Tesla Model 3: Wie gut ist das Elektroauto wirklich?

21.5.2019

Das Model 3 von Tesla ist das zur Zeit am meisten Aufsehen erregende und zugleich umstrittenste Elektroauto. Der ADAC hat es getestet. Daten, Messwerte und alle Details der Technik.

Tesla Model 3 beim Bremstest
Tesla Model 3 beim ADAC Ausweichtest
  • Im Test: Tesla Model 3 AWD Long Range 
  • Eckdaten: 340 kW Leistung, 75-kWh-Akku, Preis ab 56.800 € 
  • Unklarheiten bei Produktion und Auslieferung
     

 

Das Model 3 von Tesla ist aufgrund seines technischen Konzepts absolut faszinierend, auf der anderen Seite sorgt die Elektrolimousine aus den USA auch immer wieder für negative Schlagzeilen. So gab es lange Zeit viele Fragezeichen, welche Modellversionen zu welchem Zeitpunkt und zu welchem Preis in Deutschland angeboten werden würden. Inzwischen hat sich der Nebel etwas gelichtet, seit Februar 2019 werden Exemplare des Model 3 in hoher Schlagzahl ausgeliefert. Allerdings nicht die erhoffte Massenversion mit nur einer angetriebenen Achse und reduziertem Akku, die bei ihrer Präsentation für einen sensationellen Grundpreis von 35.000 US-Dollar in Aussicht gestellt worden war.

Im aktuellen ADAC Test tritt die Version Tesla Model 3 AWD Long Range an. Die Testversion hat einen Elektromotor an der Vorder-, einen an der Hinterachse, also Allradantrieb. Die Systemleistung beträgt enorme 340 kW (462 PS). Die Reichweite mit dem 75 kWh fassenden Akku beträgt nach Angaben von Tesla bis zu 560 Kilometer. Der Grundpreis dieser Version liegt bei 56.800 € (abzüglich 2000 € Elektroförderung vom Staat). Das Testauto kommt inklusive der Extras auf einen Preis von 67.230 €.

Realistische 425 km Reichweite 

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Tesla Model 3 auf dem Prüfstand
Auf dem Rollenprüfstand: Wie effizient geht das Model 3 mit der Energie um?

Mit diesen technischen Eckdaten weiß das Model 3 die Tesla-Fangemeinde zu begeistern. Und nicht nur die. Überall in der Welt posten Menschen ihre Selfies, Erlebnisse und Erfahrungen. Im Internet wimmelt es von Filmchen mit Auslieferungsaktionen, Beschleunigungsduellen und vermeintlichen Szenen autonomen Fahrens mit dem Model 3. Selbst Ex-Formel 1-Weltmeister Nico Rosberg mischt hier mit – und lässt sich am Steuer eines Rennsport-Porsche vom Model 3 abhängen, wie er selbst freudestrahlend zugibt.

Angesichts dieser Begeisterung drängt sich jedoch auch gleich eine Grundsatzfrage auf: Sind eine so leistungsstarke, sportliche Limousine wie das Model 3 und ein ökologisches Bewusstsein überhaupt unter einen Hut zu bringen? 

Der erste Blick fällt deshalb auf die Umweltbewertung, bei der der ADAC äußerst strenge Maßstäbe anlegt: Beim ADAC Ecotest werden nämlich auch die Emissionen einbezogen, die bei der Stromproduktion am Kraftwerk entstehen. Und beim Verbrauch rechnet der ADAC den Energieverlust mit ein, der beim Aufladen zwangsläufig anfällt. Dadurch ist das Elektroauto kein Null-Emissions-Auto mehr, wie es die Behörden sehen. Und lässt sich fair vergleichen mit Autos, die ein Verbrennungsmotor egal welcher Art (Diesel, Benzin, Gas oder Hybrid) antreibt. 

Das Ergebnis der Messungen: Bei einer gemäßigten Fahrweise sind mit der "Long Range"-Version 425 Kilometer Reichweite realistisch. Der Energieverbrauch von 20,9 kWh pro 100 Kilometer (inklusive Ladeverluste) geht angesichts der Größe des Fahrzeugs und seiner Leistungsfähigkeit mehr als in Ordnung. Die Energieeffizienz des Tesla wird folglich mit guten 45 von 60 möglichen Punkten bewertet. In Teil B der Umweltbewertung – der Schadstoff-Analyse – bekommt der Tesla 35 von 50 möglichen Punkten. Die insgesamt erreichten 80 Punkte ergeben 4 Sterne im ADAC Ecotest. Zum Vergleich: Die Bestmarke im ADAC Ecotest setzt bisher der Hyundai Ioniq Elektro, mit einem Verbrauch von 14,7 kWh/100 km. Dafür gibt's 105 von 110 möglichen Punkten und die vollen 5 Sterne. 

