Campingtrends 2024: Kastenwagen, Stellplätze in der Natur und Campen im Zelt

Eine Mutter mit zwei Kindern beim Zelten
Immer beliebter wird Camping vor allem bei jungen Familien, durchaus auch im Zelt © iStock.com/zeljkosantrac

Die Trends für die Saison 2024: Camping wird vielfältiger, jünger, abenteuerlicher, autarker und individueller – ob mit Wohnmobil oder Caravan, im Zelt oder Mobilheim.

  • Wohnmobile: Mehr Auswahl an Basisfahrzeugen

  • Kastenwagen-Trend bleibt, ADAC Tests bringen Verbesserungen

  • Campingziele: Deutschland, Kroatien, Albanien

Camper: Oft junge Familien, viele im Zelt

Bei den Campingarten wird die Palette immer breiter, das ergab eine ADAC Umfrage: Am beliebtesten sind der Urlaub mit dem klassischen Wohnmobil und die Ferien in Mobilheim, Bungalow, Hütte oder Chalet auf dem Campingplatz – jeweils 34 Prozent planen das in den nächsten zwei Jahren. Direkt darauf folgt bereits das Zelt mit 28 Prozent. Mehr Interesse in Zukunft verbuchen auch alle anderen Campingarten, mit Wohnwagen und Van ebenso wie mit den trendigen Mini-Campern oder Klapp- und Faltanhängern.

Unterwegs mit Wohnmobil, Caravan und Zelt sind besonders viele junge Familien. Die Branche müsste also vor allem die Bedürfnisse der Familien besser aufgreifen, meint ADAC Campingexperte Martin Zöllner, zumal die Ausgaben im Urlaub vor Ort weiter wachsen.

Mehr Angebot bei Wohnmobilen

Seitenansicht eines Ford Nugget mit Dachzelt
Besonders gefragt: Kompakte Fahrzeuge wie der Ford Transit Custom Nugget; auch zu haben mit Plug-in-Hybridantrieb© Ford

Nach mehreren Rekordjahren normalisiert sich der deutsche Campingfahrzeug-Markt auf hohem Niveau, so der Caravaning Industrie Verband (CIVD). Die Nachfrage bleibe groß, trotz des getrübten Konsumklimas. Insgesamt 90.365 Neuzulassungen im Jahr 2023 bedeuten im Vergleich zum Vorjahr nur ein leichtes Minus von 0,7 Prozent. Bei den Wohnmobilen liegen 68.469 Neuzulassungen weiterhin über dem Vor-Pandemie-Niveau, im Vergleich zum Vorjahr gibt es ein Plus von 3 Prozent.

Nach den Lieferengpässen der Vorjahre seien jetzt wieder mehr Basisfahrzeuge verfügbar, sagt CIVD-Präsident Bernd Löher, mehr Wohnmobile konnten an den Handel geliefert werden.

Bei den Wohnwagen bedeuten 21.896 Neuzulassungen hingegen ein Minus von 10,5 Prozent. Das zeigt laut CIVD die Verunsicherung unter anderem bei Familien und Jüngeren durch steigende Lebenshaltungskosten, hohe Zinsen und fehlende Planungssicherheit. Statt ein Fahrzeug zu kaufen, werde generell häufiger eines gemietet.

Die Lage bei Rohstoffen und Lieferketten sei erheblich besser geworden, beobachtet auch ADAC Campingexperte Martin Zöllner. Und es gebe eine grundlegende Veränderung bei den Wohnmobil-Basismodellen: "Das bislang am meisten verwendete Grundfahrzeug Fiat Ducato wird am Markt immer mehr verdrängt durch andere Hersteller, zum Beispiel Ford, Mercedes, VW oder Opel." Gleichzeitig seien die Kundinnen und Kunden nicht mehr wie früher bereit, hohe Preise zu bezahlen. "Es gibt wieder mehr Verhandlungsspielraum", so Zöllner, "Hersteller und Händler haben Fahrzeuge auf dem Hof stehen."

Besonders gefragt bleiben kompakte Modelle. Inzwischen gehören mehr als die Hälfte aller Wohnmobil-Neuzulassungen zur Campervan- und Kastenwagen-Klasse. Gesucht sind laut Zöllner vor allem Fahrzeuge, die alltagstauglich sind und trotzdem alles für den Urlaub an Bord haben.

