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Mercedes Marco Polo 300d: Bestnoten im ADAC Wohnmobiltest

Mercedes Marco Polo beim Ausweichtest
Der Mercedes Marco Polo beim ADAC Ausweichtest ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Der Mercedes-Camper überzeugt mit hochwertiger Ausstattung, Alltagstauglichkeit und viel Fahrkomfort.

  • Der Premium-Camper kostet ab 67.000 Euro

  • Kraftvoller und sparsamer Dieselmotor

  • Ausgereiftes Hubdach mit bequemem Bett

Camping liegt im Trend, die Nachfrage nach Reisemobilen ist groß. Besonders gefragt sind kompakte, alltagstaugliche Campervans mit einer Länge von bis zu sechs Metern. Der ADAC testet regelmäßig Camper aus der Bus- und Kastenwagenklasse – immer nach identischen Kriterien, damit alle Testkandidaten miteinander vergleichbar sind.

Nach dem VW Grand California 600 wurde dieses Mal der Mercedes Marco Polo 300d auf Praxis- und Alltagstauglichkeit sowie auf Fahrsicherheit geprüft – im ADAC Technikzentrum im bayerischen Landsberg und auf der Teststrecke.

Marco Polo: Perfekt verarbeitet und alltagstauglich

Spaltmaße, Passungen und Materialauswahl – bei der Verarbeitung macht Mercedes dem Ruf als Premium-Anbieter alle Ehre. "Ohne Zweifel das Beste, was man im Reisemobilbereich bekommt", sagt ADAC Projektleiter Christoph Pauly.

Ein "Gut" bekommt der Marco Polo in Sachen Alltagstauglichkeit: Mit einer Länge von 5,30 Metern und einer Höhe von knapp unter zwei Metern ist der Camper auch im Stadtverkehr gut einsetzbar und kommt in die meisten Tiefgaragen. Das Rangieren erleichtert Mercedes mit Parksensoren, Rückfahrkamera und Parkassistent. Alles serienmäßig, mehr Hilfsmittel gibt es gegen Aufpreis.

Auch mit den Zuladungsmöglichkeiten sind die Tester sehr zufrieden. Der vollgetankte Marco Polo darf durch die optionale Auflastung auf 3,2 Tonnen maximal zulässiges Gesamtgewicht alltagsfreundliche 565 Kilo zuladen. Die ADAC Familienzuladung packt der Testwagen ebenfalls: zwei Erwachsene (je 75 kg), zwei Kinder (je 50 kg), pro Person 25 kg Gepäck und 200 kg für Geschirr, Grill, Fahrräder und andere Dinge.

Serienmäßig hat der Mercedes-Camper vier Sitzplätze, gegen Aufpreis gibt es ihn aber auch als Fünf- oder Sechssitzer.

Wohnen und Schlafen im Mercedes Marco Polo

Bei der Ausstattung seines Campers arbeitet Mercedes-Benz mit dem Ausbauspezialisten Westfalia zusammen. Die Qualität dieser Kooperation beeindruckte die Tester: Im Möbelbau dominieren hochwertige Materialien und Oberflächen, alles campingrobust verarbeitet. Während der Fahrt scheppert und klappert nichts.

Die Qualität stimmt auch beim Küchenblock, bei dem die Tester lediglich ein paar Ablageflächen vermissen. Im Alltag muss man mit den Kochzutaten deshalb auf den Klapptisch in der Dinette ausweichen. Der hat Platz für vier, zeigt aber kleine Schwächen: Die Tischplatte könnte etwas größer sein, und der Klappmechanismus des Tischbeins arretiert nicht besonders fest und kann leicht unbeabsichtigt einklappen.

Ein Highlight des Marco Polo ist das Hubdach. "Ein ausgereiftes Stabsystem hält den Stoff immer in der richtigen Position", sagt Projektleiter Pauly, "ein derart ausgeklügeltes Konzept bietet kein Mitbewerber."

Auch beim Schlafkomfort punktet der Mercedes-Camper. Das gilt für das 108 Zentimeter breite und fast zwei Meter lange Bett im Aufstelldach, das durch Lattenroste mit Tellerfedern gut unterlüftet ist. Und genauso für unten, wo das Bett etwas breiter (112 Zentimeter) und länger (205 Zentimeter) ist. "Der Komfort auf der umgeklappten Ledersitzbank ist hervorragend", lobt ADAC Camping-Experte Martin Zöllner, Mitglied des Testteams. Man habe hier eine "ebene, bequeme Liegefläche".