Der Antrieb des Model 3 setzt neue Maßstäbe

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Tesla Model 3 bremst
Bremsentest: Wer schnell ist, muss auch gut verzögern

Mit seinen 340 kW (462 PS) beschleunigt das Model 3 pfeilschnell und leise wie kaum ein anderes Auto. Vor allem der Zwischenspurt beeindruckt: Will man auf der Landstraße einen Lkw überholen, genügt ein kleiner Tritt aufs Pedal, und der Tesla ist vorbei. Mit der Note 0,8 im Testkapitel "Antrieb" setzt das Model 3 tatsächlich neue Maßstäbe. "Fahrleistungen, Laufkultur und Kraftentfaltung sind herausragend", sind sich die ADAC Ingenieure vollkommen einig.

Höchsten Ansprüchen genügt auch das Fahrverhalten des Model 3. Ein Elektromotor vorn, einer
an der Hinterachse machen ihn zum Allradler. Je nachdem, wo gerade mehr davon gebraucht wird, können die Elektromotoren die Kraft nach vorn oder hinten verteilen. Den Ausweichtest meistert der Wagen leicht untersteuernd, also über die Vorderachse schiebend. Die Federung ist sportlich-straff. Kleine Defizite beim Federungskomfort verzeiht man gern.

Die Lenkung überzeugt mit einem harmonischen Lenkgefühl, guter Präzision und klarer Zentrierung. Antriebseinflüsse sind trotz des enormen Drehmoments kein Thema. Auch beim Bremsen leistet sich das Model 3 keine Schwäche. 34,1 Meter Bremsweg reichen aus, um von 100 km/h bis zum Stillstand zu verzögern.

Das Urteil über die Bedienung fällt zwiespältig aus

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Tesla Model 3 Cockpit
Revolutionäres Cockpit: Keine Knöpfe, großer 15-Zoll-Monitor

Bei Langstreckenfahrten ist Tesla der Elektro-Konkurrenz ebenfalls einen Schritt voraus. Denn navigationsgeführte Routen werden automatisch mit Stopps und benötigter Ladezeit an den Tesla-eigenen Superchargern berechnet. Wenn mal kein Supercharger auf der Route erreichbar sein sollte, ist es möglich, mit dem Model auch an jeder CCS-Ladesäule anderer Betreiber anzudocken. 

Zwiespältig fällt das Urteil über die Bedienung aus, die man getrost als "revolutionär" bezeichnen kann. Bis auf die Fensterheber in den Türen, die zwei Bedienhebel hinterm und die zwei Drehwalzen im Lenkrad gibt es keine haptischen Bedienelemente mehr. Alles, was es in diesem Auto noch zu bedienen gibt, macht man über den 38 cm großen Touchscreen, der größer ist als die meisten Tablet-Computer und zugleich als Fenster in eine umfassende Infotainment-Welt fungiert.

Für den schnellen Zugriff auf Funktionen wie die Einstellung der Innentemperatur, die Lautstärke oder die Heckscheibenheizung gibt es eigene Buttons am unteren Rand des Touchdisplays. Die Strömung der Belüftung kann per Fingerwisch in jede gewünschte Richtung gelenkt werden. Wow-Effekte dieser Art finden sich einige im Model 3. "Digital Natives" kommen schnell zurecht mit der Menüstruktur. Der Rest der Welt muss sich an die Finessen und Kunstgriffe erst einmal gewöhnen. 

Wenn man jedoch für die Einstellung der Scheibenwischer oder der Außenspiegel ein Untermenü am Bildschirm aufsuchen muss, ist das keine Frage der Gewöhnung, sondern umständlich. Während der Fahrt lenkt es den Fahrer zudem vollkommen unnötig ab.  

Tesla Model 3 im Detail

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"Autopilot" ist unverantwortlich 

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Tesla Model 3 Touchscreen
Tolle Navigation, aber ein allzu verführerischer Autopilot

Die Assistenzsysteme sollten für Tesla eigentlich eine Paradedisziplin sein. Ein Radarsensor in der Frontstoßstange und acht Kameras sollen den umliegenden Verkehr erfassen und neben der Notbremsfunktion auch teilautonomes Fahren ermöglichen, bei Tesla Autopilot genannt. Der Autopilot mit Basisfunktionen (ACC, Spurhaltung) ist Serie, mit erweiterten Umfängen kostet er Aufpreis und ist bisher nur als Beta-Version verfügbar, also noch in der Entwicklungsphase.

