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VW Grand California 600: Reisemobil überzeugt im ADAC Test

Testfahrt VW Grand California 600
Sicher beim Ausweichtest: Der VW Grand California 600 ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Beim Start der ADAC Testreihe mit Campervans der Kompaktklasse macht die große Variante des California einen guten Eindruck. Nur die Aufpreispolitik stört.

  • Fahrzeug und Aufbau insgesamt hervorragend

  • Plus: Umfangreiche Sicherheitssysteme

  • Minus: Hintere Sitzbank ist sehr schmal

Der Camping-Boom in Deutschland hält an, und damit auch die Nachfrage nach Reisemobilen. Besonders gefragt sind kompakte, alltagstaugliche Campervans mit einer Länge von bis zu sechs Metern. Der ADAC testet ab sofort in regelmäßigen Abständen Fahrzeuge aus der Bus- und Kastenwagenklasse – immer nach identischen Kriterien, damit alle Testkandidaten miteinander vergleichbar sind. Den Auftakt macht der VW Grand California 600 auf Crafter-Basis, dem großen Bruder des Bullis.

Auf die Praxistauglichkeit, Fahrsicherheit und Alltagstauglichkeit prüfen lassen musste sich ein gut ausgestatteter, 180 PS starker Zweiliter-Diesel mit Achtgang-Automatik – und zwar sowohl im ADAC Test- und Technikzentrum in Landsberg als auch auf der Teststrecke.

Der Kofferraum könnte variabler sein

Die Karosserie des California kommt beim Testteam gut an: Innen und außen ist sie gut verarbeitet, die Spaltmaße verlaufen gleichmäßig. Insgesamt entsteht ein wertiger Eindruck. Klein ist der California mit sechs Metern Länge und einer Breite von 2,40 Metern (inklusive Spiegeln) nicht. Deshalb ist er auch nur bedingt alltagstauglich. Der Wendekreis von 14,5 Metern erfordert umsichtiges Rangieren, an Brücken sollte man die Höhe von drei Metern im Blick haben.

Wer bereit ist, Aufpreise zu zahlen, kann sich das Rangieren mit Parksensoren, Rückfahrkamera und Parkassistenten leichter machen. Ein Minus, das sich auch gegen Aufpreis nicht vermeiden lässt: Dachlasten sind, anders als bei einigen Wettbewerbern, nicht erlaubt.

Als Zusatzausstattung sind zudem beheizbare Außenspiegel und eine beheizbare Frontscheibe erhältlich. Deren Heizdrähte sorgen bei Nachtfahrten jedoch für Reflexionen. Tipp der ADAC Tester: Vor dem Kauf unbedingt bei einer nächtlichen Probefahrt herausfinden, ob man sich davon gestört fühlt.

Der Kofferraum bietet mit einem Volumen von 670 Litern ordentlich Platz. Und die niedrig liegende Ladekante (57 Zentimeter über dem Boden) erlaubt das mühelose Einladen auch von schwerem Gepäck. Was den Testern nicht gefallen hat, ist die Variabilität. Kleinkram oder der normale Wochenendeinkauf lässt sich nicht vernünftig verstauen. "Außer den hinten im Auto stehenden, schwer erreichbaren Schränken gibt es hier keine Vorkehrungen", sagt Projektleiter Christoph Pauly, "da würde man sich bessere Lösungen wünschen, um ein paar Packungen Milch oder einen Kasten Bier unterzubringen."

Den Ausweichtest meistert der VW mit Bravour

Bei den Fahrleistungen ist der California ein Musterschüler. Er ist prima motorisiert, der Motor nervt nicht mit übermäßigem Dröhnen oder Vibrationen, die Achtgang-Wandlerautomatik überzeugt. Das gilt auch für die Beschleunigung: Mit voller Beladung auf 3,5 Tonnen zieht der Turbodiesel den Camper in 10,2 Sekunden von 60 auf 100 km/h. Als Höchstgeschwindigkeit nennt der Hersteller 162 km/h.

Wer kräftig Gas gibt, muss allerdings früh wieder eine Tankstelle ansteuern. Denn während der California bei 80 km/h mit 6,8 Litern auf 100 km eher sparsam ist, wird er bei höheren Geschwindigkeiten sehr durstig. Bei 130 km/h braucht er schon 14 Liter Diesel. "Wir sind gespannt, wie der Verbrauch bei ähnlichen Fahrzeugen aussieht", sagt Martin Zöllner, Campingexperte und Mitglied des Testteams. "Das werden unsere nächsten Tests zeigen.“"

Mit Bravour besteht der California den Ausweichtest. Er lässt sich sicher und mit Geschwindigkeiten, die auf Pkw-Niveau liegen, durch den Parcours bewegen. Im Grenzbereich untersteuert er gutmütig, begleitet vom gezielt eingreifenden elektronischen Stabilitätsprogramm. Auch bei der Lenkung ist der Kastenwagen verblüffend nah an guten Pkw-Leistungen. Da werden auch kurvige Straßen nicht zum Problem. Abstriche bei der Note gab es lediglich beim Bremsweg: Die Transporter-/Campingreifen wirken sich negativ auf den Bremsweg aus – der mit fast 45 Metern aus 100 km/h nur mit ausreichend bewertet wurde.