Mercedes Marco Polo beim Ausweichtest
Überraschung beim Ausweichtest: Die Felge des Vorderrads berührt den Boden ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Fahrkomfort und eine Überraschung beim Ausweichtest

Nichts zu beanstanden hatte das Testteam beim Fahrkomfort. Im Gegenteil: ein kräftiger und trotzdem sparsamer 239-PS-Motor, der Überholmanöver einfach macht, ein Fahrwerk, das Straßenunebenheiten locker ausgleicht, und bequeme Sitze vorn und hinten. "Der Marco Polo bietet einen hohen Komfort, auch unterwegs", sagt Zöllner, "man reist tiefenentspannt."

Eine Überraschung erlebte das Testteam beim Ausweichtest. Der Marco Polo kam bei hohen Geschwindigkeiten sicher und ohne Kippgefahr durch den Parcours, aber die Felgenkante eines Vorderrads schlug kurz auf dem Asphalt auf. "Druckverlust oder andere Schäden haben wir nicht festgestellt", berichtet Projektleiter Pauly, "die Felge war nur optisch beschädigt, so wie beim Einparken, wenn man gegen den Bordstein fährt." Falls so etwas allerdings im Alltag bei einem extremen Ausweichmanöver passiere, müsse man untersuchen lassen, ob nicht doch etwas beschädigt sei.

Mercedes verweist nach einer entsprechenden ADAC Anfrage darauf, dass dieses Problem noch nie gemeldet worden sei. Bei der Entwicklung des Fahrzeugs habe der Fokus auf "hohen Gripwerten für optimale Spurhaltung (gerade auch bei Ausweichmanövern) sowie kurzen Bremswegen gelegen". Zudem ging es laut Mercedes um "bestmöglichen Komfort, trotz relativ niedrigem Reifen-Querschnittsverhältnis".

Die dafür gewählte Kombination von großen Felgen und haftstarken Reifen, die eine für den Komfort günstige weiche Flanke haben, hält ADAC Projektleiter Pauly für eine plausible Erklärung für den Felgen-Bodenkontakt.

Das Aufschlagen der Felge auf den Boden könnte seiner Ansicht nach eine schmalere Bereifung auf kleineren Felgen verhindern. Beides gibt es für den Mercedes Marco Polo. Auch das optionale Sportfahrwerk könnte helfen. Pauly: "Ich gehe davon aus, dass der Marco Polo damit weniger Seitenneigung zeigt und dadurch das Vorderrad weniger belastet wird."

Konnektivität im Mercedes Marco Polo

Mercedes Marco Polo Cockpit
Übersichtlich: Das Cockpit des Mercedes Marco Polo 300d ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Aufstelldach ausfahren, Heizung regulieren, Licht dimmen, Füllwasserstände abrufen oder die Kühlbox steuern – das alles kann man im Mercedes-Camper über den großen Touchscreen im übersichtlich gestalteten Cockpit oder über die entsprechende App auf dem Smartphone erledigen.

"Mercedes-Benz Advanced Control", kurz "MBAC", heißt diese Konnektivitätslösung. Kleine Schwäche: Die App verbindet sich per Bluetooth mit dem Fahrzeug und ist daher nur in der Nähe des Marco Polo nutzbar. Von unterwegs den Innenraum des Campers schon mal vorheizen geht also nicht.

Testbericht Mercedes Marco Polo
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Fazit: Der Mercedes-Camper hat kaum Schwächen

Viele Stärken, kaum Schwächen – der Mercedes Marco Polo 300d überzeugt im ADAC Test. "Die Verarbeitung und die Materialauswahl sind im Campervan-Segment konkurrenzlos", sagt Projektleiter Pauly. Als weitere Pluspunkte nennt er den kräftigen und gleichzeitig angemessen sparsamen Motor, den kurzen Bremsweg sowie das serienmäßige Notbremssystem. Die Liste der Schwachpunkte ist kurz: der Felgenkontakt mit der Fahrbahn beim Ausweichtest und der Beifahrerairbag, der sich nicht deaktivieren lässt.

"Insgesamt ist der Marco Polo in der Busklasse ein absolutes Premium-Angebot", so Pauly, "er hat uns im Einsatz im Alltag begeistert und überzeugt als Camper mit praktischen Lösungen wie dem Aufstelldach, dem elektrischen Steuerungsmodul MBAC und hochwertigen Möbeln."

Das alles hat seinen Preis: In der Grundausstattung kostet der Mercedes-Camper rund 67.000 Euro, das Testfahrzeug lag bei etwa 82.000 Euro. Dafür verliert er nicht so sehr an Wert. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt ist der Marco Polo wie andere Edel-Camper beliebt. "Solche Fahrzeuge sind gebraucht sehr hochpreisig", sagt ADAC Camping-Experte Zöllner, "auch weil sie eine große Fangemeinde haben."

Mehr Infos für Camper finden Sie auf Pincamp*, dem Campingportal des ADAC.

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