappt und mit einer Leiter abstützt:

Leichte Wohnwagen und Photovoltaik-Anlagen

Mini-Wohnwagen wie der Roehnert Piccolino können auch von Kleinwagen oder Elektroautos gezogen werden © Roehnert

Da noch nicht alle Elektroautos auf die Anhängelast von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kommen, empfehlen sich leichte Wohnwagen-Alternativen. Zum Beispiel Mini-Caravans oder Zeltanhänger, die selbst von Kleinwagen und E-Autos gezogen werden können. Der ADAC hat einen Überblick über kleine Wohnwagen und Faltcaravans zusammengestellt.
Als weiteren Techniktrend sieht Zöllner kleine Photovoltaik-Anlagen ab 600 Euro, mit denen man zum Selbstversorger werden kann: "Ein wichtiger Baustein für autarkes und nachhaltiges Campen."

Zukunftstechnik: Elektro-Camper

Die meisten Wohnmobile sind derzeit Dieselfahrzeuge, alternative Antriebe für Camper bleiben noch immer ein Zukunftsthema. Die Camping-Version des elektrischen VW-Bulli ID.Buzz von Volkswagen selbst soll beispielsweise erst in einigen Jahren folgen. Einen Ausbau-Prototyp des Elektro-Bulli hat jedoch bereits Minicamper-Spezialist Alpin Camper auf der Stuttgarter Messe CMT präsentiert. Abgesehen davon gebe es auf dem Markt bereits ein paar neue Elektro-Modelle, so ADAC Experte Zöllner, "allerdings mit geringer Reichweite und Ausstattung zu hohen Preisen."

Ausfahrbare Solarpaneele sollen dafür sorgen, dass der Elektrocamper Stella Vita nur mit selbst erzeugtem Strom ans Ziel kommt © Stella Vista/Bart van Overbeeke

Zöllner wünscht sich neue Konzepte – wie zum Beispiel Stella Vita von der Uni Eindhoven*, ein selbstversorgendes Haus auf Rädern, durch Sonnenkollektoren auf dem Dach unabhängig von Ladestationen. 22 Studentinnen und Studenten entwickelten das futuristische Fahrzeug mit ausfahrbaren Solarpaneelen und ausziehbarem Faltdach, das laut dem Uni-Team genug Energie erzeugt, "um zu fahren, zu duschen, fernzusehen, den Laptop aufzuladen und Kaffee zu kochen". Eine erste Testfahrt führte über 3000 Kilometer vom niederländischen Eindhoven bis nach Tarifa an Spaniens Südküste – nur mit selbst erzeugtem Strom.

Fehlende Ladeinfrastruktur bremse generell die Nachfrage nach Elektro-Campern, so Zöllner. Campingplätze lägen im Außenbereich, wo die Infrastruktur meist schlecht sei. Das gelte sowohl für die Versorgung mit schnellem Internet als auch für Strom. Besser sei das Angebot dort, wo Campingplätze eine autarke Stromversorgung bauen.

Plätze: Kroatien, Italien, Frankreich beliebt

Badespaß auf dem Kur- und Feriencampingplatz Max 1 bei Bad Füssing in Bayern, als neuer ADAC Superplatz 2023 mit fünf Sternen ausgezeichnet © Camping Max 1

Trotz Inflation und hoher Energiepreise verzeichnet das ADAC Campingportal Pincamp* starke Nachfrage. Aktuell gebe es eine deutliche Zunahme von Platz-Buchungen und Reservierungen bereits für Sommer 2023, im Vergleich zum Vorjahr habe sich die Zahl der Frühbuchungen verdoppelt. Laut Uwe Frers, Geschäftsführer der ADAC Camping GmbH, wollen viele online reservieren, buchen oder bezahlen: "Die Gäste schätzen diese Kriterien bei der Campingplatz-Auswahl wichtiger ein als die Einkaufs- und Gastronomieangebote vor Ort. Das WLAN vor Ort ist sogar das wichtigste Auswahlkriterium für einen Campingplatz – noch vor den Bademöglichkeiten."

Auch für 2023 gilt: Südeuropa ist zurück auf der Campinglandkarte. Nach dem Wegfall der Reisebeschränkungen zieht es deutsche Camper wieder in den Süden. Besonders beliebt sind Kroatien, Italien und Frankreich. In Deutschland stehen vor allem Campingplätze an Nord- und Ostsee sowie am Bodensee, im Schwarzwald und in den Alpen hoch im Kurs. Für die Saison 2023 konnte Pincamp nach den Besuchen der ADAC Inspekteure in ganz Europa mehr Superplätze als je zuvor mit fünf Sternen auszeichnen – insgesamt 175, darunter 23 neue.

ADAC Experte Zöllner sieht einen weiteren Trend bei Campingplätzen auch im immer vielfältigeren Angebot, zunehmend kämen kleine, einfache und ruhige Plätze sowie Microcampings hinzu.

Nachfrage nach Stellplätzen wächst

Die Nachfrage nach Reisemobilstellplätzen in Deutschland steigt ebenfalls stetig durch den Zuwachs an Fahrzeugen. Daher setzen sich ADAC, CIVD, der deutsche Tourismusverband DTV und weitere Institutionen für die Schaffung neuer Stellplätze ein – bei Kommunen und Landkreisen sowie auf politischer Ebene in Berlin. Hier geht es um eine am Bedarf orientierte Infrastruktur: Stellplätze für Wohnmobile werden als reine Übernachtungsplätze genutzt und müssen daher nicht so ausgestattet sein wie Campingplätze.

Mehr Infos rund um Camping finden Sie hier sowie beim ADAC Campingportal Pincamp*.

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