Hymer Grand Canyon S: So schneidet der Camper im ADAC Test ab

Der Hymer Grand Canyon S im ADAC Camper Test
Beim ADAC Ausweichtest hebt ein Hinterrad leicht ab, aber der Hymer ist absolut sicher ∙ © UweRattay

Der Hymer Grand Canyon S zeigt viele Stärken und kaum Schwächen. Aber die Tester wünschen sich für den Campervan eine bessere Serienausstattung. ADAC Testergebnis, Fotos, technische Daten, Preise.

  • Basis ist der Mercedes Sprinter, Preis ab 61.000 Euro

  • Mechanisches Aufstelldach kostet 4000 Euro extra

  • Bad mit guten Lösungen auf wenig Raum

Der ADAC testet regelmäßig Camper aus der Bus- und Kastenwagenklasse – immer nach identischen Kriterien, damit alle Kandidaten miteinander vergleichbar sind. Aktuell auf dem ADAC Prüfstand war der Hymer Grand Canyon S, ein Campervan auf Basis des Mercedes Sprinter. Vor dem Wohnmobil des traditionsreichen Herstellers aus Bad Waldsee wurden der VW 6.1 California Ocean, der Mercedes Marco Polo 300d und der VW Grand California 600 getestet.

Bewährter Grundriss im Hymer Grand Canyon S

Zwei Piloten-Drehsitze vorn, links dahinter eine Zweier-Sitzbank, ein kleines Bad, gegenüber die Küche und im Heck ein Querbett mit Schränken darunter: Hymer setzt bei seinem Grand Canyon S auf einen Grundriss, der sich in der Klasse der sechs Meter langen Campervans durchgesetzt hat. Schwäche: Das Auto ist nicht breit genug für ein Querbett.

Also haben die Experten von Hymer das Auto links und rechts am Heck verbreitert. "Diese Ausbuchtungen machen den Grand Canyon nicht schöner, sind aber notwendig", sagt ADAC Projektleiter Christoph Pauly, der für den technischen Teil des Tests verantwortlich war. Die Ausbuchtung links ist dabei etwas größer als rechts. Als störend empfanden die Tester, dass sie beim Blick in den linken Außenspiegel stark zu sehen ist und den Blick nach hinten einschränkt.

Bedingt alltagstauglich und zu wenig Zuladung

Mit knapp sechs Metern Länge, 2,43 Metern Breite und 2,74 Metern Höhe ist der Hymer Grand Canyon S kein kleines Auto. Auch der Wendekreis von gut 14 Metern ist im Alltag in der Stadt eine Herausforderung. "Vor allem die Breite ist im Innenstadtverkehr schwierig", sagt Testleiter Pauly. Für ihn ist diese etwas eingeschränkte Alltagstauglichkeit aber der Preis für Campingkomfort. "Wenn ich ein Bad und mehr Platz für Wohnen und Schlafen haben möchte, muss ich das in Kauf nehmen", so Pauly, "sonst muss ich mir ein kleineres Fahrzeug zulegen."

Wie viele Camper hat auch der Hymer Grand Canyon S ein Gewichtsproblem, wenn man mit ihm auf Reisen geht. Vollgetankt durfte der Testwagen gerade einmal 400 Kilo zuladen. "Das ist für den Alltag ausreichend", sagt Martin Zöllner, ADAC Campingexperte und Mitglied des Testteams, "aber für eine Reise ist das wenig."

Der ADAC geht bei einer vierköpfigen Familie von zwei Erwachsenen (je 75 kg), zwei Kindern (je 50 kg), pro Kopf 25 Kilo Gepäck und 200 Kilo Grundausstattung wie z.B. Geschirr, Fahrräder oder Sportgeräte aus. Damit wäre der Hymer bei 3650 Kilo. Das bedeutet laut Zöllner ein "Übergewicht, das bei einer Kontrolle teuer und bei einem Ausweich- oder Bremsmanöver gefährlich werden kann".

Wer Wert auf mehr Zuladung legt und den entsprechenden Führerschein hat, kann den Grand Canyon auch mit 3,88 oder 4,1 Tonnen erlaubter Gesamtmasse ordern.