Auch das Interesse an gebrauchten Wohnmobilen und Caravans ist groß: 177.459 Besitzumschreibungen (+ 3,1 Prozent) wurden im vergangenen Jahr registriert. Und der Gebrauchtmarkt werde ebenfalls vielfältiger und interessanter, sagt der ADAC Campingexperte.

Dazu: ADAC Tipps rund um den Kauf eines gebrauchten Wohnmobils

Campervans im ADAC Test

Pössl Campstar im Ausweichtest
Der ADAC hat vor allem kompakte Campingfahrzeuge wie den Pössl Campstar getestet© ADAC/Uwe Rattay

Angesichts dieser Trends testet der ADAC vor allem kompakte Campingfahrzeuge, die speziell für die jüngere Zielgruppe interessant sind, wie Mercedes Marco Polo, VW Grand California 600, VW California Ocean, Hymer Sydney und Hymer Grand Canyon S, Dethleffs Globevan, VW Caddy California, Großer Premium Hannes, Kompanja, Vantourer 600L und Pössl Campstar V-Klasse.

Auch im ADAC Crashtest wurde erstmals ein zum Wohnmobil ausgebauter Kastenwagen geprüft. Bei diesem Wohnmobil-Crash brach beim Testfahrzeug die Rückbank aus Holz völlig zusammen. Weitere ADAC Tests zeigten, dass sich das Verletzungsrisiko der Insassen mit einem einfachen Metallunterbau deutlich verringern lässt.

Seit 30 Jahren untersucht der ADAC Wohnmobile mit Crashtests auf Sicherheit, mit teils alarmierenden Ergebnissen. Aufgrund der ADAC Empfehlungen hat die Branche nachgebessert und will das auch weiterhin tun: Mehr Infos zu ADAC Wohnmobil-Crashtests und Hersteller-Reaktionen

Zukunftstechnik: Elektrocamper

Tesla Cybertruck mit Campingaustattung
Zukunftszelt: Sogar für den Tesla Cybertruck wird bereits ein Campingmodul präsentiert© Tesla

Die meisten Wohnmobile sind weiterhin Dieselfahrzeuge. Noch gebe es keinen deutlichen Aufschwung bei batterieelektrischen Wohnmobilen, so Zöllner, da sie noch nicht zu den Bedürfnissen der Camper passen. Viele legten durchaus Strecken von 1500 Kilometern zurück und wollten unterwegs nicht ständig unnötige Ladestopps einplanen. Es gebe zwar auf dem Markt ein paar neue Elektromodelle, "allerdings mit geringer Reichweite und Ausstattung zu hohen Preisen".

Camping Kit von Aptera
Auch das kalifornische Solarmobil Aptera soll ein Campingmodul bekommen© Aptera

Exotisch wirkende Neuheiten werden auch angekündigt: Für den Cybertruck präsentiert Tesla zum Beispiel ein Campingmodul im Stil des kantigen Pick-ups*. Zusammengeklappt auf der Ladefläche, soll es in wenigen Minuten mit einer Handpumpe aufblasbar sein. Auch für das futuristische kalifornische Solarauto Aptera* wurde bereits ein Campingkit entwickelt.

Immer mehr Angebot sieht ADAC Experte Zöllner bei elektrisch angetriebenen Zugfahrzeugen für Wohnmobil-Gespanne. Auch das Bewusstsein der Campingplatz-Betreiber für die Ladeinfrastruktur wächst laut Zöllner: "Elektrisch angetriebene Wohnwagen-Gespanne werden besser versorgt."

Da aber noch nicht alle Elektroautos auf die Anhängelast von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kommen, empfehlen sich leichte Wohnwagen-Alternativen. Zum Beispiel Mini-Caravans oder Zeltanhänger, die selbst von Kleinwagen und E-Autos gezogen werden können. Der ADAC hat einen Überblick über kleine Wohnwagen und Faltcaravans zusammengestellt.

