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Zuladung von Wohnmobilen im Vergleich: So schnell sind sie überladen

Der neue VW  T6 california ocean am Strand mit einer 4köpfigen Familie
Campingbusse bieten Platz für die ganze Familie und viel Gepäck ∙ © VW Nutzfahrzeuge

Viele Familien wollen gerade in diesem Jahr mit einem Wohnmobil in den Urlaub starten. Doch wie viel kann man einpacken? Ein ADAC Vergleich zeigt, welche Modelle schnell zu viel auf die Waage bringen. Plus: Die wichtigsten Infos und Tipps zum Thema Überladung.

  • Viele Modelle sind schon leer zu schwer

  • Teilintegrierte Wohnmobile sind für Familien wenig attraktiv

  • Überladung ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko

Wie familienfreundlich sind Camper-Modelle in Sachen Zuladung? Um das herauszufinden, hat der ADAC fünf unterschiedliche Konzepte in der 3,5-Tonnen-Klasse auf ihre Zuladungskapazitäten untersucht. Als Vergleichsgrundlage dient eine ADAC Modellfamilie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern, die samt Gepäck (im Vergleichstest als "ADAC Reisegewicht für Familien" bezeichnet) in einem fahrbereiten Reisemobil Platz nimmt. Wie viel Zuladungsreserve die einzelnen Fahrzeuge jeweils noch bieten, zeigt der ADAC Vergleich. Das Ergebnis: Innerhalb der Klassen gibt es deutliche Unterschiede.

Die Definition der Gewichte

Das Gewicht des fahrbereiten Wohnmobils: Zum Grundgewicht des Fahrzeugs (Treibstofftank leer, Frisch- und Abwassertanks leer, Öle gefüllt) wird ein Fahrer (75 kg), ein 90-prozentig gefüllter Treibstofftank, Flüssiggasflaschen (wie vom Hersteller vorgesehen mit bis zu 50 kg), Bordwerkzeug und Wagenheber (5 kg), CEE-Kabeltrommel samt Anschlussadapter (4 kg) und eine Zusatzbatterie (falls Halterung vorhanden), der volle Spültank der Toilette sowie die Frischwasseranlage in Fahrbefüllung (15 Liter) hinzugerechnet.

Achtung: Diese Norm berücksichtigt die Gewichte je nach Ausstattung. Hat das Wohnmobil beispielsweise eine Einbauvorrichtung für eine zweite Aufbaubatterie, muss das Gewicht dazu gerechnet werden.

Im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) steht im Feld G die "Masse des in Betrieb befindlichen Fahrzeugs". Seit 2014 müssen Hersteller dem Käufer ein Certificate of Conformity aushändigen, das die tatsächliche Masse aufführt. Die Zahl muss aus dem fahrbereiten Zustand und der vom Kunden bestellten Sonderausstattung bestehen.

Plus: das ADAC Reisegewicht für Familien. Es beinhaltet zusätzlich zur Masse des Fahrzeugs im fahrbereiten Zustand außerdem einen weiteren Erwachsenen (75 kg), zwei Jugendliche (je 50 kg) plus Gepäck für vier Personen (je 25 kg) plus weitere 200 kg pauschal. Somit beträgt das ADAC Reisegewicht für Familien insgesamt 475 kg. Im Unterschied zur DIN EN 1646-2 entspricht diese Berechnung nach ADAC Erfahrung eher der Praxis.

Ergebnis: So schneiden die Wohnmobil-Konzepte ab

Vollintegrierte: Unterschiedliche Zuladungskapazitäten

In der Klasse der vollintegrierten Wohnmobile schneidet der Dethleffs VI Trend I 6557 DBM am besten ab. Nach Abzug des ADAC Reisegewichts bleiben satte 240 Kilo Zuladungsreserve. Auch der Carthago VI c-compactline I 138 DB Super-Lightweight bietet der Familie komfortable 200 Kilo Zuladungsreserve.

