Solarpanels auf dem Wohnmobil: Wann sich das Nachrüsten lohnt

Mann liegt auf dem Rücken auf einem Wohnmobil. Spätsommerzeit mit Sonnenschein
Sonne und Energie tanken auf dem Wohnmobildach© iStock.com/photoschmidt

Solarpanels können den Strombedarf von Wohnmobilen decken. Eine ADAC Recherche zeigt Lösungen für das Nachrüsten von Solaranlage und Speicherbatterie. Die wichtigsten Infos.

  • Zwei 100-Watt-Solarmodule reichen für kleines Wohnmobil

  • Ladebooster erhöht die Spannung für Aufbaubatterie

  • Für Zelte und Dachzelte gibt es faltbare Solarpanels

Fernseher, Smartphones, Laptop, elektrische Zahnbürste, Rasierer, Fön – der Strombedarf im Campingurlaub kann groß sein. Für Camperinnen und Camper, die in Sachen Energieversorgung unabhängig sein wollen, hat der ADAC recherchiert: Welche Solaranlagen und Stromspeicher gibt es für Wohnmobile, Wohnwagen, Dachzelte, Zeltcaravans und klassische Zelte – und was leisten sie?

Die ADAC Recherche bietet einen Überblick über die Nachrüstmöglichkeiten. Wichtigste Tipps für Selbstausbauer und -ausbauerinnen sowie alle, die ihre Solaranlage und Stromspeicher lieber von einem Fachbetrieb installieren lassen, liefert ein ADAC Technikexperte.

Unabhängig dank Solaranlage

Sportliches Paar mittleren Alters, das hoch oben in den Bergen sitzt, Dachstein-Gletscher im Hintergrund, neben ihrem Wohnmobil mit Dachzelt
Faltbare Solarpanels sind eine gute Lösung für Zelte oder Camper mit Dachzelt© iStock.com/amriphoto

Solarmodule werden in der Regel auf dem Dach des Wohnmobils oder Caravans montiert. "Eine von unten unsichtbare und absolut geräuschlose Energiequelle", sagt ADAC Technikexperte Burkhard Böttcher, der die Recherche durchgeführt hat.

Bei der Berechnung von Zahl und Größe der Module sei die Art der Nutzung wichtig: "Wer die Solaranlage als einzigen Energieversorger hat, wenn der Camper mehrere Tage steht, sollte eine größere Anlage wählen." Denn sonst kann es eng werden bis zur nächsten Fahrt, in der die Speicherbatterie wieder durch die Lichtmaschine des Wohnmobils beziehungsweise des Zugfahrzeugs des Caravans aufgeladen wird.

Böttcher empfiehlt für Campingfahrzeuge Solarmodule mit monokristallinen Zellen: "Die brauchen weniger Platz als Module mit polykristallinen Zellen, erzeugen mehr Leistung je Fläche, sind leichter, und der Preisunterschied ist moderat." Ein 100-Watt-Modul mit monokristallinen Zellen kostet ab etwa 120 Euro. Module mit polykristallinen Zellen sind ab circa 100 Euro zu haben.

Für Camper mit Dachzelt, Zelt oder Zeltcaravan bieten sich laut Böttcher faltbare Solarkoffer (ab circa 200 Euro/Leistung 100 Watt) an, die sich gut zur Sonne ausrichten lassen. Aber auch semiflexible Module sind eine Option. Von voll flexiblen Modulen rät er dagegen ab: "Die neigen früher oder später oft zu Brüchen oder anderen Defekten."

Gut versorgt dank Solarpanels

Wer nachrüstet, muss zwar in der Regel mehr als 1000 Euro für das gesamte System inklusive Batterie investieren, spart aber langfristig. So kann man auf den Stromanschluss auf Campingplätzen verzichten, der oft fünf Euro oder mehr am Tag kostet.

Und man profitiert von der kostenlosen Energie der Sonne. An einem sonnenreichen Tag laden zwei je 100 Watt starke Solarmodule die Speicherbatterie so voll auf, dass es für drei Tage ohne Sonne reicht. Bei stabil gutem Wetter ist der Camper dauerhaft autark – ergänzt durch eine Gasanlage, die Kühlschrank, Herd, Heizung und Warmwasser versorgt, denn Kühlen und Heizen sind besonders energieintensiv.

Was Solaranlagen leisten können, zeigen zwei Beispiele:

Solaranlage im kleinen Wohnmobil für zwei Personen

Verbraucher

Leistung in Watt

Nutzungszeit in Stunden pro Tag

Verbrauch pro Tag in Wattstunden

Verbrauch in Amperestunden (12 Volt)

Zwei Smartphones

10

5

50

4,2

Powerbank

15

4

60

5

Wasserpumpe

60

0,5

30

2,5

Beleuchtung LED

30

4

120

10

TV LED

30

2

60

5

Laptop

40

4

160

13,3

Verbrauch pro Tag



480

40

Empfehlung des ADAC: 200 Watt sollte die Solaranlage mindestens leisten. Und der Stromspeicher sollte circa 120 Amperestunden speichern können.