Generell ist Nachhaltigkeit für Camper wichtig, wie die ADAC Umfrage zeigt. Für etwa 40 Prozent von ihnen sind Themen wie nachhaltige Mobilität am Zielort und CO₂-Fußabdruck der Reise wichtige Kriterien. Bei Urlauberinnen und Urlaubern allgemein gilt das nur für rund 20 bis 30 Prozent.

E-Fuels könnten den CO₂-Fußabdruck der Camper bereits in naher Zukunft um 20 Prozent senken, meint Experte Zöllner. Das ADAC Campingportal Pincamp unterstützt den Verein Wohnmobil für Klimaschutz*, der als CO₂-Kompensation für gefahrene Wohnmobil-Kilometer Bäume in Deutschland pflanzt.

Im Trend: Dachzelte und Vorzelte

Drive Trunk von Vaude
Den Campingraum vergrößern: Zum Beispiel mit Vorzelten, die jetzt auch an der Kofferraumklappe eingehängt werden© VAUDE

Sehr gefragt sind Aufstelldächer, die in kompakten Wohnmobilen zusätzliche Schlafplätze bieten. Voll im Trend liegen außerdem Dachzelte fürs Auto. Der ADAC hat sieben Dachzelte ohne Hartschale getestet, die man auf dem Auto aufklappt und mit einer Leiter abstützt. Aber auch bei den Vorzelten wird die Palette immer breiter, vom Vorzelt zum Einhängen an die Kofferraumklappe* eines Autos bis zum geräumigen Pavillon für größere Vans.

Photovoltaik-Anlagen für Camper

Solardachzelt von Jackery
Kraftwerk und Schlafplatz: Das neuartige Solardachzelt soll künftig mit ausklappbaren Paneelen Energie liefern und als Nachtlager dienen© Jackery

Als weiteren Techniktrend sieht Zöllner kleine Photovoltaik-Anlagen für Camper, mit denen man zum Selbstversorger werden kann: "Ein wichtiger Baustein für autarkes und nachhaltiges Campen." Zusätzlichen Platz und Energie zugleich liefert zum Beispiel ein neuartiges Solardachzelt* mit ausziehbaren Paneelen, die die Solarfläche verdreifachen und als Markise Sonnenschutz bieten können.

Micro-Camping und legales Wildcamping

One Night Campingplatz im Schwarzwald
Auf der Wiese beim Bauern, ohne großen Aufwand gegen kleines Entgelt: Micro-Camping wie hier im Schwarzwald liegt im Trend© Nomady

Die Campingszene ist vielfältiger und individueller geworden, beobachtet der Verband CIVD, entsprechend auch das Angebot: Neben traditionellen Campingplätzen hätten sich Alternativen wie Wohnmobil-Stellplätze etabliert. Mit großem Abstand bevorzugt wird zwar auch künftig laut ADAC Umfrage der Campingplatz (83 Prozent).

Aber bei den Plänen für die nächsten zwei Jahre kommen alternative Stellplatzoptionen häufiger infrage als bisher. Zum Beispiel Micro-Camping* – also meist kleine, einfache Stellplätze, die von Privatleuten gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden, etwa auf dem Bauernhof oder beim Winzer.

Übernachten in der Natur ist generell gefragt. Bisher bevorzugten 21 Prozent solche Stellplätze, künftig wollen dies sogar 32 Prozent tun. Aber: Wildcampen, also Zelten in der freien Natur oder Freistehen mit Wohnmobil oder Wohnwagen ist in vielen Ländern Europas grundsätzlich verboten*.

Tourismusregionen wie der Schwarzwald greifen den Trend zum naturnahen Camping auf, hier werden zum Beispiel One-Night-Camps* für Naturliebhaber und -liebhaberinnen sowie für Trekking-Begeisterte* angeboten: Übernachtungsmöglichkeiten bei Privatpersonen, Landwirten und Gemeinden, die ihre Wiese für ein Zelt oder einen befestigten Platz für ein Wohnmobil für eine Nacht zur Verfügung stellen. Auch in der Heimat der Gebrüder Grimm in Nordhessen* ist naturnahes Übernachten auf Trekking-Plätzen möglich, zum Beispiel im Naturpark Habichtswald*, Naturpark Kellerwald Edersee* und Naturpark Diemelsee*.