Ganz anders sieht es da beim Adria VI Sonic Axess 600 SL aus. Mit einer Länge von 6,98 Metern bietet er zwar viel Platz und Schlafmöglichkeiten für vier Personen, steigt aber die ADAC Familie samt Gepäck ein, ist das Reisemobil mit 115 Kilo überladen. Das wird bei einer Kontrolle nicht nur teuer, sondern ist auch ausgesprochen gefährlich.

Teilintegrierte: Wenig Zuladungsreserven

Bei den Teilintegrierten sind im aktuellen ADAC Vergleich die Zuladungsreserven generell deutlich niedriger. Hier hat der Dethleffs TI Trend T 7057 DBL zwar die Nase vorn, aber 95 Kilo Zuladungsreserve sind schnell aufgebraucht. Den Motorroller lässt die Familie dann besser zu Hause – die dafür zusätzlich benötigten 120 Kilo sind nicht vorhanden.

Die mögliche Zuladungsreserve von 20 Kilo des Eura Mobil TI Profila RS 695 HB ist kaum der Rede wert, aber immerhin noch besser als das Ergebnis des Chausson TI Titanium 768 XLB: Das Eura Mobil auf Ford-Transit-Basis ist bereits überladen (-38 Kilo!), wenn die ADAC Familie samt Gepäck einsteigt.

Alkoven: Meist brauchbare Zuladungen

Gut bedient ist eine Familie mit dem Sunlight Alkoven A68: 220 Kilo dürfen zusätzlich mit. Da hat das Sup-Board auf jeden Fall noch Platz.

Auch im Bürstner Alkoven Lyseo Time A 700 G können Sportgeräte und ein paar Extras mit insgesamt 100 Kilo Zusatzgewicht mitreisen.

Weniger Möglichkeiten bietet der Hobby Alkoven Siesta de Luxe A 70 GM: Ist die ADAC Familie an Bord, muss sie sich bei einer Zulassungsreserve von lediglich 20 Kilo entscheiden, ob zusätzliche Campingmöbel oder das Schlauchboot mit auf die Reise gehen dürfen.

Kastenwagen: Nicht alle halten, was sie versprechen

Auch in der Klasse der Kastenwagen gibt es enorme Unterschiede. Der Hymer Kastenwagen Grand Canyon S mit Aufstelldach auf Mercedes-Benz-Basis hat die kompakten Abmessungen von 5,93 Metern Gesamtlänge und 2,03 Metern Breite – da überraschen die 110 Kilo Reservezuladung. Die ADAC Familie kann also samt zusätzlichem Gepäck problemlos mitreisen.

Der La Strada Kastenwagen Avanti F kann da nicht mithalten: Er hat das schlechteste Ergebnis im ADAC Vergleich. Seine 6,36 Meter bieten zwar vier Sitz- und Schlafplätze, aber sobald die ADAC Familie einsteigt, ist er mit 117 Kilo überladen. Ein Familienurlaub mit diesem Fahrzeug ist nicht praktikabel – und sogar gefährlich.

Der Sunlight Cliff 601 hingegen bietet immerhin 85 Kilo Reservezuladung. Dabei sollte man bedenken: Eine Markise wiegt schon mal 50 Kilo oder mehr, der Ersatzreifen 25 Kilo und zwei Kinderfahrräder 24 Kilo.

Campingbusse: Kompakte, belastbare Allrounder

Bei keiner anderen Klasse muss man bei der Auswahl so genau hinschauen wie in der Busklasse. Die Leergewichte variieren durch die unterschiedlich verfügbaren Motoren, Getriebevarianten und Antriebsformen stark. Zudem erhöht eine Sonderausstattung wie elektrisch einstellbare Sitze oder eine Lederausstattung das Leergewicht. Hier sollten Käufer schon bei der Konfiguration daran denken, wie viel Zuladungsreserve sie benötigen und dementsprechend planen.

Für die ADAC Familie auf Reisen heißt das beim T 6.1 California Ocean, dass sie entweder überladen (-2 Kilo) oder aber mit 112 Kilo Reserve startet – denn der VW California weist je nach Ausstattung ein extrem unterschiedliches Leergewicht auf.

Beim Mercedes S-Benz Bus Marco Polo zeigt sich eine noch größere Spanne. Allerdings kommt es hier wohl zu keiner Überladung: Die Zuladungsreserven reichen von 70 bis 238 Kilo.