Guter Motor, Schwächen bei der Kindersicherung

Die Motor-Getriebe-Kombination sowie die Lenkung gefallen den Testern. Beim Ausweichtest hebt das rechte Hinterrad zwar leicht ab, "aber das Auto ist absolut sicher", sagt Projektleiter Pauly. Gut sind die höhenverstell- und drehbaren Sitze, aber bei der Klimaanlage ist Verbesserungspotenzial. "Bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse wäre eine 2-Zonen-Klimaautomatik wünschenswert", so Pauly. Serienmäßig hat der Hymer Grand Canyon S eine halbautomatische Klimaanlage.

In puncto Sicherheit bietet der Campervan viel. Allerdings sind nur ESP, Tempomat und Seitenwindassistent serienmäßig. Nützliche Helfer wie Notbremssystem, Spurhalteassistent, Totwinkelüberwachung, Müdigkeitsüberwachung und andere Assistenzsysteme gibt es nur gegen Aufpreis. "Insgesamt ist das Angebot bei der Ausstattung vorbildlich", urteilt Pauly, "doch zumindest einen Teil davon könnte Hymer serienmäßig anbieten."

Nicht vorbildlich präsentiert sich der Hymer Grand Canyon dagegen bei der Kindersicherheit. Gut ist, dass auf einem der beiden Rücksitze Isofix optional verfügbar ist. Aber ein klarer Schwachpunkt ist, dass sich der Beifahrerairbag nicht abschalten lässt. Das heißt, dass hier gegen die Fahrtrichtung ausgerichtete Sitze für kleinere Kinder nicht verbaut werden können. Und auf der Rückbank lassen sich zwar zwei Sitze einigermaßen anbringen, aber am Fensterplatz stört der zusammengeklappte Tisch.

Schlafen im Heckbett und unter dem Hubdach

Im Heckbett überzeugt die Tester eine dreiteilige, zwölf Zentimeter starke Kaltschaummatratze, die auch dank der Tellerfedern komfortabel ist. Aber: Die Liegefläche ist trotz der Heckverbreiterungen mit 191 Zentimetern Länge deutlich zu kurz. Außerdem fehlen Leseleuchten, USB-Buchsen und Ablagen.

Wer weitere Schlafplätze möchte, bestellt den Hymer Grand Canyon S mit Hubdach. Das kostet 4000 Euro extra. Das mechanische Dach ist sicher zu bedienen, erfordert beim Schließen allerdings starke Camper. "Das ist ein Kraftakt", berichtet Testleiter Pauly. Ansonsten lässt sich viel Positives festhalten: guter Liegekomfort auf 120 Zentimetern Breite und 202 Zentimetern Länge, Moskitonetze, Fenster auch nach vorn und ein müheloser Aufstieg über eine Leiter. "Schade, dass der Zeltstoff dünn und damit lichtdurchlässig ist", sagt Pauly. Schlecht für Langschläfer.

Clevere Lösungen auf wenig Raum im Bad

Der Hymer Grand Canyon S im ADAC Camper Test
Gute Lösungen auf wenig Raum: Bad und WC im Hymer Grand Canyon S ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Im Bad punktet der Hymer Grand Canyon S. "Klein, aber gut gemacht", lobt Christoph Pauly, "vor allem die Banktoilette ist in dieser Fahrzeugklasse ein echter Komfortgewinn." Gut gefallen haben dem Testteam auch das hochklappbare Waschbecken und der Duschkopf, der sich innen und außen nutzen lässt: einfach durch das Fenster führen und außen mit einer Saugnapfbefestigung anbringen.

Der ausführliche Testbericht für den Hymer Grand Canyon S
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Der Hymer Grand Canyon S zeigt kaum Schwächen

Viele Stärken, kaum Schwächen – das Fazit des Testteams fällt unter dem Strich positiv aus. "Insgesamt ist der Hymer Grand Canyon S kein günstiger Campervan, aber hat uns im Test fast durchgehend überzeugt", sagt ADAC Projektleiter Pauly. Er lobt die gute Verarbeitung und den soliden Innenausbau. "Da merkt man, dass Hymer hier viel Erfahrung hat." Verbessern ließen sich aber Details wie der Klapptisch in der Dinette, der sich im Test als wenig stabil erwies.

Verbesserungspotenzial sieht Pauly auch bei der serienmäßigen Ausstattung. Vor allem bei einem Fahrzeug, das immerhin 61.000 Euro kostet. Nicht nur viele Assistenzsysteme sind nur gegen Aufpreis erhältlich. Im Canyon S sind zwar vier Lautsprecher verbaut, "aber sonst ist nichts serienmäßig drin", so Pauly, "nicht mal ein Radio." Auch das kostet extra.

Christof Henn
Redakteur
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