Solaranlage im Wohnwagen einer vierköpfigen Familie

Verbraucher

Leistung in Watt

Nutzungszeit in Stunden pro Tag

Verbrauch pro Tag in Wattstunden

Verbrauch in Amperestunden (12 Volt)

4 Smartphones

20

5

100

8,3

2 Powerbanks

30

4

120

10

Wasserpumpe

60

1

60

5

Beleuchtung LED

60

4

240

20

TV LED

30

3

90

7,5

Laptop

30

6

240

20

Verbrauch pro Tag



850

70,8

Empfehlung des ADAC: 400 Watt sollte die Solaranlage für den Wohnwagen mindestens leisten. Und der Stromspeicher sollte circa 210 Amperestunden speichern können.

Die Auswahl der Speicherbatterie

Bei der Auswahl der Speicherbatterie rät ADAC Technikexperte Böttcher, zunächst die technische Umgebung sowie die erwünschte Leistungsfähigkeit zu klären. "Eine ungeeignete Batterie kann zu Funktionsausfällen, frühzeitigem Verschleiß und sogar zu Defekten führen", sagt Böttcher.

Er empfiehlt Lithium-Ionen-Technik. Die LiFePO4-Batterien seien zwar verhältnismäßig teuer (ab 500 Euro/100 Amperestunden), aber sehr leistungsfähig, auch bei starken Verbrauchern wie einem Fön. Außerdem seien sie sehr leicht. Böttcher: "Das ist ein großer Vorteil bei Wohnmobilen, bei denen Camper immer damit zu kämpfen haben, dass sie unter dem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen bleiben."

Ladebooster und Powerstation

Eine Stromversorgung eingebaut in einem Wohnmobil
Technik im Wohnmobil für die Energieversorgung: Heizung, Ladegerät, Elektroverteilung, Absicherung, Wechselrichter und Batteriehauptschalter© Ective

Damit der Spannungsverlust auf dem Weg von der Lichtmaschine zur Speicherbatterie möglichst gering ist, sind kurze Leitungen und Kabel mit großem Querschnitt hilfreich. Allerdings sind die teurer und schwerer. ADAC Technikexperte Böttcher rät zur Investition in einen Ladebooster (circa 150 Euro), der für ein stabiles und optimales Spannungsniveau sorgt.

Die Alternative für alle, die keine Elektrik verlegen wollen, ist eine Powerstation. Steckdosen für Smartphone, Fön und Co. sind hier schon dran. Solche Stationen gibt es ab etwa 1500 Euro, Booster und Speicherbatterie sind integriert. Aufladen kann man die Powerstation über die Fahrzeugbatterie, jede Steckdose und natürlich mit einer Solaranlage. Böttcher: "Eine gute Lösung für kleine Fahrzeuge und sehr interessant für Camper, die zelten."

Solaranlage: Tipps für Camper

Für Camperinnen und Camper, die ihr Wohnmobil oder ihren Wohnwagen mit Solaranlage und Speicherbatterien nachrüsten wollen, hat ADAC Experte Böttcher eine Reihe von Empfehlungen:

  • Erst die Planung, dann die Umsetzung.

  • Leitungsplan erstellen.

  • Nicht an Kabelmaterial und Kabelverbindungen sparen.

  • Kabelquerschnitte gut dimensionieren.

  • Kabel beschriften.

  • Sorgfältig arbeiten, das erspart die Fehlersuche im Urlaub.

  • Komponenten möglichst von nur einem Hersteller verwenden, dann gibt es auch nur einen Ansprechpartner bei Problemen und keinen Verweis auf eine andere, markenfremde Komponente.

  • Die schwere Batterie gut befestigen, am besten mit stabilen Batteriehalterungen, die ausreißsicher mit dem Boden verschraubt sind.

  • Gewicht der Komponenten nicht unterschätzen, das geht von der Zuladung ab.

  • Elektrik ist nur etwas für Fachkundige. Wenn man sich nicht auskennt, besser zu einem Fachbetrieb für Camperausbau gehen oder zumindest einen Elektriker zu Rate ziehen, und die Anlage abschließend prüfen lassen.

  • Rettungskarte aktualisieren.

Der ausführliche Testbericht als Download

Für Selbstausbauer und alle, die sich mit Hilfe eines Fachbetriebs ihren Camper mit einer Solaranlage ausrüsten wollen, haben die Technikexperten des ADAC alles Wissenswerte im ausführlichen Testbericht zusammengefasst.

Solaranlage fürs Wohnmobil - der ausführliche Testbericht
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