Die große Überraschung im ADAC Vergleich ist der zweitkleinste Teilnehmer: Der Pössl-Bus Campster hat mit seinen 4,95 Metern die größte Zuladungsreserve. Bis zu 370 Kilo könnte eine vierköpfige Familie je nach Ausführung noch zuladen, bevor sie in den Urlaub losfährt.

Fazit: In jeder Klasse gibt es familientaugliche Fahrzeuge

Der ADAC Vergleich zeigt: Ob Vollintegrierter, Teilintegrierter, Kastenwagen, Alkoven oder Campingbus – jede Klasse bietet Fahrzeuge mit mehr oder weniger Zuladungskapazität.

Die Klasse der kleinen Campingbusse hat oft noch gute Reserven in Sachen Zuladung, was typischerweise unter anderem auf die fehlende Nasszelle zurückzuführen ist. Für Familien, die wenig Komfort benötigen, aber größtmögliche Flexibilität bei der Mitnahme von schweren Sportgeräten, kann ein kleiner Campingbus wie der Campster oder der Kastenwagen Grand Canyon S eine günstige Alternative zu einem großen Reisemobil sein. Die in dieser Klasse vergleichsweise vielfältige Auswahl an Motor/Getriebekombinationen sorgt für eine weite Spanne an möglichen Zuladungen.

Bei den großen Wohnmobilen gibt es deutliche Unterschiede – wirkliche Zuladungswunder sind aber selten. Dennoch: Wer auf Komfort Wert legt und viel Zusatzausrüstung mitnehmen möchte, der ist mit einem vollintegrierten Wohnmobil oder einem Alkovenmodell gut beraten. Für Familien weniger attraktiv schnitten in der aktuellen ADAC Stichprobe die teilintegrierten Wohnmobile ab. Sie haben für ihre Größe wenig Zuladungsreserve. Ihre meist sehr gute Ausstattung erhöht das Leergewicht teils erheblich.

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Bei Überladung drohen Bußgelder und Entsorgung

Das Sicherheitsrisiko durch Überladung ist enorm hoch. Schon innerhalb des erlaubten Rahmens hat ein voll beladenes Wohnmobil einen deutlich niedriger angesiedelten fahrdynamischen Grenzbereich als dasselbe Wohnmobil in leerem Zustand. Je höher das Gewicht, desto höher ist die Belastung von Reifen und Bremsen. Serpentinenfahrten und Ausweichmanöver bei gleicher Geschwindigkeit sind im beladenen Wohnmobil somit um ein Vielfaches tückischer. Ein überladenes Wohnmobil kann zum unkontrollierbaren Gefährt werden.

Es drohen deshalb Bußgelder und die Entsorgung der Gepäckgegenstände. Während man in Deutschland mit einem Bußgeld von bis zu 235 Euro und einem Punkt rechnen muss, zahlt man in Italien bis zu 1734 Euro, in Österreich bis zu 5000 Euro. In Frankreich wird unter Umständen neben der Verhängung einer Geldbuße ab 135 Euro das Fahrzeug von der Polizei einbehalten.

Die Polizei hat auch festgestellt:

Viele Camper sind in Sachen Ladungssicherung allzu sorglos unterwegs. Laptops standen auf Klapptischen, Spülbecken waren voller Geschirr und Kaffeemaschinen standen ungesichert herum. Alles Dinge, die bei einem Frontalaufprall – aber auch schon bei einer starken Bremsung – zu gefährlichen Geschossen werden. Deshalb: Vor Fahrtantritt noch mal einen letzten Blick ins Innere des Campers werfen und sicherstellen, dass alle Gegenstände gut gesichert sind!

Bei Versicherungsabschluss muss das zulässige Gesamtgewicht angegeben werden, und nur dieses ist dann auch versichert. Wer das zulässige Gesamtgewicht überschreitet und einen Unfall hat, verliert unter Umständen den Versicherungsschutz.

Service: Was wiegt was?

Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Wohnmobile unwissentlich überladen werden. Gerade zu Beginn der Ferienzeit muss die Polizei immer wieder Wohnmobilisten aus dem Verkehr ziehen, weil das Reisemobil viel zu viel Gewicht auf die Waage bringt.

Wie schnell man überladen sein kann, zeigt eine Beispielliste mit Gegenständen, die Camper gerne mitnehmen. Das Gewicht kann dabei je nach Modell abweichen.

ADAC Tipps: So sparen Sie effizient Gewicht ein

  • Bewusst und sparsam packen, nur mitnehmen, was unbedingt mit muss

  • Im Sommer reicht eine Fünf-Kilo-Gasflasche für die kleine Küche

  • Vorräte am besten erst am Urlaubsziel einkaufen

  • Auf leichte Campingmöbel achten

  • Statt Markise eine Sackmarkise oder ein leichtes Sonnensegel mitnehmen

  • Fahrräder kann man eventuell vor Ort leihen

  • Vor dem Urlaub mit kompletter Besatzung auf eine Waage. Das geht auch kurzfristig zum Beispiel bei Mülldeponien, Kieswerken, Recyclinghöfen, etc.

  • Den Wassertank mit nur 15 Litern befüllen und auf dem Campingplatz Wasser auffüllen

Wiegekarten in ADAC Prüfzentren

Auch die ADAC Prüfzentren stellen Wiegekarten aus. Regelmäßige Wiegeaktionen bieten an:

ADAC Südbayern (ADAC Prüfzentrum München, Ridlerstr. 35, Tel. 089 51 95 188, jeden Donnerstag von 8 bis 18 Uhr)

ADAC Nordbayern (ADAC Techn. Prüfzentrum Fürth, Alte Reutstr. 115, Tel. 0911 95 95 395, Montag bis Donnerstag von 8 bis 17 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr, nur nach Terminvereinbarung)

ADAC Westfalen (ADAC Prüfzentrum Dortmund, Freie-Vogel-Str. 393, Tel. 0231 987 79 60 02, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr, nur nach Terminvereinbarung)

ADAC Nordrhein (ADAC Campingstation Gleuel, Innungsstr. 16-18, Tel. 0221 472 73 22, Montag bis Freitagvon 10 bis 18 Uhr, nur nach Terminvereinbarung)

Darüber hinaus bieten die ADAC Regionalclubs Weser-Ems, Westfalen, Mittelrhein, Pfalz, Südbaden, Nordbayern und Südbayern diesen Service für ADAC Mitglieder an. Termine und Adressen gibt es im ADAC Camping-Veranstaltungskalender oder telefonisch unter 0800 5 10 11 12 (kostenfrei, Montag bis Samstag von 8 bis 20 Uhr). Neben der Sicherheit durch eine geeichte Waage und einem Wiegeprotokoll erhalten Camper dort auch eine Beladungsanalyse.

Sicher unterwegs: Darauf sollten Sie achten

  • Vor dem Kauf eines Wohnmobils sorgfältig prüfen, welcher Zuladungsbedarf besteht

  • Beim Kauf eines gebrauchten oder bereits beim Händler vorrätigen Fahrzeugs ein aktuelles Wiegeprotokoll anfordern

  • Nie überladen starten

  • Unbedingt bei jeder Fahrt das tatsächliche Gewicht und die Achslasten im Blick haben

  • Beim Umstieg vom Alltags-Pkw auf das Reisemobil den Fahrstil anpassen

  • Bedenken, dass die Bremswege deutlich länger sind

  • Stets bewusst machen, dass ein voll beladenes Campingfahrzeug ein deutlich schlechteres Fahrverhalten zeigt als ein leeres

  • Auf die Ladungssicherheit achten: schwere Dinge nach unten, leichte nach oben

  • Eventuell ein Fahrsicherheitstraining besuchen.

Generell gilt:

Je höher das Leergewicht, desto schwieriger die Einhaltung der zulässigen Gesamtmasse von 3,5 Tonnen.

Gerade wer den Campingurlaub mit einem Wohnwagen oder Reisemobil neu für sich entdeckt, fühlt sich schnell von den technischen Begriffen erschlagen. Eine gute Übersicht und alle Infos gibt es hier*.

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