Dann hält das Model 3 die Spur und den Abstand zu vorausfahrenden Autos und kann auch die Spur selbsttätig wechseln, wenn man den Blinker betätigt und das Auto meint, dass auf der Nachbarspur genug Platz ist. Hat man den "Autopiloten" auf eine höhere Geschwindigkeit gestellt als man aufgrund des Verkehrs auf der eigenen Spur gerade fahren kann, macht der Stromer Vorschläge zum Spurwechsel. Die aktuelle Geschwindigkeitsbegrenzung bezieht das Model 3 momentan nur aus dem Kartenmaterial, eine Erkennung über die Kameras ist noch nicht verfügbar.

Die Qualität der Regelungen im Test ließ teilweise sehr zu wünschen übrig. Dass das System keine Verkehrszeichen erkennt und auch Hindernisse übersieht, zeigt die Unausgereiftheit der Technik. Und dass der Wagen zudem den Autopilot-Modus in der Stadt zulässt, obwohl der laut Handbuch seine Aufgaben nur auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen beherrscht, ist unverantwortlich.

Unverantwortlich, weil das Model 3 arglose Kunden dazu verführt, sich anderen Tätigkeiten zuzuwenden und nicht mehr richtig auf das Verkehrsgeschehen zu achten. Was dadurch passieren kann, hat sich unlängst bei einem Unfall in USA gezeigt: Hier fuhr ein Model 3 mit hoher Geschwindigkeit unkontrolliert unter einen Sattelschlepper. Der Fahrer war sofort tot. Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde hält es für erwiesen, dass der Fahrer sich auf den Autopiloten verlassen hat.

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Silberner Mercedes EQC stehend von der Seite

Ordentliche Platzverhältnisse, miserable Verarbeitung

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Tesla Model 3
Hübsch anzuschauen, aber schwankende Spaltmaße 

Die Platzverhältnisse sind für ein Auto der Mittelklasse nicht besonders positiv hervorzuheben, gehen aber in Ordnung. Vorn sitzen Menschen bis zu einer Körpergröße von 2,0 Metern bequem. Hinten kommen Personen bis 1,85 Meter komfortabel unter. Der Kofferraum fasst nach ADAC-Messmethode 385 Liter oder sechs Getränkekisten. Legt man die Rücksitzlehnen um und belädt bis zu den Vordersitzen und bis zur Fensterunterkante, passen 720 Liter hinein. 

Praktisch: Unter dem Kofferraumboden gibt es ein Fach mit etwa 58 Liter Volumen, beispielsweise für Ladekabel oder selten benötigtes Gepäck. Unter der vorderen Haube stehen weitere 56 Liter Volumen zur Verfügung.

Als teils miserabel präsentiert sich die Verarbeitung des Model 3, besonders bei der Karosserie: Stark schwankende Spaltmaße, lieblose Kantenversiegelungen mit abplatzendem Lack und wellige Türgummis würden einem Audi oder BMW bestimmt nicht verziehen.

Daten, Messwerte, Test-Ergebnis im Überblick

Technische Daten (Herstellerangaben)Tesla Model 3 AWD Long Range 
Motor/Antrieb2 Elektromotoren, 340 kW/462 PS, Allradantrieb, Lithium-Ionen-Akku mit 75 kWh Kapazität
Fahrleistungen
4,7 s auf 100 km/h, 233 km/h Spitze
Verbrauch  16,0 kWh/100 km, 0 g CO2/km
Reichweite560 km 
Maße  L 4,69 / B 1,85 / H 1,44 m
Kofferraum 425 l 
Leergewicht / Zuladung1847 kg / 418 kg
Preisab 56.800 €

ADAC Messwerte (Auszug) Tesla Model 3 AWD Long Range
Überholvorgang 60-100 km/h 2,2 s 
Bremsweg aus 100 km/h 34,1 m 
Wendekreis 12,1 m
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 20,9 kWh/100 km, 114 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) 4 Sterne 
Reichweite 425 km
Innengeräusch bei 130 km/h    68,9 dB (A)
Leergewicht / Zuladung 1846 / 459 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch  385 / 720 / - l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,2
Karosserie/Kofferraum 3,1
Innenraum 2,3
Komfort 2,6
Motor/Antrieb 0,8
Fahreigenschaften 2,0
Sicherheit  2,3
Umwelt/Ecotest 2,0

 

  • Das hat uns gefallen: Herausragende Kraftentfaltung. Große Reichweite. Sicheres Fahrverhalten. Präzise Lenkung. Kräftige Bremsen. 
  • Das hat uns nicht gefallen: Teils miserable Verarbeitung. Inakzeptabler Autopilot. Laute Windgeräusche. 

Hier können Sie den ausführlichen Testbericht des Tesla Model 3 als PDF herunterladen.

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Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: Uwe Rattay (3), PR (5), ADAC/Wolfgang Rudschies (2).

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