Eine Untersuchung der Hochschule Geisenheim in Zusammenarbeit mit dem CIVD zeigt, dass von 600 Weingütern in Deutschland bereits knapp ein Viertel Stellplätze anbietet. Weitere 40 Prozent planen es oder können es sich vorstellen.

Der ADAC setzt sich für die Schaffung neuer Wohnmobil-Stellplätze zur Übernachtung ein – bei Kommunen und Landkreisen sowie auf politischer Ebene. Schließlich sind 21 Prozent der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren Camperinnen und Camper, unter ADAC Mitgliedern sogar 29 Prozent. Campingtourismus bringt der heimischen Wirtschaft einen Umsatz von über 18 Milliarden Euro pro Jahr, so eine Untersuchung des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr* (dwif).

Beliebte Campingziele für 2024

Camper auf einem Stellplatz in Kroatien
Kroatien gehört erneut zu den Top-Campingreiseländern, gefragt sind vor allem Küstenregionen wie hier südlich von Split© Shutterstock/Tupungato

Und wohin geht die Campingreise 2024? "Kroatien, Deutschland und Italien sind wieder besonders beliebt", sagt Uwe Frers, Geschäftsführer des ADAC Campingportals Pincamp*. In Deutschland stehen vor allem Campingplätze an Nord- und Ostsee sowie am Bodensee, im Schwarzwald und in den Alpen hoch im Kurs.

Schon jetzt zeige sich ein starker Anstieg der Frühbucher, die sich ihren Lieblingsplatz für die Saison 2024 sichern wollen. Als weiteres beliebtes Reiseziel sieht Frers für 2024 die skandinavischen Länder: "Vor allem die Nachfrage für Schweden steigt rasant an."

Luftaufnahme des Campingplatzs Neuharlingersiel
Nordsee-Camping in Neuharlingersiel gehört zu den neuen ADAC Superplätzen in Deutschland© pincamp.de

ADAC Inspekteure waren wieder auf Campingplätzen in ganz Europa unterwegs, um deren Qualität zu überprüfen. 192 Campingplätze (Vorjahr 175) in Europa erhielten eine 5-Sterne-Bewertung für die Campingsaison 2024.

Drei neue ADAC Superplätze mit dem Spitzenwert gibt es laut Pincamp in Deutschland: Der Königliche Campingpark Sanssouci direkt am Templiner See mit Shuttlebus ins nahe Potsdam, das Family-Resort Kleinenzhof in Bad Wildbad im Schwarzwald mit Schwimmbad, Streichelzoo und großem Kinderspielhaus und das Nordsee-Camping Neuharlingersiel im gleichnamigen Thalasso-Nordsee-Heilbad, direkt angrenzend an ein Wellnesszentrum.

Weitere Platz-Trends für 2024: "Camping ist digitaler geworden. Gäste erwarten mittlerweile, dass sie ihren Wunschplatz online buchen können und dass vor Ort ein guter WLAN-Anschluss vorhanden ist", so Frers. Viele Menschen könnten heute vom Campingplatz aus arbeiten, Betreiber stellten Räume mit Highspeed-Internet für "Workation" zur Verfügung.

Campingplatz am Strand in Albanien
Albanien etabliert sich als neues Campingziel, besonders an der Adriaküste und am Skutarisee© Shutterstock/Martin Mecnarowski


Albanien sieht ADAC Experte Martin Zöllner als neues attraktives Campingreiseziel: "Kostengünstig und gastfreundlich" sei das Land mit Campingplätzen zum Beispiel in der Region Vlora an der insgesamt rund 360 Kilometer langen Adriaküste. Südlich von Vlora beginnt die albanische Riviera mit Kiesstränden, Buchten und der alten Römerstadt Butrint, Unesco-Weltkulturerbe in der Nähe des Badeorts Sarandë.

Weitere Plätze bieten zum Beispiel das Umland von Shkodra am Skutarisee, durch den die Grenze zum Nachbarland Montenegro verläuft, sowie die Region um Berat, dessen Altstadt mit Moscheen und weißen Häusern ebenfalls zum Welterbe gehört.

Mehr Infos rund um Camping finden Sie hier sowie beim ADAC Campingportal ADAC Campingportal Pincamp*.

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