Viel Fahrkomfort und ein übersichtliches Cockpit

Klar und verständlich – so lautet das Urteil der Tester in Sachen Bedienung. Nur der Drehschalter für die Lichteinstellung ist nicht optimal positioniert. Die Drehsitze in der ersten Reihe sind bequem und in Höhe und Sitzneigung verstellbar. Hinten sitzt man dagegen auf der Bank während der Fahrt nicht besonders bequem und zudem eng. Da müssen zwei Erwachsene schon ein sehr gutes Verhältnis miteinander haben, wenn sie sich nebeneinander auf den Sitz zwängen wollen.

In Sachen Fahrkomfort schneidet der California hervorragend ab. Beim Fahrwerk habe VW sehr gute Arbeit geleistet, sagt Projektleiter Pauly. "Das Fahrzeug rollt kommod durch die Lande und federt auch Hindernisse gut weg, wie unsere Komfortmessung bestätigt." Was das Innengeräusch während der Fahrt angeht, hat es der California wegen seiner Höhe nicht leicht. Aber er schlägt sich gut. Außer einem Grundrauschen vernahmen die Tester nichts Störendes, und der Motor dröhnt selbst bei hoher Drehzahl nicht übermäßig.

Sehr gute Sicherheitssysteme gegen Aufpreis

ESP und Seitenwindassistent sind serienmäßig, ansonsten zahlt man beim California für Sicherheit extra. Zum Beispiel für ein City-Notbremssystem, einen aktiven Spurhalteassistenten oder eine Totwinkelüberwachung. Urteil der Tester: Insgesamt eine vorbildliche Ausstattung, aber zumindest einen Teil könnte VW serienmäßig anbieten.

Die Aufpreispolitik von VW verhindert auch beim Insassenschutz eine bessere Bewertung: Frontairbags sind serienmäßig, kombinierte Kopf-/Seitenairbags nicht. Ein sehr wichtiges, im Grundpreis enthaltenes Feature bietet der Grand California 600 bei der Kindersicherheit: Auf beiden Rücksitzen sind Isofix-Anbindungen samt Top-Theter-Haken vorhanden.

Allerdings reicht der Platz nicht für zwei Kindersitze. Also muss man mit einem Exemplar auf den Beifahrersitz ausweichen und den Kindersitz dort mit dem Gurt befestigen. Den aktuellen Kindersitztest des ADAC finden Sie hier.

Wohnen und Schlafen im Grand California 600

Der Küchenblock bietet eine Kochstelle mit zwei Flammen, ein Spülbecken, eine vergrößerbare Arbeitsfläche sowie einen angenehm leisen Kompressorkühlschrank samt Eisfach. Kleines Manko: Das Platzangebot für Geschirr und Töpfe fällt nicht sehr opulent aus.

Das Quer-Doppelbett im Heck ist 137 bis 155 Zentimeter breit und 192 Zentimeter lang. Der Mittelteil lässt sich hochklappen, um z. B. zwei Räder unterzubringen. Eher für Kinder geeignet ist das optionale Hubbett über der Dinette, da der Abstand zwischen Liegefläche und Dach nur 50 Zentimeter beträgt.

Fazit: Ein großer Wurf, aber lange Aufpreisliste

Mit dem Grand California, so lautet das Fazit von Projektleiter Pauly, "ist VW ein großer Wurf gelungen, ein Camper ohne ernsthafte Schwächen und mit für diese Klasse bestechend guten Fahreigenschaften." Auch die Verarbeitung von Fahrzeug und Aufbau sei insgesamt hervorragend. Bei den Sicherheitssystemen punktet der California ebenfalls kräftig. "Aber leider sind fast alle durchgängigen Assistenzsysteme nur gegen Aufpreis zu haben", sagt Pauly, "und auch ein einfaches Radio kostet extra." So wird aus einem Grundpreis von rund 58.000 Euro schnell ein Camper für fast 83.000 Euro.

Die extrem lange Aufpreisliste von VW verhinderte an einigen Stellen eine bessere Note. So hat der California in Sachen Multimedia und Konnektivität sehr viel zu bieten – allerdings nur für Käufer, die für digitales Radio, induktive Ladestation fürs Smartphone, Navi etc. tief in die Tasche greifen. "Wenn das alles im Grundpreis drin wäre", sagt Zöllner, "hätte es hier eine deutlich bessere Note als 3,5 gegeben."

Den ausführlichen Testbericht als PDF finden Sie hier:

Testbericht VW Grand California
PDF, 694 KB
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Mehr Infos für Camper finden Sie auf Pincamp*, dem Campingportal des ADAC.

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